Eben beim Bäcker

Wir haben Corona. Also … die Welt. Pandemie und so. In unserer Stadt halten sich auch die Allermeisten an die Regeln und die Hygienekonzepte in den Supermärkten scheinen zu funktionieren.

Zumindest sehe ich keine Menschen mehr, die ohne Maske im Laden rumrennen und die Präsenz von uniformierten „Zählern“, die die Auslastung im Supermarkt verfolgen , sorgt dafür, dass nun auch der stumpfsinnigste Prolet einen Einkaufswagen benutzt. Das hat die letzten Monate trotz netter Schildchen nicht wirklich funktioniert. Naja. Manche lernen eben spät oder nur unter Zwang 🤷🏼‍♂️

Man hält Abstand und ist davon abgekommen, dem Vordermann an der Kasse in den Nacken zu atmen. Find ich klasse. Dass erst ein Virus und Gesetze, Verordnungen und Vorgaben kommen müssen, damit die Leute sich an simpelste Anstandsregeln halten, ist allerdings traurig. Im Großen und Ganzen klappt also alles. Jedenfalls solange jemand aufpasst, wie früher eben bei Mama und Papa oder wenn der Chef im Büro ist.

Ich treffe aber immer noch vereinzelt auf Leute, die sich einen Dreck um die Regeln scheren und sich ihre eigenen machen. Als Verkehrsteilnehmer kenne ich das ja schon zur Genüge, aber beim Bäcker..?

Situation: Kleiner Bäcker mit Konditorei im Foyer eines großen Supermarkts. Eine lange Theke – links Brot und Brötchen, rechts Berliner und Kuchen – eine Kasse (links bei Brot und Co.). Kommt man in das Gebäude rein, kann man direkt zum Bäcker, ansonsten eben, wenn man durch die Kassenzone gegangen ist.

8 Leute stehen an. Also so richtig. Es wurde eine Warteschlange mit Absperrband eingerichtet, die einmal ganz nach rechts führt, am Ende der Theke einen 180-Grad-Schwenk macht, dann an der gesamten Theke vorbei läuft und an der Kasse endet. Wie ein umgekipptes „J“ und weder kompliziert, noch zu übersehen. Allerdings nicht für ein Paar im Risikogruppenalter.

Ich stand ganz normal und wie es sich gehört in der Schhlange an. Der rüstige Rentner aus besagtem Pärchen stellte sich von den Supermarktkassen kommend mit seinem vollbepackten Einkaufswagen stumpf hinter die Leute, die links bei der Kasse von den Mädels bedient wurden. Zwar drehten sich einige Köpfe um, aber außer ein paar Blicken geschah nichts. Ich schaute auch hin, hielt aber ebenfalls meine Klappe, denn sonst hätte ich aufgrund der Entfernung aggressiv wirken können. Es waren ja auch noch 5 andere Kunden vor mir.

Der schlangenvermeidende Senior deutete die Blicke wohl schließlich so, dass der Einkaufswagen ein Störfaktor sei. Er bugsierte selbigen und sich an die Seite und bedeutete nun seiner Frau, die begehrten Backwaren zu erwerben. Auch sie stellte sich nicht in der Schlange an, die hinter mir um zwei weitere Personen gewachsen war und steckte sogar ihr welkes Haupt zwischen die Kunden an der Kasse um die gar leckeren Köstlichkeiten genauer in Augenschein nehmen zu können. Auch hier beschwerte sich niemand – weder das Personal, noch die nun mit Schuppen und Haarspray versehenen Kassenkunden.

Ich hatte übrigens ebenfalls meinen Einkaufswagen dabei und nutzte die Gunst der Stunde. Nachdem eine andere Dame an der Kasse bezahlt hatte, war ich an der Reihe und versperrte Frau Kling für Arme den Weg zur Theke mithilfe des besagten Drahtkarrens. Ich rempelte sie nicht an, sie musste nur ihr Gehechte an allen anderen Kunden vorbei zur Kasse abbrechen und natürlich kam da die nicht vorhandene Kinderstube – oder Altersstarrsinn? – zum Vorschein.

