TRIGGERWARNUNG Kindesmissbrauch „Zartes Fleisch“ Kapitel 18 – Vater

Der Beitrag darf gerne geteilt werden, allerdings nur mit entsprechender Warnung und unter Nennung der Quelle (mein Blog und/oder meine Person).

Anlaufstellen für Betroffene von sexuellem Missbrauch sind zum Beispiel N.I.N.A e.V. oder auch die Nummer gegen Kummer (inklusive Chatfunktion).


Irgendwann holt es einen ein. Immer. Auch mich.

Das Leben ist nicht geradlinig, es hat Wendungen, ist unvorhersehbar. So ist es auch bei mir.

Die letzten Jahre waren interessant. Teils schwierig, teils erfüllend, aber wenn ich die Zeit jetzt betrachte frage ich mich schon, wofür das alles gut gewesen sein sollte…

Ich habe meine Frau geliebt. Ich habe meine Kinder geliebt. Ich habe meinen Beruf geliebt. Wir hatten ein gutes Leben, es gab keine Geldsorgen und für alles andere hatten sich alle untereinander arrangiert. Auch wenn ich zunächst geschockt war, dass meine Frau ein sexuelles Verhältnis mit unserem Sohn hat, so kann ich ihr im Grunde keinen Vorwurf machen. Ich habe ja selbst regelmäßig Sex mit unserer Tochter gehabt.

Alles schien so einfach, so leicht, so natürlich. Die tägliche Routine bestand im Grunde genommen im Außergewöhnlichen, wenn man es mit etwas Distanz betrachtet und ist es nicht das, was sich jeder wünscht? Jeder Tag war gleich, aber eben gleich anders. Es ist schwer zu beschreiben.

Doch selbst an permanente Abwechslung und Besonderheiten kann man sich gewöhnen. So sehr, dass einem das Normale besonders erscheint. Paradox.

Ich war – und bin – oft unterwegs und verbringe viel Zeit mit mir und meinen Gedanken, während ich auf der Autobahn Kilometer um Kilometer abspule, ganz Deutschland und halb Europa bereise und mein eigener Chef bin. Ich denke viel nach und nach einiger Zeit ist mir aufgefallen, dass ich kaum noch nach Hause möchte.

Mich hat nicht mehr viel dorthin gezogen. Ich habe in den wenigen Tagen, die ich zuhause verbracht habe, bevor ich wieder auf Tour musste, Stück für Stück Dinge erfahren, die vieles in Frage gestellt haben, von dem ich gedacht hatte, dass es sie überhaupt gibt.

Der Höhepunkt war, als ich sah, wie Timo und meine Frau in unserem Bett Sex hatten. So wie es aussah, war das auch nicht das erste Mal. Ich hatte wenigstens den Anstand, das alles nicht in unserem Ehebett zu tun. Vielleicht habe ich etwas zu heftig reagiert, als ich meine Frau geschlagen habe. Vielleicht war es auch nicht in Ordnung, das was Timo angefangen hatte gewaltsam zum Ende zu bringen. Aber in dem Moment fühlte es sich richtig an.

Heute denke ich etwas anders darüber.

Ich bereue es nicht, aber es ist nicht mehr so wichtig. Es gibt Dinge, die sind weitaus dramatischer als Sex. Ich habe darüber auch mit Stefanie geredet, meiner Geliebten. Es tut gut, wenn man mit jemandem reden kann, der einen versteht. Dieses Gefühl hatte ich schon sehr lange nicht mehr bei meiner Frau. Sie ist eben ein Dorfkind, das merkt man immer wieder.

Sie ist nicht dumm, aber sie beschränkt sich selbst. Sie legt keinen Wert auf die eigene Bildung oder hat gar Ehrgeiz, mehr aus sich zu machen. Sie ist zufrieden damit, sich um die Kinder zu kümmern und zuhause zu sitzen. So kann ich zwar tun und lassen was ich will, aber ich habe eben keinen gleichwertigen, gleichberechtigten Partner, sondern eine Untergebene. Vielleicht war das auch ein Grund, warum ich mich auf Sabrina fixiert hatte. Wahrscheinlich war die nachlassende sexuelle Anziehungskraft nicht nur ihrer zunehmenden Körperfülle geschuldet, sondern auch ihrem Wesen, ihrer Haltung allem und allen anderen gegenüber. Sie hat mich nicht mehr angezogen und so musste ich mir eben Ersatz suchen.

Der Sex mit Sabrina war toll. Er ist es noch, auch wenn wir seltener zusammen sein können. Doch auch bei ihr ließ das Verlangen nach. Nicht so schnell wie bei meiner Frau, aber doch spürbar. Ihre Jugend und der perfekte Körper und auch die Ähnlichkeit mit ihrer Mutter, als sie noch hübsch war, sorgen aber immer noch dafür, dass ich das Interesse an ihr nicht verliere. Vielleicht ändert sich das, wenn die Pubertät voll zum Tragen kommt, wer weiß.

Sabrina wird sich auch nicht ewig fügen, auch wenn ich immer noch glaube, dass sie es oft genug genießt. Allein die Tatsache, dass sie niemandem von uns erzählt hat, zeigt ja schon, dass sie unsere Beziehung schätzt.

Bei den zahlreichen Gesprächen mit Stefanie habe ich selbstverständlich nie davon geredet, was zwischen meiner Tochter und mir passiert. Das ist etwas, das in der Familie bleiben muss und Stefanie ist nicht Teil dieser Familie. Vielleicht wird sie einmal eine Partnerin, eine wirkliche Partnerin auf Augenhöhe, aber dann ist sie Teil einer neuen Familie. Sie würde es ohnehin nicht verstehen.

Stefanie habe ich ganz klassisch in der Kneipe kennengelernt. Abends nach einer längeren Tour setze ich mich oft noch für ein paar Bier und ein oder zwei Kartenspiele in eine Bahnhofskneipe in der Stadt. Ich genieße es, unter Leuten zu sein, die alle ihr eigenes Leben führen und nicht abhängig sind von mir. Hier treffe ich alte Schulkameraden und wir reden über Gott und die Welt. Manchmal werden aus den paar Bier auch ein paar mehr und ich muss dann notgedrungen im Transporter übernachten. Das bin ich ja gewohnt, von daher ist das kein großes Problem. Ob ich jetzt nachts oder erst am nächsten Morgen nach Hause komme, interessiert auch niemanden mehr.

Eines Abends jedoch kam ich mit einer ehemaligen Schulfreundin ins Gespräch: Stefanie. Sie wohnt nicht weit entfernt von der Kneipe und bot mir an, bei ihr zu übernachten. Zuvor hatten wir öfter Karten gespielt und auch mal Gewürfelt, aber an dem Abend war etwas anders. Ein so langes Gespräch mit einer Frau hatte ich ewig nicht mehr geführt. Stefanie war schon immer eine starke Frau gewesen und auch jetzt zeigte sich wieder, dass sie mit beiden Beinen fest im Leben stand, wusste was sie wollte und sich niemandem unterordnete. Eine Partnerin auf Augenhöhe.

Nur war – und bin – ich leider verheiratet, was ich ihr auch von Anfang an sagte. Stefanie schien das nicht zu interessieren und sagte, dass sie mich ja nicht entführen oder zwangsverheiraten möchte. Sie biete mir nur einen Platz zum Schlafen an und ich akzeptierte schließlich.

Die paar Meter zu ihrer Wohnung gingen wir zu Fuß und waren überaus gut gelaunt, fast schon wie Teenager, die sich über Nichtigkeiten freuen, einfach weil eine liebe Person bei ihnen ist, mit der sie diese teilen und erleben können – und sei es nur ein kurzer Spaziergang durch das Bahnhofsviertel.

Bei ihr zuhause angekommen, führte sie mich in die kleine, aber ordentliche Wohnung, die nur aus Wohnzimmer mit Koch- und Essecke, einem Badezimmer und einem Schlafzimmer bestand. Ich gib zielstrebig zur Couch und legte mich hin, auch wenn Stefanie meinte, dass das Bett bequemer wäre. Sex wollte ich nicht, ich wollte nur schlafen und sie versuchte nicht, mich zu überreden, was ich ihr immer noch hoch anrechne. Sie brachte mir noch eine Decke und ein Kissen und ich schlief meinen kleinen Rausch aus.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, hatte Stefanie schon den kleinen Esstisch in der Ecke gedeckt. Frische Brötchen, Filterkaffee, Käse, Wurst, ein paar gekochte Eier – was war herrlich und duftete so einladend, dass ich gerne noch etwas bei ihr blieb. Wir kamen wieder ins Gespräch, redeten über ihre Arbeit im Supermarkt und meine als Fernfahrer und ich merkte, dass ich auch nüchtern super mit ihr auskam. Da wurde mir klar, was ich wirklich in meiner Ehe vermisst habe. Nicht die Äußerlichkeiten waren die Dinge, die ich gerne ändern würde, sondern die wichtigen Dinge. Zwischenmenschliches wie miteinander Reden, über die gleichen Dinge lachen, sich etwas erzählen können und auch wollen, Anteilnahme am Leben des anderen, ähnliche Erfahrungen, gleiche Werte, gleiches Umfeld. All das, was ich bei meiner Ehefrau nicht hatte – sogar niemals hatte, wenn ich ehrlich bin. Ich war sehr jung, als wir geheiratet hatten und ich denke, dass wir zu jung waren.

