TRIGGERWARNUNG Kindesmissbrauch „Zartes Fleisch“ Kapitel 12 – Timo

Der Beitrag darf gerne geteilt werden, allerdings nur mit entsprechender Warnung und unter Nennung der Quelle (mein Blog und/oder meine Person).

Anlaufstellen für Betroffene von sexuellem Missbrauch sind zum Beispiel N.I.N.A e.V. oder auch die Nummer gegen Kummer (inklusive Chatfunktion).


Schule ist schön. Zumindest war sie das mal. Aber jetzt in der zweiten Klasse ist Schule schlimm für mich.

Ich mag nicht mehr hingehen. Aber ich muss. Mama ist sonst traurig. Seit dem Tag als Papa mich so doll geschlagen hat, strenge ich mich umso mehr an, ein liebes Kind zu sein. Papa ist noch seltener zuhause und wenn, dann redet er kaum mit uns. Wir gehen auch nicht mehr ins Schwimmbad. Er verbringt die meiste Zeit dann schlafend, vor dem Fernseher auf der Couch und bei Sabrina. Papa riecht auch oft nach Kneipe. Das mag ich nicht.

Ich habe Angst, dass Papa für immer weggeht. Er ist zwar böse zu Mama und mir gewesen, aber er ist Papa. Er gehört doch zu unserer Familie.

Es ist Montag und ich gehe zur Schule. Zuerst unsere Seitenstraße entlang, wo ganz selten Autos fahren. Dann vorbei am Feuerwehrhaus, wo ich ein paar Mal hingegangen bin um Feuerwehrmann zu werden. Dafür hatte Mama gesorgt. Sonst kommen da ja nur bestimmte Leute rein. Aber da hat es mir nicht gefallen. Die wollten da alle nichts mit mir zu tun haben und die einzigen anderen Kinder kenne ich schon von der Schule. Vielleicht gehe ich später nochmal hin, wenn ich größer bin.

Nach dem Feuerwehrhaus biege ich rechts ab und gehe an der Kirche vorbei. Es ist eine kleine Kirche, aber schön sieht sie aus mit ihrem hohen Turm und den weißen Mauern. Richtig wie im Mittelalter.

Dann gehe ich neben der Hauptstraße weiter, lasse die Pommesbude rechts liegen, den Brunnen auch und gehe weiter den Berg hinauf. Wenn ich an der Post vorbeigegangen bin, muss ich noch ein kleines Stück weiter und dann links in die Straße rein. Da geht’s dann zur Schule, die ganz oben auf dem Hügel am Dorfrand liegt.

20 Minuten bin ich da jeden Morgen unterwegs, aber das ist in Ordnung. Die Abkürzungen durch die kleinen Gassen nehme ich nicht mehr. Da bin ich einmal verprügelt worden, als es morgens noch dunkel war. Also gehe ich den langen Weg außen herum.

Mama kann nicht mehr so gut laufen. Das ist mir am Anfang nicht so aufgefallen, aber im letzten Jahr ist sie immer weniger mit mir spazieren oder zum Einkaufen gegangen. Papa ist unterwegs und Sabrina geht in der Stadt zur Schule, also muss ich alleine gehen. Es ist ja niemand mehr da.

Wenn ich an der Hauptstraße entlanggehe, passiert mir auch nichts. Da springt mir dann kein Viertklässler vor die Füße und tritt mich, schlägt mich und bespuckt mich, wenn ich heulend im Dreck liege. Dafür ist der Weg eben länger.

Wenn ich ganz pünktlich losgehe, komme ich nur ein paar Minuten bevor der Unterricht beginnt am Klassenzimmer an. Da sind dann zwar schon alle da, aber drinnen im Gebäude und nicht draußen auf dem Schulhof. Hier drin tut mir niemand was an. Ich versuche, so oft wie möglich drinnen zu bleiben. Leider muss man in der ersten großen Pause rausgehen. Das wollen die Lehrer so. Meist warte ich dann an den Eingangstüren. Ich glaube, das bringt mir auch Sicherheit.

