Hunde und Menschen – eine Liebe mit Hindernissen – Teil 3



Hallo und schön, dass du auch diesen Teil meiner kleinen Serie mitliest!


Heute geht es um das Lernen an sich. Welche Methoden sind die besten? Was sollte man vermeiden und was ist überhaupt sinnvoll?

Beim Thema „Lernen“ scheiden sich die Geister. Ähnlich wie bei der Kindererziehung oder verschiedenen Schulkonzepten setzen einige auf Strenge und Strafen, andere auf freie Persönlichkeitsentfaltung und wieder andere auf Belohnung und Lob als Motivation. 

Alle Methoden haben Vor- und Nachteile und funktionieren auf ihre Art. Man kommt mit jedem Lernstil irgendwann und irgendwie ans Ziel. 

Allerdings gibt es gewaltige Unterschiede, wenn man unter die Oberfläche blickt und sich bewusst macht, was beim Lernen mit dem geliebten Vierbeiner passiert. 

Strafe und Strenge
Prinzipiell ist gegen Strenge nichts einzuwenden, wenn man sie als Konsequenz versteht und nicht mit Gewalt in irgendeiner Form in Verbindung steht. 

Strafen sind ein Lernmittel, das unglaublich effektiv sein kann, aber nur in extremen Situationen verwendet werden darf. Dabei ist das Timing sehr wichtig und es darf keine Gewalt angewendet werden! Wenn es soweit kommt, ist meist schon vieles vorher falsch gemacht worden. 

Bestrafungen wie Ignorieren, Schlagen, Treten, Würgen, Nahrungsentzug, Weg- oder Einsperren, Alleinlassen oder Anschreien wirken sehr stark, aber sie zerstören sehr schnell das Vertrauen des Hundes zum Besitzer. Er wird hören, aber nur aus Angst. Wer so erzieht, sollte meiner Meinung nach keinen Hund halten dürfen!

Beispiel: Das Kommando „Hier“

Es gibt Menschen und leider sogar auch Hundeschulen, die dieses Kommando mit Würgehalsbändern trainieren. Das Kommando wird gegeben, der Hund rührt sich nicht oder reagiert nicht wie gewünscht, also wird an der Leine gezogen. Die Schlinge um den Hals des Hundes zieht sich zu – er wird gewürgt – und dieser hat keine andere Wahl, als dem Druck nachzugeben und zum Halter zu kommen. Er hört also. 

Aber er hört nicht, weil er will oder gerne zu Frauchen und Herrchen kommt, sondern weil er Angst vor den Schmerzen hat. Ich denke es leuchtet ein, dass sowas kein Vertrauen schafft. Gleiches gilt für die abartige Praktik, einen Hund stubenrein zu bekommen, indem man ihn in sein in der Wohnung verrichtetes Geschäft drückt. Krank. 

Man sieht auch immer wieder Leute, die ihre Hunde anbrüllen oder mit der Leine schlagen, wenn sie nicht hören. Dass das genau das Gegenteil bewirkt, scheint ihnen nicht klar zu sein. Mit tun alle Hunde leid, die so leben müssen. 

Also: Vermeidet Gewalt oder Strafen wo immer das möglich ist. Es bringt auf Dauer nichts und ihr erhaltet einen Hund, der sehr wahrscheinlich aggressiv und ängstlich wird und dann vermutlich irgendwann im Tierheim landet, weil er nicht gesellschaftsfähig ist. Und daran seid IHR Schuld. 

Freie Persönlichkeitsentfaltung 
Der Hund soll Hund sein dürfen. Regeln sind von Menschen gemacht und stören den Hund in seinem Wesen. Sowas hört man meist von Katzenbesitzern, die der Meinung sind, man könne oder solle seine Samtpfote nicht erziehen und immer propagieren, dass Katzen eben Charakter haben und „das eben so ist“. 

Schlimm genug, wenn Katzen so behandelt werden, aber bei Hunden bedeutet das eine permanente Bestrafung. Hunde haben eine eigene Persönlichkeit, eigene Bedürfnisse, Stärken und Schwächen. Und sie sind sehr soziale Wesen, die Sicherheit brauchen. 

Diese Sicherheit gibt man ihnen, indem man Regeln aufstellt und konsequent einhält. Nur so kann sich ein Hund entspannen und seine Persönlichkeit frei entfalten – und auch verlässlich lernen. 

Wenn man ihn „machen lässt“, lädt man ihm eine große Verantwortung auf. Er muss für sich sorgen und auf die Familie aufpassen, ohne zu wissen, wann er damit fertig ist. Er wird hören, aber nicht zuverlässig. Er wird die Wohnung als sein Eigentum ansehen und behandeln, denn er muss ja die Führung übernehmen, da Frauchen oder Herrchen dies nicht tun. 