Aber wir beide entstammen einer Generation, die einmal getroffene Entscheidungen nicht mehr ändert. Die Ehe zieht man durch, egal was kommt. Das gehört sich so. Das gilt umso mehr auf dem Dorf, wo eine Scheidung einer Ächtung gleichkommt. Allerdings wird es toleriert, dass man sich außerhalb der Ehe holt, was man innerhalb derselben vermisst. Es darf nur noch so offensichtlich passieren. Hauptsache der Schein wird gewahrt. Wie bei allem, was dort passiert.

Als ich mich dann schließlich von Stefanie verabschiedet hatte, geschah dies nicht ohne eine Verabredung für ein weiteres Treffen. Aus diesem Treffen wurden dann viele weitere und so kam es schließlich dazu, dass ich neben meiner Ehefrau eine Geliebte hatte. Etwas, was ich nie von mir gedacht hätte.

Im gleichen Maß wie die Vertrautheit – und schließlich auch der unglaublich erfüllende Sex – mit Stefanie wuchsen und regelmäßiger wurden, schwand auch die Zeit, die ich zuhause verbrachte. Touren, die eigentlich nur nach Süddeutschland gingen und nach drei Tagen erledigt waren, führten dann nach Südfrankreich oder Italien und dauerten 6 Tage oder länger. Es war so einfach und alles schien perfekt. Bis diese negativen Informationen in diese heile Welt tröpfelten.

Natürlich sprach ich mit Stefanie darüber, holte ihren Rat ein und sorgte so dafür, dass mich nichts davon wirklich berührte. Der Vorfall mit Timo jedoch … den konnte ich nicht mit Stefanie teilen, mir keinen Trost holen. Die Gefahr war zu groß, dass alles ans Licht kommt – auch die Bettgeschichten zwischen Sabrina und mir. Ich versuchte also, selbst damit klarzukommen, schaffte es jedoch nicht und musste mir eine Geschichte über Nachbarn im Dorf ausdenken, bei denen „so etwas“ geschehen war. Auf diese Weise konnte ich über mein zweites Leben reden, ohne mich selbst auszuliefern. Ich belog zum ersten Mal meine Geliebte.

Sie hat sehr deutliche Ansichten zum Thema Sex mit Kindern – egal ob die eigenen oder nicht – und wenn herauskäme was nicht herauskommen darf, wäre ich alles los, was ich mir erarbeitet habe. Job, Haus, Familie – alles weg und dazu noch Jahre im Gefängnis.

Also muss ich es über diesen Umweg versuchen, wenn ich über die Tatsachen reden will, die mich betreffen. Das ist anstrengend, aber es geht nicht anders. Der Status als Geliebte sorgt zudem dafür, dass ich Stefanie leicht vom Dorfleben fernhalten kann und meine Frau hat sowieso kein Interesse daran, das Haus oder gar den Ort zu verlassen. Manchmal fügen sich die Dinge eben einfach.

Jetzt, ein paar Wochen nach der unsäglichen Nacht, in der ich meine Frau und Timo beim Sex erwischt hatte, sitze ich wieder am Esstisch in der Küche meines Hauses. Vor mir eine Tasse Kaffee und meine Frau mir gegenüber. Die Wunden sind gut verheilt, es musste gottseidank nichts genäht werden. Sie sitzt ruhig da und mustert mich. Ich bin hier, weil sie mich zu einem Gespräch gebeten hat. Sie weiß von Stefanie, denn irgendeiner aus dem Dorf hat uns beide zusammen in der Stadt gesehen.

Irgendwann schleicht sich eben der Leichtsinn ein. Aber sie hat mir keine Szene gemacht, tat sogar so, als wäre das vollkommen in Ordnung und nichts Besonderes. Das Thema wurde nicht weiter vertieft und ist auch nicht der Grund, warum ich hier sitze, wie sie mir am Telefon versicherte. Sie hat so oft in der Bahnhofskneipe angerufen und nach mir gefragt, bis ich schließlich da war und mit ihr reden konnte.

Was weiß sie noch alles?

Und was plant sie?

Das Leben ist nicht geradlinig.

Meine Frau ist krank.

Sie hat eine unheilbare Nervenkrankheit, genannt Multiple Sklerose. Beim Arzt ist das festgestellt worden, nachdem sie immer mal wieder motorische Ausfälle hatte und sich daraufhin hat gründlich untersuchen lassen. Ich habe von all dem nichts mitbekommen, da ich ja kaum noch zuhause war. Die Krankheit ist wie gesagt nicht heilbar und sie verläuft in Schüben. Der Zustand, den sie im Moment hat, kann so für einige Jahre bleiben, aber irgendwann macht es „Klick“ und von jetzt auf gleich fallen Nervenbahnen aus. Das führt unweigerlich dazu, dass MS-Patienten früher oder später im Rollstuhl landen und im Extremfall am Ende ersticken, weil die Atemmuskulatur nicht mehr funktioniert. Wann das sein wird und ob es so weit kommt, kann niemand vorhersagen. Es ist ein Damoklesschwert, das uns von nun an überallhin begleitet.

Ich glaube ihr. Zuerst hielt ich das nur für eine Art Trick, mich an sich zu binden. Aber es ergibt jetzt alles so viel mehr Sinn. Was mich stört ist nur, dass sie sich schon damit abgefunden hat, dass sie bald sterben wird, obwohl das gar nicht stimmt. Niemand weiß, was einen Schub auslöst und wie dieser verläuft. Niemand weiß, wie viel Zeit sie noch hat. Man weiß so wenig über diese Krankheit, aber das reicht aus, um sie noch stärker zu lähmen. Sie hat eine Ausrede gefunden, noch passiver zu sein. Sie scheint es in gewisser Weise sogar zu freuen, dass sie jetzt permanent in der Opferrolle sein kann und jeder auf sie Rücksicht nehmen muss. Aber ich bin anders. Ich muss etwas ändern, irgendetwas tun und einen Plan machen, wie es weitergeht.

Meine Frau erzählt mir jetzt die Dinge, die ich noch nicht weiß. Dinge, die sie erst vor ganz kurzer Zeit erfahren hat und die der Grund sind, weswegen ich hier sitze. Die Krankheit oder vielmehr die Wahrscheinlichkeit der Veranlagung ist vererbbar und zwar mit Fokus auf die weiblichen Nachkommen. Es besteht also eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Sabrina ebenfalls MS hat oder bekommt. Ob das so sein wird, muss die Zukunft zeigen, aber diese Neuigkeit ist ein Schlag ins Gesicht für mich, für uns als Familie. Ist das eine Art Strafe dafür, wie wir leben, was wir getan haben? Ich bin sicher, einige Leute im Bibelkreis würden das so sehen. Aber ich denke mir nur, dass ich etwas vorsichtiger sein muss, wenn ich das nächste Mal mit Sabrina zusammen bin. Stress kann ein Auslöser sein…

Die zweite Information erwischt mich dennoch kalt. Es gäbe laut ihrem Arzt eine Möglichkeit, den nächsten Schub hinauszuzögern. Nicht nur ein paar Wochen, sondern für mehrere Jahre. Einen Schutz sozusagen, der besser wirkt als jedes experimentelle Medikament, von denen es sowieso nur sehr wenige auf dem Markt gibt.

Sie hat also nicht völlig aufgegeben?

Um einen Schub zu stoppen, aufzuschieben, ist es nötig, den Hormonhaushalt der betroffenen Frau umzugestalten. Quasi einmal „durchmischen“ und warten was passiert. Dies erreicht man am besten durch eine Schwangerschaft.

Da war der Hammer. Das wollte sie mir sagen. Sie will noch ein Kind! Nach allem was war, was sie getan hat und wie ich mich verhalten habe, will sie noch ein Kind! Und dann begreife ich…

Das Kind wird nicht nur ein Medikament sein, das ihr hilft, noch einige Jahre relativ beschwerdefrei zu leben, sondern es sorgt auch gleichzeitig dafür, dass ich mich wieder mehr in der Familie engagiere. Mit einem kleinen Kind kann ich mich nicht um Stefanie kümmern. Ich kann nicht so oft und so lange unterwegs sein und muss mehr Zeit zuhause verbringen. Sie weiß auch, dass mir viel an Sabrina liegt und die Nachricht, dass sie auch an MS leiden könnte, bindet mich zusätzlich an meine Familie auf dem Dorf.