Meine Lehrerin kommt kurz nach mir an und schließt die Klassenzimmertür auf. Ich sitze ganz hinten an einem Ecktisch. Die Schultische sind aus Holz, genau wie die Stühle, und alles ist in einem großen U angeordnet. An der offenen Seite steht das Lehrerpult und dahinter die große, dunkelgrüne Tafel. Mein Ecktisch steht so, dass ich mit dem Rücken zu den Fenstern sitze. Links neben mir ist etwas Platz zum nächsten Schüler und rechts neben mir sitzt niemand. Erst ein Platz weiter sitzen die Mädchen. Aber keine davon redet mit mir. Das ist in Ordnung. Wenn sie nicht mit mir reden, können sie mir auch nicht weh tun.

Die Stunde fängt an.

„Guten Morgen, liebe Schüler“, sagt die Klassenlehrerin wie jeden Tag.

„Guten Morgen, Frau Delling!“, rufen alle als Antwort.

Die ersten beiden Stunden haben wir Mathe und Deutsch bei Frau Delling. Sie ist nett, aber auch streng. Immerhin sollen wir etwas lernen, meint sie immer, wenn sich jemand beschwert. Ich kann schon lesen und rechnen, deswegen male ich in meine Hefte, statt aufzupassen. Frau Delling kommt dann immer zu mir und schimpft mit mir.

Das bekommen natürlich alle anderen mit. Ich hab auch schon deswegen geweint. Dafür schäme ich mich und ich glaube, deswegen kann mich niemand hier leiden. Die Jungs in der Klasse lachen immer und machen so komische Andeutungen, wenn sie denken, ich kriege das nicht mit. Aber ich kriege das mit. Sie nennen mich „Muttersöhnchen“ und „Freak“, aber warum weiß ich nicht.

Ich liebe meine Mama. Das tut doch jeder, oder nicht? Aber wenn das die anderen Kinder sagen, hört sich das an wie eine Beleidigung. Was „Freak“ bedeutet, weiß ich nicht. Ich kenne ja niemanden, der mir sowas erklären kann. Vielleicht frage ich Sabrina mal danach. Die lernt sowas bestimmt auf dem Gymnasium.

Dann kommt die erste große Pause. Alle müssen raus auf den Schulhof und spielen. Ich will aber nicht spielen. Ich will hier drinbleiben, in Sicherheit. Aber ich muss raus, so wie alle anderen auch. Die Lehrer machen auch Pause, aber in ihrem Lehrerzimmer. Es gibt nur einen Viertklässler, der auf die anderen Schüler aufpasst. Das ist die schlimmste Zeit an jedem Schultag, denn ich kann mich nicht verstecken und habe immer Angst, dass mir was passiert. Niemand ist da, um mich zu beschützen. Mama ist so weit weg.

In meinem Kopf schwirren alle möglichen Gedanken umher und ich merke, wie ich mich anstrengen muss, um nicht loszuheulen. Leise zähle ich die Sekunden, bis die Pause vorbei ist, aber kaum habe ich damit angefangen, packt mich eine Hand an der Schulter. Es ist Lukas. Natürlich.

Ich atme schneller, durch die Nase und schaue ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Ich merke, wie mir das Blut in den Kopf steigt und ich dadurch rot werde. Ich drücke mich so fest ich kann an die Wand neben der Eingangstür. Wie lange noch, bis die Tür wieder aufgeht? 10 Minuten? 600 Sekunden. Nur bis 600 zählen, dann ist es vorbei.

Aber Lukas hat andere Pläne. Er packt mich jetzt am Arm und zieht mich in die gegenüberliegende Ecke. Hier ist der Eingang zum Spielzeugraum. Da steht der Spielzeugwagen drin, mit Seilen, Bällen und so weiter, der zu Anfang der Pause immer rausgefahren und am Ende wieder reingebracht wird. Dafür ist die Pausenaufsicht verantwortlich. Und das ist immer ein Viertklässler – Lukas.

