Mittagsrundenroulette

Ein paar Kilometer von hier gibt es ein nettes Plätzchen, wo wir öfter mit Schika spazieren gehen. Ein kleiner Parkplatz direkt am Wald, kein Leinenzwang und nach ein paar Schritten hat man Ruhe und Frieden. Im Grunde fehlt nur noch ein See zum vollendeten Glück 😉

Allerdings muss man aufpassen, wann man dort aufschlägt. Gerade zur Mittagszeit oder am Wochenende tummeln sich etliche andere Menschen dort. Da es sich nicht um privates Gebiet handelt, ist das auch durchaus in Ordnung, denn sonst dürften wir ja dort auch nicht hin.

Nur merkt man leider oft, dass sich viele nicht wirklich um andere scheren. Es hat solche Ausmaße angenommen, dass wir nur noch dort Gassi gehen, wenn diese Stoßzeiten vorbei sind.

Es herrscht zwar keine Leinenpflicht und wir lassen unseren Wuschel natürlich auch frei laufen, allerdings nur, wenn wir damit niemand anderen belästigen. Sehen wir andere Leute – Jogger, Mountainbiker, Wanderer oder andere Menschen mit Hund, rufen wir ihn zurück und leinen ihn an. Nicht, weil wir ihm nicht trauen, sondern weil wir nicht wissen, wie der andere Hund reagiert und erzogen ist. Eigentlich normal und keiner besonderen Erwähnung wert.

Oft genug erleben wir allerdings, dass anderen vollkommen egal ist, was ihr Verhalten für Auswirkungen haben könnte oder wie das Gegenüber reagiert. Da laufen die obligatorischen „Kuschelhunde“ frei durch den Wald, kläffen und knurren vor sich hin und gehen andere Menschen und Hunde an, ohne dass sich die Frauchen (und Herrchen) darum kümmern. Mehr als ein „Fine, komm her“ hört man selten. Die Denkweise scheint zu sein: „Sollen doch die anderen aufpassen!“ …

Jogger sind meist unkompliziert, Wanderer auch, doch auf die Menschen, die – meist auf Grund einer andauernden Midlifecrisis – mit ihren E-Bikes samt Ballonrädern durch das Unterholz fahren, muss man als Fußgänger – speziell mit Hund – höllisch aufpassen. Geklingelt wird so gut wie nie. Ok, ist auch schwierig ohne Klingel am 2000€-Crossbike. Abstand beim Überholen auf dem schmalen Waldpfad ist für diese Leute auch nichts worauf sie achten müssten – obwohl im Straßenverkehr stets darauf gepocht wird, dass andere gefälligst Abstand halten sollen. Es vergeht kaum eine Begegnung ohne Beinaheunfall, wenn wieder einer dieser „Sportler“ von hinten mit nichtmal einer Armlänge Abstand undangekündigt an Schika, meiner Frau und mir vorbeibrettert.

Verantwortungsbewusstsein? Sozialverhalten? Rücksicht? Fehlanzeige. Da scheint nur die eigene Welt und deren Wahrnehmung zu zählen. Sollen die anderen doch gefälligst aufpassen!

Ganz ehrlich: solch rücksichtslose und schon gestörte „Menschen“ kann ich nicht leiden! Man kann aber auch nicht viel dagegen machen, ohne selbst zum Asozialen zu werden. Merke: Streite dich nie mit einem Idioten. Er zieht dich auf sein Niveau runter und schlägt dich dann mit Erfahrung.

Hundehalterstress

Bei den oben gegnannten Hundebegegnungen kann man im Grunde nur weitergehen und – nach korrekter Einschätzung der Situation – seine Fellnase schützen, indem man sich zwischen den Aggressor und den eigenen, angeleinten Hund stellt. Alternativ leint man den eigenen Vierbeiner ab und lässt die Hunde das unter sich regeln. Das ist allerdings ein Spiel mit dem Feuer, da man nie voraussagen kann, wie der andere, der eigene oder beide Hunde im Verbund reagieren. Hier sollte man sehr sicher sein, was seine Fähigkeiten als Halter angeht, man muss seinen Hund sehr gut kennen und notfalls bereit sein, einzuschreiten. Leint man jedoch wirklich seinen Hund ab, sollte man auch darauf gefasst sein, von der anderen Partei angemeckert zu werden. Schließlich sind immer (!) die anderen das Problem, den eigenen Hund hat man immer (!) im Griff. Meist kommt dann auch der Spruch „Der will nur spielen“, gefolgt von „Der tut nix“ und einige Augenblicke später dann „Das hat der ja noch nie gemacht“.