Im Grunde lässt sie mir also gar keine Wahl. Ich muss sie schwängern. Ich muss Sex mit dieser Person haben, die ich schon lange nicht mehr attraktiv finde, wegen der ich auf meine Tochter ausweichen musste und die mich dazu gebracht hat, mir eine Geliebte zu suchen. Ich muss ihr ein Kind machen und dann für sie und alle in der Familie da sein.

Ich muss Stefanie aufgeben.

Sicher, ich könnte mich weigern, doch spätestens, wenn sich der Zustand meine Frau verschlechtert, wird sie mir die Schuld für alles in die Schuhe schieben. Ich wäre ruiniert, am Ende, hätte nichts mehr. Alles würde herauskommen und Stefanie würde ich am Ende genauso verlieren. Denkt meine Frau wirklich so oder denke ich zu viel? Male ich mir ein Horrorszenario aus, das niemals eintreten wird?

Aber meine Frau hat nicht zu viel versprochen. Das Gespräch war wirklich wichtig und eine unheilbare Krankheit hat nun dafür gesorgt, dass ich mein Glück aufgeben muss, um ein neues Leben in die Welt zu setzen, das hoffentlich gut als Medikament dienen wird.

Ich nicke nur kurz und sage: „In Ordnung.“ Dann trinke ich den Kaffee in einem Zug leer und stehe auf, will nach draußen gehen.

„Ich erwarte dich dann in spätestens einer Woche hier. Sieh zu, dass du in Form bist.“, sagt sie, als ich die Küchentür zum Flur öffne.

Wieder nicke ich und gehe dann nach draußen, raus aus dem Haus, rein ins Auto und weg von hier.

Ich muss Stefanie sagen, dass es vorbei ist.

TRIGGERWARNUNG Kindesmissbrauch „Zartes Fleisch“ Kapitel 16 – Timo

Der Beitrag darf gerne geteilt werden, allerdings nur mit entsprechender Warnung und unter Nennung der Quelle (mein Blog und/oder meine Person).

Anlaufstellen für Betroffene von sexuellem Missbrauch sind zum Beispiel N.I.N.A e.V. oder auch die Nummer gegen Kummer (inklusive Chatfunktion).


Wohin?

Nach Hause kann ich jetzt nicht. Mama würde sich nur fragen, warum ich nicht bei den Nachbarn geblieben bin und Regina und Georg suchen mich bestimmt auch.

Wer weiß, was sie Mama erzählen? Aber wohin jetzt? Immerhin habe ich jetzt was an und muss nicht nackt durchs Dorf laufen. Am Sonntag ist auch keiner mehr unterwegs. Die Kirche ist lange aus und die anderen Kinder sind zuhause. Man kann ja hier sowieso nichts machen, außer Fußballspielen, aber das gehört sich am Sonntag nicht. Nicht bei uns.

So kann ich wenigstens halbwegs sicher draußen herumlaufen.

In den Holzkeller kann ich auch nicht zurück. Das ist in Ordnung gewesen für ein paar Stunden, aber länger da drin bleiben? Das funktioniert nicht. Ich brauche auch eine Entschuldigung für die Schule und die muss irgendwie meine Lehrerin erreichen.

Ich kann ja nicht ohne Schulsachen zum Unterricht gehen. Nach dem, was passiert ist, brauche ich auch erstmal etwas Ruhe. Ich muss das alles sortieren. Ich weiß nicht weiter und außer meiner Tante kenne ich hier niemanden, der für mich da sein könnte. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als zu Tante Heike zu gehen. Sie kann Papa nicht leiden und mit mir hat sie auch nicht so viel zu tun, aber sie ist meine letzte Hoffnung. Vielleicht kann sie ja auch was für Mama tun.

Der Weg zu Tante Heike ist nicht weit. Die Straße runter, links abbiegen, an der Wiese vorbei und schon bin ich am großen, gepflasterten Hof angekommen. Das Haus war auch ein Bauernhaus, wie unseres. Mein Onkel hat hier viel Geld reingesteckt und das Haus umgebaut, so wie Papa das auch bei uns gemacht hat. Die Fachwerkwände sind weiß und von dunkelbraunen Balken durchzogen. Vor der Haustür stehen zwei große Tannen, die bis über das Dach hinausragen und die ehemalige Scheune ist jetzt eine große Doppelgarage, die man über den Hof erreicht. Hinterm Haus ist noch ein großer Garten mit ganz kurzem Gras und einer Grillecke mit Tisch und Stühlen. Mama hat mich mal mitgenommen, als hier Geburtstag gefeiert wurde. Ich glaube on meinem Onkel. Genau weiß ich das nicht mehr, ich war ja noch ganz klein. Das Haus kam mir riesig vor und ich weiß noch, dass es drinnen eine große Schiebetür gab, durch die man gehen musste, wenn man vom Wohnzimmer ins Esszimmer wollte. Das war schon beeindruckend. Aber dunkel wars auch da drin. Bei uns gibt es kein Zimmer ohne Fenster und selbst der Flur bekommt Licht von draußen durch die Glastüren, aber hier ist alles zu, dicht, undurchsichtig. Ob sich da was geändert hat?

Solche Gedanken kreisen in meinem Kopf. Sie haben nichts mit dem zu tun, was ich gesehen habe oder wovor ich weggelaufen bin und das ist gut so. Tante Heike darf mir nichts anmerken, aber ich weiß ja jetzt, dass meine Lügengeschichte funktioniert, also erzähle ich sie hier ebenfalls. Der Plan steht fest, somit gehe ich über den Hof und direkt zur schweren Holzhaustür mit den komischen Eisenverzierungen darauf. Ein wenig unheimlich sieht das schon aus. Gut, dass es noch hell ist.

Ich drücke auf den Klingelknopf unter der großen, eisernen Hausnummer an der Wand neben der Haustür und warte ein, zwei Schritte von der Tür entfernt, vor der Fußmatte. Falls irgendwas sein sollte, kann ich so schneller weglaufen. Man weiß ja nie.

Es dauert ein paar Augenblicke, aber schließlich öffnet sich die Tür langsam einen Spalt. Die Haustür ist auch hier mit einer goldenen Kette gesichert, aber Tante Heike erkennt mich sofort und nimmt sie ab.

„Timo? Solltest du nicht …. komm erstmal rein. Geht’s dir gut?“, begrüßt sie mich. Seltsam. Sie ist so freundlich. Papa redet immer ganz anders von ihr. Aber ich komme nicht zum Nachdenken. Tante Heike schiebt mich über den Flur direkt ins Wohnzimmer. Ja, die Schiebetür gibt’s immer noch und die ganzen Leuchter an der Decke. Die machen, dass es noch dunkler wirkt hier drin. Komisch.

„Setz‘ dich erstmal hier hin.“, sagt sie und deutet auf die große Couch.

„Dein Onkel ist unterwegs und kommt erst in ein paar Tagen wieder. Willst du was essen? Dann kannst du mir sagen, was los ist.“, sagt sie und verschwindet schon wieder in Richtung Küche, bevor ich antworten kann.

Sie wirkt so fürsorglich. Hat Mama mit ihr geredet? Keine fünf Minuten später ist Tante Heike wieder da, stellt mir eine Tasse Kakao auf den Tisch – mit Untersetzer – und dazu ein paar selbstgebackene Kekse.

„Iss erstmal. Ich weiß in etwa, was bei euch los ist. Aber warum bist du jetzt hier? Weiß deine Mutter davon?“, kommen die Fragen im gleichen schnellen Ton wie zuvor aus ihr heraus. Tante Heike setzt sich in einen Sessel, wie die Couch aus braunem Leder und ebenfalls mit Decken ausgestattet, die das Sitzen gemütlicher machen.

Ich habe mich schon unter eine Decke gekuschelt und kaue an einem Keks, schaue dabei Tante Heike neben mir an und verstehe erst jetzt.

„Was meinst du, du weißt was bei uns los ist? Hast du mit Mama gesprochen? Oder war Papa hier? Wie geht’s Sabrina?“, frage ich aufgeregt zurück, aber Tante Heike bremst mich.

„Timo, halt mal. Alles ist gut. Ich weiß nicht, was im Moment los ist, aber deine Mutter hat mir heute früh erzählt, dass du weggelaufen bist, weil du Ärger mit deinem Vater hast.“

Beim Wort „Vater“ verzieht sie das Gesicht und spricht dann nach einer kurzen Pause weiter, als müsste sie ihre Gedanken sortieren.

