Claudias House of Love (Joyn)

Wenn man denkt, man hat jeden Mist gesehen und es geht nicht mehr weiter runter mit dem Niveau, kommt ProSiebenSat1 um die Ecke und beweist einem das Gegenteil.

Es mutet fast wie ein Wettkampf zwischen RTL und ProSiebenSat1 an: Wer kann den primitivsten Mist produzieren?

Lieferten sich letztes Jahr Promis unter Palmen, Sommerhaus der Stars und Kampf der Realitystars ein Kopf-an-Kopf-Rennen, legt der Haussender der Weltverbesserer Joko und Klaas auf seinem Streaming-Dienst „Joyn“ mit „Claudias House of Love“ kräftig vor.

Eine Horde halbintelligenter Steinzeitmänner buhlt um die Gunst einer hedonistischen Seniorin. Das Ziel ist klar und sämtliche Kerle tragen in ihren Einspielern unmissverständlich vor, was sie erwarten: Ficken, Sex und Schwanzvergleich. Das macht aber nix, denn Claudia Obert will das so und erwartet dasselbe.

Und so stehen am Ende der ersten Folge die begattungswilligen „Männer“ im Kreis um die greise Samenbank (laut Einblendung 59, sie sagte selbst was von 61…) herum und balzen um die Wette als gäbe es kein Morgen. Eklig, aber dank der Kommentare aus dem Off erträglich. Vielleicht hilft auch Alkohol und Geschrei? Zumindest den Kandidaten scheint es so zu gehen, denn das erste fließt in Strömen, was dann unmittelbar zu zweitem führt.

Ich mag TrashTV, aber Claudias House of Love… naja. Es wird eben viel mit billigen Ausdrücken gearbeitet, die man sonst zu fortgeschrittener Stunde im Karneval hört. Aber der fällt ja dieses Jahr wohl aus, somit füllt der/die/das Sender:_*innen ProSiebenSat1 auf Joyn schon eine Lücke im Prollsegment.

Mal schauen, wie die RTL-Group kontert. Bis dahin beschreibt das Zitat des Off-Sprechers meinen Eindruck ganz gut, auch wenn ich es aus dem Kontext reißen musste:

„Geh‘ mir nicht auf den Sack mit deinem Pimmelgeschenk!“

Zockerleben im Dezember 2020

Weihnachten, Silvester, Winter – jedes Jahr aufs Neue und im Grunde eine wunderbare Zeit um vor der Konsole zu entspannen. Dieses Jahr ging es sogar kaum anders, „Dank“ Lockdown… Machen wir’s also kurz:

Call of the Sea

„Cthulhu light“ könnte man dieses First-Person-Adventure untertiteln. Mir persönlich hat das Spiel ganz gut gefallen, zudem war es via Game Pass kostenlos. Call of the Sea handelt von einer Frau, die sich in den 1930ern auf die Suche nach ihrem Mann begibt, welcher seinerseits auf der Suche nach einem Heilmittel für ihre Krankheit verschollen ist. Primär löst man Rätsel von variabler Komplexität und erkundet kapitelweise die Umgebung in Form einer tropischen Insel – also keine echte offene Welt. Hinweise und Besonderheiten liegen überall verstreut und werden bei Fund automatisch in einem Journal dokumentiert. Ein Inventarsystem existiert nicht (bzw. nur sehr rudimentär), man kann nicht sterben, es gibt keine Sackgassen, keine Gegner, keine hektischen Situationen – aber auch keine Schockmomente. Das finde ich gerade bei einem „Lovecraft inspired“ Spiel etwas schade. Immerhin kann man ein paar Anspielungen entdecken und das Ende ist auch ganz interessant. Leider finden sich im Spiel selbst kaum Erklärungen zu den Hintergründen bzgl. der Insel, der Krankheit und ähnlichem. Kennt man Lovecraft und/oder die Stories rund um die Großen Alten nicht, wird man die Geschichte des Spiels nicht verstehen. Dass die Protagonistin andauernd (!) Selbstgespräche führt, mutet etwas seltsam an, da man eben alleine durch die Spielwelt wandelt, aber es nervt nicht. Im Gegensatz zur wirklich langsamen Laufgeschwindigkeit. Klar, man soll nicht durch die Szenerie rasen, aber so (!) langsam musste man das auch nicht programmieren. Alles in allem ein solides Spiel mit durchaus guter Story, der es leider an vermitteltem Tiefgang fehlt.

