Nierensteine sind toll – Teil 3

Ok, so ist es also, wenn die Medikamente dorthin gelangen, wo sie hin sollen. Ich fühle mich wie in Watte gepackt, aber die Schmerzen werden erträglich. Ich stehe und halte mich an den Sauerstoffflaschen fest, immer drauf gefasst, dass ich gleich wieder erbrechen muss. Dies bleibt allerdings aus.

Ich schaue mir den Inhalt des Beutels etwas genauer an. Rosa-orange, warm, keine Bröckchen (und auch keine Möhrchen, obwohl sinst immer Möhrchen drin sind, egal ob man welche gegessen hat oder nicht). Meine Frau findet das eklig, aber ich finde es interessant. Die Schwester kommt wieder zu mir und weist mich an, mich hinzulegen. Ich teile ihr mit, dass stehen für mich wesentlich angenehmer ist. Schmerzen und so. Sie bleibt hart: „Legen oder setzen Sie sich jetzt bitte hin, sonst kann ich nicht weg. Sie schwanken ja. Es gibt hier noch andere Patienten!“

Im Geiste erwidere ich: „Dann verzieh dich, Spritzen-Else. Hättest du mir die Schmerzmittel vor 20 Minuten in die Blutbahn gepumpt und nicht in meinen ohnehin schon sehr mächtigen und imposanten Unterarmmuskel, müsste ich weder schwankend hier stehen, noch meinen Flüssigauswurf in einer Plastiktüte vor mir festhalten.“, sage aber: „Ok, ich setze mich. Die Schmerzmittel scheinen ja jetzt zu wirken.“

Sie nimmt mir meinen Plastikbeutel ab: „Ich gebe Ihnen mal einen neuen.“

„Aber der ist doch noch gar nicht voll!“ sage ich, während ich etwas wehmütig ob der Verschwendung zusehe, wie sie den Beutel zuknotet und in den Mülleimer neben dem Sitzplatz meiner Frau wirft. Ok, dann halt nochmal von vorne.

Aber die Übelkeit ist weg und die Schmerzen erträglich.

Die Ärztin kommt wieder um die Ecke, fragt mich wie es mir geht. Da sie wirklich nett ist, erwidere ich nichts Sarkastisches, sondern antworte ernsthaft: „Och, geht schon.“

Sie schaut mich etwas befremdet an, was ich nicht ganz einordnen kann, und sagt: „Dann legen Sie sich bitte hin, ich hole die Chirurgin noch dazu, wir machen dann eine Ultraschalluntersuchung,“

Ich lege mich hin und schon werden die Schmerzen wieder stärker. Dennoch bleibe ich liegen, es muss ja mal weitergehen. Meine Frau ist unglaublich besorgt und ich fühle mich unwohl bei dem Gedanken, dass Sie mich so sehen muss. Es ist toll, dass sie hier ist, aber so direkt macht es sowohl sie als auch mich fertig.

„Schatz, wartest du bitte vorne? Dann kann ich mich hier auf mich konzentrieren und muss nicht noch daran denken, wie es dir geht, wenn du das alles sehen musst. Ich liebe dich.“

Sie versteht es – tolle Frau! – und sagt kurz der Schwester Bescheid, bevor sie sich draußen in den Wartebereich setzt.

Ich liege mit geschlossenen Augen auf der Liege, froh darüber, dass die Infusion funktioniert und jetzt endlich jemand untersuchen kann, was denn hier eigentlich los ist.

Ein Wagen mit Monitor und vielen Kabeln wird hereingefahren und die blonde Ärztin von der Rezeption kommt mit der farbigen Kollegin zu mir. Sie reden kurz über den bisherigen Hergang und ohne weitere Umschweife beginnt die Ultraschalluntersuchung.

Ich machs kurz: Es ist ein Mädchen!

Nein, Quatsch, Aber es fühlte sich so an wie man denkt, dass sich eine Ultraschalluntersuchung anfühlt. Tonnenweise Kontaktgel verteilt auf meinem mächtigen Leib, ein kaltes Schallkopfding wird über die schmerzenden Bereiche geführt, wobei „geführt“ zaghaft umschrieben ist. Sie hat gedrückt, als wäre ich eine Zahnpastatube, aus der der letzte Rest unbedingt noch rausgeholt werden muss – das wars.

Als sie an der rechten Seite, direkt unterhalb der Rippen auch so fest aufdrückt, merke ich, dass die Schmerzmittel zwar schon wirken, aber noch nicht so umfassend, wie ich mir gewünscht hätte. Durch den Druck wird der Schmerz wieder sehr (!) präsent und ich bin dankbar, dass ich einen neuen Plastikringübergebungsbeutel bekommen habe.

„Ich würde mich jetzt wirklich gerne mal aufsetzen bitte.“ ächze ich.

„Ja, dann setzen Sie sich kurz auf.“ sagt die Blondine wie beiläufig. Dankbar setze ich mich und stehe dann sogar auf, da Sitzen nicht viel Linderung bringt.

Ich höre wie durch einen Dämpfer wie sich die beiden Ärztinnen unterhalten. Scheinbar sind es schonmal keine Gallensteine und der Blinddarm ist es höchstwahrscheinlich auch nicht. Da meine Plauze trotz Abnahme immer noch recht prominent ist und mich und meine Innereien sehr gut schützt und abschirmt, scheint Ultraschall nicht so gut durchzukommen. Dies ist wohl auch der Grund, warum die nette Dame doch recht stark auf mir rumdrücken musste. Ich bin niemandem böse, ich bin bereit, alles zu tun was notwendig ist, damit das hier endlich aufhört.

Die beiden wägen ab, ob ein CT nicht sinnvoller wäre, um eindeutig zu klären, was genau mit bzw. in mir nicht stimmt. Allerdings hat das Krankenhaus kein CT und auch keine Urologie, was nicht hilfreich ist, wenn es darum geht, das Thema „schnell“ zu erledigen.

„CT muss nicht sein, können wir nicht erst etwas Einfaches abklären?“ frage ich.

Die Schmerzen werden weniger und im gleichen Maße ich mutiger.

„Wir können Sie auf Station legen und am Morgen schauen, wie die Lage ist. Vielleicht sind es Nierensteine, die dann abgehen. Wenn nicht, überweisen wir Sie an die Urologie.“ schlägt die farbige Ärztin vor.

Ich frage, ob man mir eventuell eine Dosis Propofol in den Infusionsbeutel geben könnte. Ich mag das Zeug seit meiner Darmspiegelung. Dann dürfen die Leute auch gerne alles mit mir anstellen was sie wollen. Leider wird meine Bitte nicht ernst genommen.

„Darf ich kurz raus zu meiner Frau und ihr Bescheid sagen, dass ich hier bleibe?“ frage ich, was mir gerne gestattet wird. Ich nehme den Medikamentenbeutel vom Haken, halte ihn hoch und gehe etwas wacklig in den Wartebereich zu meiner Frau.

„Schatz! Alles gut?“ fragt sie besorgt.

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