Was das denn solle, sich einfach vorzudrängeln! Sie stünde schon seit einer Stunde an! Eine Frechheit sei das!

Unter meiner Maske konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen, meine Augen verkündeten jedoch Gegenteiliges. Ganz ehrlich: Was ist so schwer daran, sich an ein paar einfache Regeln zu halten? Höflichkeit und Respekt sind nun wirklich nicht nur bei „den jungen Leuten“ Mangelware, sondern auch und gerade bei Senioren. Auch im ersten Lockdown waren es entweder Kids oder Rentner, die sich einen Dreck um Abstand, Maske oder andere Vorgaben gekümmert haben. Ob aus Sturheit, Dummheit oder Egoismus kann ich nicht sagen.

Ich mag Masken auch nicht. Es nervt. Auch dass man für den Kauf von 2 Joghurts einen Einkaufswagen brauchst, nervt. Doch es sind die geltenden Regeln. Der Laden hat zudem noch Hausrecht.

Dennoch trage ich die Maske, nutze einen Einkaufswagen, halte Abstand auch an der Kühltruhe und ebenso an der Kasse (*). Es ist doch nicht schwer und es schränkt nicht wirklich ein, immerhin muss das Ding kein Kunde stundenlang am Stück tragen, außer vielleicht Menschen mit Entscheidungsdysfunktion im Geschäft. Wer die Regeln ablehnt, kann das gerne tun. Dann muss er oder sie aber auch damit rechnen, in keinen Laden mehr eingelassen zu werden oder ggf. ein Ordnungsgeld zahlen zu müssen.

Die eigene Freiheit hört exakt da auf, wo die eines anderen beginnt!


(*) Was ist eigentlich mit den Leuten los, die ihren Einkaufswagen an der Vorderseite durch den Kassenbereich ziehen? Zum Ausräumen am Band kann ich das noch verstehen, aber danach? Wollen die unbedingt, dass die Schlangen ins Unermessliche wachsen? Denken die nicht nach? Oder gilt bei denen auch der Grundsatz „Jedem das Seine, mit das Meiste“? Da es ja immer noch Leute gibt, die Flaschen quer aufs Kassenband legen, egal wie die dann rumrollen, gehe ich mal vom gleichen Klientel und somit minderer Intelligenz aus. Ärgerlich, aber Dummheit ist nicht strafbar. Angeblich soll es Platz sparen. Das behauptet auch nur jemand, der noch nie für mehr als 5€ eingekauft hat und in Zeiten von Abstandsregeln ist das „Argument“ endgültig lächerlich.


Wie dem auch sei, nach den Vorwürfen der älteren „Dame“ – ihr Männe hielt sich am Rand zurück – sah ich nach unten zu ihr und erklärte ihr, dass die Warteschlange „dort“ beginnt. Ich deutete auf die entsprechende Stelle. Sie erwiderte sodann, dass die Warteschlange doch nur für die Leute gelten würde, die Kuchen und dergleichen kaufen wollten. Dass diese Vorstellung absurd war – eine Schlange, eine Kasse – konnte ich ihr nicht begreiflich machen. Sie erwiderte dann noch, dass sie sich angestellt hätte und ich erklärte ihr, dass sie sich hingestellt hat und das ein Unterschied sei. Jedenfalls kam sie nicht vorbei und auch die anderen Kunden ließen sie nicht durch. Es muss wohl nur immer einer den Anfang machen. Als mich die nette und gestresste Verkäuferin dann unter ihrem Faceshield anlächelte, sah ich noch, wie die Seniorin sich schließlich fügte und in der definierten Warteschlange anstellte, wie alle anderen auch.

„6 Brötchen, bitte“, „Vielen Dank“ und ein wissendes Kopfnicken bildeten den Abschluss dieser Kleinigkeit, die leider oft genug geschieht und sich in alle Lebensbereiche erstreckt – ob im Job, in der Bahn, beim Einkaufen oder im Straßenverkehr. Haltet euch an die Regeln oder bleibt weg von denen, die das tun.