„Ich weiß, dass dein Vater manchmal etwas schwierig ist. Aber er hat es auch nicht leicht hier im Dorf, verstehst du? Wenn du aber Angst vor ihm hast, ist das nicht in Ordnung! Gut, dass ihr so nette Nachbarn habt, die euch helfen. Aber sag, warum bist du nicht bei ihnen? Deine Mutter hat gesagt, dass du ein paar Tage bei ihnen bleibst und ein paar Stunden später stehst du hier vor meiner Tür? Was ist passiert?“

Ok, das hatte ich nicht erwartet. Tante Heike ist wirklich nett. Ganz anders, als Papa immer sagt. Und sie will mir helfen. Mama hat auch nichts gesagt, das finde ich gut und so muss ich auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich meine Lügengeschichte erzähle. Aber was sage ich ihr als Grund, warum ich hier bin und nicht bei Regina und Georg?

Der Kakao schmeckt gut und unter der Decke ist es richtig schön gemütlich. Mit Tante Heike allein im Wohnzimmer ist fast wie mit Mama bei uns. Die beiden sehen sich schon ähnlich, auch wenn Tante Heike schlanker ist. Richtig dünn sieht sie aus. Ist das wegen der Krankheit, die Papa erwähnt hat?

„So schweigsam, kleiner Timo?“, unterbricht Tante Heike meine Gedanken.

„Ja, nein. Also … ich bin vor Papa weggelaufen. Er war böse auf mich wegen der Schule und ich wollte einfach nur weg.“, fange ich an zu erzählen. Tante Heike bekommt einen nachdenklichen, ernsten Gesichtsausdruck und hört mir aufmerksam zu.

„Aber bei Regina und Georg wars auch nicht besser. Zuerst schon. Regina war super nett zu mir und Ulrike war da, aber eben sollte ich duschen.“

Tante Heike schaut zu Boden und schüttelt den Kopf.

„Hat er dich angefasst?“, fragt sie sehr direkt und ich schaue sie verwundert an. Tante Heike bemerkt das natürlich und sagt weiter: „Georg. Hat er dich angefasst?“, wird sie deutlicher.

Sie weiß davon? Sie weiß, was Georg macht? Oder gemacht hat? Was ist hier los?

„Nein, also. Nein, er hat mich nicht angefasst. Aber er hat an sich rumgespielt. Ich hab das genau gesehen. Die Badezimmertür stand etwas offen und Ulrike war in der Dusche. Georg stand davor und hat an sich rumgespielt.“, sprudelt es aus mir heraus. Habe ich das gerade wirklich gesagt?

Tante Heike schüttelt wieder langsam den Kopf und schaut mich dann traurig an.

„Gut, dass du hergekommen bist. Du musst wissen, dass Georg das öfter macht. Und manchmal bleibt das nicht beim Zuschauen. Zumindest ist es das, was man sich im Dorf erzählt. Und er macht das schon ganz lange so, aber niemand sagt etwas.“

Ich bin geschockt. Georg schaut öfter zu, wenn Ulrike sich duscht? Und er macht noch mehr? So wie Papa mit Sabrina? Kann Tante Heike Papa deswegen nicht leiden? Weiß sie alles? Weiß sie von Mama und mir? Viele Fragen, die mir durch den Kopf schießen, aber was davon kann ich fragen? Ich bin verwirrt.

„Weißt du, Kleiner. Ich habe Krebs. Das ist eine schwere Krankheit und ich hoffe, dass die Ärzte mir helfen können. Ich habe viel gesehen und noch mehr, über das ich nicht reden darf, nicht reden soll. Was in der Familie passiert, bleibt in der Familie. Und was im Dorf passiert, wird im Dorf geregelt. Kennst du das?“

Ich nicke kurz. Das hat mir Mama beigebracht.

„Gut. Dann kannst du dir sicher denken, dass jeder hier im Ort Probleme und auch dunkle Geheimnisse hat. Das ist so, wenn man immer unter sich war und ist. Wenn man Teil der Gemeinschaft ist, kann man auch gar nicht anders. Man muss sich fügen, mitmachen und der einzige Weg da raus ist, wenn man wegzieht und alles von hier aufgibt. Aber man kann nichts dagegen machen, was hinter den Türen in den Häusern geschieht. Man redet darüber – natürlich nicht direkt – aber man macht nichts dagegen. Das gehört sich nicht, denn dadurch schadet man dem ganzen Dorf, weil jeder Dreck am Stecken hat. Niemand wird einen Nachbarn verraten aus Angst, selbst aufzufliegen und deswegen kann jeder machen was er will, solange er diese einfachen Regeln befolgt.“

Gebannt höre ich weiter zu. Tante Heike redet weiter, wahrscheinlich mehr zu sich als zu mir und es scheint, als würde sie das alles zum ersten Mal laut aussprechen.

„Seit mir der Arzt gesagt hat, dass ich Brustkrebs habe und vielleicht sterben könnte, habe ich viel nachgedacht. Was ist richtig, was ist falsch? Sind diese Dorfregeln gut oder schaden sie mehr als sie nutzen? Müssen wir immer noch so denken wie vor 100 Jahren? Ist das, was vor Generationen gut für uns war, nicht mittlerweile eher schlecht für uns alle? Du bist noch sehr jung und ich bin froh, dass dir bisher nichts passiert ist. Bis heute. Das mit Georg… das ist normal hier.“

Normal? Also ist auch das was Papa mit Sabrina macht normal und auch der Sex mit Mama ist in Ordnung. Aber warum war ich dann so geschockt von Georg im Badezimmer?

„Du hast etwas gesehen, was du noch nicht hättest sehen sollen. Aber besser so als anders. Du bist weggelaufen und hast dich so in Sicherheit gebracht. Ich weiß, dass das falsch ist, was Georg und einige andere hier im Dorf machen. Aber man kann nichts tun. Es wird nicht aufhören, solange wir unter uns bleiben. Dass du weggelaufen bist zeigt aber, dass du eine Chance hast. Eine Chance, gar nicht erst in diesen Strudel zu kommen. Du hast sowas noch nicht mitgemacht und willst es offenbar auch nicht; das ist gut so! Aber jetzt kommt das Schwierige an der Sache: Du darfst darüber nicht reden. Mit niemandem!“

„Darf ich nicht? Warum?“, frage ich kurz und verwerfe sofort den Gedanken, Tante Heike von Sabrina und Papa zu erzählen. Das ist was anderes. Papa ist nicht von hier und Sabrina ist schon groß. Aber Opa und Enkelin fühlt sich nicht richtig an. Außerdem ist das bei uns etwas Besonderes. Zumindest dachte ich das immer und es fühlt sich auch besonders an. Nicht so eklig wie bei Georg und Ulrike. Ulrike hat auch nie etwas gesagt, also macht Georg das alles eher heimlich. Das ist nicht richtig.

„Weil dann… du hast es doch sowieso nicht leicht hier. Niemand kann unsere Familie leiden, besonders nicht deinen Vater. Ein Schnösel aus der Stadt, der alles besser weiß und alle anderen für dumm hält. Wenn du jetzt rumerzählst, was du gesehen hast, wird das alles schlimmer werden.“, unterbricht Tante Heike meine Gedanken.

Sie fährt fort und kommt zum Punkt: „Du kannst hierbleiben. Heute. Aber morgen früh musst du wieder nach Hause. Ich rufe deine Mutter an und sage ihr Bescheid. Ich lass mir was einfallen wegen Regina und Georg. Wenn dein Vater noch da sein sollte, müssen wir nochmal nachdenken, aber du musst so schnell wie möglich wieder nach Hause. Wenn du durchs Dorf streifst, fangen die Leute irgendwann an zu reden – und das ist nicht gut. Glaub mir.“

Ich muss zurück. Morgen schon. Oh Mann. Aber wenn Tante Heike Recht hat, bleibt mir nichts anderes übrig. Ich hoffe wirklich, dass Papa nicht da ist. Ich will nicht, dass er zuhause ist, wenn ich komme und ich will auch nicht, dass er bald wiederkommt. Er soll wegbleiben! Er hat Mama wehgetan! Vielleicht hat er Sabrina auch wehgetan? Tante Heike ist nett, also hat Papa mich belogen und Mama immer die Wahrheit gesagt. Was ein blöder Tag! Warum passiert das mir?

Tränen laufen mir über die Wangen, ich weine stumm, kann nichts sagen, bin nur voller Wut und Enttäuschung. Ich habe Angst und will doch etwas machen, etwas tun, damit ich nicht nur zusehen muss. Ich bin verwirrt und weiß nicht, wie es weitergeht. Ich kann nur warten was passiert. Ich muss warten, mir bleibt nichts anderes übrig, ich bin noch zu jung. Aber bald… bald bin ich groß und stark und kann machen was ich will! Bis dahin muss ich durchhalten, stark werden, bleiben, sein.

