Einseitiger Toleranzirrsinn

Ein Kind schlägt einem anderen im Kindergarten die Schippe auf den Kopf.

Wer ist Schuld?

Ein einfacher Sachverhalt – so mutet es an. Doch heute ist das nicht mehr so leicht.

Man muss genau erörtern, wer wirklich der Schuldige ist. Einfach den, der draufgehauen hat, als Schuldigen in Bezug aufs Draufhauen zu benennen, ist fahrlässig.

Wer war denn unmittelbar beteiligt? Der Schläger und der Geschlagene.

Man könnte es sich jetzt einfach machen und sagen, dass der, der Gewalt anwendet ohne in Notwehr zu handeln, sich der Körperverletzung schuldig gemacht hat. Aber vielleicht hat ihn der Geschlagene ja auch provoziert? Beleidigt? Ihn nicht respektiert? Schief angesehen? Einfach so schlägt doch niemand zu, da muss es einen Grund geben. Irgendeine Sache, die den Schläger etwas entlastet.

Wo war denn die Erzieherin? Hat sie ihre Aufsichtspflicht verletzt? Wurde der Schläger vielleicht ausgegrenzt oder gehänselt? Hat die Erzieherin nicht aufgepasst? Vielleicht mit provoziert? Ist sie dann überhaupt geeignet für diesen Job?

Oder kommt der Schläger vielleicht aus einem zerrütteten Elternhaus, aus einer anderen Kultur oder einem Problemviertel? Ist er arm oder mit ständiger Gewalt konfrontiert? Hat er es schwer im Leben?

Wie sähe das eigentlich aus, wenn ein Mädchen geschlagen hätte oder geschlagen worden wäre? Oder wenn einer von beiden einen Migrationshintergrund hat? Oder homosexuelle Eltern? Würden wir dann sachlich und neutral urteilen? Oder noch vehementer nach Ausreden suchen bzw. die Schuld beim nicht-Minderheitenkind suchen, da es ja bestimmt intolerant erzogen wurde…?


Wir suchen geradezu besessen nach Gründen, warum ein Täter weniger Schuld sein muss und geben teils sogar den Opfern eine Mitschuld. Verstärkt wird diese Denkweise, wenn es Unterschiede bei Geschlecht, Alter, Herkunft, Aussehen etc. gibt. Generell die Tat zu verurteilen und sie unabhängig vom Menschen zu betrachten, ist heute ein NoGo. Wo bleibt denn da die Menschlichkeit! Man toleriert und versteht sich zu Tode, weil nicht sein kann was nicht sein darf. Und je nach Tathergang und Emotionen ist dann eben mal das Opfer Schuld, das den Täter eben gereizt hat oder sonstwie Ursache dafür trägt, dass es geschlagen wurde.

Warum geht man als Frau auch nachts alleine durch die Inennstadt? Warum zieht man sich denn „sexy“ an? Warum gibt man nicht einfach das Sandförmchen oder die Geldbörse oder das Handy her, wenn jemand danach verlangt? Warum guckt man andere „komisch“ an? Warum ist man überhaupt *da*?

Muss man nicht jetzt erklären? Den Täter umsorgen? Resozialisieren? Ihm helfen? Unterstützen? Ein Opfer ist Opfer. Da muss man nix machen. Aber der Täter! Da muss sich drum gekümmert werden! Der Mensch ist schließlich durch und durch „gut“, also muss es eine Ausrede geben, warum er nicht (allein) Schuld sein kann. Man kann ihm doch nicht die Zukunft verbauen, nur weil er einmal einen Fehler gemacht hat. Einmal ein Kind misshandelt, einmal eine Frau vergewaltigt, einmal jemanden vor die Bahn geschubst, einmal jemanden ins Koma geprügelt. Da muss doch was im Argen liegen, der Täter kann da bestimmt nichts für. Er ist selbst Opfer der Umstände, der Umwelt, der Gesellschaft.

Wir schützen die Täter und spucken den Opfern mit jeder Ausrede ins Gesicht.

In Deutschland hat der Staat das Gewaltmonopol. Mit Ausnahme der Notwehr hat kein sonstiger Bürger das Recht, irgendeine Form der Gewalt auszuüben. Wer das ignoriert, der ist Schuld. Alles andere dient der Relativierung, Politisierung und dem Beschäftigen von Anwälten. Der Lerneffekt dieser Haltung ist, dass man vieles machen kann – man muss nur genug Gründe anführen, warum man so handeln *musste* und einen Schuldigen benennen, jemanden, der *wirklich* verantwortlich ist.

So behandelt man oft genug Täter.


Das geht auch umgekehrt, zum Beispiel im Straßenverkehr. Radfahrer quetschen sich – trotz Radweg – auf die Fahrspur, rechts neben einen LKW, der rechts abbiegen will. Der LKW fährt an und entsorgt den Radfahrer. Wer ist Schuld?

Der Radfahrer, der sich nicht an die Regeln hält, nicht auf dem Radweg fährt und sich bewusst neben den todbringenden LKW in den toten Winkel gequetscht hat?

Nunja… könnte man meinen. Die Forderungen nach Abbiegeassistenten, mehr Fahrradspuren und Strafquoten, die so gut wie immer die Alleinschuld dem LKW oder PKW anlasten, sagen was anderes. Die Lösung ist also nicht, Bewusstsein für ein falsches Verhalten zu schaffen, sondern möglichst teure, komplizierte und höchstens symptomatisch wirksame Pflaster auf das Problem zu kleben.

Statt dass man Verantwortung verlangt und auch darauf pocht, dass mit Rechten auch Pflichten einhergehen, spricht man dem vermeintlich Schwächeren jedwede Verantwortung ab und macht alle anderen zum Schuldigen.