10 Kommentare zu „Eben beim Bäcker

  1. Ich mag gern den Punkt mit dem Einkaufswagen *hinter* sich ansprechen, weil auch ich das oft tue.
    Je nachdem, wo es angebracht ist.
    Je nachdem, ob ich vor oder hinter mir jene Menschen habe, die sich noch immer nicht an Abstand halten.
    Oder selbst ohne Wagen stehen.
    Weil so ein Wagen eben oft auch ein guter Distanzhalter nach hinten ist.
    Ggf. auch ein gutes Werkzeug, um zurück zu rempeln.
    Ich selbst kann nach vorne ja meinen Abstand einhalten.
    Ansonsten:
    Ich hätte vermutlich bei der Frau beim Bäcker die Klappe nicht so lange halten können.
    Solche Menschen gibt es hier auch.

    Wobei ich echt das Gefühl habe, je länger das mit Corona dauert, desto agressiver werde auch ich selbst.
    Sensibler und empfindlicher auf Grenzverletzungen.

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    1. Zustimmung. Hab den Wagen noch nicht als „hinteren Abstandhalter“ betrachtet. Da reicht meist ein „normaler“ Blick von mir 😁 Ich verstehe es einfach nicht. Was ist denn so schwierig daran, sich an ein paar Regeln zu halten und etwas Rücksicht zu nehmen? Es geht stets nur um den eigenen Vorteil. ICH will nicht anstehen, ICH will keine Maske tragen, ICH will keinen Abstand halten … ICH ICH ICH. Das ist glaub ich das wirkliche Problem. Den Kids wurde über Jahrzehnte eingetrichtert, dass sie wertvoll, einzigartig, superschlau sind und alles erreichen können. Wenn jemand was anderes sagt, ist das zu ignorieren, man soll sich wehren und nehmen was einem zusteht, auf sein Recht bestehen. Tja, und nun suchen ganze Generationen nach ihrem Recht – egal ob andere auch Rechte haben. Pflichten existieren auch nur für die anderen, eine Gesellschaft von Egoisten, denen immer alles zusteht – ob Hilfe, Geld, Job, Vorfahrt. Nur man selbst muss nix tun, keine Verantwortung tragen, keine Regeln befolgen. Wer das verlangt, ist der Feind – ob Staat oder Individuum. Insofern: ja. Man wird aggressiver, weil immer mehr Menschen zeigen, dass ihnen alle anderen kackegal sind 😔

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      1. Spielst Du auf die „Phase“ an, als vor allem Schulen diese „Ellenbogen-Pädagogik“ präferierten?
        Das ham sie zum Glück dann ja irgendwann wieder aufgehört und gingen über zu Gruppen- und Teambuilding?!

        Ich hab oft gedacht, dass das ja schön und gut ist zu lernen, sich durchzusetzen.
        Aber so ganz alleine kann vermutlich KEIN Mensch etwas erreichen.
        Es ist so kontraproduktiv, diese ganzen Egoisten zu züchten.
        Und klar – nun HABEN wir sie. Überall um uns herum.

        Manchmal frage ich mich, ob man es ihnen vielleicht nur auch mal erklären müßte?!
        Ob die das einfach nur nicht wissen?
        Aber dann guckst Du in ihre Gesichter und denkst „Nee, laß mal“.

        Ich würde so gerne aufhören dürfen, mich schützen und verteidigen zu brauchen. Und Angst zu haben.

