Wo sind die Story-Spiele hin?

Ich bin Einzelspieler.

Und das mit Leidenschaft.

Ich liebe es, in Spiele einzutauchen, mit den Figuren mitzufiebern, Rätsel zu lösen, die Geschichte zu entdecken und zu erleben – ohne nervige Zeitlimits oder Mitspieler.

Womit könnte das besser gehen als mit Adventures (und auch Rollenspielen)?

Ich spiele seit 1984 am Computer und später auch an Konsolen, angefangen mit der ersten Playstation. Nach dem C64 folgte der C128, dann der Amiga 500 und schließlich ein PC (486 DX2-66 mit sagenhaften 8 MB RAM und einer verschwenderisch großen 200 MB Festplatte, sowie einer Tseng ET4000 W32i 1MB VLB-Grafikkarte :-D). Als dann in den 1990ern Final Fantasy VII für die Playstation 1 erschienm, begann meine Konsolenkarriere. Auf die PS1 folgte die PS2, dann lag der Fokus wieder auf dem PC bis ich mir 2009 eine Xbox 360 zulegte. 

Ich mag Zahlen, Werte und Statistiken, deswegen sagt mir das Gamerscore-System wesentlich mehr zu als das Trophäen-System von Sony. Trotzdem musste ich mir natürlich auch die PS3 besorgen, allein scheon wegen den oft so gelobten Exclusives.

Die PS3 hat bei mir nicht lange gehalten. Nach etwas über einem Jahr habe ich sie wieder verkauft. 2013 folgte dann die Xbox One, die mittlerweile einer Xbox One X gewichen ist. Aber auch hier habe ich zwischendurch auch die PS4 besessen (und später auch die PS4 Pro), weil ich wiederum die Exclusives spielen wollte. Aber außer Uncharted und Horizon Zero Dawn (bis kurz vor Ende, wo es in eine Grind-Orgie ausartete), hat mich nichts gefesselt. Die Inszenierungen waren allesamt top, aber Tiefgang war kaum vorhanden bzw. rechtfertigte der vorhandene Tiefgang bei den wenigen sehr guten Titeln keine zusätzliche Konsole.

Die Xbox Series X wird von mir vorbestellt, sobald es möglich ist – egal welche Hardware besser ist oder wer die „supertollsten“ Spiele hat. Mir liegt das System und die ganze Umgebung der Xbox mittlerweile einfach mehr, zumal man massig Geld spart, wenn man mit Game Pass Ultimate unterwegs ist. So viel kann man gar nicht spielen 😉

Aber zurück zum eigentlichen Thema:

Anfangs gab es maximal Textadventures, die mich mit 6 noch nicht so ganz fesseln konnten. Als dann die Ära der Point & Click-Adventures begann, war ich restlos begeistert.

Maniac Mansion war einfach klasse, Zak McKracken muss ich keinem Adventure-Fan vorstellen und Monkey Island …. ich gerate ins Schwärmen 😉

Auch Rollenspiele fesselten mich als kleiner Kerl. Die Spiele rund um die Forgotten Realms hatten einen Zauber, den ich heute nur noch sehr selten entdecken kann – wenn überhaupt.

Pool of RadianceCurse of the Azure BondsSecret of the Silver BladesPools of Darkness – damit habe ich ganze Nächte zugebracht. Auch Bard’s Tale war dabei und natürlich Wizardry VI – Bane of the Cosmic Forge (was ein geiles Spiel!).

Muss ich Might and Magic erklären? Mir hat da der dritte Teil am Besten gefallen. Dieser Aha-Effekt, wenn man herausfindet, wie die Welt wirklich aufgebaut ist – und das noch vor der Pubertät 🙂

Es folgten Ausflüge in das Genre der Echtzeitstrategie und Ego-Shooter. Starcraft hat wohl jeder Zocker, der die 1990er miterlebt hat, schon gespielt. Warlords war auch super, Die SiedlerBattle IsleAnno 1602Dune 2 – einfach klasse!

Unreal Tournament war super als Ausgleich und für schnelle Action, genau wie Quake III Arena oder auch Counter Strike (1.6 ftw!), aber eben nicht mehr. Ja, ab und an mag ich schnelle, unkomplizierte Action, kann das aber nicht stundenlang am Stück aushalten.

Als ich dann durch Zufall von Final Fantasy VII hörte, kaufte ich mir extra für dieses Spiel die erste Playstation. Später dann folgte die PS2 für die späteren Teile. Aber das war auch ein Problem:

Es wurde weniger, damals schon. Große Spiele mit einer Story, die man über 50, 70, 100 und mehr Stunden miterlebt, kamen immer seltener oder liebloser auf den Markt.

Baldur’s Gate und das großartige Planescape: Torment sind hier lobenswerte Ausnahmen.

Schließlich wurden MMORPGs für mich interessant und ich habe lange Zeit Asheron’s Call 2World of WarcraftEverquest IIVanguard und Lord of the Rings Online gespielt.

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich wünsche mir die Spiele (nicht die Zeit oder die grausige Grafik) zurück, die einen fesseln, wo man den Controller oder die Maus nicht weglegen WILL.

Es gab Lichtblicke. Sehr sehr gute sogar.

Man kommt an Spielen wie Mass Effect oder Dragon Age nicht vorbei, wenn man auf der Suche nach sowas ist.