So fühlt es sich also an, wenn man erwachsen wird.

Sexueller Missbrauch / Divers

Zwei Probleme, drei Zahlen.

Unterschiedliche Bereiche, doch ein Paradebeispiel dafür, was heute als wichtig oder wichtiger dargestellt wird.

Hierbei geht es nicht nur um die Präsenz in Medien und Parteiprogrammen, sondern auch um das, was effektiv getan wird, was man wie schnell umsetzt und wem das eigentlich hilft.


314.000 missbrauchte Kinder pro Jahr, das sind die Zahlen des BKA und entsprechende Dunkelfeldschätzungen. Die WHO geht allerdings von knapp 1.000.000 Fällen in Deutschland aus.

Über Jahre und Jahrzehnte wurde immer wieder gefordert, ja sogar regelrecht darum gebettelt, dass das Strafrecht bzgl. sexuellem Missbrauch von Kindern verschärft wird. Sexueller Missbrauch war ein Vergehen, kein Verbrechen, was sich erst kürzlich nach langem Hin und Her geändert hat.

2001 – vor 20 Jahren! – hatte Gerhard Schröder schon für härtere Strafen plädiert, doch getan hatte sich bis jetzt nichts. Im Gegenteil: es wurde sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, solche Monster härter zu bestrafen.

20 Jahre hat es gedauert, bis „Bewährung“ zur absoluten Ausnahme gemacht wurde. Und als es darum ging, die Gesetzesänderung endlich zu beschließen, haben sich FDP, Grüne und Linke der Stimme enthalten. Nur CDU, AfD und SPD stimmten dafür. Nach 20 Jahren.

314.000 (oder 1.000.000) Kinderseelen pro Jahr sind diesen Parteien scheinbar nicht so viel wert. Nichtmal eine Stimme, eine Meinung… da ging es um eigene Vorstellungen, die nicht in den finalen Text der übernommen wurden. Prinzipien statt Handeln. Sturheit statt Hilfe.

Nach ewig langem Schweigen und Zögern.


Dagegen wurde ein anderer Missstand fast umgehend beseitigt: Seit Ende 2018 gibt es offiziell das „dritte Geschlecht“. Behördliche Formulare wurden angepasst, Stellenausschreibungen lauten stets auf (m/w/d), es gibt Unisextoiletten und man will der Bevölkerung mit aller Macht das Gendern aufdrücken.

Seit 2013 konnte man das Feld „Geschlecht“ im Geburtenregister freilassen bzw. die Zuordnung zu „männlich“ oder „weiblich“ löschen lassen. Dagegen wurde Verfassungsbeschwerde eingelegt, da es nicht möglich war, „inter “ oder „divers“ eintragen zu lassen. Der höchstrichterliche Beschluss erging 2017 und ab Dezember 2018 war dieser Missstand behoben.

Bisher haben 413 Menschen ihr Recht auf Eintragung von „divers“ als Geschlecht wahrgenommen. Darunter befinden sich auch 19 Neugeborene.

80.000 bis 120.000 Intersexuelle gibt es laut Schätzungen in Deutschland.


Und das ist der Punkt, an dem ich mich frage, was bei mancher Politikerin oder Staatsanwältin falsch läuft!

Niemand soll und darf diskriminiert (oder bevorzugt) werden. Jeder hat ein Recht auf ein Leben in Ruhe, Frieden und Freiheit. Ich freue mich, dass hier innerhalb von 5 Jahren etwas erreicht wurde, was zwar wenige Menschen betrifft und noch weniger annehmen, aber wenigstens haben sie jetzt die Möglichkeit dazu!

Warum geht das nicht bei 314.000 – 1.000.000 Kindern? Warum dauert das Jahrzehnte? Warum enthalten sich gerade die Parteien, die doch so extrem nach Gleichberechtigung und Gerechtigkeit schreien?

Warum bewegen 413 – 100.000 Menschen eher zum Handeln als 314.000 – 1.000.000? Sind Kinder weniger wert? Warum? Weil sie nicht wählen dürfen und somit nichts „bringen“?

Warum hat man es nicht umgekehrt gemacht, Prioritäten gesetzt nach Anzahl? Oder warum lief das nicht wenigstens parallel, mit gleicher Vehemenz? Warum sind die Belange von 413 – 100.000 Menschen in den Wahlprogrammen verankert, während man sich bei härteren Strafen für sexuellen Kindesmissbrauch in 314.000 – 1.000.000 Fällen enthält?

Ein ganzes Volk – 83.000.000 Menschen – soll Gendern und sich anpassen an die Bedürfnisse von 413 – 100.000 Menschen. Gleichzeitig scheren sich die, die das politisch fordern, nicht um 314.000 – 1.000.000 missbrauchte Kinder, die ebenfalls Teil der Bevölkerung sind.

Die sind ihnen scheinbar noch nichtmal ein klares „Ja“ oder „Nein“ wert.

😡

TRIGGERWARNUNG Kindesmissbrauch „Zartes Fleisch“ Kapitel 15 – Timo

Der Beitrag darf gerne geteilt werden, allerdings nur mit entsprechender Warnung und unter Nennung der Quelle (mein Blog und/oder meine Person).

Anlaufstellen für Betroffene von sexuellem Missbrauch sind zum Beispiel N.I.N.A e.V. oder auch die Nummer gegen Kummer (inklusive Chatfunktion).


Es ist Sonntag. Eigentlich geht man da ja in die Kirche, so wie es sich eben gehört. Aber ich kann da nicht hin. Ich kann auch nicht nach Hause. Papas Auto steht noch im Hof. Ich trau mich nicht. Ob es Mama gut geht? Es war kein Krankenwagen und keine Polizei da, die ganze Nacht über nicht. Papa ist auch nicht rausgekommen.

Was wohl mit Sabrina ist? Sie scheint ja nichts mitbekommen zu haben oder vielleicht hat sie sich auch einfach nicht getraut und so getan, als ob sie schläft. Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass ich nicht hier im Holzkeller bleiben kann. Mein Entschluss steht fest: Ich muss zu den Nachbarn. Die mit den netten Enkeln. Die kennen mich ja.

Die Sonne geht gleich auf und es wird ganz langsam hell. Ich schleiche mich so gut es geht nach draußen, dann durch die Büsche, hinter der Garage entlang und über die Straße zum Nachbarhaus.

Das Schlafzimmerfenster von Mama kann ich von der Straße aus sehen. Es ist immer noch zu, die Rollläden unten. Daneben ist das Wohnzimmer und auch die Küche, aber ich sehe da kein Licht. Niemand hat die Rollläden runtergelassen. Wenn Papa wieder auf der Couch schläft, wird er jetzt bald aufwachen.

Egal. Der gelb lackierte Metallzaun vom Nachbarhaus sorgt dafür, dass ich einmal um das Grundstück herumlaufen muss, um zur Haustür zu gelangen. Gut, dass es noch so früh ist. Ich bin immer noch nackt und laufe mit blanken Füßen auf dem piksenden, geteerten Bürgersteig. Auch wenn es nur einige Meter sind, tut es weh und ich hoffe, dass mich niemand sieht.

Ungesehen komme ich schließlich an der Haustür an und drücke ohne weiteres Nachdenken auf die Klingel. Es passiert zunächst nichts, aber als ich nochmal auf den Klingelknopf drücke, öffnet mir eine ältere Frau im Nachthemd die mit einer Kette von innen gesicherte Tür.

„Timo? Was ist denn mit dir passiert? Komm rein!“, sagt die Oma von Ulrike ganz aufgeregt und ich bin froh, nicht mehr draußen stehen zu müssen. In Sicherheit. Endlich. Hier kann mir nichts passieren.

Die Oma heißt Regina. Sie nimmt mich an die Hand und bringt mich durch den kleinen Flur in die Küche. Ich setze mich auf die gepolsterte Eckbank und Regina verschwindet kurz nach draußen. Hier ist es schön warm und meine Füße tun nicht mehr so weh.

Einige Augenblicke später ist Regina wieder zurück und hält einen rosa Bademantel in der Hand.

„Hier, zieh den mal an. Der müsste dir passen. Ulrike und du, ihr seid ja im gleichen Alter. Ich hoffe, die Farbe stört dich nicht…? Ich mach‘ dir erstmal einen Kakao und dann erzählst du mir, was los ist, ok?“

Ich nicke kurz, nehme mir den Bademantel und ziehe ihn an. Er ist nicht ganz so gemütlich wie der, den Mama gekauft hat, aber so muss ich nicht mehr nackt sein. Das hilft mir sehr. Regina ist nett. Kakao mag ich. Den aus der gelben Dose ganz besonders.

Manche Kinder trinken den Kakao mit Wasser. Das verstehe ich nicht. Warum? Mit Milch schmeckt das doch hundertmal besser! Man muss nur aufpassen, dass man immer mal wieder umrührt, sonst bekommt der eine Haut. Die ist eklig.