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      2. Das Schlimme daran ist ja, dass man selbst egoistisch werden muss, damit man nicht untergeht. Das alles ist ein riesiger katalysierter Teufelskreis. Anpassen und Diskutieren = Schwäche. Nur wer nimmt, der kriegt auch was. Richtiggehend pervers wird’s ja, wenn sich Egoisten zusammenschließen. Dann gehts gegen andere Gruppen, andere Parteien, andere Denkweisen, andere Menschen im großen Stil – und jeder denkt dennoch immer nur an „seine“ Sicht, die als einzige richtig und berechtigt ist. Schlagworte werden missbraucht und gute Ideen benutzt, in den Dreck gezogen. Dabei könnte man wirklich was erreichen, aber jeder arbeitet gegeneinander – weil man das so gelernt hat. Ellbogenmentalität unter dem Leitstern „freie Persönlichkeitsentwicklung“. Das passiert, wenn zu viele Regeln aufgeweicht werden, wenn jeder nur Freiheiten lernt und auf seine Rechte schaut. Es ist tödlich für eine Gesellschaft und zwar genauso wie das andere Extrem des blinden Gehorsams und Altruismus‘. Nur… wer macht sich denn noch die Mühe, einen Mittelweg zu finden? Dafür müsste man reflektieren und auch mal nachgeben, hinterfragen, weniger stur sein. Sollen doch die anderen anfangen! 😐😔

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      3. Naja…. es GIBT ja auch *andere*, die anfangen.
        Dich zum Beispiel, mich und viele andere hier in den Blogs.
        Da bräuchten die dann bloß noch mitmachen 🙂

        Aber klar, es tut scheiß weh, sich an die eigene Nase zu packen.
        Da ist es „angenehmer“, in fremder Hintern zu treten.

        Vielleicht wäre es sinnvoll, Gesetze doppelt zu formulieren.
        In der Art „Du hast das Recht…., aber hierdurch auch die Pflicht und Verantwortung…“

        Durch jedes Dürfen entsteht auch eine Grenze, die man anderen gegenüber einzuhalten hat. Würde man das deutlicher machen, würden vielleicht Manche lieber auf Rechte verzichten.
        Aber irgendwie scheut sich Deutschland oft davor, Grenzen zu setzen.

        Hm… eben denk ich über mich selbst nach und wie schwer das ist mit dem Grenzensetzen, wenn man sie (die eigenen) oft noch nichtmal fühlen kann…
        Kann ein ganzes Land derart traumatisiert und dadurch gefühlstot sein, wie ein einzelnes Gewaltopfer?

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      4. Ich glaube ja. Das ist möglich. Vielleicht kommt ja auch daher der Begriff „Volksseele“. Die Selbstgeißelung ist uns ja quasi permanent vermittelt worden. Man darf gar nicht „nicht Schuld“ sein. Dann gabs den Befreiungsversuch in den 60ern und 70ern. Der schwenkte aber ins genau andere Extrem, das man dann in den 90ern und 2000ern wieder abmildern wollte. Doch das Pendel hört nicht auf zu schwingen, nur weil man das will. Es gibt keine Richtung, kein Ziel, kein Fundament. Wie kann man ohne Basis etwas bauen? Deutschland hat keine Basis, kein Fundament auf das sich der Bürger frei stützen kann. Wir leben in einem Chaos aus Aktionismus. Was getan wird, geschieht weil es nicht anders geht, weil man etwas nicht mehr ignorieren kann. Aber es gibt niemanden, der sagt: DAS sind wir, DAS wollen wir, SO machen wir’s. Wie eine Herde ohne Leittier. Und so sucht sich jeder seinen eigenen Weg, befreit sich von Dingen, die ihn nie gefangen gehalten haben und kämpft für Sachen, die es schon längst gibt. Dazu kommt dann noch die Ungeduld – man muss JETZT das und das haben und erreichen. Das ist man so gewohnt, das steht einem zu. Da bleibt dann keine Zeit mehr für ein Hinterfragen. Wenn ich mir anschaue, wie lange sich unsere Parteien inkl. unserer Bundesjustizministerin gewehrt (!) haben, um Missbrauch an Kindern als Verbrechen einzustufen… warum? Sind diese Menschen so sehr auf ihre Sicht beschränkt, dass sie die Realität nicht mehr sehen? Oder ist das Selbstschutz? Es wurde erst was geändert, als eine Petition samt Presseaufgebot persönlich übergeben wurde. Ok. Die Presse wurde offiziell wieder ausgeschlossen, aber immerhin. Gleiches bei Corona. Es wird re-agiert statt die durch Lockdowns gewonnene Zeit für einen sinnvollen Plan zu nutzen. Deswegen sterben die hauptsächlich Betroffenen auch nach 10 Monaten noch und der nutzlose Lockdown nimmt kein Ende. Es brennt an 50 Ecken und alle rennen rum und versuchen die Feuer zu löschen wie sie es für richtig halten. Niemand geht an die Brandursache, niemand koordiniert, motiviert, beruhigt. 83 Millionen Menschen werden jeden Tag aufs Neue in eine andere Richtung geschoben. So läuft man permanent im Kreis, kommt nicht vorwärts. Aber dieses Jahr sind ja Wahlen. Vielleicht passiert ja doch mal was, auch wenn’s nur um Wählerstimmen geht 🤷🏼‍♂️

