Veränderungen mag ich nicht!

Aspis (manche nennen sich auch „Aspies“, das kam mal in einem Buch so vor. Ich mag das „e“ am Ende nicht, weil es auch in der Einzahl verwendet wird, deswegen „Aspi“ und Aspis“) brauchen Routine, Sicherheit, Beständigkeit. Da bin ich keine Ausnahme.

Ein großer Teil des Stresses, den Aspis zum Beispiel im Arbeitsleben ausgesetzt sind, kommt daher, dass sie aus ihren gewohnten Abläufen herausgerissen werden oder gezwungen sind, Arbeiten so zu erledigen, wie es für andere sinnvoll erscheint, obwohl sie auf ihre Weise oft sogar effizienter wären.

Es ist nunmal so, dass der Arbeitgeber sagt, was getan werden muss und auch wie es zu erledigen ist. Dafür gibt es Prozesse, Ablaufpläne und so weiter. Die erste Hürde ist also schon, dass sich der Aspi an diese Struktur anpassen muss. In Ordnung, das muss jeder irgendwie, nur ist es für einen Aspi eben anstrengender. Doch das schafft man in aller Regel noch gut.

Schwierig wird es, wenn dann die erlernten Abläufe und Vorgaben aufgeweicht und abgeändert werden, die Kollegen am Prozess vorbei arbeiten, Regeln sehr frei auslegen und – aus Sicht des Aspis – machen was sie wollen.

Für einen Aspi ist es schlimm zu sehen, dass sich andere nicht an die Regeln halten, gerade weil er es bewusst und gerne macht, da er so Sicherheit gewinnt. Halten sich andere nicht an die Vorgaben, ist auch er gezwungen, umzudenken und seine Sicherheitszone zu verlassen. Ein riesiger Stressfaktor, der von den meisten Aspis überspielt wird, um nicht zu sehr aufzufallen.

Auch im Privatleben sind Veränderungen für mich und andere Aspis etwas, das gerne vermieden wird. Wir lieben unsere Rituale und werden nervös, gestresst oder ungehalten, wenn wir diesen nicht nachgehen können.

Morgens zur selben Zeit aufstehen, die erste Tasse Kaffee trinken, dann ins Bad, dann die Zeitung, dann Duschen und um 7:30 Uhr los zur Bahn. NTs (Neurotypische – also Menschen ohne „Auffälligkeiten“ wie ADS, Asperger, Depressionen, …) haben kein großes Problem damit, einen Punkt davon zu streichen, wenn sie zum Beispiel verschlafen. Aspis bekommen fast schon Panik, wenn ein Glied dieser Kette nicht funktioniert und leiden unter dem dort generierten Stress meist den ganzen Tag.

Aspis planen auch gerne und viel. Wenn sich ein Aspi mit jemandem um 16:00 Uhr verabredet, dann wird er pünktlich sein! Er taucht nicht erst um 16:05 Uhr auf. Das erwartet er auch von NTs, weil er nicht versteht, wie man einen Plan nicht als fix ansehen kann. Hier fehlt dem Aspi Flexibilität, doch im Grunde muss man anmerken, dass Pünktlichkeit und Verlässlichkeit – was ja die Ergebnisse dieses zwanghaften Planens sind – hoch geschätzte Werte sind … oder sein sollten.

Aber auch diese Rituale können zu einem Problem werden, wenn die Asperger-Ausprägung sehr stark ist. Dann kommt es schon zu Stressreaktionen, wenn das Besteck nicht in der richtigen Anzahl in der Schublade liegt oder der Partner „aufräumt“.

Man kann lernen, damit umzugehen – als Partner und als Aspi. Man muss sich aber bewusst sein, dass man dieses Verhalten nicht zum Verschinden bekommen wird. Ein Aspi kann nichts dafür und sollte nicht gezwungen werden, sich an Andere anzupassen. Das kann er nicht auf Dauer und auch nur unter sehr großen Anstrengungen, die mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen können.

Hier gilt ebenfalls: Achtet auf den Aspi und nehmt ihm den Stress. Er wird es euch vielfach danken!

3 Kommentare zu „Veränderungen mag ich nicht!

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