Regina stellt mir den heißen Kakao auf den Tisch und setzt sich mir gegenüber auf einen Stuhl. Sie trägt eine kleine, halbrunde Brille. Wie die Oma aus Rotkäppchen im Märchen. Da passt auch ihr Nachthemd zu, es fehlt nur die Schlafhaube.

Sie lächelt mich an, während ich ganz vorsichtig am Kakao schlürfe, um mich nicht zu verbrennen.

„Na dann erzähl mal, was los ist, Timo.“

Das ist der Moment, vor dem ich Angst hatte. Was soll ich denn erzählen? Das was wirklich passiert ist? Dann wird alles nur noch schlimmer. Bestimmt komme ich in ein Heim und Papa muss ins Gefängnis. Und Sabrina muss dann auch weg, obwohl sie gar nichts gemacht hat. Ich werde dann Mama auch nicht wiedersehen. Das darf nicht passieren. Also habe ich mir eine Geschichte ausgedacht, die nicht so kompliziert ist. Ohne Mama und Sabrina.

Ich erzähle Regina, dass Papa früher nach Hause gekommen ist, obwohl er ja eigentlich erst kommende Woche wieder da sein wollte. Ich habe mit Mama im Wohnzimmer ferngesehen. Wir hatten beide unsere Bademäntel an, weil Samstag ja Badetag ist, als Papa in die Küche kam und da meine letzte Mathearbeit auf dem Tisch gesehen hat. Ich kann Mathe nicht so gut, was Papa nicht versteht und mir immer wieder sagt, dass ich mich mehr anstrengen soll. Manchmal wird er auch laut dabei.

So wie jetzt eben auch. Ich hatte eine 5 geschrieben und als Bemerkung stand unten drunter, dass ein Elterngespräch vielleicht helfen könnte, weil ich sehr oft abgelenkt sei.

Da kam Papa ganz böse ins Wohnzimmer und hat mich angeschrien. Mama hat versucht, mich zu beschützen, aber Papa hat sie gar nicht ernst genommen und immer weiter gebrüllt, wie dumm ich doch bin und dass ich nichts auf die Reihe kriege. Ich habe dann angefangen zu weinen, aber das hat es nur schlimmer gemacht. Ich wollte nur weg, aber Papa hat versucht, mich festzuhalten. Er hat nur meinen Bademantel erwischt und ich konnte mich da raus winden. Dann bin ich einfach weggelaufen und habe gewartet, bis es hell wird, um hier zu klingeln. Den Sex mit Mama lasse ich besser weg. Ich soll’s ja keinem sagen. Auch was Papa mit Mama gemacht hat, erzähle ich nicht.

Regina schaut mich mit großen Augen an, schüttelt dann aber den Kopf und setzt sich zu mir auf die Eckbank.

„Armer Kerl. Was ist denn da los bei euch?“, sagt sie ganz ruhig und tröstend, während sie mir über den Kopf streichelt. Regina ist älter als Mama. Mama könnte ihre Tochter sein, aber sie ist nett, genauso wie ich gehofft hatte. Sie hat mir geglaubt. Mir fällt ein Stein vom Herzen.

In dem Moment geht die Küchentür auf und Reginas Mann Georg steht in der Tür, ebenfalls noch im Schlafanzug.

„Was ist denn hier los? Hat der Kleine geklingelt?“, fragt er seine Frau.

Georg sieht aus wie ein Bilderbuch-Opa. Ein faltiges Gesicht, aber nicht ungepflegt, mit einem buschigen, grauen Schnauzbart, der unter der Nase gelblich wird. Das kommt vom Rauchen, hat mir Mama mal erklärt. Georg sitzt im Sommer oft im Garten und raucht Zigarren und beobachtet die Straße von seinem Schaukelstuhl aus.

„Ja, Timo hat Ärger zuhause wegen der Schule. Kannst du dir das vorstellen? Das bringt doch nichts, wenn man seine Kinder anbrüllt.“, antwortet ihm Regina und erzählt ihm dann eine Kurzfassung meiner Lügengeschichte.

Ich trinke noch einen Schluck von meinem Kakao und Regina macht Georg einen Vorschlag: „Meinst du, oben ist Platz für den Kleinen Kerl?“

Georg antwortet: „Klar. Die Kinder sind zwar noch da, aber er kann bei Ulrike im Zimmer unterkommen. Ich gehe dann nachher mal rüber und schaue, ob ich mit seinen Eltern reden kann. Bis dahin kann er sich hier ausruhen.“

Er dreht sich zu mir und fragt: „Oder hast du was dagegen?“

Sofort schießt mir durch den Kopf, dass meine Geschichte dann sofort als Lüge auffliegt. Er darf nicht rübergehen!

„Ja. Nein. Also, ich möchte gerne hierbleiben. Vielleicht nur ein paar Tage, bis Papa weg ist? Wäre das in Ordnung?“, frage ich.

„Ich kann deine Mutter ja kurz anrufen, damit sie sich keine Sorgen macht.“, wirft Regina ein.

„Aber bitte nicht sagen, dass ich gepetzt habe!“, antworte ich ängstlich. Mama soll sich keine Sorgen um mich machen, aber auch nicht darum, dass ich was von dem erzählt haben könnte, was wirklich passiert ist. Und Georg und Regina dürfen nicht merken, dass ich sie angelogen habe. Wie kompliziert das Lügen doch ist.

 „Einverstanden.“, sagt Regina und lächelt mich freundlich an.

Sie bringt mich nach oben und klopft vorsichtig an der Tür zu Ulrikes Zimmer. Sie wartet nicht auf eine Antwort und macht die Tür dann sachte auf. Ulrike schläft noch, aber das ändert sich jetzt.

„Kleines, schau mal wer da ist.“, flüstert sie ihrer Enkelin ins Ohr. Ulrike macht langsam die Augen auf, schaut ihre Oma an und bemerkt dann mich. Schlagartig ist sie wach und setzt sich auf.

„Mach doch mal Licht, Timo.“, weist mich Regina an und ich gehe zum Fenster, um das Rollo hochzuziehen. Durch das Fenster kann ich mein Zuhause sehen. Ganz nah, nur auf der anderen Straßenseite, aber doch so weit weg. Ich mache mir Gedanken, wie es jetzt wohl weitergeht, aber Ulrike lenkt mich schnell ab, indem sie mich von hinten anspringt und gegen den Arm boxt.

„Was machst du denn hier? Hast du meinen Bademantel an? Wollen wir frühstücken? Spielen?“, sprudelt es aus ihr heraus. Man glaubt kaum, dass sie vor zwei Minuten noch tief und fest geschlafen hat.

„Timo bleibt ein paar Tage bei uns. Also, bei dir, wenn das in Ordnung ist. Er hat Ärger wegen der Schule.“, erklärt Regina kurz die Situation.

„Super! Ich freu mich! Das wird lustig!“

„Na das passt doch wunderbar! Willst du auch einen Kakao, Kleines? Timo hatte schon einen und wir haben noch Zeit bevor wir zur Kirche müssen.“, unterbricht Regina die Euphorie ihrer Enkelin.

Hier sind alle so gut gelaunt und freundlich. Das mag ich. Und mit Ulrike komme ich bestimmt gut klar. Sie wohnt zwar ein paar Orte weiter, aber immer wenn sie da ist, besuchen wir uns und spielen zusammen. Sie ist eine Freundin für mich. Die Einzige. In der Schule und im Dorf hab ich ja keine.

Regina und Ulrike gehen wieder runter. Ich soll hier oben bleiben und mich erstmal ausschlafen. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen! Noch immer nur im Bademantel lege ich mich aufs Bett, kuschle mich in die noch warme Decke ein und bin Sekunden später eingeschlafen.

Als ich wieder aufwache ist es richtig hell geworden. Die Uhr an der Wand zeigt 16 Uhr. Ich habe die Kirche verschlafen und das Mittagessen! Oh Mann. Ob Mama schon Bescheid weiß? Ich stehe auf und gehe aus dem Zimmer raus, am Badezimmer vorbei zur Treppe und dann nach unten in die Küche. Da sitzt Regina am Tisch und liest in einer Zeitung. Fast wie Mama, nur älter.

„Hallo?“, sage ich leise und Regina schaut mich an.

„Na, gut geschlafen? Mach dir keine Sorgen. Ich habe mit deiner Mutter gesprochen und sie sagt, dass du gerne ein paar Tage hierbleiben kannst.“

Ich bin erleichtert. Mama geht es gut und sie weiß, dass es mir gut geht und wo ich bin. Das ist das Wichtigste.

„Danke, dass Sie mich hier schlafen lassen.“, sage ich zögernd und Regina grinst mich an.