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      5. Ich mag deine Art zu schreiben – so hätte ich das nie auf einen Punkt geschafft.
        Aber ja, es gibt keine Basis.

        Ich hab´s nicht so mit Politik – sie macht mir Angst – aber ich denke, früher war es irgendwie auch noch GUT, deutsch zu sein.
        Wir waren Schaffer, zuverlässig, pünktlich und strebsam. Es gab Ziele und Pläne.
        Es gab eine Identität.

        Heute darf man noch nichtmal sowas *haben*, wie Nationalstolz.
        Oft ist Deutschsein fast schon peinlich.

        Deutsche Angst – irre, dass es diese Bezeichnung so im Ausland gibt.

        Deutschland ist irgendwie verschreckt; angstgelähmt oder in Panik wild im Kreis rennend.
        Aber keiner setzt sich mal in Ruhe hin, guckt und sucht nach wirklichen Lösungen.
        Es werden nur Löcher gestöpft – meist mit untauglichem, schmerzenden „Material“.
        Hauptsache, es sieht wenigstens so aus, als sei es jetzt dicht.
        Aber dieser Schmerz, der bleibt.

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      6. Danke, das gebe ich gerne zurück (auch wenn es noch LANGE dauern wird, dein altes Blog zu lesen). Politik ist anstrengend, aber auch recht simpel. Egal wer regiert, es passiert dasselbe wie vorher. Vielleicht ein oder zwei „spezielle“ Dinge, aber dann ist alles wie vor der Wahl. Man plant für 4 Jahre – maximal. Unproduktiv ohne Ende. In der freien Wirtschaft wäre eine solche Geschäftsführung nicht haltbar. Aber was sind die Alternativen? Es gibt keine. Das System steht und entweder man macht mit, nutzt es aus, bereichert sich oder man dümpelt in der Bedeutungslosigkeit herum. Wirkliche Veränderung kommt von den Bürgern selbst, aber nicht durch Wahlen, sondern durch vernünftige, soziale, respektvolle, wertige Erziehung, die nicht darauf abzielt, dass der eigene Nachwuchs das Besonderste ist. Man kann sich in eine Gesellschaft einfügen, ohne sich selbst zu verlieren. Nur glaubt das heute niemand mehr. Anpassung ist Untergang, also wird mit aller Gewalt gekämpft – gegen alles, was einen unten hält. Der nicht-kämpfende Teil ist aber noch so traumatisiert (weil muss… Erbsünde etc.) und es so gewohnt, jeder Forderung nachzugeben, dass es da auch keinen Widerstand gibt. So wird z.B. der GG-Artikel des Diskriminierungsschutzes regelrecht ausgenutzt und zwei entscheidende Worte einfach ignoriert: Niemand darf wegen […] benachteiligt *oder bevorzugt* werden. Rechte *und Pflichten*. Und so wird jeder nichtige Anlass zu einem riesigen Staatsakt, kleinste Grüppchen werden hofiert und zufriedengestellt und weil sie damit durchkommen, machen sie weiter. Kleiner Finger, ganze Hand. Jeder will was, jeder bekommt es, wenn er nur laut genug plärrt. Aber die wirklichen Probleme, die man nicht über Twitter-Shitstorms gelöst bekommt, bleiben ungehört. Es braucht einen jahrzehntelangen Kampf, um Missbrauch als Verbrechen einstufen zu lassen. Es braucht nur 50 Leute, damit ganze Behörden auf Gender* umgestellt werden. Jeden Tag werden Kinder geschlagen und vergewaltigt, sterben entweder jung oder auf jeden Fall ein Leben lang. Dagegen vorzugehen WEHRT man sich! Ähnliches bei Prostitution. Legal, super. Was hat’s gebracht? Nix. Warum kann man da nicht den schwedischen Weg gehen? Der scheint zu funktionieren. Warum bekommen Jugendämter nicht mehr Kompetenzen? Warum sitzt nicht in jedem Sozialpädagogenteam ein echtes Opfer, jemand, der das überlebt hat und weiß, wie es läuft, worauf man zu achten hat? Warum überlässt man das Theoretikern? Politik macht Angst. Mich regt sie auf, weil ich mich machtlos, hilflos fühle. Weil sich nichts ändert. Weil jeder nur an sich denkt und der, der das nicht macht, gnadenlos untergeht. Ich bin auch kein Anführer, aber ich wäre sofort mit im Boot, wenn ich gebraucht würde.