Hätten alle LKW einen Abbiegeassistenten, gäbe es keine Abbiegeunfälle mehr mit Radfahrern. Immense Kosten und eine zweifelhafte Unfehlbarkeit sind die Folge. Dazu dauert es, bis sowas überall – auch weltweit, denn wir sind ein Transitland – eingeführt ist. In der Zwischenzeit sterben Menschen. Unsinnig. Weil sie ihren Kopf durchsetzen wollen, andere haben ja aufzupassen!

Würde sich kein Radfahrer mehr rechts neben LKW quetschen, auf ihren Radwegen bleiben, nicht willkürlich die Fahrspuren wechseln, rote Ampeln beachten gäbe es ebenfalls keine Unfälle dieser Art mehr. Ganz ohne irgendwelche Kosten oder Jahre der Umstellung. Man müsste nur mal seine Arroganz zuhause lassen. Aber es gibt ja immer einen Grund, warum das nicht geht.

Wer etwas will, sucht Wege. Wer etwas nicht will, sucht Gründe.


Wir haben auch ein supertolles Rollenbild in unseren Köpfen. Sexistisch und Chauvinistisch *) bis zum Abwinken.

*) Chauvinismus ist der Glaube an die Überlegenheit der eigenen Gruppe und hat nichts mit „männlich“ zu tun. Wird gerne mit dem „Macho“ verwechselt.

Filmszene. Eine Frau sitzt an der Bar. Sie hat vor sich einen Cocktail stehen, an dem sie ab und an nippt. Ein Mann gesellt sich zu ihr. Beide scheinen sich zu kennen und beginnen eine Unterhaltung. Diese wird schnell lauter, heftiger und schließlich steht der Mann auf, schüttet der Frau den Cocktail auf die Bluse und schlägt ihr ins Gesicht.

Was macht diese Szene mit euch? Empörung? Wut? Hass? Rachegelüste? Schauen wir uns die Szene nochmal an:

Eine Frau sitzt an der Bar. Sie hat vor sich einen Cocktail stehen, an dem sie ab und an nippt. Ein Mann gesellt sich zu ihr. Beide scheinen sich zu kennen und beginnen eine Unterhaltung. Diese wird schnell lauter, heftiger und schließlich steht die Frau auf, schüttet dem Mann den Cocktail auf das Hemd und schlägt ihm ins Gesicht.

Ist das besser? Angenehmer? Gerechter? Verträglicher?

Wer bei beiden Szenen dieselben Empfindungen hatte, gehört zu einer Minderheit. Hier stimmt das Gerechtigkeitsempfinden. Jeder, der beim ersten Beispiel dem Mann an den Hals gehen wollte, gedacht hat, dass man keine Frauen schlägt und dieses Arschloch kastriert gehört, ist ein Sexist. Genauso wer beim zweiten Beispiel dachte, dass der Kerl wohl selbst Schuld ist. Wahrscheinlich hat er sie betrogen. Verdient hat er’s!


Anstatt alle (!) Formen der Gewalt zu ächten, konzentrieren wir uns darauf, kranke Rollenbilder zu fördern und die Gesellschaft in „gut“ und „böse“ einzuteilen. Alle Minderheiten sind „gut“. Alles was dagegenspricht sind Ausnahmen. Alle Frauen sind gut und „Opfer“. Alle Männer sind böse und „Täter“. Ausnahmen bestätigen diese Regel.

Es wird gegendert wie blöd. Aber nur die „guten“ Begriffe. Niemals „Täter*in“ o.ä.

Es wird für Vorstandposten und Führungspositionen gequotet, aber nie für Müllwerker, Gerüstbauer, Klempner, Straßenbauer.

Es werden Menschen bevorzugt behandelt, die dadurch nur lernen, dass sich alle nach ihnen und ihren Bedürfnissen und Forderungen richten. Sie lernen nicht, sich in einer Gesellschaft – also „sozial“ – zu verhalten. Die individuelle Freiheit ist das ultimative Ziel – wenn man denn dem richtigen Geschlecht und/oder der richtigen Gruppe angehört. Da sind dann auch die Freiheiten der „anderen“ egal.

Die eigene Freiheit hört aber dort auf, wo die eines anderen beginnt. Und es gilt immer noch, dass Rechte stets mit Pflichten einhergehen. Rosinenpicken bringt niemanden auf Dauer weiter, sondern fördert nur Hass und Ungleichheit.

Hm. Heißt es deswegen „GleichbeRECHTigung“ statt Gleichbehandlung? 🤔


Ein AfD‘ler hat neulich getwittert: „Alle Linken in die Gaskammer!“ und über eine Stiftungsvorsetzende geschrieben: „Ich freue mich, wenn ich auf ihrem Grab tanzen kann!“

Wie bewertet ihr diese Aussage? Krank? Nazischwein? Sowas darf man nicht wählen? Auch wenn’s nur ein Politiker war?

Gut, dann muss ich gestehen, dass ich mich verschrieben habe. Diese Aussagen stammen von einer Politikerin der Linken (KLICK).

Wir definieren Aussagen und Handlungen nicht (mehr) nach ihrem Wert, der Tat an sich. Wir bewerten sie anhand dessen, wer sie macht, gegen wen sie sich richten. Gewalt ist nicht per se schlecht – wenn sie denn die richtigen trifft…


  • Gleiche Rechte für alle
  • Gleiche Pflichten für alle
  • Eigenverantwortung fördern
  • Täter nicht zwanghaft entschuldigen
  • Gendern fördert Sexismus und Ungleichheit
  • Die Mehrheit definiert die Ziele, nach denen sich Minderheiten zu richten haben
  • Bevorzugung führt zu Diskriminierung
  • Gewalt ist nicht tolerierbar und nicht entschuldbar (excl. Notwehr)
  • Statt stets neue Rechte zu fordern bzw einzuführen, auf Einhaltung der geltenden Pflichten bestehen
  • Es gibt keine „gute“ Gewalt, keinen „guten“ Hass. Hass ist immer zu ächten

Es könnte so einfach sein. Aber mit „mehr Rechte für XYZ“ bekommt man eben mehr Fans und Wähler als wenn man an die Vernunft appellieren würde. Niemand hört gerne, dass er was falsch gemacht hat. Da vermeidet man lieber Konflikte und nimmt in Kauf, dass Ungerechtigkeiten zum Alltag werden. Und das immer mehr…

Respekt!

