Hunde und Menschen – eine Liebe mit Hindernissen – Teil 4

Der vierte Teil – toll dass du bis hierhin durchgehalten hast!

Diesmal geht es um kleine Hunde und die Besonderheiten bei deren Haltung.

(Auf dem Bild sieht man übrigens nicht unseren aktuellen „Schika“, sondern „Muffin“. Ein Chinese Crested Powder Puff, mit dem ich davor durchs Leben gegangen bin.)

Im Grunde gilt für kleine Hunde genau dasselbe wie für große Fellnasen.

Leider machen Menschen bei ihnen oft den Fehler, sie anders zu behandeln. Ich hatte schon viele verschiedene Rassen, vom Labrador bis zum Chinese Crested Powder Puff. Aktuell haben meine Frau und ich einen Pudelmix als Familienmitglied bei uns leben. Hier in NRW mussten wir dafür sogar einen Sachkundenachweis vorlegen, weil die 40/20-Regelung greift (Größe/Gewicht), aber das nur am Rande.

Was mir relativ oft auffällt: Kleine Hunde scheinen besonders aggressiv zu sein. Einige Studien kommen auch zu dem Ergebnis, dass es wahrscheinlicher ist, von einem kleinen Hund gebissen zu werden, als von einem großen.

Aber woran liegt das?

Sicherlich einerseits ganz einfach an den Nachteilen, die die geringe Größe mit sich bringt in einer Welt, wo fast alles andere größer ist. Der Hund fühlt sich einfach relativ oft bedroht – Stichwort „Überbeugen“.

Aber das alleine ist keine Erklärung.

Schaut man sich an, wie die Frauchen und Herrchen dieser kleinen Wuffels mit ihren Tieren umgehen, erkennt man recht schnell das eigentliche Problem: Die Halter und ihr Verhalten und die falsche Erziehung.

Auffällig ist, dass die kleineren Rassen sehr oft getragen werden. Bei vielen Gelegenheiten nehmen Frauchen oder Herrchen ihre vermeintlich hilflosen Vierbeiner hoch um sie zu schützen. Allerdings erreichen sie damit – außer akutem Schutz – vor allem eins: der Hund wird aggressiv.

Warum ist das so?
Hunde sind territoriale Tiere. Begegnen sich zwei oder mehrere fremde Hunde, müssen sie sich erst kennenlernen bzw. beschnuppern im wahrsten Sinne des Wortes. Da die Kommunikation zwischen Hunden nicht nur auf Bellen oder Knurren beschränkt ist, sondern den ganzen Körper bis in feine Nuancen hinein einbezieht, ist jegliche Bewegungseinschränkung kontraproduktiv.

Hunde, die sich zum ersten Mal begegnen, sollte man nicht an der Leine halten, sondern ableinen und sich kennenlernen lassen. Bitte nicht auf den jeweils anderen Hund schicken oder sonstwie ermutigen. Lasst sie das unter sich ausmachen.

Aber Achtung: achtet darauf, dass aus dem Kennenlernen kein Kampf wird. Man erkennt recht schnell, wer der dominante Hund in einer Begegnung ist. Der Besitzer dieses Hundes muss den Hund abrufen, wenn die Situation kritisch werden sollte, um eben diese zu entschärfen.

Ist man sich unsicher, geht man am besten zügig und ohne Interaktion am anderen Hund vorbei.

Was man keinesfalls tun sollte: Hunde an der Leine lassen oder eben: hochheben.

Man beschneidet den Hund dadurch in seiner Bewegungsfreiheit, schränkt seine Kommunikation ein und fördert bzw. verursacht so einen Konflikt, den es anders so nicht gegeben hätte.

Der hochgehobene Hund lernt: Ich bin stark, mir kann nichts passieren, ich bin der Chef. Er kann es aber nicht ausdrücken, außer durch Bellen oder Knurren und der andere Hund kann sich nicht unterwerfen (wenn er es denn vorhatte) oder sich sonstwie differenziert mitteilen.