Rec Room

Schnelle Achievements, kostenlos im Store. Mehr möchte ich dazu nicht sagen 😁

Control

Ich mochte Alan Wake und auch Quantum Break (oh, das muss ich noch durchspielen!). Doch mit Control wurde ich nicht warm. Man liest überall von der guten Story und Atmosphäre, aber mich hat das Spiel nie gepackt. Schon in der ersten Stunde musste ich die Sprachausgabe auf Englisch stellen (ich spiele grundsätzlich auf Deutsch wenn möglich), weil diese abgesehen von der Hauptdarstellerin dermaßen dilettantisch und billig implementiert wurde, dass es für mich nicht spürbar war. Und dabei rede ich noch nicht einmal von der grottigen Übersetzung, die selbst Google Translate besser hinbekommen hätte. Die Idee fand ich interessant, aber die Entwicklung der Geschichte in Form von zu findenden Memos, Briefen, Aufzeichnungen funktionierte für mich hier nicht. Das hat Alan Wake wesentlich besser geschafft. Also blieben noch die Ballerabschnitte, aufgelockert durch Telekinese, Schwebeeinlagen und dergleichen. Nett, aber keine Kompensation für ein „Wir werfen den Spieler mal ins kalte Wasser und erklären gar nichts, egal wie unglaubwürdig dann die Handlung erscheint“. Manche nennen es „mystische Elemente“, ich nenne es „Praxis > Theorie“. Dabei kann Remedy durchaus anders – und besser. Mir hat es zu lange gedauert, bis mein Interesse geweckt war, somit habe ich im Januar kurz nach der „Hotline“ aufgehört zu spielen. Gut, dass Control ebenfalls im Game Pass enthalten ist.

Dragon Quest XI S: Echoes of an Elusive Age – Definitive Edition

Viel länger hätte man den Titel nicht gestalten können, oder? Ein wunderbar erzähltes JRPG mit liebenswerten Charakteren und einem interessanten Grafikstil. Ich habe es knapp 100 Stunden lang sehr genossen, auch wenn ich die letzten „Fleiß-Achievements“ nicht mehr erledigt habe. Mehr zu DQ11 hier (übrigens ebenfalls im Game Pass enthalten).

Thimbleweed Park

Das Point & Click-Adventure habe ich schon länger in meiner Sammlung, aber irgendwie hatte mich erst jetzt die Lust gepackt, es auch mal zu spielen. Thimbleweed Park sieht aus wie Maniac Mansion und spielt sich auch so. Die 0815-Geschichte rund um 2 Agenten, die einen Mord aufklären sollen, entwickelt sich jedoch sehr schnell zu etwas Größerem. Mystery, Sci-Fi und Gaming mischen sich mit philosophischen Fragen (wie bei Akte X) und führen zu einem Ende, das man am Anfang nicht erahnen kann. Der Humor trifft genau meinen Geschmack (ich liebe den Clown!). Mehr davon, bitte!

Pikuniku

Seltsam. Aber auch irgendwie witzig. Pikuniku ist ein Adventure in Form eines Plattformers. Aber wie beschreibt man ein Spiel, in welchem man einen „Ball“ spielt, dem später Beine und Arme wachsen? Ich hab’s versucht, aber es hat mich nicht allzu lange fesseln können.

Haven

Zwei Liebende stranden während ihrer Flucht vor einem streng regulierten Liebesleben auf einem seltsamen Planeten, müssen dort überleben und herausfinden, welche Geheimnisse dort verborgen sind. Der Fokus liegt hier klar auf der Erkundung und auf der Beziehung zwischen den beiden Charakteren. Der Survival-Aspekt ist vorhanden, aber im Grunde beschränkt aufs Sammeln von Nahrung und das Kochen. Ab und an gibts noch ein paar Kämpfe gegen die einheimische Fauna, man legt sich ein oder zwei Haustiere zu und erkundet mittels Jet-Stiefeln die nähere und weitere Umgebung, um schlussendlich das eigene Raumschiff zu reparieren. Muss ich wirklich mal weiterspielen, solange es noch im Game Pass enthalten ist.