Fractured Minds

Depressionen.

Angststörungen.

Mental Health ist aktueller denn je. Gerade dieser Irrsinn mit Corona dieses Jahr hat die Zahl der diagnostizierten Erkrankungen noch weiter in die Höhe getrieben. Statistisch gesehen kennt jeder von uns mindestens eine Person mit Depressionen und/oder Angststörungen. Diese Zahl, diese ungeheure Menge ist still und meist von außen nicht erkennbar. Nicht ohne sich eingehender mit dem oder den Menschen zu befassen.

Dazu kommt noch, dass es immer wichtiger zu werden scheint, dass man „voll da“ ist, Leistung bringt, fröhlich ist und gefälligst glücklich zu sein hat. Instagram und Co. machen es uns ja auch vor: nur wer schön, erfolgreich, fröhlich und glücklich ist, wird geliebt. Man muss sich das heute verdienen, so scheint es zumindest.

Das trägt nicht gerade dazu bei, dass sich Betroffene, die zum Beispiel unter Depressionen leiden, irgendwem öffnen. Sie schämen sich, haben Angst, Freunde zu verlieren oder als „Weichei“ abgestempelt zu werden. Depressionen sind etwas, das man eben mal hat. Man lenkt sich kurz ab oder schaut einen lustigen Film und schon ist alles wieder gut. Wie oft hört man als Betroffener „dann mach doch was, was dir Spaß macht“ oder „lach doch mal“.

Ich glaube, es gibt keine schlimmeren Ratschläge, die man einem Depressiven geben kann. Die genannten Sätze sind in etwa auf dem hilfreichen Niveau von „Atme mal tief durch“, wenn man einem Asthmatiker helfen will. Wenn der Kopf nicht mitmacht, kann der Kopf auch nicht heilen.

Wenn die Batterien leer sind, hilft es auch nicht, wenn man fester auf die Tasten der Fernbedienung drückt. Wenn der Tank leer ist, kann man den Autoschlüssel bis zum Abwinken drehen . es wird sich nichts ändern.

Angst vor Unverständnis und Zurückweisung, Verurteilung und dergleichen sind ständiger Begleiter von depressiven Menschen. Sie beobachten sich zudem stets selbst und erkennen durchaus – besser als andere – wie sie sich verändern und wie sie reagieren. Sie wissen, was ihnen Spaß und Freude bereitet, doch sie haben nicht die Kraft, diese Dinge auch zu tun. Und wenn sie sich aufraffen (oder genötigt werden), empfinden sie nicht das, was sie in angstfreien Zeiten empfunden haben oder empfinden würden. Das fördert zusätzlich die Depression, denn wenn einem nicht einmal die eigenen Lieblingssachen Spaß machen, ist doch alles aussichtslos, oder?

Das Thema ist immer noch ein Tabu, obwohl zig Millionen Menschen alleine in Deutschland davon betroffen sind. Versucht mal einen Termin bei einem Therapeuten zu bekommen – 6-12 Monate Wartezeit sind da normal. Nicht weil es so wenig Therapeuten gibt, sondern weil die Menge an Patienten so riesig ist. Aber Betroffene leiden still, sind meist auch sehr gut im Überspielen der Symptome. Sie lachen und gehen auf Parties, nehmen am Leben teil – einfach, damit sie nicht auffallen und vielleicht doch noch die Chance haben, ein „normales“ Leben zu führen und sei es nur für ein paar Stunden. Was dann aber passiert, wenn sie alleine zuhause sind, bekommt niemand mit. Die Menschen um Betroffene herum sehen nur Ausschnitte davon, was sie sehen sollen. Eine schöne Fassade, die die traurige Wirklichkeit verbirgt. Alleine hat man kaum eine Chance, dort wieder heraus zu kommen. Hier kann sich jeder glücklich schätzen, der einen Partner, Familie, Freunde oder auch einen verständnisvollen Arzt oder Therapeuten an der Seite hat.

Man kann Depressionen nicht vollständig heilen. Sie sind immer da und werden es auch bleiben. Aber man kann lernen, damit zu leben. Es ist nicht einfach, aber es ist zu schaffen. Übrigens gibt es ein sehr gutes (Bilder)Buch zu dem Thema: Mein schwarzer Hund.

Warum schreibe ich das jetzt eigentlich? Ganz einfach. Fractured Minds ist kein klassisches Spiel. Es glänzt nicht mit toller Grafik, super Sound, megamäßiger Story oder anderen Dingen, die man landläufig mit Spielen assoziiert. Fractured Minds wurde von einer Jugendlichen entwickelt und programmiert, die unter Angststörungen leidet und das Coden und Spielen als Therapie ansieht. Dem kann man zustimmen oder auch nicht, aber ich muss sagen, dass dieses doch recht kurze Spiel für Betroffene und/oder Angehörige sehr intensiv sein kann.

Man spielt in der Ego-Perspektive und wird mit diversen Ängsten und Gedanken konfrontiert. Auf Außenstehende wirkt das Spiel doch recht simpel, aber wer sich mit der Thematik befasst oder involviert ist, wird etliche „Aha-Momente“ erleben, nachdenken, reflektieren und vor allem interpretieren.

Fractured Minds ist derzeit ohne weitere Kosten im Game Pass spielbar und zudem auch auf der PS4, Switch und PC erhältlich. Die Einnahmen fließen zu 80% an die Entwicklerin und an eine Stiftung, die sich mit dem Thema „Mental Health“ befasst.

Einen ausführlichen Test findet ihr hier: https://www.pcgames.de/Fractured-Minds-Spiel-72352/Specials/Mental-Health-BAFTA-Adventure-Serious-Games-Report-1337610/

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