Ist euch mal aufgefallen, dass die Leute, die stets „Respekt“ verlangen, selbst respektlos bis zum Anschlag sind?

Gleiches gilt übrigens für die, die „Toleranz“ fordern. Meist mit viel Geschrei und Drohungen…

Respekt verdient man sich. Wer sowas verlangt, hat ihn mit Sicherheit nicht verdient. So einfach ist das. Nur sind wir mittlerweile so passiv gedrillt, so konfliktscheu, dass wir bereitwillig gehorchen, wenn irgendein Asozialer „Respekt“ fordert. Gut, soll er haben. Dann hab ich meine Ruhe.

Und schon hat der Idiot seinen Willen, wurde in seiner Arschlochhaltung bestätigt und macht selbstbewusst weiter, fordert mehr und mehr.

Immer wenn sowas gefordert wird, wird mir schlecht, denn diese Forderer sagen zwar „Respekt“ und „Toleranz“, meinen aber „Gehorsam“ und „Unterwürfigkeit“.

Wer nicht hört, ist ungehorsam, fügt sich nicht – also ist er nach deren Logik respektlos. So denkt man unter Asozialen.

Besonders gut sieht man (extreme) Beispiele im TrashTV. Besonders zu nennen sind hier Lisha und Lou, die nach Respekt plärren und Paola und Larissa (In 90 Tagen zum Altar). Und alle sind sie Bodensatz, der nur sich selbst für wichtig hält und mit Kritik oder gar Widerworten oder anderen Ansichten nicht umgehen kann. Sie machen keine Fehler, wehren sich nur gegen Ungerechtigkeit – also Ungehorsam. Denn natürlich ist das Opfer selbst Schuld. Immerhin war es ja intolerant und/oder respektlos!

Man selbst ist der asoziale Nabel der Welt. Alle anderen haben zu hören, sich zu unterwerfen. Wer das nicht macht, wird gelobbt, bedroht, bespuckt, geschlagen oder sonstwie angegriffen.

Achtet das nächste Mal drauf, wer da „Toleranz“ und „Respekt“ fordert und überlegt euch gut, ob ihr dem nachgeben wollt. Egal ob in den Medien, bei Twitter, Facebook, Instagram, im TV oder im Straßenverkehr oder beim Spaziergang in der Stadt.

Ich weiß nur nicht, ob das ein kulturelles, soziales oder erzieherisches Problem ist. Irgendwer oder irgendwas hat jedenfalls komplett versagt bei dieser Art Mensch

Zockerleben im Februar 2021

Seit Ende Januar spiele ich quasi nur noch Yakuza, die Liste wird also recht kurz ausfallen 😊



Yakuza 0

Game Pass // Ein wunderbares Spiel, welches mich insgesamt für knapp 100 Stunden sehr gut unterhalten hat. Mein Erfahrungsbericht ist hier zu finden.

Yakuza Kiwami

Game Pass // Mehr vom Bekannten.
So könnte man sich kurz fassen.
Die Geschichte spielt 7 bzw. 17 Jahre nach den Ereignissen von Yakuza 0.
Yakuza Kiwami ist das Remake des ersten Yakuza. „Zero“ kam erst später auf den Markt – im Zuge der Remakes und Remaster – und erzählt die Vorgeschichte, ein Prequel eben.
Dennoch sollte man jetzt, wo man die Möglichkeit hat, die chronologische Reihenfolge einhalten, also „0“, dann Kiwami, Kiwami 2, 3, 4, 5, 6 (ab März 2021 auf der Xbox und im Game Pass) und den aktuellen Teil „Like a Dragon“.
Die Story ist nach dem hervorragend erzählten „Zero“ etwas schwächer, aber immer noch gut. Die in diesem Remake eingearbeiteten neuen Cutscenes erzählen mehr von den Hintergründen und schaffen durch Flashbacks auf den Vorgänger einen angenehmen Wechsel in die 2000er – inklusive Mobiltelefon! Man kann nun überall aus dem Menü heraus speichern, ansonsten halten sich die Änderungen in Grenzen.
Man pumpt im geänderten Skillsystem kein Geld mehr in seine Skills, sondern XP. Davon gibts übrigens mehr als genug. Ich habe einige Substories erledigt und ansonsten „nur“ die Story gespielt. Und natürlich das „Majima-System“, mit welchem man seinen „Dragon of Dojima“-Kampfstil ausbaut. Herrlich abgedreht, auch wenn die Charakterentwicklung von Majima Goro immer noch etwas unglaubwürdig ist.
In Kapitel 8 war ich durch mit allen Skills (außer „Dragon of Dojima“, das ging erst ab Kapitel 10 bis zum Ende) und habe bis zum Finale des Spiels mehrere tausend XP angesammelt, die ich nicht ausgeben konnte…
Grafisch hat sich zum Prequel „Zero“ nicht so viel getan. Ein paar Effekte sind überarbeitet worden, das war’s soweit. Ich habe das Spiel, die Story und die Charaktere aber erneut sehr genossen!