Dann setzt schnell der Frust bei den Haltern ein, weil der Hund macht was er will und kaum hört. Beim Gassigehen zieht er an der Leine, beim Freilauf schert er sich nicht um seine Besitzer und anderen Hunden oder Fremden gegenüber ist er misstrauisch, ängstlich oder aggressiv. Es ist ja niemand da, der ihm eine Richtung vorgibt. 

Auch diese Tiere landen recht schnell in Tierheimen oder sind Dauergast in Hundeschulen. 

„Der ist eben so“ … ein Satz, der die ganze Unfähigkeit der Halter offenbart, genau wie „Der macht nix“, was meist von „Das hat der noch nie gemacht“ gefolgt wird. 

Menschen, die Hunde wie Katzen „ver“ziehen, haben weder eine Bindung zu ihrer Fellnase, noch deren Vertrauen oder auch nur Ahnung davon, was und wie ihr Hund eigentlich ist. 

Belohnung und Lob
Positive Verstärkung ist nachweislich die effektivste Methode, nachhaltig zu lernen und zu erziehen. Es braucht Geduld und vor allem Konsequenz, sorgt aber dafür, dass euer Hund euch vertraut, gerne bei euch ist und zu euch kommt und ein entspanntes Leben mit euch führen kann. 

Diese Methode hat sich mittlerweile fast überall durchgesetzt – zum Glück. Sie ist aber auch die Methode, die den Haltern am Meisten abverlangt. 

Es genügt nicht, den Vierbeiner zu bestrafen, wenn er was falsch macht oder ihn einfach sich selbst zu überlassen. Man muss aktiv mit ihm arbeiten. 

Macht er etwas richtig, wird er belohnt. Immer. Macht er etwas falsch, wird er nicht belohnt. Nie.

Abweichungen davon sorgen für Verwirrung und können auf Dauer dazu führen, dass euer Hund nicht mehr verlässlich auf euch hört. 

Das zeigt ganz deutlich, dass Hunde Arbeit bedeuten. In jeder Situation müsst ihr darauf achten, was euer Hund macht und warum er es tut. Belohnt ihn, wenn er etwas richtig macht, zeigt ihm Grenzen auf, wenn nicht (NIEMALS schlagen, würgen, an der Leine rucken, anschreien!) und lernt, eure Fellnase zu verstehen. 

Was muss ein Hund können?
Es genügen 2 Kommandos, die euer Hund verlässlich beherrschen muss:
„Hier“ und „Bleib“.

Mehr muss er nicht lernen, aber genau diese beiden verlangen nach Konsequenz beim Lernen. 

Mit „Hier“ ruft ihr euren vierbeinigen Begleiter verlässlich zu euch. So entschärft ihr bestimmte Situationen, behaltet ihn im Auge, könnt ihn beschützen oder führen und habt die Sicherheit, dass er nicht wegläuft und „sein Ding“ macht – und der Hund hat die Sicherheit, dass ihr für ihn da seid.

Mit „Bleib“ (man kann es auch in ein anderes Kommando integrieren, z.B. „Sitz“ oder „Platz“) sagt ihr dem Hund, dass er ruhig an Ort und Stelle warten soll, bis ihr das Signal gebt, dass er dort weggehen kann. So könnt ihr mit ihm auch in der Bahn fahren oder in ein Restaurant gehen, ohne dass es zu peinlichen oder gefährlichen Zwischenfällen kommt.

Alle anderen Kommandos sind optional. Pfötchen geben, im Kreis drehen, Totstellen etc. bieten Abwechslung für Hund und Halter, sind aber nicht so wichtig wie die beiden genannten. 

Hunde lernen gerne, egal welcher Rasse sie angehören. Achtet nur darauf, es nicht zu übertreiben. 10-15 Minuten pro Lerneinheit sind schon recht sportlich und durchaus anstrengend für die Fellnase. Mehr braucht es aber auch nicht, wenn ihr diese Lerneinheiten regelmäßig wiederholt und die Kommandos in euren Alltag mit Hund einbaut.


Zum Schluss:
Fragt euch, auf welche Art Chef oder Mutter/Vater ihr eher hören würdet oder gehört habt. Wem habt ihr warum mehr vertraut und bei wem habt ihr euch sicherer und verstanden gefühlt?

Es ist das gleiche Prinzip. 

Habt ihr durch positive Verstärkung nach einigen Wochen oder Monaten eine solide Vertrauensbasis geschaffen, habt ihr einen Hund, der euch respektiert, der gerne hört und bei euch ist – ein Leben lang. Es erfordert viel Arbeit, aber Hunde sind eben kein Spielzeug oder ein Mittel gegen Langeweile, das man bei Bedarf auspackt. Hunde sind eine Verpflichtung für ihr ganzes Leben, aber sie bereichern euer eigenes Leben ungemein. 

Im nächsten Teil schreibe ich über die Besonderheiten von kleinen Hunden. 

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