In 90 Tagen zum Altar

Ich mag diese Reihe. Auch wenn sonstige Datingshows eher langweilig sind, ist diese – mit allen Derivaten – meiner Meinung nach die beste Show dieser Art.

Shows wie „Hochzeit auf den ersten Blick“ sind zwar auch nicht schlecht, aber da gibts zu wenig Drama. Irgendwie wirken deutsche Datingshows auch meist steif, künstlich und … langweilig oder einfach nur peinlich – und nicht auf positive Art und Weise.

Und über mangelndes Drama kann man sich bei „In 90 Tagen zum Altar“ nun wirklich nicht beklagen!

Egal ob Mohammed aus Tunesien seine geliebte Danielle heiratet, aber jegliche körperliche Nähe mit den Worten „Das ist in meiner Kultur nicht erlaubt“ verweigert und sogar bei der Hochzeit dem Priester erklärt „Ich kann meine Frau nicht küssen, es ist Ramadan“, kann man nicht anders als weiterschauen.

Ein junges Pärchen fliegt in die Heimat des zukünftigen Bräutigams und wird in der Dominikanischen Republik von der Schwiegermutter mit den Worten „Wo ist mein Fernseher?“ empfangen.

Ein durchaus attraktiver, athletischer Orientale namens Aladin lädt seine gealterte Verlobte aus den USA zu sich nach Katar ein, heiratet sie nach 9 Tagen und plötzlich fällt ihr auf, dass sie mit der dortigen Kultur und Mentalität nicht klarkommt.

Eine US-Amerikanerin jenseits der besten Jahre verliebt sich online in einen sportlichen Inder, hält über Jahre eine Fernbeziehung aufrecht und zieht dann mir nichts, dir nichts zu ihm. Nur entpuppt ER sich als kleiner, dicklicher Duckmäuser, der bereits verheiratet ist und so unter der Knute seiner Eltern steht, dass er IHR das nicht etwa beichtet, sondern sie in dem Glauben lässt, dass alles gut ist – inklusive angemieteter Fakewohnung.

Der Klischee-Nerd darf natürlich auch nicht fehlen. Eine Latina solls sein, temperamentvoll (wobei „Temperament“ ja lediglich ein anders Wort für „verzogen“ und „egoistisch“ ist), jung, hübsch. Also genau das Gegenteil von der Mutter, bei der er seit 33 Jahren lebt. Dass SIE dann unzufrieden ist, weil ER in Las Vegas bei Mama wohnt, ein auseinanderfallendes Auto ohne Klimaanlage fährt und es wagt, mit anderen Frauen zu sprechen, bietet unendlich viel Stoff für interessante Konflikte und Entwcklungen.

Die verzweifelte Designerin, die ihren Liebsten in Amsterdam besucht und nach 5 Minuten von Kindern und Hochzeit schwärmt ist da fast schon langweilig. Ganz im Gegensatz zu Paul, der nach Brasilien zieht, ohne auch nur ein Wort Portugiesisch zu sprechen. Aber hey! Wofür gibt es schließlich Übersetzungsapps? Und so unterhalten sich Braut und Bräutigam via Handy, solange der Akku hält. Nach einem Jahr stören IHN auch die Insekten und seltsamen Tierchen nicht, derer er sich mittels Ganzkörperschutzanzug (inklusve Penis-Schutzschlauch) erwehrt.

H E R R L I C H!

Wir in Deutschland sind mit den Folgen knapp 1 Jahr hinterher. Wer also will, kann sich spoilern, doch ich empfehle, sich die Folgen nach und nach anzuschauen. Die Spannung baut sich in allen Ablegern von „90 Tage“ sehr schnell auf, Fremdschämen ist garantiert.

Auf TLC kann man sich alle bisher in Deutschland gelaufenen Folgen kostenlos im Browser anschauen. Alternativ auch via JOYN- oder TLC-App. Die aktuellsten Folgen laufen in den USA und sind dank Geoblocking nicht ohne Weiteres in Deutschland abrufbar.

Alle Folgen laufen in englischem Originalton mit darübergelegten deutschen Synchronsprechern. Die Übersetzungen sind im Grunde solide, manchmal fällt dem Simultanzuhörer allerdings auf, dass eher nach (vermeintlichem) Sinn statt tatsächlich Gesagtem übersetzt wurde. Der Unterhaltung tut dies jedoch keinen Abbruch.

Wer Trash-TV und/oder Datingshows mag, ist hier mehr als richtig!

Aktuell gibt es folgende „90 Tage“-Reihen, jeweils mit Links:

Jede Folge ist ca. 90 Minuten lang und am Staffelende gibt es meist ein Tell All bzw. eine Aussprache mit den beteiligten Pärchen. Die Moderatorin kann einem manchmal richtig leid tun 😀