Yakuza Kiwami 2

Game Pass // Der zweite (bzw dritte) Teil der Reihe. Die Geschichte wird fortgeführt und einige Neuerungen stehen an.
Die Grafik wurde nochmal aufgebohrt, wobei die Effekte fast schon zu heftig sind. Aber noch passts und zeigt, wie gut ein Remake aussehen kann und wovon sich manch anderes Spiel ein oder zwei Scheiben abschneiden sollte.
Die Karte ist nun vernünftig beschriftet, man kann eigene Marker setzen und sieht wo sich Gegner bewegen.
Es gibt wieder neue und alte Minispiele, endlich auch wieder das Cabaret Club-Minispiel, das mir in Yakuza 0 so viel Spaß gemacht hat. Auch Majima Goro ist wieder mit dabei, diesmal mit einer eigenen Geschichte und eigenen Sub-Spiel.
Abgedreht, lustig, traurig, ernst. Die Story ist meiner Meinung nach wieder eher auf dem Niveau von Yakuza 0.
Auch das XP-System wurde erneut überarbeitet, man gewöhnt sich aber dran.
Die Welt an sich kommt einem jetzt offener und realistischer vor. Das liegt unter anderem daran, dass man nahtlos in Gebäude wechselt, statt per Klick auf eine Tür. Das gleiche gilt für die Kämpfe, die dort stattfinden, wo man auf den Gegner trifft. Ohne Wechsel in eine separate Instanz. Da kann’s schonmal sein, dass man in einem Burgerladen von Punks angefallen wird, die auf der Straße rumlaufen. Man kann jetzt übrigens auch verdauen! Einfach toll!
In der Stadt – bzw. den Städten – fahren Autos, dafür läuft man nicht mehr und kann auf Knopfdruck sprinten, sondern man geht und kann auf Knopfdruck laufen. Aber Fahrräder, Pylonen und andere kleinere Hindernisse sind jetzt beweglich, man bleibt nicht mehr so oft hängen.
Das geänderte Inventarsystem muss man noch erwähnen. Es gibt jetzt Tragelimits pro Gegenstand, was ich wesentlich angenehmer finde als das starre „Tile-System“. Zudem kann man nun jede Art von Ausrüstung in jedem der drei Ausrüstungsslots tragen. Es ist also möglich, eine Weste, eine Jacke und ein Shirt gleichzeitig auszurüsten – oder auch 3 Jacken oder 3 Gürtel. Nicht realistisch, aber angenehm. Zudem gibt es drei Waffenslots, die man frei belegen kann. Im Kampf lässt sich dann leicht per DigiPad zwischen den Waffen wechseln.
Es gibt auch keine unterschiedlichen Kampfstile mehr, aber man kann seine Werte und Skills umfangreich ausbauen. Dafür kann man in der Ego-Perspektive rumlaufen wenn man möchte. Bisher konnte man sich nur in selbiger umsehen. Es macht auf jeden Fall immer noch Spaß, auch und gerade weil Kiryu Kazuma ein ähnliches Gerechtigkeitsempfinden hat wie ich. Die Serie ist einfach klasse!
Ich bin gespannt, was mich in Teil 3 erwartet und freue mich drauf, das herauszufinden!

The Falconeer

Game Pass // Sieht nett aus und dank GP konnte ich das Spiel mal ausprobieren. Auch wenn die Darstellung wirklich schön rüberkommt und man merkt, dass es nicht nur mit 30 fps läuft, sondern flüssig und angenehm spielbar ist, reicht mir das nicht. Ich bin kein Fan von Flugspielen. Einzig Wing Commander und Privateer haben mir vor Jahrzehnten gefallen .. und vielleicht noch Elite Dangerous, aber das kann man kaum als „Flugspiel“ bezeichnen. Für mich war die Geschichte rund um Falkenreiter, verfeindete Königreiche und jeder Menge Luftkampf nicht ansprechend genug. Wer sowas aber mag, wird bestimmt Spaß dran haben.

Hilfe als Elendskatalysator

Achtung: Hier stelle ich eine provokante These auf. Wer nicht willens oder in der Lage ist, Gedankenexperimente durchzuführen oder genau weiß, was jeder Mensch braucht, will, soll und darf, der sollte nicht weiterlesen.

Wir sind fortschrittlich, zivilisiert und hoch entwickelt. Wir lassen Maschinen arbeiten, schützen alles und jeden und sorgen uns um die Welt.

Aber sind wir nicht auch arrogant? Wir sorgen uns nicht nur, wir sind auch der Ansicht, dass wir genau wissen, was jeder einzelne Mensch in jedem Land, jeder Kultur und jeder Gesellschaft braucht und will – zu wollen hat.

Erzwingen wir nicht etwas, was eigentlich von selbst kommen sollte, indem wir unsere Werte und Normen, unsere Art zu Leben allen anderen überstülpen?

Wir sehen irgendwelche Zustände in anderen Ländern, auf anderen Kontinenten in uns völlig fremden Kulturen, sagen „das ist schlecht“ oder „das darf nicht sein“ und benutzen dann unsere Macht, unser Geld und unseren Einfluss, um diese Zustände zu ändern. Und zwar so, dass sie unseren Vorstellungen entsprechen.

Wir transformieren fremde Kulturen, Menschen, Völker, Lebensweisen so, dass sie uns passen. Ist das richtig? Ist das fair?

Wer sind wir denn, dass wir entscheiden dürfen, wie andere zu leben haben? Wer oder was gibt uns das Recht dazu?

Wir sehen Stammeskulturen in afrikanischen Ländern, die über Jahrhunderte hinweg gewachsene Strukturen aufweisen. Wir sehen, wie die Menschen dort leben und es gefällt uns nicht. Wir möchten nicht so leben, könnten es nicht. Somit gilt das auch für diese Menschen. Denn wir wissen, was gut, richtig, fair ist. Die nicht. Wir müssen also helfen, Einfluss nehmen.

Wie so oft gilt: Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht.

Wir pumpen Geld in diese Länder, leisten „Entwicklungshilfe“ nach unseren ethischen, moralischen und wirtschaftlichen Vorstellungen … und es ändert sich nichts. Das Geld landet bei den Mächtigen, nicht beim „armen Volk“. Die Leistungen werden gerne in Anspruch genommen und die Freigiebigkeit ausgenutzt von denen, die schon alles haben.