Dieser gut gemeinte Schutzimpuls sorgt also dafür, dass der kleine Hund mit der Zeit große Defizite im Sozialverhalten entwickelt. Das wiederum bedeutet, dass er mittelfristig nicht mehr ohne Weiteres ohne Leine laufen kann, ohne sich oder andere zu belästigen oder zu gefährden. Und das heißt, dass er noch öfter getragen wird.

Das ist kein schönes Hundeleben, oder? Permanenter Stress durch Fehlverhalten von Frauchen und Herrchen für den Wuffel. Ein entspanntes Spazierengehen oder Zusammenleben sieht anders aus.

Hand aufs Herz: Wie viele Hunde kennt ihr, die bei jedem Bisschen kläffen, bellen, ausrasten, knurren? Und wie viele davon sind Yorkies, Westies, Jack Russels, Chihuahuas?

Achtet mal darauf, wie deren Besitzer mit ihnen umgehen und ihr werden sehr schnell erkennen, warum die Hunde sich so verhalten.

Der nächste Grund ist, dass kleine Hunde schlicht verhätschelt werden. Aus falsch verstandener Tierliebe nimmt man dem Hund die Möglichkeit, sich auszutoben, zu schnüffeln, zu erkunden und zu lernen. Ich sehe es sehr oft, wie klein(er)e Hunde Treppen hochgetragen werden oder nur kurze Spaziergänge unternommen werden, weil die Beinchen ja so kurz sind und das ja so anstrengend ist, so viel oder so lange zu laufen.

Die nicht verbrauchte Energie staut sich auf und entlädt sich dann bei jeder Gelegenheit. Der Hund steht permanent unter Strom und kann sich nicht artgerecht austoben. Hat er dann die Möglichkeit, rennt er weg, bellt, springt und macht alles, außer auf Frauchen oder Herrchen zu hören.

Und ein letzter wichtiger Grund, warum kleine Hunde meist (!) die Rüpel sind: Sie werden nicht für voll genommen. 

Kleine Hunde sind süß. Sie erinnern an Welpen und allein durch ihr Kleinsein wecken sie in uns den Eindruck, dass sie eher schutzbedürftig und niedlich sind. Wenn ein Yorkie mal beißt, hört man die Besitzer oft sagen: „Ach, der zwickt doch nur.“ und „Das tut nicht weh, keine Sorge.“

Bei solchen Aussagen muss ich mich schon sehr beherrschen und stelle meist die Frage: „Wenn das kein Yorkie, sondern ein Schäferhund wäre, würdest du das auch sagen?“

Als Antwort kommt meist ein entrüstetes „Natürlich nicht! Ist ja auch was komplett anderes!“.

NEIN ist es NICHT!

Hunden ist die Körpergröße im Großen und Ganzen vollkommen egal. Ein Rhodesian Ridgeback kann sich zum Beispiel ohne Probleme einem dominanten Zwergpudel unterwerfen. Das hat nichts mit Größe, Kraft oder Gewalt zu tun.

Kleine Hunde verhalten sich aus denselben Gründen so wie sie es tun, wie große Hunde. Sie reagieren auf falsche Erziehung, Bedrohung, Strafen und Belohnungen gleich. Aber das Fehlverhalten wird durch die falsche und nicht tiergerechte Behandlung durch die Halter gefördert statt unterbunden.

Wenn ein kleiner Hund mal beißt ist das ja nicht so schlimm wie wenn ein Großer es macht.

Ihr erkennt den Denkfehler?

Ich wünsche mir, dass die Halter mehr auf ihre Hunde achten und auf deren Bedürfnisse eingehen. Hunde sind kein Spielzeug, auch nicht wenn sie klein und süß sind. Hunde sind Hunde und wollen – müssen – so behandelt werden.

Sprecht die Halter auf ihr Fehlverhalten an, wenn ihr sowas beobachtet. Mit etwas Glück kommt Frauchen oder Herrchen zur Einsicht und ihr helft so, dass der Hund entspannter leben kann, nicht permanent gestresst ist und unter Strom steht.

Nächste Woche geht’s um Futter – Trocken, nass oder halbfeucht? Soll ich meinen Hund vegan ernähren? Was ist BARF?