Ausdrücklich

Einzigste – realisieren – ich erinnere das – Expresso – Mitgliederinnen – Eiron Män – Stehgreif – Gesetzte – zumindestens

Stellen sich euch bei diesen Sprachverbrechen auch die Nackenhaare auf? Mir jedenfalls schon. Diese Begriffe tauchen immer öfter auf, gerade weil das geschriebene Wort durch Twitter, WhatsApp, Facebook und allgemein durch die immense schriftliche Kommunikation von vielen Menschen genutzt wird. Wo gehobelt wird, da fallen Späne.

Ich möchte nicht so weit gehen und sagen, dass das Intelligenz- und Bildungsniveau großflächig sinkt. Einige Studien deuten zwar darauf hin, doch fehlen langfristige Daten für eine stichhaltige Prognose. Meiner Meinung nach interessiert es die Leute nur nicht, was sie da von sich geben bzw. muss der Empfänger eben dafür sorgen, dass er diese Wortunfälle richtig interpretiert.

Ein Merkmal unserer Zeit: Die Anderen tragen die Verantwortung, die eigenen Fehler geradezubiegen. Eigenes Fehlverhalten ist höchstens ein Grund, Rücksicht und Toleranz zu fordern. Für die Korrektur sind „Die Anderen“ zuständig. Das gilt in so ziemlich allen Bereichen und sorgt für ein bequemes Leben, denn man kann machen was man will – „Die Anderen“ haben das zu akzeptieren. Tun sie dies nicht, wird geshitstormt was das Zeug hält 🤷🏼‍♂️

Als Aspi bin ich noch eine Stufe empfindlicher. Ich drücke mich nach Möglichkeit präzise aus, was oft in Erklärungen und zig Beispielen ausartet, die dafür sorgen sollen, dass ja keine Missverständnisse aufkommen. Ich mag auch Metaphern, weil man so komplexe Sachverhalte einfach vermitteln kann. Auch verringere ich dadurch die möglichen Interpretationen, die nicht immer im Sinne des Gesagten sind.

Wenn ich mich kurz fasse, gibts nichts zu interpretieren. Wenn ich Dinge ausführe, möchte ich zeigen, welche Gedankenarbeit dahintersteckt und wie meine Aussagen interpretiert werden können (oder eben nicht).

Eigentlich ganz einfach und praktisch. Wenn ein Aspi etwas sagt, kann man sich drauf verlassen, dass er genau das meint, was er von sich gibt. Keine Stolperfallen, keine Hintertürchen, kein „Damit meint er bestimmt XYZ“.

Mir kommt es manchmal so vor, als würde heute niemand mehr irgendwem trauen. An jeder Ecke lauert Verrat, also muss (!) hinter jeder Aussage eine tiefere – und stets negative – Bedeutung zu finden sein. Vielleicht ist das so, aber für mich kann ich sagen: Wenn ich einen farbigen Transmann aus Tunesien als „Vollidiot“ bezeichne, meine ich das so. Er ist für mich ein Vollidiot, weil er für mich ein Vollidiot ist und nicht, weil er Tunesier, Moslem, Trans oder farbig ist.

Für manche ist das schwer zu begreifen, möchte man doch die Welt möglichst kompliziert sehen (und machen), damit sie zum eigenen Chaos im Hirn passt. Dabei funktioniert die Welt samt Menschheit nach einfachsten Grundsätzen und das seit hunderttausenden von Jahren.

Die Welt ist nicht kompliziert, aber viele Menschen machen sie kompliziert. Und genau diese Menschen sind es, die sich nicht darum kümmern, wie sie sich selbst ausdrücken. Vielleicht ist das aber auch notwendig in einer Welt, die gefühlt immer egoistischer wird. Man schaue sich nur die überall wie Unkraut aus dem Boden schließenden Aktivisten für alles mögliche an.

Es gibt einfache Regeln, die die Kommunikation erleichtern. Rechtschreibung und Grammatik helfen enorm dabei, anderen mitzuteilen was man denkt, fühlt, möchte. Ich bin nicht perfekt, Deutsch war nie mein Lieblingsfach und auch in diesem Beitrag wird es einige Fehler geben. Jedoch freue ich mich, wenn mich jemand darauf hinweist. Ich korrigiere meine Fehler und versuche, aus ihnen zu lernen, statt von anderen zu verlangen, dass sie meine Unzulänglichkeiten gefälligst tolerieren müssen und die Klappe halten sollen.