„Klar. Das gehört sich doch so. Man muss sich doch helfen. Aber sag mal, wie geht es dir? Alles soweit in Ordnung? Du hast ja ganz schön lange geschlafen.“

„Mir geht’s gut, danke. Ich hab nur Hunger, glaube ich.“, antworte ich ehrlich.

„Hach, du hast ja das Mittagessen verschlafen. Stimmt. Aber ich kann dir noch ein oder zwei Brote machen, wenn du magst. Mit Käse oder mit Schinken?“

Regina lässt mir keine andere Wahl und ich entscheide mich für ein Käsebrot, schön dick mit guter Butter. Dass Brot so gut schmecken kann!

„Nachher gibt’s noch Abendbrot. Aber vorher machen wir dich mal sauber und ziehen dir was an. Ich müsste noch was im Schrank haben von Peter und Markus. Das müsste dir passen, auch wenn die Sachen schon etwas älter sind.“, sagt Regina und ist schon auf dem Weg, die Sachen zu holen.

Peter und Markus sind ihre anderen Enkel und die Cousins von Ulrike. Die beiden gehen schon auf die Realschule und sind nur noch selten hier zu Besuch. Gut so. Mit Jungs komme ich nicht so gut klar. Besonders nicht mit Älteren.

Regina kommt wieder in die Küche gewirbelt und drückt mir einen Stapel Kleidung in die Hand.

„Hier, bitte. Du kannst ja nicht ewig in dem Bademantel herumlaufen. Such dir was aus und dann ab zum Duschen.“

Ich schaue mir die Sachen an und bin froh und dankbar, dass sich Regina und Georg so gut um mich kümmern. Ich habe eine blaue kurze Hose, ein weißes T-Shirt, eine weiße Unterhose und kleine Socken mit Streifenmuster unterm Arm und gehe die Treppe nach oben zum Badezimmer.

„Geh nur hoch. Ulrike ist noch in der Dusche, aber sie müsste gleich fertig sein. Dann kannst du rein, oder brauchst du Hilfe?“, fragt mich Regina am Treppenabsatz. Ich sage, dass ich keine Hilfe brauche und alleine duschen kann. Zufrieden nickt sie mir zu und geht wieder zurück in die Küche.

Oben angekommen sehe ich, dass die Tür zum Badezimmer nur angelehnt ist. Ich höre, wie die Dusche läuft und schaue durch den Türspalt. Ja, ich bin neugierig.

Das Badezimmer ist ähnlich eingerichtet wie bei uns die Dusche im Erdgeschoss. Die gleichen Farben, der gleiche Spiegelschrank, die gleichen Vorlegeteppiche.

Die Dusche liegt genau gegenüber der Tür. Ich kann aber nichts Genaues sehen, da die Schiebetüren so komisch gemustert sind. Aber ich sehe etwas anderes.

Georg steht neben dem Waschbecken, mit dem Rücken zu mir, und schaut Ulrike beim Duschen zu. Braucht sie Hilfe beim Duschen? Nein. Das kann nicht sein.

Denn erst jetzt bemerke ich, dass Georg seine Hose etwas heruntergezogen hat und an sich herumspielt. Er schaut seiner Enkelin beim Duschen zu, auch wenn man kaum etwas hinter den Türen erkennen kann, und spielt mit seinem Penis!

Ich weiß nicht, was ich machen soll. Soll ich reingehen? Schreien? Weglaufen? Weiß Ulrike davon? Oder Regina? Will Georg auch bei mir zusehen? Oder mehr?

Ich will das nicht. Nur Mama darf mich nackt sehen! Ganz leise und langsam gehe ich einen Schritt zurück und dann wieder nebenan in Ulrikes Zimmer. Ich ziehe die Sachen an, die mir Regina gegeben hat, dazu noch ein paar Turnschuhe von Ulrike und atme dann tief durch.

Was ist bloß los hier? Das war eine bescheuerte Idee, hier rüber zu kommen!

Ich muss hier raus. Keine Ahnung, was dann passiert, aber hier werde ich es keinen Tag aushalten. Raus aus dem Zimmer, am Badezimmer mit Georgs Penis und der duschenden Ulrike vorbei, Treppe runter und zur Haustür. Ich schiebe die Messingkette zur Seite, drücke die Klinke herunter und verlasse das Haus. Als die Haustür ins Schloss fällt, fange ich an zu laufen.

Ich renne zur Straße, dann immer in Richtung Wald, der oben auf dem Hügel liegt. So schnell bin ich noch nie gelaufen, auch nicht im Turnunterricht. Völlig außer Atem komme ich irgendwann dort an und verstecke mich zwischen den Bäumen, bis es dunkel wird.

Ich brauche eine neue Bleibe. Und Mama… hoffentlich versteht sie warum ich weggelaufen bin.

Mutter missbraucht Jungen

… und gesteht.

(Link zum Fall in Duisburg)

Was wollen wir wetten, dass da nichts weiter passiert? Ich tippe auf Therapie, milde Strafe in einer psychiatrischen Einrichtung und viel, viel Verständnis.

Jungen kann man als Frau ja auch gar nicht missbrauchen. Nicht richtig. Und wenn, gibts bestimmt eine Entschuldigung, einen Grund, warum die arme Frau sowas tun musste.

Sie hat ja auch zum Teil gestanden. Das muss man ja ebenfalls belohnen…

Gerade nach dem letzten Urteil zweifle ich daran, dass hier was „im Namen des Volkes“ passieren wird.

Wir sind so darauf fixiert, dass wir Täterinnen und Täter schützen müssen, dass wir die Opfer noch mehr demütigen.

Die Opfer haben in jedem Fall lebenslänglich! Wann begreifen das die Verantwortlichen?!

Warum wollen Expertinnen weiter Täter schützen?

Sexualisierte Gewalt gegen Kinder – endlich ein Verbrechen. Aber es gibt immer wieder Streit.

(Link zum entsprechenden Artikel auf LTO)

Nachdem sich unsere Bundesjustizministerin endlich dazu durchgerungen, ihren Widerstand aufgegeben hatte, kam Hoffnung auf, dass man jetzt nicht mehr ständig Täter verhätschelt und auf Bewährung frei lässt, weil man sie bestimmt therapieren kann oder ihnen nicht die Zukunft verbauen will.

Das scheint aber diversen Staatsanwältinnen, Expertinnen und Richtern nicht zu gefallen.

Der Punkt bezüglich der Bezeichnung ist ggf. noch nachvollziehbar, wenn man sich auf den Begriff „Gewalt“ fixiert. Hier könnte man es einfach bei „sexuellem Missbrauch“ belassen.

Die restlichen Argumente allerdings zeigen, dass die Damen (und Herren) doch sehr stark auf das Wohlergehen von Tätern fixiert sind. Opfer werden als Grund vorgeschoben, damit man die armen Täterinnen und Täter nicht so hart anpacken muss.


„Beim neuen § 176 StGB, der sexuelle Handlungen an Kindern mit Körperkontakt unter Strafe stellt, wird die Mindeststrafe auf ein Jahr angehoben und der Tatbestand damit zum Verbrechen eingestuft. Ein Unding, wie die Sachverständigen immer wieder betonten, und selbst für die Ermittler alles andere als ein Gewinn: In Grenzfällen, bei denen die Erheblichkeitsschwelle nur unwesentlich überschritten werde, könne das Unrecht nicht mehr angemessen abgebildet werden, kritisierte Staatsanwältin Bussweiler. Ein solcher Grenzfall sei beispielsweise die Berührung eines Kindes oberhalb der Kleidung.“

Man höre auf die Sachverständigen! Wenn man Kinder begrapscht ist das nicht so schlimm. Die dürfen nur nicht nackt sein und man darf nicht unters Röckchen fassen, nicht in die Hose. Alles oberhalb der Kleidung ist nicht so schlimm. Da gibts dann garantiert Bewährung! Ein Freibrief für Monster! Sowas fordern Sachverständige!


„Auch die Vorsitzende der Kommission Strafrecht im Deutschen Juristinnenbund (djb), Dr. Leonie Steinl, schloss sich der Kritik an: Der Strafrahmen von derzeit sechs Monaten bis zu zehn Jahren ermögliche eine schuldangemessene Sanktionierung und biete Raum für die Verhängung erheblicher Freiheitsstrafen.“

Hört auf die Frau Doktor! Es ist doch gut wie es bisher war. Der Strafrahmen war vollkommen ausreichend für ein verpfuschtes Leben. Bewährung gabs auch. Massenhaft sogar. Und somit immer weitere Folgefälle, denn Pädophilie ist nicht heilbar. Es ist keine Krankheit, sondern eine sexuelle Präferenz. Genau wie manche auf Dicke oder Blonde stehen. Das kann man nicht heilen, verdammt! Und der Strafrahmen war in der Theorie vielleicht „ausreichend“. Wenn dann aber Täter und Täterinnen vor Gericht landen, gabs meist Bewährung oder mal ein paar Jahre Knast. Bei guter Führung stand dann das Monster nach ein paar Monaten wieder vor der Tür seines Opfers. Ausgestattet mit Therapieplatz, Wohnung, Job – und eben frei. Jetzt werden Richter gezwungen, diese „Menschen“ wegzusperren. Und dagegen wehrt man sich? Ekelhaft, was diese Frau da fordert!