Denn egal wie viel Geld und Hilfe wir schicken, die Kultur bleibt, die Gesellschaft bleibt, die Strukturen bleiben. Der Stammesführer – ob man nun Häuptling oder Präsident sagt – hat die Macht und bekommt das Geld. Ob und was bzw. wie viel er an sein Volk weitergibt, liegt nicht bei uns. Und es ist nunmal so, dass sich absolute Herrscher oftmals selbst bereichern. Warum auch nicht? Das war bei uns auch nicht anders bis vor wenigen Jahrhunderten.

Das wird sich so bleiben, solange sich die Kultur nicht ändert, sich die Gesellschaft dort nicht wandelt. Ob man im Stammesverbund mit 100 Leuten lebt oder mit 1.000.000 Menschen ein Volk bildet, das genauso aufgebaut ist und genauso funktioniert, ist egal. Das Geld, die Hilfe kommt kaum beim einfachen Mitglied, beim normalen Bürger an, denn der Boss entscheidet, profitiert, bestimmt.

Aber kann man eine Gesellschaft zwingen, sich zu „verbessern“? Wer entscheidet denn, was „besser“ ist? Sorgt die geleistete Hilfe und Unterstützung nicht eher dafür, diese Strukturen zu festigen, die für uns unhaltbaren Zustände zu verstärken? Schaffen wir mit unserer „Hilfe“ nicht erst das Leid, das wir so dringend zu lindern versuchen? Sind wir also nicht maßgeblich dafür verantwortlich, weil wir uralte Machtstrukturen fördern?


Darf man sowas heute überhaupt noch denken? Philosophie ist frei, aber ob das heute noch uneingeschränkt gilt…?


Klar, manche Länder nennen sich nun „demokratische Republik“, doch hinter diesem Begriff läuft es weiter wie bisher. Weil es nicht von „innen“ kommt. Weil kein Lernprozess erfolgt ist, weil das Volk sich nicht bewusst ist, welche Macht es eigentlich hat. Man kennt es so, dass da einer das Sagen hat und basta. Wie man den nun anspricht ist irrelevant.

Da wir stets von uns und unserer Denkweise ausgehen, verstehen wir auch nicht, warum sich nichts ändert. Da haben „die“ schon eine Demokratie und trotzdem gibts Krieg, Hunger, Armut. Aber anstatt endlich aufzuhören uns einzumischen, verschlimmern wir alles nur immer weiter.

Wir pumpen Geld in Machtstrukturen und wundern uns, warum die immer noch existieren. Die einzigen, die das erkannt haben sind die, die allgemein kritisiert werden: global agierende Konzerne. Die haben begriffen, wie diese Länder, diese Herrscher arbeiten. Deswegen können sie dort das Volk (mit) ausbeuten. Da werden Fabriken gebaut, Schmiergelder gezahlt, manche bauen ganze Autobahnen und bekommen dafür Baurechte und Land übereignet. Beim Volk kommt nichts oder nur wenig an – so ist das im Stamm, Clan, der Familie eben.

Das fördert das Elend einerseits und den Wohlstand der Altherrscher andererseits. Und die „bösen Konzerne“ wissen das genau. Sie wissen die Hebel anzusetzen und die Kulturen zu lesen. Deswegen sind sie so erfolgreich und deswegen verschwinden diese Strukturen auch nicht.

Jedoch sind es ja nicht nur die Konzerne, die dafür verantwortlich sind. Jeder Euro, jeder Dollar, der in Länder mit diesen Strukturen fließt, sorgt für genau dasselbe. Wir verteufeln Konzerne, machen aber im Grunde nichts anderes, wenn wir spenden. Es heißt nur anders. Es fühlt sich anders an.

Wir sind so verbohrt, stur, verblendet und arrogant, dass wir das nicht sehen, nicht sehen wollen. Wir tun doch „Gutes“. Aber genau das ist das Problem, oder? Denn das „Gute“ wird ausgenutzt, weil die Strukturen gleich bleiben.

Die Wandlung muss von innen kommen. Wie beim einzelnen Menschen auch, muss es „Klick“ machen. Wir haben das gelernt und sind immer noch dabei. Wir haben Jahrhunderte von Krieg, Not und Elend erlebt, unsägliche Massaker und Leid, das niemals wieder irgendwem geschehen soll. Wir wissen, wohin totalitäre Strukturen führen. Wir wissen um die Probleme der Monarchie, des Feudalismus. Da gab es Revolutionen, Aufklärung, Befreiungskriege, Umstürze. Herrscher wurden geköpft, Andersdenkende verfolgt, ganze Landstriche assimiliert und kulturell annektiert. Wir wissen, wie gefährlich Religion sein kann, wenn sie missbraucht wird. Wir wissen, wie fatal es sein kann, wenn religiöse Führer Kriege anzetteln und Leute mit Angst und falschen Dogmen einschüchtern und beherrschen.

WIR wissen das. Also müssen alle anderen das doch auch wissen! Gefälligst! Doch wir begreifen nicht, dass es einen Unterschied gibt zwischen „wissen“ und „bewusst sein“. Raucher „wissen“, dass Rauchen schädlich ist. Aber es ist den wenigsten „bewusst“, sonst würden sie aufhören. Der berühmte „Klick“ eben.

Und der kann eben nicht von außen kommen. Man kann niemanden zur Einsicht zwingen. Oder nur sehr schwer. Genauso gibt es einen Unterschied zwischen „überreden“ und „überzeugen“. Bei letzterem erfolgt eine Einsicht, ein „Klick“. Das erfordert Zeit, Geduld, Einfühlungsvermögen. Man muss sich in das Gegenüber hineinversetzen. Das kann helfen, eine Entwicklung anzustoßen.

Nur mit Geld oder kostenloser Hilfe funktioniert das nicht. Das einzige was dann passiert ist, dass alles weiter geht wie bisher – nur eben mit mehr Geld und extremer.

