Hunde und Menschen – eine Liebe mit Hindernissen – Teil 1



Nach einigen Jahren Pause hat mir eine Lebensartumstellung ermöglicht, wieder einen Hund zu halten.

Eigentlich war es die Idee meiner Frau und zunächst wollten wir uns und den Hunden im Tierheim um die Ecke „nur“ etwas Gutes tun und regelmäßig mit ihnen Gassigehen.

Aber wir haben uns beide schon beim ersten Besuch von jetzt auf gleich in unseren Schika verliebt. Ich möchte in dieser Serie darüber berichten, wie sich das Leben mit Hund gestaltet, warum es für jeden und gleichzeitig eben nicht für jeden eine positive Veränderung und Bereicherung darstellt und worauf man meiner Meinung nach achten sollte und welche Fehler wir tagtäglich beobachten – und teils auch selbst machen.

Heute geht es um die Frage: Tierheim oder Züchter – woher kommt das neue Familienmitgliled?

Beide Quellen haben ihre Vor- und Nachteile. Es kommt auch stark darauf an, welche Erfahrung die zukünftigen Herrchen und Frauchen mit Hunden haben und wie die Vorstellungen zum zukünftigen Vierbeiner aussehen.

Hat man konkrete Vorstellungen davon, welche Rasse man haben möchte, welches Temperament einem zusagt und findet einen entsprechenden seriösen (!) Züchter, ist dieser eine durchaus gute Wahl.

Hier kann man sich gut ein Bild davon machen, wie der Hund agiert und reagiert, wie er sich Fremden gegenüber verhält (und natürlich auch seinen Geschwistern und Eltern). Jeder Hund ist anders und einzigartig. Sicher gibt die jeweilige Rasse einige Charakteristiken vor, aber die Bandbreite ist teilweise riesig.

Man sollte sich Zeit nehmen und nach Möglichkeit den kompletten Wurf mehrmals besuchen und begutachten. Wenn man eher gemütlich Spazieren gehen möchte, tut man einem Hund mit starkem Bewegungsdrang keinen Gefallen – und sich selbst auch nicht.

Traut man sich die Einschätzung nicht zu, bietet es sich an, Freunde oder Verwandte mitzunehmen, die schon etwas mehr Erfahrung haben. Ein guter Züchter hilft natürlich auch weiter und berät entsprechend objektiv. 

Auch hat man hier die Möglichkeit, die ganze Familie mit einzubeziehen, sollte sich aber nicht nur von Emotionen leiten lassen.

Hunde vom seriösen Züchter sind wie ein unbeschriebenes Blatt, das man selbst mit Inhalt füllt. Es nimmt einem niemand ab und man muss von Anfang an konsequent erziehen, wenn man einen fröhlichen und entspannten Hund in der Familie haben möchte.

Die Kosten richten sich hier klassisch nach Angebot und Nachfrage, aber einige hundert Euro sollte man einplanen. Mein erster Hund vom Züchter hat z.B. 500€ gekostet. Dazu kam dann noch die Erstausstattung für ca. 300€.

Züchter eignen sich also für Leute, die spezielle Vorstellungen von ihrem Wunschhund haben. Erfahrung sollte vorhanden sein, diese kann man sich aber auch mit der Zeit aneignen – Hundeschule (Welpenkurs) ist Pflicht!

Hier könnt ihr nach seriösen Züchtern suchen.

Ein Hund aus dem Tierheim oder vom Tierschutz ist eine andere Herausforderung.

In aller Regel kennt man die genaue Vorgeschichte des Hundes nicht. Man weiß nicht ímmer, ob er misshandelt wurde, wie die Erziehung gelaufen ist – falls überhaupt – und wie sein Sozialverhalten ist.

Das Tierheimpersonal ist stets bemüht, sich ein Bild von den Hunden zu machen, die zu ihnen gebracht oder aufgefunden werden, aber auch sie können nicht immer wissen, was da für ein Vierbeiner vor einem steht.

Dazu kommen oft noch bestimmte Vorgaben, die man erfüllen muss, wenn man einen Hund aus dem Tierheim mit nach Hause nehmen möchte. Dies erscheint zunächst recht umständlich, bei näherer Betrachtung ist das aber durchaus sinnvoll. Schließlich soll ein Hund dauerhaft vermittelt werden und nicht nach ein paar Wochen wieder im Heim landen.

In aller Regel geht man mit dem ausgesuchten Hund einige Male spazieren und wenn die Harmonie gegeben ist, kann man den Hund auch mal mit nach Hause nehmen. Wenn auch das klappt und man ihn oder sie immer noch haben möchte, bekommt man Besuch von einem Tierschutzmitglied, das sich die Wohnverhältnisse anschaut und beurteilt, wie der Hund sich zuhause verhält, leben wird und wie man mit ihm umgeht.