Selbstkritisches Verhalten ist uncool. Es ist ein Zeichen von Schwäche, so scheint es. Das mag in einer Hackordnung, in der „Die Anderen“ grundsätzlich Feinde sind, stimmen, doch diese Denkweise ist Gift für jede Form des Zusammenlebens.

Die oben genannten Beispiele sind nur Fragmente, die jeder irgendwo schon gesehen haben dürfte. Für mich hat das korrekte Ausdrücken bzw. allein der Versuch viel mit Respekt zu tun. Ich werfen meinem Gegenüber nicht einfach meine unverdauten Worte vor die Füße und verlange dann, dass er sie gefälligst korrekt interpretiert. Schafft er das nicht, ist er natürlich selbst Schuld. Und selbstverständlich muss dann noch Rücksicht und Toleranz gefordert werden. Wer sich an die Regeln hält, ist schwach und muss dominiert werden. Wie im Tierreich 🤷🏼‍♂️

Es heißt „EINZIGE“. Davon gibt es keine Steigerung. Oder kennt jemand ein „BESTESTES“?

„REALISIEREN“ bedeutet „VERWIRKLICHEN“. Man kann Worte nicht immer 1:1 aus anderen Sprachen übernehmen. Wahrscheinlich bestellen die „Realisierer“ auch mit „I‘d like to become a steak“ im USA-Urlaub.

„ICH ERINNERE DAS“ … hier frage ich mich, wer das verbrochen hat. Übernommen aus dem Englischen „I remember this“, fällt diese Verunstaltung in die gleiche Kategorie wie das Steak. „ICH ERINNERE MICH AN DAS“ ist ja auch viel zu lang.

Ist ein „EXPRESSO“ ein sehr schnell durchgelaufener „ESPRESSO“, erfunden weil man immer weniger Zeit hat? 🤔

„MITGLIEDERINNEN“ wurde wahrscheinlich deswegen von Anne Will gegendert, weil „MITGLIED“ eindeutig männlich ist. Der Artikel „Das“ interessiert nicht, es ist ja ein „Glied“ enthalten und der Plural lautet „MITGLIEDER“, wo das „er“ am Ende ebenfalls eindeutig männlich ist. Von diesem Gendergeschwurbel findet man aktuell viele abenteurliche Konstruktionen – eine bescheuerter als die andere.

„IRON MAN“ wird so gut wie immer falsch ausgesprochen. Also das „IRON“ jedenfalls. Wahrscheinlich sprechen die Leute „FIRE“ auch „Feire“ statt korrekt „Feier“ aus. Und wer kennt nicht das Lied „EIRON LIKE A LIRON IN ZION“? 🤦🏼‍♂️

Was bitte ist ein „STEHGREIF“? Ist das ein nicht sitzender Greif? Oder wird es nicht doch klarer, wenn man richtigerweise vom Steg-Reif spricht? Phonetik ist nicht immer ein Freund. Ab und an kann man sogar Google benutzen, wenn man sich nicht sicher ist. Hab ich gehört.

Unsere „GESETZTE“ sind viel zu lasch! Also.. müsste das nicht „Unsere Gesetzten sind…“ heißen? Und wer sind diese Gesetzten? Ist die Autokorrektur der Übeltäter? Kann man einmal eingefügte Wörter nicht mehr korrigieren? Ich bin der Ansicht, dass man dagegen einige „GESETZE“ erlassen sollte. Faulheit ist ja noch nicht strafbar.

„ZUMINDESTENS“. Entweder „MINDESTENS“ oder „ZUMINDEST“. Wortroulette spielen führt nur dazu, dass man von vielen Leuten nicht ernst genommen wird.

Ich persönlich würde niemanden auch nur zu einem Vorstellungsgespräch einladen, der solche oder ähnliche Sprachverbrechen begeht. Vielleicht ändert sich das aber auch irgendwann, wenn die einzigsten Mitgliederinnen, die zumindestens etwas aus dem Stehgreif entscheiden können, Personalverantwortung tragen und Leute einstellen dürfen. Ich bezweifle allerdings, dass diese Personen in solche Positionen vordringen können, egal was sie erinnern oder wie viele Expressis sie trinken. Vielleicht realisieren sie dann zumindestens, dass das Problem nicht bei denen liegt, die auf Fehler hinweisen…

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