Lockdown ohne Ende

2 Wochen Lockdown „light“ sind rum – und ich habe nichts mitbekommen. Ehrlich gesagt muss ich gestehen, dass ich keine Probleme mit Ausgangssperren etc. habe. Als Asperger bin ich sowieso kein Freund von Menschenmassen.

Wenn, dann gehe ich mit Schika spazieren – vorzugsweise dort, wo keine anderen Menschen anzutreffen sind. Ab und an gehe ich auch mal einkaufen, natürlich abseits der Stoßzeiten (7-10, 11-14, 16-20 Uhr). Da die Geschäfte hier alle bis 21 oder 22 Uhr geöffnet sind, ist das ohne Probleme machbar.

Außer unsere direkten Nachbarn kenne ich hier auch niemanden, mein Bruder wohnt eine Stunde entfernt, also ist das auch nicht wirklich einschneidend, wenn man zu Hause bleiben soll. Zumindest für mich.

Was mich nervt ist allerdings, dass es gefühlt im Tagestakt Hü und Hott geht. Keine klare Linie bei den Bestimmungen, Medienberichte sind auf die aktuelle Strategie der Entscheidungen ausgerichtet und verteufeln an einem Tag das, was am nächsten Tag für das Allheilmittel gehalten wird. Keine klare Kante, kein roter Faden, an dem man sich orientieren kann. Das alles hat für mich den Anschein, als reagiere man in bester Zappelphilippmanier auf jede Zuckung ohne langfristiges Ziel, ohne Strategie.

Die Bevölkerung hört und hält sich, so gut es bei 83 Millionen Menschen eben geht, an die Auflagen. Mal bringt es was, mal nicht. Mal liegt der Anstieg an Infektionen an den vermehrten Testungen, mal an Parties, mal an den Schulen, dann wieder an den Arbeitsstätten oder daran, dass man in der Eifel 2 Nächte verbringt. Woran genau es liegt weiß niemand. Es ist immer das dramatisch, was gerade nicht verboten ist oder ins Auge fällt. Zeitungen und Reportagen hinterfragen auch nicht mehr, sie unterstützen nur das, was aktuell „richtig“ ist. Schade.

Ich wünsche mir, dass eine verbindliche Strategie mit entsprechenden Milestones verabschiedet und gefahren wird. Etwas Messbares, woran sich jeder orientieren kann. Etwas, dessen Berechnungsgrundlage nicht alle paar Wochen revidiert wird, was logischerweise dazu führt, dass man keinen Trend ablesen kann. Ich wünsche mir eine klare Linie.

Die Menschen sind geduldig, gerade hier in Deutschland. Solange man sich arrangieren kann, nimmt man vieles hin. Aber das wird nicht ins Unendliche fortzuführen sein. Irgendwann reicht es nicht mehr, nur Pflaster auf den blutenden Armstumpf zu kleben. Dann muss man die Blutung stoppen, die Wunde versorgen und damit den Patienten retten, statt ihm jeden Tag mit einer anderen Begründung zu sagen „Es wird alles gut“.

Am 18. März habe ich einen Vorschlag gemacht. Ok, mich kennt niemand, aber ich wollte es trotzdem sagen 😉 Dieser Vorschlag entsprach fast genau dem Weg, den Schweden schließlich eingeschlagen hatte. Im Grunde war und ist dies auch der einzig sinnvolle Weg – immer noch (meiner Meinung nach). Ob es der „richtige“ ist bzw. war, werden wir irgendwann Ende nächsten Jahres sehen. Fakt ist derzeit nur, dass kaum ein Land Corona im Griff hat – egal welche Maßnahmen getroffen wurden. Es wurde Aktionismus betrieben und wertvolle Zeit verschwendet mit Diskussionen und Abwägungen. Niemand hat klar entschieden, was wie lange und auf welche Weise gemacht werden soll. Die Vorgaben kamen tröpfchenweise, zögerlich und haben bisher nichts gebracht.

Wir brauchen keine Kuschelpolitik, bei der irgendwann mal jemand sagt „Machen wir halt das, dann habt ihr euren Willen“. Wir brauchen jemanden, der Stellung bezieht und klar sagt „SO wird das jetzt gemacht, und zwar SO lange und wir messen den Erfolg SO“!

Mit Frau Doktor Merkel halte ich es wie Volker Pispers. Wer ihn kennt und schätzt, wird es verstehen. Ich empfehle sein Programm „Bis neulich“ (gibts auf YouTube) und da die Version von 2009/2010, als Ähnliches wie heute mit der Schweine- und Vogelgrippe gemacht wurde. Leider hat sich Herr Pispers ja schon vor Jahren aus dem politischen Kabarett zurückgezogen, aber an Aktualität haben seine Aussagen nichts verloren. Ich mag den bärtigen Sozi 😁

Wie dem auch sei: Liebe Regierigen (kennt noch wer „Hurra Deutschland!“?), bitte einigt euch auf einen Kurs. Gebt den Bürgern Sicherheit, wenigstens ein Gefühl davon. Wenn ihr falsch liegt, steht dazu und schlagt einen neuen Kurs ein. Zeigt Führungsqualitäten! Lauft nicht jedem Trend hinterher und verliert euch in widersprüchlichen Aktionismus. Es wurde nun genug Zeit verschwendet mit vielen Süppchen, Unklarheiten und Sturheit.

Das Volk WILL geführt werden. Aber aktuell sehe ich nicht, dass überhaupt jemand souverän führt. Wahlen sind zwar erst nächstes Jahr, aber auch heute leben hier Menschen, die eine Perspektive brauchen und vieles mitmachen – wenn man Verantwortung übernimmt und ihnen das Gefühl gibt, dass man weiß was man da macht. Worte allein bringen jetzt nichts mehr.

Eine gute und interessante Doku zu Corona und den Auswirkungen gibts derzeit bei ARTE: https://www.arte.tv/de/videos/098118-000-A/corona-sicherheit-kontra-freiheit/

Ganz ohne „lustige“ Werbespots der Comedians „Joko und Klaas“, ganz ohne Verschwörungsmurks von „Querdenken“ & Co.

Bleibt gesund!

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