Der Raum ist leer und Lukas schubst mich hinein, so dass ich fast hinfalle. Ich merke, wie mir die Tränen übers Gesicht laufen, aber Lukas interessiert das nicht.

Lukas ist groß, größer als ich und wohnt nicht weit von der Schule weg. Er ist auch in der Feuerwehr, aber nicht in der Gruppe, in der ich war. Sein Bruder ist auch hier auf der Schule und zwar in meiner Klasse. Und jetzt gerade zusammen mit Lukas und mir in diesem kleinen Raum am Rand vom Schulhof.

Ich weiß nicht, was die beiden von mir wollen, will sie fragen, weglaufen, weinen, schreien – aber nichts davon kann ich tun, denn Lukas ist schneller. Mit einem Satz ist er neben, dann hinter mir. Er zieht mich zu Boden und hält mich von hinten umklammert. Dafür braucht er nur einen Arm. Mit der anderen Hand hält er mir den Mund zu. Sein kleiner Bruder baut sich vor mir auf und ich kann nichts tun außer zu weinen. Vielleicht spülen die Tränen alles weg? Meine Angst, Lukas, seinen Bruder, die Schule – einfach alles? Ich zähle immer noch die Sekunden, aber ich weiß nicht mehr, wo ich war. Ich zähle einfach irgendwelche Zahlen in meinem Kopf. Irgendwas muss ich machen, um mich abzulenken.

„Du kleiner Freak. Warum bist du hier in der Schule? Schweine wie du gehören in den Stall. So wie deine ganze dreckige Scheissfamilie.“, sagt Lukas laut und deutlich in mein Ohr. Ich zähle tapfer weiter. Wann kommt der Gong? Wann ist es vorbei?

„Na? Glaubst du echt, wir wissen nicht, was mit dir los ist? Mit euch? Ihr seid alle krank. Wir wollen sowas nicht hier im Dorf. Ich hoffe du wirst irgendwann überfahren. Vielleicht von deinem Vater, der sich ja für was Besseres hält.“, sagt er weiter. Ich höre seine Worte, aber ich verstehe sie nicht. Ich will sie nicht verstehen. Ich will gar nichts; nur, dass es aufhört.

„Du bist hässlich und dumm. Niemand kann dich leiden. Und wenn du nicht weggehst, machen wir das hier jeden Tag mit dir, du Freak.“, höre ich Lukas kleinen Bruder sagen, der immer noch vor mir steht mit seiner Latzhose und den Händen, die er in die Hüften gestemmt hat.

Lukas lobt ihn für seinen Einsatz und ich bin froh, dass es jetzt vorbei ist. In dem Augenblick, als Lukas mich loslässt, tritt mir sein kleiner Bruder in den Bauch. Lukas steht auf und ich falle nach hinten um. Es tut weh. Richtig weh. Und ich glaube ich muss brechen. Ich weine immer noch, aber ohne Tränen. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich kann nichts machen. Und mir wird auch niemand glauben, dass der tolle Lukas sowas macht.

Und selbst wenn: die beiden wissen wo ich wohne. Und alle anderen auch. Also bleibe ich liegen, schluchzend und zitternd. Ich halte mir den Bauch und huste mir die Seele aus dem Leib.

Lukas lacht: „Schau mal, wie sich das Stück Dreck anstellt. Dabei war das noch gar nix!“

„Die ganze Drecksfamilie ist doch so. Das sind nur Asoziale.“, pflichtet ihm sein kleiner Bruder bei.

„Komm, lass uns ihn mal wieder rausbringen. Die Pause ist gleich vorbei und der hat erstmal genug. Ich muss auch noch den Wagen für das Spielzeug holen.“, ordnet Lukas schließlich an.

