Das brüllende Monster

Er kann einem ja schon leid tun. Der kleine Wuschel hatte ja von Anfang an vor Vielem Angst, aber das Meiste hat sich nach kurzer Zeit gelegt.

Als ich Schika das erste Mal mit nach Hause nehmen durfte – für ein paar Stunden – hatte der Kerl Angst vorm Autofahren und mir prompt auf der Strecke vom Tierheim zu uns 2x ins Auto gekotzt.

Nach ein paar Fahrten hat sich das gelegt und mittlerweile ist er entspannt ohne Ende, wenn wir unterwegs sind. Er steckt seinen Kopf zwar nicht klischeehaft aus dem Fenster oder hängt an der Scheibe, aber er schläft die meiste Zeit. Nur wenn wir in die Nähe vom Meer kommen wird er unruhig. Schika ist eben ein Wasserhund 😊

Unsere Wohnung ist relativ neu mit einem breiten und offenen Treppenhaus. Allerdings waren offene Stufen auch eine Hürde, die Schika nehmen musste, da es keinen anderen Weg in unsere Wohnung gibt. Die ersten Tage war es sehr schwer ihn zum Treppensteigen zu bewegen, aber mit Bestechung und viel Liebe hat das auch geklappt. Jetzt rennt er die Stufen rauf und runter, als gäbe es was zu gewinnen.

So ist das eben mit Hunden aus dem Tierheim. Man weiß nie genau, was sie erlebt haben. Wir wissen bis heute nicht, warum er abgegeben wurde. Er hart nicht, er bellt nicht (man muss es schon lange provozieren!), er beißt nicht, er jault nicht und war von Anfang an stubenrein.

Über die Lebensverhältnisse unserer Fellnase können wir nur mutmaßen. Der Heimtierausweis sagte, dass die ursprünglichen Besitzer wahrscheinlich Rumänen oder Bulgaren waren und knapp 20 km von uns entfernt wohnen. Der Tierarzt, der den Ausweis ausgestellt hatte, macht ebenfalls keinen sonderlich guten Eindruck. Als Geschlecht steht da „weiblich“ und als Rasse „Pudelmix“.

Sieht man darüber hinweg, dass Schika eher Lagotto als Pudel und kein Mischlingseinfluss erkennbar ist – nicht jeder kennt alle Rassen – so spricht der Eintrag „weiblich“ bei einem offensichtlichen Rüden Bände. Einem Tierarzt sollte sowas auffallen, oder?

Wenigstens stimmte die Chipnummer.

Schika kann auch wunderbar ein oder zwei Stunden alleine bleiben. Ein Problem hat er nur, wenn nur einer von uns weggeht. Mama zuhause und Papa unterwegs? Blöd! Papa zuhause und Mama weg? Auch blöd! Beide weg? Ok. Beide da? Super!

Mit Kindern kommt er super klar, ebenso mit anderen Hunden und unseren drei Meerschweinchen. Einzig Katzen mag er nicht. Gar nicht. Kein Bisschen.

Er liebt Socken und seine Kuscheldecke. Mein Sockenverbrauch ist extrem gestiegen in den letzten knapp 2 Jahren und meine graue Flauschedecke (mit Ärmeln) habe ich auch abgeschrieben…. aber das ist’s mit wert 😍

Nur mit dem Staubsauger kommt er nicht klar. Das Geräusch ist schon böse, aber was ihn wirklich stresst ist das Rohr. Ich kann auch hier nur vermuten was er erlebt hat, bevor er mit nichtmal einem Jahr ins Tierheim abgeschoben wurde, aber er hat panische Angst vor allen Stöcken und Stäben.

Regenschirm? Nix wie weg! Staubsaugerrohr? NEEIIIN! Wischmop? Ogottogott! Besen? Hilfe!

Er verkriecht sich dann immer so gut es geht und wenn er die Chance hat, rennt er auf den Balkon und macht sein Stresspipi. Er tut mir dann jedesmal so unendlich leid, aber manchmal muss man saugen und wischen. Nach Möglichkeit lege ich diese Tätigkeiten so, dass meine Frau mit ihm unterwegs ist, wenn das brüllende Monster rausgeholt wird. Das klappt ganz gut, aber auf Dauer ist das schon lästig. Es hilft ja auch nicht, man geht dem Problem nur aus dem Weg.

Das Bild zeigt übrigens den erschöpften Schika, der die letzten Sekunden des Staubsaugens heute miterleben musste. Er liegt vor meinem Sessel und bewegt sich keinen Millimeter…

Was auch immer du mitmachen musstest: bei uns passiert dir nichts mehr, kleiner Futz!

Die nächsten Wochen werde ich ganz behutsam versuchen, ihm die Angst vor Rohren, Stäben und Stöcken zu nehmen. Das brüllende Monster verliert dann hoffentlich bald seinen Schrecken.

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