Wie ein Raucher, der sich aus Kostengründen aufhören möchte, aber immer wieder genug Geld zugesteckt bekommt. Oder jemand mit Mangelernährung, der ja Pillen schlucken kann um das auszugleichen. Oder Kinder, die trotz mieser Leistungen versetzt werden. Oder Straftäter, die nicht oder milde bestraft werden.

Warum sollten die ihr Verhalten ändern? Sie kennen es nicht anders und es funktioniert doch auch so. Warum sollte man sich aufraffen um etwas zu ändern, wenn man doch klarkommt? Der Mensch entwickelt sich nicht wenn er zufrieden ist. Zufriedenheit führt zu Dekadenz, zu Stillstand. Das wussten schon die Römer. Man darf als absoluter Herrscher das Elend nicht zu groß werden lassen und muss entsprechend auftreten, dann kann man machen was man will und kann sich bereichern an den „Hilfen“, die eigentlich dafür gedacht sind, diese Herrschaftsstruktur aufzubrechen.

Menschen ändern sich (oder etwas) erst, wenn es nicht anders geht, wenn es nicht mehr geht. Durch unsere grenzenlose Arroganz, unserem Drang, anderen unsere Art zu leben aufnötigen zu wollen, weil wir alles besser wissen, schaffen wir nur noch mehr Leid – und geben nicht mehr Geld. Wir heizen den Kessel an und wundern uns, warum der Druck steigt, warum immer wieder Kriege geführt werden, warum es nicht vorwärts geht, warum irgendwelche Irren irgendwelche Gottesstaaten ausrufen oder warum sich ein demokratisch gewählter Präsident nicht so verhält wie wir es erwarten.

Wir sind arrogant bis zum Anschlag. Aber wir haben ja Sündenböcke: die Konzerne … die lediglich das machen, was wir auch tun – nur eben bewusst und nicht blind vor „Hilfe“.

Wir pumpen Geld in für uns veraltete Strukturen und versuchen dabei zu helfen, essenzielle Entwicklungsschritte einfach zu überspringen. Dann fallen wir aus allen Wolken, wenn das nicht funktioniert. Man muss doch anderen nur sagen, dass sie falsch leben und sie auf uns hören sollen.

Wie jemand, der die richtigen Lösungen für einen Test kauft. Klar besteht man den, aber see Lerneffekt ist nicht vorhanden, das Wissen nicht gefestigt. Die „Belohnung“ kommt vor der (oder ohne die) Arbeit, die dazu gehört. Also macht man weiter wie bisher, nur eben mit mehr Geld.

Gilt übrigens auch im Kleinen. Warum sich oder sein Verhalten ändern, wenn man doch auch so „sein“ Geld, seine Wohnung und alles andere bekommt? Warum die Strategie ändern, wenn man immer wieder gewählt wird? Das ist nur menschlich. Könnte man wissen, wenn man nicht gedanklich im Märchenland verweilen würde, wo alle nur das Beste für andere wollen und nur darauf warten, dass jemand einem sagt, wie man leben muss.

Und so wird sich nichts ändern. Warum auch nicht – es funktioniert doch. Ob man jetzt „Warlord“ oder „Präsident“, „Häuptling“ „Vorsitzende“ oder „Königin“ genannt wird, ist auch nur für den Diplomatenpass wichtig. Alles dank unserer grenzenlosen Arroganz… und Unmengen an Kohle, die wir bereitwillig nutzen, damit alles so bleibt wie es ist.

Kritisch wird’s besonders, wenn ein solches „Entwicklungsland“ groß genug und volkswirtschaftlich so stark ist, dass es keine externe Hilfe (mehr) braucht. China zum Beispiel. Die leben wie gewohnt und es kommt unglaublich viel Geld rein. Trotz (oder wegen?) In unseren Augen veralteter Strukturen. Und trotzdem erdreisten wir uns, ihnen das Leben vorschreiben zu wollen. Blöd, wenn die dann nicht hören. Dann sind’s auf einmal „die Bösen“… weil sie nicht nach UNSEREN Regeln spielen.


Fazit: ich befürworte diese Tatsachen nicht und will auch nicht, dass wir aufhören zu spenden und zu helfen. Nur eben bitte „richtig“. Ich möchte ein Bewusstsein dafür schaffen, dass „gut gemeint“ nicht unbedingt „gut gemacht“ bedeutet und vermeintlich „Gute“ und „Böse“ nicht immer „gut“ und „böse“ sind. Ich möchte, dass wir uns Gedanken machen, wie man wirksam helfen kann, ohne Strukturen zu festigen, die die zivilisatorische Entwicklung behindern. Und ich möchte, dass wir aufhören, anderen unsere Denkweise aufzwingen zu wollen. Man stelle sich vor, jemand würde uns „helfen“, sagen dass das was wir tun „falsch“ ist und wir die „Hilfe“ nutzen sollen, um uns selbst den Ast abzusägen, auf dem wir sitzen. Doch uns braucht ja niemand zu helfen. Wir sind ganz oben und wissen, wie die Welt funktioniert, nicht wahr?

Wer mal einen Bericht aus erster Hand lesen möchte, bezogen auf das Leben in Gambia, dortige Frauen und wie wir (falsch) helfen, klickt hier.

Eigenverantwortung

Keine Sorge, heute wirds nicht politisch, auch wenn das Thema durchaus passen könnte.

Heute stelle ich eine These auf, die mir bei meinen Erfahrungseskapaden aufgefallen ist und die mich nicht mehr loslässt, denn sie entspricht so gar nicht dem klassischen Gesellschafts- und Lebensbild, das einem stets suggeriert wird und mittlerweile fast schon groteske Auswüchse angenommen hat: Eigenverantwortung.