Es ist vorbei. Endlich. Lukas zieht mich auf die Beine, dreht mich zu sich und kommt mir ganz nahe. Nur ein paar Zentimeter ist sein Gesicht von meinem entfernt als er mir zuflüstert: „Du hältst die Schnauze, ist das klar? Und du machst, was wir dir sagen. Du gehörst jetzt uns und wenn wir Lust haben, schlagen wir dich. Wenn wir was von dir haben wollen, gibst du es uns. Und wenn du dich wehrst, wird’s nur noch schlimmer für dich. Niemand kann dich leiden. Niemand kann deine abartige Familie leiden. Wenn wir wollen, stirbst du. Hast du das kapiert?“

Ich schaue ihn tapfer an, ich blinzle nicht mal. Ich will ihm weh tun, ihn auch treten, ihn anspucken. Aber ich traue mich nicht. Stattdessen nicke ich nur.

„Gut. Dann hau ab und wasch dich. Du stinkst.“, sagt er noch zu mir und ich laufe zurück zum Eingang. Sein kleiner Bruder folgt mir und passt auf, dass ich nichts mache, was die beiden mir nicht erlaubt haben. Als der Pausengong ertönt und unser Erdkundelehrer Herr Freital die Tür aufschließt, laufe ich an ihm vorbei zur Toilette, wo ich mich erstmal übergeben muss.

Ich zähle die Sekunden. Bald ist es vorbei. Bald komme ich auf eine andere Schule. Nur noch ein paar Jahre durchhalten.

7 Kommentare zu „TRIGGERWARNUNG Kindesmissbrauch „Zartes Fleisch“ Kapitel 12 – Timo

  1. Ich kann Texte über Gewalt immer nicht liken, obwohl ich auch kaum Worte hab, die ich schreiben könnte.
    Oft schon hab ich mich gefragt, ob andere Kinder es riechen können?
    Oder gibt es Tratsch bei Erwachsenen und die Kinder kriegen da was mit?
    Warum wird man, wenn man ohnehin Zuhause bereits gequält wird, in der Schule dann auch noch Opfer?
    Strahlt man es aus?
    Zieht es an?

    Es ist verdammt schlimm, wenn es nirgendwo mehr einen Ort gibt, an dem man sicher ist.
    Oder zumindest nicht angegriffen wird.
    Man ist unaufhörlich und immerzu auf der Flucht und unter Stress.

    Aber WENN man es riechen kann, oder merken – warum kommt dann keiner und HILFT?
    Warum sagen dann immer alle, sie hätten nichts gemerkt?
    Und warum sind es „solche“ Kinder scheinbar niemals Wert, gerettet zu werden?
    Anstatt ewig nur über sie herzuziehen und sie kaputt zu machen?
    Warum sind erwachsene Menschen nicht in der Lage zu begreifen, dass ein KIND niemals etwas dazu kann, dass es wird, wie andere es wollen?
    Und man ihm helfen könnte; MÜSSTE, damit es besser werden kann?

    Stattdessen hetzen, reden, tratschen und schlagen sie lieber.
    Weil sie das Kind für wertlos halten.
    Dabei sind sie selbst nur nicht besser, als die Täter in der Familie.
    Es tut weh.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich verstehe das mit den Likes 😊
      Ich kenne beide Seiten, wurde gemobbt, hab später Ältere bezahlt, damit sie Bodyguard spielen, bin zeitlich so zum Bus, dass ich nicht an der Haltestelle warten musste, sondern gleich einsteigen konnte. Aber ich war später auch jemand, der genau dasselbe bei anderen gemacht hat. Ich weiß, dass Reden nicht hilft. Nicht schnell genug jedenfalls. Ich habe dann die Grenzen aufgezeigt bekommen und es hat gewirkt.
      Wenn wir mehr aufeinander achten würden, könnte man das alles vermeiden. Aber man schaut lieber weg. Bei mir als Opfer, bei mir als Täter.
      Es wird philosophiert und diskutiert, und währenddessen geht alles fröhlich weiter. Sogar intensiver. Bei solchem Verhalten ist einfach keine Zeit für lange Gespräche. Die machen alles nur schlimmer.
      Doch das Credo lautet: sei sanft, diskutiere… oder anders gesagt: sprich eine vollkommen andere Sprache und erwarte, dass man das versteht.
      In den Augen von Schlägern und Mobbern ist Reden nichts als Schwäche und ein weiterer Grund, ihr Verhalten zu intensivieren.
      Das lernt man aber nicht auf der Uni. Sowas muss man erfahren, damit man es begreift und wirklich helfen kann.