Wenn dieser „Prüfer“ dann sein OK gibt, hat man es geschafft: man darf den Hund behalten, nachdem man ihn beim Tierheim ausgelöst hat. Diese Schutzgebühr erheben fast alle Tierheime, die Höhe schwankt allerdings recht stark. Unser Schika hat 200€ „gekostet“, worin allerdings auch die nächste Impfung mit enthalten war.

Die Kosten sind also üblicherweise geringer als beim Züchter, die Erstausstattung ist jedoch auch hier noch mit zu berücksichtigen.

Hunde vom Tierheim empfehle ich jedem, der wirklich etwas Gutes tun möchte und zudem Erfahrung mit Hunden hat. Da man die Vorgeschichte des Vierbeiners nicht kennt, ist es noch wichtiger, auf die Fellnase einzugehen und zu erkennen, warum er wie worauf reagiert, was er braucht, wovor er Angst hat oder wo sein Potenzial liegt. Verständnis ist sehr wichtig und ebenso Konsequenz bei der Erziehung. Ein Hund – gerade einer aus dem Tierschutz – braucht Sicherheit. Und die müsst ihr ihm geben!

Hier findet ihr einige Tipps für den Einzug eines Tierheimhundes.

Für beide Varianten gilt: 
Ein Hund ist kein Spielzeug! Hunde sollten als Familienmitglieder gesehen werden, die genausoviel Aufmerksamkeit und „Aufwand“ bedeuten, wie ein anderer Mensch auch.

Ein Hund bedeutet Arbeit. Viel Arbeit. Und das über Jahre, jeden Tag.

Ich vergleiche einen Hund gerne mit einem Kleinkind von ca. 2 Jahren, was die Verantwortung und das Verhalten angeht. Man ist eingeschränkt im Alltag und im Urlaub, muss sich um die Fellnase kümmern, den Hund beschäftigen, füttern, frisieren, erziehen.

Im Gegensatz zum Kleinkind, bleibt ein Hund aber auf diesem Level. Ein Kind wird irgendwann größer, älter, eigenständiger.

Diese Unterschiede und Gemeinsamkeiten müssen einem bewusst sein, bevor man sich einen Hund anschafft.

Nicht jedes Hotel heißt Hunde willkommen. Flugreisen sollte man vermeiden, wenn man seinen vierbeinigen Freund nicht mit in die Kabine nehmen kann. Inselziele haben nochmal strengere Vorschriften und auch im Zug oder auf dem Schiff muss man sich entsprechend informieren und sicherstellen, dass der Hund auch mit dieser Umgebung klarkommt.

Hierzu schreibe ich noch ausführlicher im letzten Teil.

Unseren Schika haben wir aus dem Tierheim in Troisdorf. Allein an seinem Namen kann man einiges über die Vorgeschichte erahnen, denn er ist ein „Er“, obwohl der Tierarzt der Vorbesitzer „weiblich“ eingetragen hatte. Wir haben uns dazu entschlossen, den Namen so zu lassen. Er war knapp über 1 Jahr alt, als wir ihn adoptiert hatten und ihn nochmal umgewöhnen, nur weil uns der Name nicht so zusagt, empfanden wir als nicht richtig. Was genau sonst mit ihm geschehen ist oder warum genau er im Tierheim gelandet ist, ließ sich nicht in Erfahrung bringen, aber nach mittlerweile knapp 6 Monaten ist uns das auch egal. Die anfänglichen Schwierigkeiten haben wir ganz gut gemeistert, er hat seine Ängstlichkeit überwunden und sein freundliches Wesen steckt uns immer wieder auf’s Neue an.

Eins noch zum Schluss:
Finger weg von ebay Kleinanzeigen oder sonstigen Portalen und Plattformen, die Welpen verkaufen wollen! Ich kann es nicht oft genug sagen: Das sind Verkäufer, denen in den seltensten Fällen das Wohl der Tiere am Herzen liegt! Hunde sollten nie als Geschenk oder auf Drängen von Partner oder Kindern gekauft werden. Ideal ist es, wenn sich mindestens ein Familienmitglied permanent um den Hund kümmern kann und er nicht stundenlang alleine zuhause versauern muss oder gar im Zwinger gehalten wird. 

Sich einen Hund zu halten, nur damit man einen hat, ist definitiv die falsche Motivation! Wenn ihr keine oder zuwenig Zeit oder zuwenig Platz für einen eigenen Hund habt, wendet euch an ein Tierheim in eurer Nähe und geht mit den Heimhunden Gassi. Das hilft ihnen und euch mehr.


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