Niemand kann das Verhalten seines Hundes in jeder Situation zu 100% vorhersagen und entsprechend schnell und richtig reagieren. Hier hilft nur, sich mit der Kommunikation zwischen Hunden und deren Erziehung zu beschäftigen. Gerade das letztgenannte ist ein kontinuierlicher Prozess, was oft vergessen wird.

Für uns bleibt es also dabei: treffen wir andere Menschen, mit oder ohne Hund, leinen wir Schika an und gehen zügig und ruhig weiter. Verschärft sich die Situation, stellt sich einer von uns zwischen die Hunde und der andere geht weiter. In den meisten Fällen ist dies ausreichend.

Anmerkung: natürlich gibt es auch freundliche Hundebegegnungen und es ist jedesmal schön, wenn man jemanden trifft, der sich darauf einlässt und weiß, was man wie und wann machen und was man lassen sollte!

Radfahrerstress

Bei den Fahrradbegegnungen im Wald oder auf kombinierten Rad-/Fußwegen fühlt man sich meist der Willkür der oben beschriebenen Personen ausgeliefert. Doch es gibt eine einfache und effektive Methode, wie man das Risiko für sich selbst und auch für den Radfahrer verringern kann, auch wenn sich jemand nicht an geltende Vorschriften hält, die besagen, dass man erst dann Überholen darf, wenn man sicher ist, dass der zu Überholende einen bemerkt hat (OLG Hamburg, 1 U 155/18).

Eigentlich auch logisch. In o.g. Urteil sieht man die Konsequenzen von egoistischem Verhalten recht deutlich. Überholen ohne Klingeln und ein nicht angeleinter Hund auf einem kombinierten Rad-/Fußweg. Hätte die Radfahrerin geklingelt und sich etwas zurückgenommen, wäre der Unfall verhindert worden oder zumindest glimpflicher abgelaufen. Hätte der Halter seinen Hund angeleint gehabt, wäre das wahrscheinlich ebenfalls der Fall gewesen. Beide Fehlverhaltensweisen sieht man täglich zuhauf. Auf dem Weg zum Einkaufen sehe ich zum Beispiel regelmäßig freilaufende Hunde auf dem Gehweg direkt am Rand der Bundesstraße und auch Radfahrer, die ohne Rücksicht überholen oder in der falschen Richtung unterwegs sind. Naivität und Egozentrik in Reinkultur…

Nun aber zur angesprochenen Methode, die vor allem im Wald oder auf Feldwegen einfach anzuwenden ist und Unfälle verhindern kann, weil sie den Radfahrer zwingt, sich angemessen zu verhalten: Lauft in der Mitte des Weges. Lauft so, dass ein von hinten kommender Radfahrer nicht an euch vorbeirasen kann und sich bemerkbar machen MUSS. Findet der Radfahrer keine Lücke, muss er klingeln, rufen oder stehenbleiben, wenn er vorbei will. So verhindert man, dass sich der eigene Hund erschreckt und unkontrolliert in den Fahrweg des Radfahrers springt und auch ihr selbst werdet nicht überrascht und müsst ebenfalls nicht ständig aufpassen, was hinter euch passiert.

So wie Autofahrer als stärkere Verkehrsteilnehmer auf Radfahrer Rücksicht nehmen müssen, müssen Radfahrer auf Fußgänger Rücksicht nehmen. Dieses Bewusstsein muss sich durchsetzen und durch diese Präventivmaßnahme kann jeder dazu beitragen, dass wir entspannt und unverletzt die Natur genießen können – egal ob auf zwei oder vier Beinen oder mit zwei Rädern.

Toleranz und Rücksicht sind keine Einbahnstraßen 🙂