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      7. Ich schaue so gut wie keine Nachrichten mehr. Selbstverständlich halte ich mich aber auf dem Laufenden. Es nervt einfach nur noch, bei jedem Artikel, jedem Bericht immer die gleichen Phrasen zu hören, die gleiche Hetze auf den jeweils aktuellen Feind, die gleichen Horrorszenarien und die gleichen Versprechungen, die doch nie eingehalten werden. Es sorgt für Chaos im Kopf und bringt doch nichts. An dem Punkt muss ich sagen: ich bin hier egoistisch. Einfach weil ich mich nicht für irgendwelche Zwecke benutzen lassen will. Man kann sich online sehr gut vernetzen. Man kann sich aber auch sehr gut vor Idioten schützen. Blocken, löschen, Ruhe ist’s. Schwieriger wird’s im realen Leben, wenn man seine Meinung von Angesicht zu Angesicht vertreten soll, muss, kann. Das erfordert Stärke und ggf auch Konsequenzen. Aber man muss sich selbst doch treu bleiben, gerade wenn man sich erst gefunden hat und aus Erfahrung und Erkenntnis weiß, was man will, wer man ist, oder? Darf man da egoistisch sein? Anderen widersprechen? Dieselbe Sprache sprechen? Auch was verlangen? Nein sagen? JA! Man MUSS sogar! Schweigen hilft nichts. Schweigen gibt Macht ab. Macht über die Zukunft, über das eigene Handeln und Denken. Schweigen schafft Leid, indem es Schreihälse gewähren lässt, indem es zulässt, dass verzogene Egomanen ihr Ding machen. Schweigen hilft Tätern, Manipulatoren, Despoten. Schweigen und Mitmachen, gewähren lassen, relativieren hat den Depp aus Österreich unterstützt und ein paar Jahre später den Irren der DDR ebenso. Schweigen tötet. Aber wir schweigen trotzdem weiter, so lange es noch irgendwie geht. Undenied gewöhnen und dran. Sind ja immer nur Kleinigkeiten. Hier ein Kreuzchen, da ein anderer Name, Maske hier, Fahrrad da, ein paar Steuern dort und dann noch was einsparen. Aber auch 1000 Kleinigkeiten ergeben irgendwann ein Mosaik, das dann auch der Stillste sehen kann. Wird nur schwer, das wieder zu entfernen … ohne wieder ein Bild, eine Basis zu verlieren (egal wie brüchig) und erneut im Strudel der Ziellosigkeit zu ertrinken. Wer jede Kleinigkeit aufbauscht und instrumentalisiert, der hat keine Zeit für Dinge, die *wirklich* alle angehen. Und keine Lust. Ich hasse sowas, aber kann ich was tun ohne genauso zu werden? Teil dieser Maschinerie?

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