Eigenverantwortung bedeutet für mich seit etlichen Jahren genau das: ich bin für mich und mein Leben, mein Erlebtes und meine Zukunft selbst verantwortlich.

Allein diese Aussage dürfte bei vielen Menschen schon heftigen Widerstand auslösen, denn sie impliziert, dass man an allem Schuld ist, was einem so passiert.

Das ist NICHT der Fall! Hier muss man ganz klar differenzieren, sonst versteht man die Zusammenhänge nicht oder sogar falsch, was fatale Folgen haben kann – gerade für Menschen, die Opfer von Gewalt und/oder Missbrauch waren oder sind.

Diese Form der Verantwortung hat also nichts mit „Schuld“ zu tun. Sie sagt nicht aus, dass man etwas getan hat oder etwas verdient hat, weil man bestimmte Dinge getan oder unterlassen hat. Es ist keine Strafe.

Dazu müsste ich etwas weiter ausholen, aber ich fasse mich ausnahmsweise kurz, versprochen!

Wenn man über C. G. Jung hinausgeht, weil dessen Erklärungen und Interpretationen einem zwar zusagen, jedoch nicht alle Fragen, die man so hat, beantworten, sucht man nach „mehr“. Das habe ich getan, wie ich kurz in meiner Serie „Leben, Sterben, Tod und Jenseits“ ausgeführt habe. Gelandet bin ich schließlich bei den Michael-Teachings, die seit den 1970ern eher ein Nischendasein führen. Man kann eben nur schwer Geld mit etwas verdienen und es somit vermarkten, das keine tollen Belohnungen (2349674298393 Jungfrauen im Jenseits) oder extreme Strafen (ewige Schmerzen im Höllenfeuer) verspricht. Aber gerade das macht die „Teachings“ so interessant – eben weil sie nicht mit Schuld oder Belohnung arbeiten, mit „gut“ oder „böse“ und auch nicht mit der Moralkeule oder kulturspezifischen Essens- oder Bekleidungsregeln wedeln. Sie „sind“ einfach.

Was wäre denn der Fall, wenn jeder eine Aufgabe im Leben hat? Wäre das nicht super? Sucht nicht jeder irgendwo, irgendwie nach einem „Sinn“ im Leben? Nach etwas, das er oder sie bewirken kann? Nach etwas Bedeutungsvollem?

Aber kann denn jeder „groß“ werden? Etwas wahrhaft „wichtiges“ erreichen? Hier beginnt schon die Crux, der Denkfehler, den wir alle machen oder gemacht haben. Wir gehen davon aus, dass unsere Aufgabe etwas ist, das weitreichende Konsequenzen für die Menschheit hat, dass wir berühmt werden, reich, erfolgreich, dass man uns kennt und bewundert. Das sind jedoch weltliche Werte. Werte, die oberflächlich erstrebenswert und auch nicht schlecht sind. Klar kann man diesen auch nachjagen – warum auch nicht? Aber sie sind nicht unbedingt das, was man unter „Aufgabe“ oder „Sinn“ verstehen sollte. Zumal auch hier der Lotto-Grundsatz gilt: Es kann jeder Millionär werden – aber nicht alle…


Unsere Gesellschaft schreit nach Führung. Sie kommt nicht klar mit Anarchie. Es braucht immer jemanden, der sagt, wo es langgeht, worauf man sich fokussieren soll, was wichtig ist und was nicht. Das zieht sich durch alle Bereiche, wir sind nunmal Hierarchie-Fetischisten und kommen nicht klar, wenn es niemanden gibt, der führt, der die Richtung vorgibt. Ob das immer richtig ist, ist eine komplett andere Sache. Aber selbst ein mieser Anführer ist uns lieber als gar keiner. Kleiner Seitenblick auf unsere Bildungslandschaft: Was passiert denn wohl, wenn jeder lernt oder studiert, um später führen zu können. Wen will man denn dann führen, wenn jeder Häuptling ist und niemand mehr Indianer sein möchte? Aber selbst da kristallisieren sich dann hierarchische Strukturen heraus, etablieren sich von selbst. Dann gehts eben um den Notenschnitt oder das Auftreten oder die Sympathie. Irgendwer wird immer „oben“ sein, auch unter vermeintlich Gleichen. Wir sind nunmal nicht gleich – und das ist auch gut so.

Somit wäre es doch ziemlich unsinnig, wenn unsere jeweilige Lebensaufgabe gleichbedeutend wäre mit „Erfolg“, „Reichtum“ und dem ganzen Kram, oder? Denn dann könnten ja nur wenige überhaupt ihre Aufgabe erfüllen. Der Rest lebte in einer Illusion und würde letztendlich vergeblich gelebt haben. Eine traurige Vorstellung und eine gewaltige Verschwendung von Energie, Zeit und Kraft.

Religionen bieten hier einen gewissen Halt, bieten einen Sinn innerhalb ihrer Dogmen. Manche finden dort ihre Erfüllung und das ist in Ordnung. Doch kann auch dies nicht allgemeingültig sein, denn nicht jede Religion ist überall präsent, die Regeln sind oft nicht klar definiert und eher Auslegungssache (man schaue sich die Schiiten und die Sunniten an, um nur die größeren Islam-Strömungen zu nennen. Alternativ gibts auch nicht nur einen biblischen Kanon und die Interpretationen schwanken gehörig zwischen den einzelnen Sekten, Orthodoxen, Katholiken, Protestanten. Selbst im Judentum ist nicht alles einheitlich definiert).

Als kleiner Pimpf fragte ich mal meine Erzieherin im Kindergarten – und später auch meine „Mutter“ sowie unseren Pfarrer: „Wenn Gott alle Menschen liebt, warum müssen dann manche in die Hölle? Und was ist mit den Menschen, die gar nichts von Gott wissen?“ Es gab keine befriedigende Antwort darauf. Religion ist nichts für mich. Wobei man Religion und Glaube nicht verwechseln darf. Der Glaube ist etwas Persönliches, Religion ist von Menschen gemacht. Das aber nur nebenbei.