Mass Effect: Andromeda habe ich herbeigefiebert. Es kam genau zur Zeit meiner Hochzeitsreise nach Island raus und ich danke meiner Frau für ihr Verständnis in dieser Zeit 😉 Ich fand die Geschichte spannend und ich hasse es, wenn ein Spiel mittendrin aufhört und es wohl keinen Nachfolger geben wird. Die „Community“ hat gesprochen … 

Und obwohl ich mir 2009 eine Xbox 360 zugelegt hatte, kaufte ich mir ebenso eine PS3 um Spiele wie Heavy Rain spielen zu können. Gleiches kam dann mit der Xbox One und der PS4.

Aber ich wollte Uncharted spielen. Und Horizon Zero Dawn.

Fallout 3 auf der Xbox 360 fand ich auch Klasse und zu der Zeit fing ich ebenfalls mit Assassin’s Creed an.

Man merkt, dass der Fokus sich langsam gewandelt hat und bei mir mittlerweile auf Action-Adventures oder Action-RPGs liegt. Das liegt aber nicht nur daran, dass mir diese Genres besser gefallen, sondern daran, dass es nichts anderes mehr gibt.

Und selbst diese Art Spiel wird seltener. Zumindest habe ich das Gefühl.

Also weiche ich auf den Indie-Sektor aus. Q.U.B.E. 1 und 2, OxenfreeValleyLifeless Planet, und wie sie alle heißen, halten mein Verlangen nach Spielen mit interessanter Story und ohne Füllmaterial wie stupides Grinden oder Ballern aufrecht.

Ich habe den Eindruck, dass „Story“ heutzutage nur noch ein notwendiges Übel ist, ohne das alle Spiele noch austauschbarer wären, als sie es jetzt schon sind.

Seit einiger Zeit überschwemmen Battle Royale-Shooter alle Plattformen. Ein meiner Meinung nach stupides Genre ohne jeglichen Anspruch. Man muss im Grunde „nur“ Zielen können, alles andere ist egal. Kurzes Vergnügen ist alles was zählt und es steht immens viel Kohle im Raum, die man als Hersteller natürlich mitnehmen will. Man schmeißt einfach ein paar Leute auf eine Karte, drückt ihnen Waffen in die Hand und lässt sie aufeinander ballern. Wer stirbt, ist raus. 2 Minuten Spaß auf Kosten von so ziemlich allem, was für mich ein anspruchsvolles Spiel ausmacht, für das man sich gerne Zeit nimmt, auf das man sich freut, wenn man es endlich wieder am Wochenende für 10 Stunden oder die ganze Nacht lang spielen darf.

Fallout 3 war als Shooter super! Die Story hat dazu eingeladen, sich mit der Spielwelt auseinanderzusetzen. Man wollte wissen, wie es weitergeht und warum alles so gekommen ist. Über Fallout 76 möchte ich mich hier nicht auslassen … und Fallout 4 habe ich fast schon wieder vergessen.

Assassin’s Creed ist nach dem Rework immer noch spielbar und macht Spaß, aber es ist kein Vergleich zu einem AC2 oder AC:Brotherhood was die Spieltiefe angeht. Das mag vielleicht auch an Desmond liegen, den es ja nicht mehr gibt. Die Geschichte rund um die Isu ist nur noch bruchstückhaft erhalten und der DLC-Wahn greift um sich.

Kingdom Hearts 3 habe ich am Release-Tag angefangen und durchgesuchtet. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, was für mich aber primär an den wunderschön umgesetzten Disney-Welten lag. Die Teile davor hatte ich schon auf der Playstation gespielt und abgesehen von der grausamen Steuerung war KH3 ein klasse Spiel.

Derzeit spiele ich die Remastered-Version von Tales of Vesperia. Das Spiel hatte ich schon auf der Xbox 360 gespielt und mir jetzt aus Mangel an Alternativen gekauft. Aber was dann?

Ich weiß es nicht. Ist die breite Masse wirklich nicht mehr daran interessiert? Geht es nur um den schnellen Kick, egal wie einfallslos und eintönig das Spielprinzip ist? Kann man unbegrenzt Altes wieder aufwärmen, Hauptsache man packt es hübsch ein oder bewirbt es lautstark genug?

20 Minuten Spaß, dann muss was anderes her. Da stören Tiefgang, Story, Atmosphäre und ein Anregen zum Nachdenken natürlich nur. Das ist der Nachteil dabei, dass Spiele in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Nun bestimmt die Masse das, was wir Gamer vorgesetzt bekommen. Genau wie im Kino. Schema 08/15 verkauft sich gut, also gibts davon mehr – bis zum Abwinken. 

Ich hoffe nicht, dass das der Weg ist, den die Spieleindustrie auf Dauer geht. Ich wünsche mir ein Final Fantasy mit einem Cloud oder einer Rinoa. Ich will wissen, wie es in der Andromeda-Galaxie weitergeht. Ich will in die Vorgeschichte von Assassin’s Creed eintauchen und sehen, woher die Isu kommen und wie genau (!) es zum Bruch kam – und was direkt danach passierte. 

Meine Hoffnung ruht momentan wirklich eher auf Indie-Titeln, die noch nicht so augenscheinlich auf Kommerz aus sind und sich auch mal was trauen: Spiele zu machen, die andere nicht (mehr) entwickeln (dürfen).

Ich will mich endlich wieder auf ein Spiel freuen und den Controller nicht mehr aus der Hand legen wollen!