The Strain – Fazit

Ich mag diesen ganzen Zombiekram nicht und mit Vampiren kann ich auch nichts mehr anfangen, seit dank Twilight diese Monsterart weichgespült und zu einem Hipsterdasein verdammt wurde.

Schade eigentlich, denn es gibt richtig viel Potenzial in diesen Genres.

The Strain ist hier eine willkommene Abwechslung zum „Ich bin ja so verliebt in diesen metrosexuellen Vampirjüngling und wünschte, ich könnte mit ihm zusammen durch die Nacht fliegen!“-Mist. Groschenromane in bewegten Bildern. Kotz.

In dieser Serie mit insgesamt 4 Staffeln, basierend auf den Romanen von Guillermo del Toro und Chuck Hogan geht es, wie ich bereits kurz angemerkt habe – um Vampire in der aktuellen Zeit, bekämpft von Wissenschaftlern, einem Vampirjäger und anderen Vampiren. Allerdings findet man hier nichts von diesem romantisch verklärten LSD-Traum, den uns Machwerke wie Twilight aufgenötigt haben. Eine gehörige Portion „The Walking Dead“ ist dabei, ebenso wie etwas Fringe und Underworld.

Hier gibt es zwar auch einige Unstimmigkeiten, aber wenigstens werden Vampire hier als wirkliche Gefahr dargestellt und wahrgenommen und sind nicht nur Masturbationsvorlangen für pubertierende Teenage-Girlies jeden Alters. Die Story rund um Wissenschaft und Mystik vs. uralte Legenden und reale Gefahren nimmt schnell Fahrt auf und zeigt, wie eine „realistische“ Vampirserie aussehen kann. Parasiten verbreiten eine Seuche und verwandelt Menschen in Vampire, gesteuert vom Willen des Meisters. Alles halbwegs wissenschaftlich erklärbar und plausibel – (fast) ohne Sarg, Umhang und „Vampirromantik“. Erwachsen eben.

Ich mag auch die Rückblenden, die die Hintergrundgeschichten der Hauptfiguren wunderbar erzählen und so eine Bindung zum Zuschauer aufbauen. Vom Nazi-Befehlshaber über den verfolgten Juden bis hin zum Gladiator ist alles dabei.

Negativ aufgefallen sind mir folgende Dinge: u.a. der Synchronsprecher von „Thomas Eichhorst“ hat in der zweiten Staffel gewechselt. Schade, denn der Sprecher der ersten Staffel war meiner Ansicht nach passender. Dass der Sohn von Ephraim Goodweather ab der zweiten Staffel auch von einem anderen Kind gespielt wurde, ist nichts Unübliches und auch nicht so tragisch. An diesem Sohn störte mich nur – von Staffel 1 an – dass es ihn gibt. Klar braucht jede Serie eine Hassfigur, aber so ein idiotisches Kind, so hassenswert … so viel Dummheit … da war mir Joffrey aus Game of Thrones fast noch lieber. Der wusste wenigstens, was er für ein Arschloch war. Und ja: ich habe vorab nachgeschaut, in wie vielen Folgen dieses Balg mitspielt, weil ich ihn einfach nicht ertragen kann.

Andererseits ist es auch gut, wenn eine Serienfigur solche Emotionen hervorruft, oder? 😉

Jedenfalls besser, als wenn dem Zuschauer die Figuren egal sind. Der letzte Punkt, der mich etwas gestört hat, waren die Dialoge. Gerade in Staffel 1 und 2 setzte der „Haven“-Effekt ein, wie ich ihn nenne: Dialoge, die auf dem Papier toll aussehen, aber in bewegten Bildern einfach nicht gut rüberkommen. Haven war da das Negativbeispiel schlechthin und auch The Strain macht anfangs keinen guten Eindruck. Die Gespräche wirken wie 1:1 aus den Büchern übernommen.

Das kann nicht funktionieren, denn bei einer Serie fehlt die Imagination, die eigene Vorstellung und Interpretation der Umgebung, der Stimmen, Emotionen und Begebenheiten. Hier haben die Drehbuchautoren keinen guten Job gemacht. Das gibt sich im Laufe der Folgen zwar, kann aber zu Anfang abschreckend wirken. Hier hilft nur: durchhalten und sich klarmachen, dass es eine Buchvorlage gibt. Wer die Serie anfängt und Gedanklich ein Buch vor Augen behält, kommt mit dieser nicht gut gemachten Arbeit klar.

The Strain ist derzeit bei Amazon Prime zum Kaufen verfügbar und mit der vierten Staffel auch zu Ende erzählt. Wer eine ernsthafte Vampirserie im Stil von TWD und ohne Zuckerwatte-Einhorn-Weichspüler sucht, wird hier auf jeden Fall fündig.