Unsere Aufgabe suchen wir uns selbst aus. Wir entscheiden, was wir in diesem Leben lernen, erfahren, erleben wollen. WIR und niemand anders! Wir als Mensch, bestehend aus Seele und Ich, leben dieses Leben unter Parametern, die wir uns selbst ausgesucht, die wir definiert haben. Wir als Seele haben entschieden, was uns noch an Erfahrungen fehlt, welche und wie wir sie machen möchten. Wir haben uns ausgesucht, wer uns begleitet auf unserem Weg und haben die Grundlagen zementiert, auf deren Basis wir unser Leben leben. Alles was wir erleben, was uns widerfährt, was wir durchmachen – egal ob für das Ich positiv oder negativ – hilft uns dabei, unsere selbst gestellte Aufgabe zu erfüllen.

Ja, das ist schwer zu verstehen und passt so gar nicht zu unserer derzeitigen Gesellschaft, die sämtliche Verantwortung auf „die anderen“ abwälzt. Niemand sucht sich doch Leid und Schmerz, Hunger, Armut, Gewalt, Hass, Unglück aus. Da ist immer irgendwer anders dran Schuld – meist die, denen es unverschämterweise besser geht. Aktuell ist man als alter weißer Mann mit geregeltem Einkommen verantwortlich für Klimakatasrophen, Hungersnöte, Kriege und den Untergang des Universums. Das ist bequem, das ist einfach. So muss man sich nicht mit sich selbst und dem eigenen Leben beschäftigen, muss nicht an sich arbeiten, denn die anderen sind ja in der Pflicht. Man selbst kann weitermachen wie bisher, auf „die anderen“ schimpfen und sich in Aufmerksamkeit und Zuspruch suhlen wie die Säue im Schlamm.

Nur ändert sich dadurch nichts. Man bleibt stehen, man lernt nicht, man entwickelt sich nicht weiter. Im Gegenteil: man bremst andere aus. Doch hier muss man ebenfalls genauer hinschauen. Denn jedes Hindernis ist auch etwas, das man überwinden kann, an dem man wachsen kann und vielleicht auch soll. Jeder Stein, der im Weg liegt, jeder Knüppel, der einem zwischen die Beine geworfen wird, bietet Möglichkeiten, es später besser zu machen. Oder auch nicht. Was man schlussendlich macht, wie man reagiert, liegt bei uns. Wir haben es in der Hand, denn WIR sind WIR. Wir können entscheiden, ob wir den einfachen oder den schweren Weg nehmen.

Es gibt keine Strafen oder Punktabzüge. Wir lernen dann gegebenenfalls nicht so schnell so viel, aber wir lernen. Und das ist das was zählt! Leben heißt lernen. Aus allem, durch alles, von allen. Auch die, die ihre Verantwortung für das eigene Leben, das eigene Schicksal abstreiten, lernen etwas. Dagegen kann man sich nicht wehren. Vielleicht lebt man dann später ein anderes Leben, um die nicht gemachten Erfahrungen nachzuholen, aber auch das ist nichts schlechtes.

Wenn man sich dies vor Augen führt und nicht völlig stur oder abgeneigt ist, Verantwortung zu übernehmen, wird einem schnell sehr vieles klar. Es gibt kein Objektives „gut“ oder „böse“. Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“. Diese Kategorien sind stets subjektiv und abhängig von vielen Faktoren, die kulturell, religiös oder ideologisch geprägt sind. In Mitteleuropa ist es „schlecht“, wenn man Ansprüche auf etwas oder jemanden mit Gewalt geltend macht. In anderen Kulturen ist das üblich und ein Zeichen von Stärke. Wieder andere Gruppen geißeln sich selbst, wenn sie aus Versehen eine Ameise zertreten. Manche glauben, dass die Welt aus einem Spermatropfen entstanden ist und alle Ungläubigen getötet werden müssen und einige sind der Ansicht, dass Homosexualität eine Krankheit ist.

In ihren jeweiligen Gruppen sind diese Haltungen richtig, die entsprechenden Handlungen „gut“ oder „schlecht“.

Doch im Grunde „sind“ sie nur. Es sind Gegebenheiten, gewachsen aus Erfahrung, Umständen, Tradition und manche auch aus Drogenkonsum oder Ideologie.

Was „für alle“ zu gelten hat, entscheidet sich immer wieder neu. Die Zeit vergeht und die Welt wandelt sich. Und stets weiß man „jetzt“ erst alles besser, weiß, wie es „richtig“ ist. Das ist das Leben. Das Leben ist Wandlung, es bietet einmalige Chancen zu lernen, Erfahrungen zu sammeln. Wäre alles eindeutig, wäre es statisch und somit könnten keine neuen Erfahrungen gemacht werden, man könnte nichts lernen, es gäbe keine Entwicklung.

Wir selbst erstellen unseren Lebensplan. Wir selbst suchen uns aus, wer uns dabei unterstützt. Wir selbst tragen die Verantwortung für unser Leben und jedes Leben ist wertvoll, hat einen Sinn, eine Aufgabe. Die muss nicht mit den Werten unserer Welt übereinstimmen, was sie uns leicht übersehen lässt. Dabei geht es im Grunde nur ums Lernen, um neue Erfahrungen um das ErLEBEN an sich.

Ich empfinde das nicht als Last oder Schuld. Für mich ist das eine unglaubliche Erleichterung, denn ich bin nicht Spielball von anderen oder von irgendwelchen Umständen. Ich habe mir etwas dabei gedacht und ich werde nicht daran zugrunde gehen. Ich werde lernen, Erfahrungen sammeln und ICH sein. Es ist mein Leben, ich habe es mir ausgesucht – und das ist wunderbar – nicht das Leid, das ich ertragen habe, sondern das Leben an sich!