      Gefällt 1 Person

      1. ok.
        Diese Erfahrung fehlt mir.
        Ich denke immer, es muß irgendwo innen *klick* machen. Aber WIE das geht, könnte ich so genau garnicht sagen.
        Ich hätte vermutlich auch auf *verstehen* gesetzt oder auf *nachempfinden können*.
        Aber ich kenne dieses Gefühl, wenn man – wie ich als Mutter mit meiner Tochter – sich unentwegt von Feinden umringt fühlt.
        Und unentwegt nur wehrt, verteidigt und kämpft.
        Man fühlt nur die EIGENE Not – aber jene des Anderen kann man nicht (mehr) sehen.
        Weil man völlig in Ohnmacht und Not verstrickt ist und es nur noch ums Überleben geht.

        Ob es hier noch möglich ist, dass einer daher kommt und lang rumlabert, um dir (auch) die Not des Gegenübers zu erklären?
        Ja, das wird wohl zu bezweifeln sein.
        Das macht die eigene Not dann eher noch schlimmer, weil man sich erneut ungesehen fühlt, unverstanden – und zusätzlich dann noch als Arschloch („entlarvt“ oder vorgeführt).
        Ich fürchte, zumindest MIR wäre es so gegangen.

        Gefällt 1 Person

      2. Deswegen muss früh angesetzt werden. Wir müssen uns wieder auf die heute als „veraltet“ angesehenen Strukturen verlassen können – wie Familie, Ehrlichkeit, (echte) Rücksicht und nicht dieses von außen erzwungene Konstrukt aus Verhaltensregeln, das nur dazu geführt hat, dass immer mehr und mehr Isolation herrscht. Irgendwann sind wirklich alle gleich. Gleich einsam, gleich isoliert und jeder bildet kleinste Grüppchen, die ihren Hass auf die Welt rauslassen wo sie können. Und die wissen nichtmal warum.

        Gefällt 1 Person

      3. Naja… einsamkeit macht traurig.
        Und weil sich Traurigsein nicht gut anfühlt, wird man lieber wütend.
        Wütend auf diejenigen, von welchen man glaubt, sie seien Schuld an der Einsamkeit.

        Bei mir sind das wohl „die Idioten“; „die Gefühlsamputierten ohne Herz“ und „die Geldgeier“.
        Aber immerhin will ich sie nicht ausrotten, sondern lieber heilen 😉
        Letztenendes müssen aber wohl ALLE lernen, dass jeder anders ist, als der andere – und es akzeptieren.
        Und besser an der *eigenen* Angst arbeiten, als an *irgendwas* der anderen.

