Hunde und Menschen – eine Liebe mit Hindernissen – Teil 8

Streichelt ihr eure Fellnase gerne?

Na klar! Wer tut das nicht?

Egal ob wuscheliges Fell, feines Haarkleid oder kurze Stoppeln – Hunde lieben es, gestreichelt zu werden und Menschen lieben es, ihre Hunde zu liebkosen.

Es ist ja auch schön, wenn sich der geliebte Vierbeiner zu einem auf die Couch kuschelt und einem zu verstehen gibt, dass er gerne gestreichelt werden möchte. Manche Hunde können dabei schon recht fordernd sein, aber auch der Mensch kann sich dem Hund geradezu aufzwingen.

Wie das geht?

Ganz einfach: indem man seinem Impuls nachgibt ohne zu wissen, wie das eigene Handeln beim Hund ankommt. Hunde sind sehr soziale Tiere und auch sehr auf die eigene Gruppe Mensch fixiert. Das bedeutet aber nicht, dass Hunde wie Menschen denken und handeln.

Das berühmte „Vermenschlichen“ kommt also auch beim alltäglichen Streicheln zum Tragen. Aber wie sieht das konkret aus und welche Fehler kann man machen?

Was ich sehr häufig beobachte, ist das Tätscheln oder Wuscheln am Kopf, meist wenn der Mensch direkt vor dem Hund steht und sich herunterbeugt. Macht das bitte nicht!

Von vorne auf einen Hund zugehen und sich über ihn beugen, wird als unangenehm, als Drohung emfpunden. Dann streckt der Mensch seine Hand aus und berührt den Kopf – für einen Hund ist das alles, nur nicht schön.

Klar lässt ein friedlicher Hund, der seine Menschen schon länger kennt oder allgemein eher zurückhaltend ist, das alles über sich ergehen, aber er wird es nicht genießen und versuchen, sich dieser Situation zu entziehen. Besonders unangenehm ist es für die Fellnase, wenn fremde Menschen – oft wie selbstverständlich – anfangen zu streicheln und zu tätscheln. Was bei Frauchen oder Herrchen bei einer stabilen Bindung durchaus akzeptiert wird, ist purer Stress, wenn Fremde es tun. Das hat auch was mit Respekt zu tun – man stelle sich vor, man geht spazieren und ein/e andere/r Spaziergänger/in kommt auf einen zu und streichelt einem einfach so über den Kopf…

Hunde lieben es jedoch, an den Ohren gekrault und gestreichelt zu werden. Auch ein langer Strich vom Kopf bis zum Schwanz ist angenehm für unsere vierbeinigen Freunde. Doch macht das bitte nie aus einer erhöhten Position heraus! Setzt euch neben euren Hund – egal ob Boden, Couch, Sessel – und streichelt ihn dann aus dieser Position heraus. Im Idealfall dreht sich euer Hund auf die Seite oder den Rücken und zeigt euch so sein Vertrauen. Er ist entspannt und genießt eure Zuneigung.

Was auch gerne – gerade bei kleineren Hunden – gemacht wird: Aufzwingen.

Hunde sind kein Spielzeug, ich kann es nicht oft genug sagen. Einen Hund zu sich zu holen und ihn zu streicheln ist etwas, was die Beziehung zwischen Mensch und Tier auf Dauer schwer schädigen kann. Man muss sich das mal vorstellen: der Hund liegt entspannt und ruhig auf seinem Kissen. Plötzlich kommt ein Mensch, hebt ihn hoch, legt ihn neben oder auf sich und fängt an zu streicheln.

Wenn man das so liest, sollte einem auffallen, dass das nicht sinnvoll oder schön sein kann. Da dies leider bei kleineren Rassen oft zu sehen ist, hier meine Frage: Wie sähe das aus, wenn es sich um einen Neufundländer handeln würde, den man nicht so einfach heben kann, wie es einem passt? Also warum behandelt man die kleinen Wuschel nicht auch so? Zwingen sollte man sowieso niemanden, wenn es um Zuneigungsbekundungen geht – weder Mensch, noch Tier.

Streicheln ist eine Möglichkeit der Entspannung und der Vertrauensbildung und -bindung. Deswegen sollte man sich hierfür Zeit nehmen und es nicht übermäßig in anderen Situationen verwenden. Berührungen haben für Hunde einen hohen Signal- und Stellenwert und je nach Situation und Umgebung kann Streicheln etwas anderes bedeuten bzw. andere Signale setzen.

Ist ein Hund zum Beispiel in einer neuen Umgebung oder spielt man gerade mit ihm, sollte man ihn sich erst beruhigen lassen, bevor man ihn streichelt. Der Hund wird ansonsten entweder versuchen, sich der Situation zu entziehen (achtet mal drauf, wenn jemand versucht, einen Hund mitten im Spiel zu streicheln) oder zusätzlich gestresst, weil er noch dabei ist, die neuen Eindrücke aufzunehmen. Ein Streicheln kann in neuen Umgebungen sogar dazu führen, dass Ängste entstehen oder verstärkt werden. Silvester ist so ein Paradebeispiel, wo Hunde sehr schnell überfordert sein können und die Besitzer durch Streicheln diesen Stress noch verstärken.

Lasst euren Hund in Ruhe erkunden und sich zurechtfinden, wenn er eine neue Umgebung oder Situation erfährt. Bleibt sein Anker und bietet ihm Schutz, aber überfordert ihn nicht. Hat er sich beruhigt, merkt ihr schon sehr schnell, wann es OK ist, ihn zu streicheln.

Streicheln ist aber auch eine stark wirkende Belohnung. Ja, sogar stärker als Leberwurst 😉

Hier gilt: je stärker die Bindung zwischen Hund und Herrchen/Frauchen, desto stärker ist die Belohnungswirkung, natürlich nur, wenn man es nicht inflationär und ausschließlich anwendet – auch Hunde mögen Abwechslung.

Wenn man das im Hinterkopf hat, kann man Streicheln gut ins Training einbauen, was einige Hundeschulen auch fördern. Ein Streicheln als Belohnung für ein erwünschtes Verhalten hat unter anderem den Vorteil, dass der Hund diese Belohnung unmittelbar mit Herrchen/Frauchen verbindet, was bei einem Leckerli nicht unbedingt der Fall ist. Da geht es oft darum, wer das tollste Leckerchen anbietet 😉 Variiert also ruhig ein wenig und achtet darauf, wann ihr eure Fellnase streichelt.

Das hört sich alles recht kompliziert an und mag abschreckend wirken, doch keine Sorge: Wer seinen Hund mit offenen Augen betrachtet und sich die Bedeutung von Berührungen klar macht, wird ganz intuitiv richtig streicheln. Achtet darauf, wie euer Hund reagiert und zwingt ihn zu nichts. Mehr müsst ihr nicht tun, um einen entspannten Hund zu erleben, der euer Streicheln genießt.

So wie Schika, der gar nicht genug bekommen kann und sich sogar auf den Sessel quetscht, um gekrault zu werden:

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