Ein bisschen Bildungsnotstand

Unsere Schüler werden immer schlechter. Seit Jahren befinden wir uns im verbrieften Abwärtstrend und schauen zu, wie das Land der Dichter und Denker immer weiter in den Vergleichslisten abrutscht. Selbst die Muttersprache ist an manchen Schulen schon ein Problemfall, ebenso wie die Grundrechenarten.


Externe Artikel zum Thema:

Die Welt schrieb bereits 2002 über das Problem, das Deutschland im Bereich Bildung hat. Daran hat sich nicht geändert, wie eine neue Studie abseits von PISA zeigt, in Kurzform nachzulesen bei BILD und Junge Freiheit. Mehr als kurze Meldungen findet man allerdings nicht, es gibt ja Wichtigeres. Wer weitere Eindrücke möchte, findet sie zusammengefasst zum Beispiel bei Tichy.


Es krankt an allen Ecken und Enden. Schulgebäude verfallen, weil kein Geld für die Instandhaltung da ist oder die Beantragung der Gelder so umständlich gehalten wird, dass es teilweise Jahre dauert, bis etwas bewilligt wird. Es fehlen qualifizierte Lehrkräfte, die auch Lebenserfahrung mitbringen und wissen, wie man mit der Schülerschaft umgehen muss. Dazu kommen noch zig Steine, die Lehrern in den Weg gelegt werden, wenn es um ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag geht.

Allen voran klagewütige Eltern, die sich um ihr Herzchen sorgen und dann auch mal vor Gericht gehen, wenn sie der Meinung sind, dass der Lehrer unfair gehandelt hat. Immerhin ist das eigene Kind ja stets hochbegabt und ohne Fehl und Tadel. An vielen Schulen wird fast mehr Zeit damit verbracht, sich gegen klagende Eltern zu wehren, als den Unterricht vor- oder nachzubereiten, von respektlosen Schülerinnen und Schülern ganz zu schweigen. Es gibt sogar Anwaltskanzleien, die sich in Googleanzeigen mit „30 Jahre Erfahrung bei Klagen gegen Schulen und Lehrer“ präsentieren. Schule ist doof, der Lehrer der Feind und Bildung … naja … was eigentlich? Notwendiges Übel? Zwang? Erpressung? Jedenfalls scheinbar nichts Positives.

Unsere Gesellschaft hat sich gewandelt. Wir leben in einer Welt, in der die meisten Menschen ausschließlich an sich denken. Solange es einem selbst gut geht, ist alles andere egal. Man selbst hat Recht und Rechte, die anderen liegen falsch und haben Pflichten. Dieses verquere Denken ist Teil des Problems, denn auf der Strecke bleiben die, die eigentlich unsere Zukunft bilden sollen: die Kinder.

Kinder sind heute Mittel zum Zweck, Werkzeuge, die man einsetzen kann, wie es einem beliebt um eigene Ansichten durchzudrücken. Natürlich wird der kleine Schatz auch stets in dem Glauben bestärkt, dass er im Recht ist und alle anderen nicht. Der Gegenpol, den die Lehrer bei dieser einseitigen und egozentrischen Art der Erziehung bilden sollten, ist quasi nicht mehr existent. Unsere Lehrer wurden eingeschüchtert und entmachtet, die neue Generation von Lehrern besteht entweder aus Quereinsteigern ohne relevante Kenntnisse in Sozialpädagogik oder aus ehemals verhätschelten und somit welt- und realitätsfremden Kindern, die ihre „Erfahrungen“ entsprechend weitergeben und so eine weitere Generation von egozentrischen, linear denkenden und mitlaufenden Menschen heranbilden. Sie kennen es nicht anders.

Das Tüpfelchen auf dem „i“ ist zu guter Letzt die Rücksichtspolitik, die in den letzten 20 Jahren extrem zugenommen hat. Sicherlich müssen wir dafür sorgen, dass Kinder mit Lernproblemen ebenfalls die Chance auf Bildung haben. Wie wir schon vor vielen, vielen Jahren erkannt haben, ist es essenziell wichtig, dass möglichst viele Menschen einen möglichst hohen Bildungsgrad aufweisen, denn Wissen und Bildung – übrigens nicht zu verwechseln mit Intelligenz!–sind die besten Schilde gegen Manipulation und Extremismus.

Nur wurde der Gedanke, dass man auf die Schwächsten Rücksicht nehmen muss, geradezu pervertiert. In der Praxis geht es nicht mehr darum, dass man versucht, die „Schwachen“ auf das Niveau der „Starken“ zu heben, sondern die „Starken“ werden gebremst, um den „Schwachen“ nicht davonzuziehen. Eine fatale Rücksicht, die dazu führt, dass das Bildungsniveau sinkt.

Es werden Programme und Projekte ins Leben gerufen, die es möglichst einfach machen sollen, erfolgreich am Schulunterricht teilzunehmen – allerdings verbindlich für alle. Dies führt dann dazu, dass das Niveau stetig abnimmt, denn man orientiert sich nach unten, nicht nach oben. Wie soll es da Wachstum geben? Wie soll man da die Neugier behalten?

Wie soll man da etwas lernen, wenn zwanzig Schüler auf zwei schwächere Rücksicht nehmen müssen?

Wenn man die Hürden immer wieder senkt, bekommt zwar jeder irgendwann einen Abschluss, aber was ist dieser dann wert? Im Endeffekt steigen die Einstellungsvoraussetzungen oder die Anforderungen für die Immatrikulation. Das Problem wird nach hinten verlagert. Auf diese Weise fühlen sich die Schülerinnen und Schüler während der Schulzeit ganz toll, bekommen danach aber keine Ausbildungsstelle oder einen Studienplatz, weil selbst einfachste Tests nicht bestanden werden (können).