        Gefällt 1 Person

      4. Genau das! Jemanden oder etwas tolerieren heißt eben, es stehen lassen zu können, ohne es ändern zu wollen. Mir ist egal, an was oder wen jemand glaubt, als was er sich fühlt, wen er scharf findet oder wie er/sie/es aussieht. Arsch ist Arsch, und wenn jemand in Ordnung ist, ist er in Ordnung. Ich bin nur allergisch, wenn mich wer missionieren will, mir vorschreibt, was ich zu denken, fühlen, glauben habe. Leider passiert das heute recht oft. Gegen solche Menschen hab ich was, denn die respektieren nichts und niemanden. Da zählt nur, dass man deren Meinung übernimmt. Das ist keine Akzeptanz oder Toleranz, das ist übelster Chauvinismus und verachtet das Recht auf Selbstbestimmung.
        Lasst die Leute wie sie sind, lasst mich wie ich bin. Solange sich jeder an die Regeln hält und nicht gewalttätig wird, ist alles ok. Aber man verbiegt lieber alle anderen, als sich selbst zu kritisieren. So bleiben die lieben Aktivisten von heute ewig Kleinkinder, für die nur sie selbst wichtig sind. Man will alles, nach seinen Vorstellungen und das sofort.
        Eine Generation, die mit fahrlässig viel Verständnis und ohne jeglichen Halt oder Handlungsrahmen aufgewachsen ist, kann sich nicht in eine Gesellschaft einfügen oder dauerhaft eine bilden. Maximal gibts Zweckgemeinschaften, aber irgendwann zerfleischen sie sich immer selbst.
        Bis dahin bleiben die Probleme der Masse auf der Strecke. Zehntausende missbrauchte Kinder pro Jahr und ebensoviele vergewaltigte Frauen sind eben unwichtig, wenn’s um Unisextoiletten in Grundschulen geht oder dass Kinder sich nicht mehr als Indianer verkleiden dürfen.
        Krank. Genau wie jeder, der sowas unterstützt.
        Übrigens: In keinem einzigen Wahlprogramm gibts auch nur einen Punkt, der konkret diese Themen behandelt. Ein oder zwei Floskeln hab ich entdeckt, das war‘s. Und die dienten noch dazu, die restlichen Forderungen zu legitimieren.
        Niemand schert sich um sowas. Das ist mein Eindruck. Wahrscheinlich, weil sich viele ins eigene Fleisch schneiden würden. Wie war das mit Edathy oder den Grünen? Und wer hat sich deutlich und vehement gegen Strafverschärfungen gewehrt?
        Sicher, das Gesetz wurde reformiert. Aber es ist noch nicht durch. Da gibts eben wichtigeres……

        Gefällt 1 Person

  2. Manchmal denke ich, dass dieses krampfhafte Versuchen, andere von der eigenen Meinung zu überzeugen, diesen Menschen deshalb so derart notwendig ist,
    weil sie alleine nicht stehen können.
    Sie BRAUCHEN diesen Beifall und die Mitläufer, weil sie brauchen, dass andere an sie glauben und sie gutheißen.
    Da ist wieder diese große Leere im Menschen so sichtbar, die von anderen gefüllt werden soll.

    Der fehlende Selbstwert; weil es nicht sein kann, dass man alleine eine andere Meinung hat, als andere.

    Ich liebe den Austausch; das Hinterfragen und Verstehen anderer Leben und Ansichten.
    Man kann und darf hiervon viel lernen.
    Aber man muß deswegen nicht auch so werden und sein.

    Mein Mann sagte letzt zu mir, dass er es sehr mag, dass ich zu vielem eine MEINUNG habe und diese auch formuliere.
    So, wie ich an ihm mag, dass auch ER eine hat.
    Und wenn ich mich an ihm reibe, dann fällt er nicht um.
    Er ist eine alte Eiche mit rauher Rinde 🙂

    Und das ist es wohl, was heute zu oft fehlt.
    Echter Austausch; echte Meinungen und die Möglichkeit, voneinander zu lernen und gute Wege zu erarbeiten, welche verschiedene Aspekte und Sichtweisen vereinen.
    Ziele, die verschiedene Blickwinkel respektieren und am Ende doch einen guten Weg für möglichst Viele bieten.
    Aber Ehrlichkeit ist heute ja der Taktik gewichen und der Diplomatie.
    Austausch wird zum echten Krieg.
    Wie soll man auf Basis von Lügen, Herumeiern, Drumrumreden und Schöngerede gute Wege bauen?
    Statt auf stabilen Stützpfeilern und gutem Boden?

    Ich mag Menschen, die mich ansehen können und zu ihren Ansichten stehen.
    Sie müssen mir nicht gefallen; ich muß nicht genauso denken.
    Aber ich darf Achtung und Respekt haben vor Aufrichtigkeit und Rückgrat.
    Vor Lügen kann ich das leider NICHT.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s