The Witcher 3

Ich hab’s versucht.

Wirklich.

Ich habe es mehrfach versucht über Jahre hinweg, aber ich werde mit The Witcher 3 einfach nicht warm.

Teil 1 war super, Teil 2 habe ich geliebt. Beides waren Rollenspiele, die mich gefesselt haben mit ihrer Story und der gesamten Aufmachung, den Charakteren und der zu erkundenden Welt. Aber Teil 3 will nicht an mich gehen.

Ich habe das Spiel heute – erneut – deinstalliert, nachdem ich vor einiger Zeit den mittlerweile 5. Versuch unternommen hatte, es durchzuspielen. Keine Frage: es sieht immer noch klasse aus, aber für mich bietet es so gut wie keinen Reiz.

Die Story soll sich nach und nach entfalten und gar außergewöhnlich gut sein, so liest man jedenfalls. So weit bin ich allerdings gar nicht gekommen. Das erste Mal war nach 4 Stunden Schluss, dann hatte mich die Langeweile übermannt. Die nächsten beiden Versuche im Abstand von jeweils einigen Monaten haben um die 15 Stunden gebraucht, bis ich keine Lust mehr hatte. Der vierte Versuch kam dann zum Release der Witcher-Netflix-Serie und war nach nicht einmal 10 Stunden beendet.

Heute dann habe ich einen Schlussstrich gezogen. 12 Stunden habe ich mich fast schon gezwungen, dieses Spiel zu spielen, zu mögen, mich fesseln zu lassen. Aber es hat keinen Sinn. Zu langatmig, zu künstlich gestreckt, zu viel „zu viel“. Mir kommt es vor, als hätte man versucht, die Vorgänger um jeden Preis übertreffen zu wollen und dabei dieselben Fehler gemacht, die Ubisoft mit Assassin’s Creed gemacht hat. Es bleibt der Tiefgang auf der Strecke, die Story mag wirklich nicht schlecht sein, aber wenn ich nach 15 oder 20 Stunden immer noch keine Bindung zu irgendwelchen Charakteren aufgebaut habe, läuft was falsch.

Es mag sein, dass ich etwas verpasse, weil ich keine 150 Stunden in das Spiel investiert habe, bis sich irgendetwas Interessantes ergibt, aber das ist mir nun auch herzlich egal. Teil 1 und 2 waren wie gesagt wunderbare Spiele, die so ziemlich alles richtig gemacht haben. Teil 3 ist für mich nur ein langgezogener, langatmiger, langweiliger Film, vollgepackt mit Nebensächlichkeiten, die alles noch weiter in die Länge ziehen.

Die Nebenquests sind wirklich interessant gestaltet, doch tragen sie 0 zur Hauptgeschichte bei, strecken das Spiel nur und gaukeln eine Tiefe vor, die es einfach nicht hat. Nicht umsonst liest man in jedem Review, dass die Nebenquests viel vom Spiel ausmachen.

Das hat was von „Ich kauf mir die ‚Micky Maus‘ nicht wegen der Geschichten, sondern wegen der Plastiklupe als Beilage“…

Wenn die Story wirklich so gut ist, warum muss ich dann tonnenweise Nebenquests in der Welt verteilen, um in selbige eintauchen zu können? Naja. Vielleicht liegt’s ja auch daran, dass die Ansprüche allgemein sinken und man heute ja schon froh sein muss, wenn ein Spiel keine Micro Transactions aufweist oder man 15 DLCs nachkaufen muss, um alles erleben zu können.

Ich hoffe mal, dass Cyberpunk 2077 interessanter wird als The Witcher 3. Ich brauche kein Action und kein super ausgefeiltes Kampfsystem, ich muss nicht 1038401279 Tränke brauen können oder den 68. „Töte das böse Monster“-Quest zu der und der Uhrzeit an dem und dem Höhleneingang“-Quest um die tote Witwe von irgendeinem Ausgestoßenen zu rächen. Ich brauche eine Story, die mich fesselt – und das nicht erst nach zig Stunden der Langeweile, gehüllt in bunte Bilder.