Wäre es nicht sinnvoller, die oben genannten zwei Schüler so zu fördern, dass sie mit den 20 anderen mithalten können? Das kann und sollte auch abseits der Schule geschehen – gerade auch privat und im Elternhaus -, doch hier in Deutschland legen wir den guten Schülern Ketten an und zwingen sie, ebenfalls schwach zu werden oder zumindest zu erscheinen, damit sich die zwei Schwachen nicht ausgeschlossen oder diskriminiert fühlen.

Wir leben eine pervertierte Form der Toleranz und Rücksicht und zerstören damit unsere Zukunft. Wir haben uns daran gewöhnt, dass Leute ohne Ausbildung unsere Kinder unterrichten, nur damit nicht noch mehr Stunden ausfallen. Wir sind so sehr damit beschäftigt, niemandem aufs Füßchen zu treten, dass wir kaum noch Forderungen stellen. Und wenn es doch jemand macht, wird geklagt bis zum Exzess.

Wir achten wenn dann nur darauf, wie gut es unserem eigenen Kind geht und machen damit den wenigen guten Lehrern, die aus Überzeugung einen wahnsinnig harten Job gut erledigen wollen, das Leben noch schwerer. Wir loben unsere Kinder bis zum Gehtnichtmehr – und diese fallen dann aus allen Wolken, wenn sie im Arbeitsleben auf die harte Tour lernen müssen, dass sie eben nicht die Besten sind, sondern maximal Mittelmaß.

Unser desolates Schulsystem gleicht einem Flickenteppich aus Versuchen und Ansätzen, aus Ideologiewahn und Egozentrik. Wer kann, bringt seine Kinder überall unter, nur nicht in einer staatlichen Schule (auch wenn es durchaus Ausnahmen gibt). Warum schafft man nicht endlich bundesweit geltende, einheitliche Vorschriften? Warum gibt es keine bundesweit einheitlichen Lehrpläne, Prüfungen, Vorgaben? Föderalismus hat seine Vorteile, aber bei der Bildung ist dieser tödlich. Wir haben eine allgemeine Schulpflicht, doch sie ist ein Schatten dessen, was sie eigentlich sein sollte.

Wir sorgen dafür, dass Schüler das Minimum lernen und spalten die Gesellschaft somit immer weiter. Am Ende erhalten wir Schulabgänger und Studenten, die nur politisch korrektes Wissen vermittelt bekommen haben und gar nicht mehr in der Lage sind, eigenständig zu denken oder über den Tellerrand zu schauen. Statt Vielfalt und Wachstum gibt es dann nur noch ideologischen Einheitsbrei und die Forderung nach noch mehr Rücksicht und Toleranz, damit sich niemand ausgegrenzt fühlt.

Die Starken sollen die Schwachen tragen. Das gilt bei Steuern genauso wie bei der Bildung und ist ein Eckpfeiler einer funktionierenden Gesellschaft. Nur wer trägt die Schwachen, wenn es keine Starken mehr gibt? Was passiert, wenn die Starken nicht mehr können – oder wollen?

Ich finde, es muss wieder mehr gefordert werden. Wer Probleme hat, soll Hilfe erhalten – jedoch nicht auf Kosten aller anderen. Wenn Zuhause kein Wert auf Bildung gelegt wird, muss die Quittung kommen und nicht mit noch mehr Rücksicht gekontert werden. Unter einem Abi, das unterhalb von 1,9 nichts mehr wert ist, leiden dann nicht nur die, die nicht lernen können oder wollen, sondern alle – und das darf nicht passieren.

Schulen brauchen mehr finanzielle Mittel. Niemand kann oder sollte in Bruchbuden lernen müssen. Wir brauchen einheitliche Lehrpläne und Lehrer, die nicht als Quereinsteiger für ein paar Monate ein paar Euro „verdienen“. Corona hat wunderbar gezeigt, wie rückständig unser Schulsystem und dass Internet und Co. nach über 20 Jahren immer noch „Neuland“ ist. Man hat sich über Jahrzehnte darauf versteift, es denen Recht zu machen, die am lautesten geschrien haben. Rechtschreibreformen, Inklusionsklassen, Schreiben nach Gehör und ähnlicher Murks, der verhindern sollte, dass die armen Kids überfordert werden.

Mit jedem Jahrgang erhalten wir die Quittung dafür, was übertriebene Rücksichtnahme auf Wenige bewirkt.

Gottseidank kann man heute sein Geld ja auch als YouTuber, Twitch-Streamer, Influencer oder Rapper verdienen.

Diese Aussagen gibt es in jeder Generation über die jeweils „junge Generation“, das ist mir bewusst. Doch die Intensität und das Tempo, mit dem sich diese Niveausenkung entwickelt, ist dank des von der Eltern- und Politikergeneration verschlafenen und belächelten „Neulands“ extrem. Wo früher solche Schwächen noch kompensiert werden konnten – einfach weil genug Zeit blieb um gegenzusteuern – kommen heute im Jahrestakt Menschen aus der Schule, die auf sich allein gestellt sind und erst dann wirklich anfangen zu lernen.

Es gibt immer weniger „Starke“, die sie auffangen könnten. Aber wenigstens haben sie sich nicht diskriminiert gefühlt 🤷🏼‍♂️😢

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