Nierensteine sind toll – Teil 1

Diese Geschichte hat sich bereits 2018 ereignet, knapp einen Monat, bevor wir Schika aus dem Tierheim geholt haben und unmittelbar vor meiner Entscheidung, mein erstes Buch zu veröffentlichen. Viel Spaß beim Lesen über die kommenden Wochen 🙂

Ein ganz normaler Abend. Ich bin müde, meine Frau ist müde, Abendessen ist erledigt, die allabendlichen Serien sind geschaut und es ist dunkel draußen. Also: Schlafenszeit. Ich küsse meine Frau,  wünsche ihr eine gute Nacht und wir kuscheln uns aneinander in unserem Doppelbett.

Ein leichter Schmerz wie von einem Muskelkater, nur irgendwie „innendrin“, macht sich bei mir bemerkbar. Das kann allerdings auch von der Pizza kommen, die wir uns 3 Stunden vorher bestellt hatten. Also kein Grund zur Sorge. Ich drehe mich auf die andere Seite und schließe die Augen. Der Schmerz ist dumpf, aber irgendwie nicht wirklich lokalisierbar. Er ist da, erscheint aber unwirklich. Egal. Ich bin müde und will nur schlafen, also nicht dran denken und warten. Meine Armbanduhr zeigt 23:30 Uhr – noch 6 Stunden Schlaf, bis ich wieder aufstehen und zur Arbeit fahren muss.

Ich spüre den Schmerz und mittlerweile stört er mich doch. Mein Bauch meldet sich auch, wie neuerdings häufiger nach dem Genuss einer Pizza vom Lieferdienst. Ich schaue auf die Uhr: 00:10 Uhr. Ok, es hilft ja nichts. Aufstehen und ab auf die Toilette, damit der Bauch Ruhe gibt. Danach bemerke ich die Schmerzen im rechten Unterbauch deutlicher. Sie sind nicht stechend, sondern immer noch dumpf und permanent. Irgendwie seltsam. Ich will meine Frau nicht noch weiter stören und lege mich im Wohnzimmer auf die Couch in der Hoffnung, dass die Schmerzen schon verschwinden werden.

Leider war dies ein Fehler, wie sich innerhalb von Sekunden herausstellt: Kaum liege ich auf der Seite, potenziert sich der bis dahin nur störende, aber noch auszuhaltende Schmerz. Ich muss aufstehen, weil ich es im Liegen oder Sitzen nicht aushalte. Ich stehe nun im dunklen Wohnzimmer, mitten in der Nacht in Unterwäsche nach vorne gebeugt und stöhne unvermittelt „Aaauuu!“ vor mich hin – möglichst leise, damit ich niemanden aufwecke. Ich versuche eine Position zu finden, in der ich schmerzfrei verweilen kann, finde aber keine. Laufen, gehen, liegen, sitzen, hocken, knien – all das bringt nichts. Das Stehen ist noch das Erträglichste, also bleibe ich stehen. Mittlerweile laufen mir Tränen über die Wangen. Den salzigen Geschmack nehme ich kaum wahr, denn mein Weltbild wird momentan einzig durch den Schmerz an der Flanke dominiert.

Unvermittelt steht meine Frau in der Wohnzimmertür. Sie ist besorgt und hilflos, will wissen was los ist. Ich kann kaum reden, während ich mich im Stehen hin und her wiege um irgendwie die Schmerzen ertragen zu können. Sie gibt mir Ibuprofen und will den Notarzt rufen, wogegen ich mich vehement wehre.

„Das sind bestimmt nur Blähungen, Schatz.“ sage ich und halte tapfer – und dumm – die Schmerzen aus.

Meine Frau kämpft nun auch mit den Tränen. Der Mann, den sie liebt, hat große Schmerzen und will sich nicht helfen lassen. Was wenn es etwas Ernstes ist? Blinddarmdurchbruch? Darmverschluss? Sie weiß es nicht und ich auch nicht – aber Google hat etliche Vorschläge, was nicht gerade zur Beruhigung von uns beiden beiträgt.

Außerdem kann ich nicht ins Krankenhaus. Ich muss gleich zur Arbeit!

Mittlerweile ist es nach 1 Uhr morgens und die anhaltenden starken Schmerzen fordern ihren Tribut: ich muss mich übergeben. Ich habe mich noch nie vor Schmerzen übergeben müssen, wusste gar nicht, dass es sowas gibt. Hier bricht nun auch mein Widerstand gegen professionelle Hilfe.

Waschen, frische Sachen anziehen und ab in die Tiefgarage. Die 8 Kilometer schaffen wir mit dem eigenen Auto. Das Treppen(ab)steigen ist irgendwie angenehmer als Stehen oder sitzen, wobei ich erneut feststellen muss, dass die meisten Autositze unglaublich bequem sind. Ich fahre also mit meiner Frau auf dem Beifahrersitz morgens um halb 2 aus der Tiefgarage und mache mich zügig auf den Weg ins nahegelegene Krankenhaus. Der Weg führt größtenteils über die Autobahn und ist identisch mit dem Weg, den ich jeden Morgen zur Arbeit fahre. Es herrscht kaum Verkehr, dennoch halte ich mich an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Schließlich erreichen wir die Ausfahrt, müssen also nur noch über die Kreuzung und 2 Kilometer Landstraße hinter uns bringen.

Das Krankenhaus kommt in Sichtweite, als ich im Rückspiegel rote Leuchtzeichen sehe:

„Polizei! Stopp!“

Es sind vielleicht noch 200 Meter.

Eine Polizeistreife hält uns an.

Ich glaub‘ es nicht… Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit wochentags mitten in der Nacht von der Polizei angehalten zu werden?

Ich wohne seit 3 Jahren hier und wurde noch nie kontrolliert. Auch die Jahre davor in meiner alten Heimat hatte ich gerade einmal zwei Kontrollen erlebt. Eine davon selbst provoziert und die andere resultierend aus extremer Vorsicht einer Anwohnerin, weil ich 30 Minuten an der Hauptstraße vor ihrem Haus stand.

Aber eine Kontrolle, während ich auf dem Weg zum Krankenhaus war, hatte ich noch nicht.

Ich halte also an und öffne die Scheibe der Fahrertür. Meine Frau macht das gleiche auf ihrer Seite, wo schon eine nette Beamtin mit der Taschenlampe für Erleuchtung sorgt.

„Guten Morgen, allgemeine Verkehrskontrolle. Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte.“ teilt mir der nette Polizist auf meiner Seite unvermittelt mit. Der Führerschein ist schnell gefunden, der Fahrzeugschein war gottseidank im Handschuhfach. Ich habe dieses Auto zu dem Zeitpunkt seit knapp über einem Jahr und noch nie den Fahrzeugschein gebraucht.

Ein Kommentar zu “Nierensteine sind toll – Teil 1

  1. So blöd Nierensteine auch sind: dein Text macht Spaß! Und mir sind während dem Lesen bei fast jedem Absatz eigene Anekdoten eingefallen. Freu mich auf deinen Teil 2!

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