„Die von der Union geladene Staatsanwältin Bussweiler ergänzte, dass die Anhebung des Strafrahmens das Regelungsgefüge im Hinblick auf Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit und die persönliche Freiheit erschüttere. „Der Besitz kinderpornographischer Schriften würde (…) als schwerwiegender eingestuft als beispielsweise massive Gewaltanwendungen gegen andere Personen (§ 224 Abs. 1 StGB) oder Minderjährige und Wehrlose (§ 225 Abs. 1 StGB) oder Delikte des Menschenhandels (§ 232 Abs. 1 StGB) oder der Zwangsprostitution (§ 232a StGB), die lediglich mit einem Mindestmaß von sechs Monaten Freiheitsstrafe belegt sind.“

Da hat die nette Staatsanwältin recht! Hört auf sie! Es gibt Schlimmeres, also darf man die Strafen nicht erhöhen. Wo ist denn da sonst die Verhältnismäßigkeit? Wenn ich eine Atombombe zünde, muss ich „nicht unter 5 Jahre“ in den Knast. Bei Fahrlässigkeit 1-10 Jahre. Das bedeutet Millionen Tote und Verletzte, Sachschaden in Milliardenhöhe und Verseuchung von zig qkm Land. Wenn ich einen Menschen ermorde, sitze ich ggf. lebenslänglich. Wo ist denn da die Relation? Liebe Frau Staatsanwältin. Unser Strafrecht basiert nicht auf Verhältnismäßigkeit. Das sollten sie wissen. Oder hat hier die Quote zugeschlagen? Wieso relativieren Sie… nein… warum relativierst DU sexuellen Missbrauch an Kindern, der Menschen für ihr gesamtes Leben zeichnet? Nach deiner Logik müsste es noch weitere Abstufungen geben. Die Strafen sind zu hart. Vielleicht ist Vergewaltigung ja auch nicht so schlimm wie Mord? Die Frau lebt ja immerhin noch. Gut, sie ist für den Rest ihres Lebens traumatisiert, aber eben nicht tot. Nicht äußerlich. Genau wie die Kinder. Da muss man eben abwägen. Man könnte auch einfach alle Strafen erhöhen, zumindest bei Sexual- und Gewaltdelikten. Aber das ist doof. Da kann man nicht therapieren. Oder sonst einen Quark veranstalten. Wie hoch sind nochmal die Rückfallquoten?

Über 50% bei Vergewaltigern, 80% bei Pädophilen.

Therapie lohnt sich, wie man sieht. Immer schön die Täter hätscheln. Die Opfer kämpfen dann um Therapieplätze, Entschädigungen/OEG und dergleichen.

Und zu deinem Punkt „Kinderpornographie anschauen ist ja nicht so schlimm“: Du weißt schon, wie Angebot und Nachfrage zusammenhängen? Dass hinter jedem Video ein verpfuschtes Leben steckt- oder mehrere? Vielleicht ist’s dann ja auch ok – oder „nicht so schlimm“ – wenn ein Mord gefilmt wird und Leute sich das dann angucken, dafür Geld bezahlen, einen Markt schaffen? Na, klingelts?


Warum gibt es immer wieder Menschen wie diese Expertinnen, die mit solchen Forderungen allen Opfern, allen Überlebenden ins Gesicht spucken?

Sehen die nur den Arbeitsaufwand? Sind das alles Theoretiker ohne Realitätsgefühl, ohne Erfahrung? Oder liegt da mehr im Argen? Ich muss bei diesem ganzen Widerstand gegen die Einstufung von sexuellem Missbrauch als Verbrechen unweigerlich an unsere Grünen denken, die sich erst in den 2000ern bzw 2010ern nebenbei von ihren pädophilen Mitgliedern distanziert haben. Oder den SPD-Parteigenossen unserer Justizministerin, Edathy. Ob das alles zusammenhängt weiß ich nicht. Es fällt mir nur auf. Vielleicht sind andere Parteien und Gruppen auch einfach geschickter beim Vertuschen?

Wir leben ja immerhin auch in einem Land, in dem männliche Kinder rituell – wegen Kultur oder Religion – verstümmelt werden und wo das absolut akzeptiert ist. Aber den Schutz unserer Kinder hat sowieso keine Partei explizit in ihren Wahlprogrammen. Kinder sind unwichtig, sie bringen keine Stimmen.

Was auch immer der Grund ist: hier zeigt sich ganz deutlich, dass weder Politik, noch Staatsanwaltschaft und Richter einen Dreck auf Kinder geben. Im Gegenteil: man benutzt sie noch, um weiter Täterinnen und Täter frei rumlaufen lassen zu können. Was läuft bei diesen Menschen falsch?

TRIGGERWARNUNG Kindesmissbrauch „Zartes Fleisch“ Kapitel 12 – Timo

Der Beitrag darf gerne geteilt werden, allerdings nur mit entsprechender Warnung und unter Nennung der Quelle (mein Blog und/oder meine Person).

Anlaufstellen für Betroffene von sexuellem Missbrauch sind zum Beispiel N.I.N.A e.V. oder auch die Nummer gegen Kummer (inklusive Chatfunktion).


Schule ist schön. Zumindest war sie das mal. Aber jetzt in der zweiten Klasse ist Schule schlimm für mich.

Ich mag nicht mehr hingehen. Aber ich muss. Mama ist sonst traurig. Seit dem Tag als Papa mich so doll geschlagen hat, strenge ich mich umso mehr an, ein liebes Kind zu sein. Papa ist noch seltener zuhause und wenn, dann redet er kaum mit uns. Wir gehen auch nicht mehr ins Schwimmbad. Er verbringt die meiste Zeit dann schlafend, vor dem Fernseher auf der Couch und bei Sabrina. Papa riecht auch oft nach Kneipe. Das mag ich nicht.

Ich habe Angst, dass Papa für immer weggeht. Er ist zwar böse zu Mama und mir gewesen, aber er ist Papa. Er gehört doch zu unserer Familie.

Es ist Montag und ich gehe zur Schule. Zuerst unsere Seitenstraße entlang, wo ganz selten Autos fahren. Dann vorbei am Feuerwehrhaus, wo ich ein paar Mal hingegangen bin um Feuerwehrmann zu werden. Dafür hatte Mama gesorgt. Sonst kommen da ja nur bestimmte Leute rein. Aber da hat es mir nicht gefallen. Die wollten da alle nichts mit mir zu tun haben und die einzigen anderen Kinder kenne ich schon von der Schule. Vielleicht gehe ich später nochmal hin, wenn ich größer bin.

Nach dem Feuerwehrhaus biege ich rechts ab und gehe an der Kirche vorbei. Es ist eine kleine Kirche, aber schön sieht sie aus mit ihrem hohen Turm und den weißen Mauern. Richtig wie im Mittelalter.

Dann gehe ich neben der Hauptstraße weiter, lasse die Pommesbude rechts liegen, den Brunnen auch und gehe weiter den Berg hinauf. Wenn ich an der Post vorbeigegangen bin, muss ich noch ein kleines Stück weiter und dann links in die Straße rein. Da geht’s dann zur Schule, die ganz oben auf dem Hügel am Dorfrand liegt.

20 Minuten bin ich da jeden Morgen unterwegs, aber das ist in Ordnung. Die Abkürzungen durch die kleinen Gassen nehme ich nicht mehr. Da bin ich einmal verprügelt worden, als es morgens noch dunkel war. Also gehe ich den langen Weg außen herum.

Mama kann nicht mehr so gut laufen. Das ist mir am Anfang nicht so aufgefallen, aber im letzten Jahr ist sie immer weniger mit mir spazieren oder zum Einkaufen gegangen. Papa ist unterwegs und Sabrina geht in der Stadt zur Schule, also muss ich alleine gehen. Es ist ja niemand mehr da.

Wenn ich an der Hauptstraße entlanggehe, passiert mir auch nichts. Da springt mir dann kein Viertklässler vor die Füße und tritt mich, schlägt mich und bespuckt mich, wenn ich heulend im Dreck liege. Dafür ist der Weg eben länger.

Wenn ich ganz pünktlich losgehe, komme ich nur ein paar Minuten bevor der Unterricht beginnt am Klassenzimmer an. Da sind dann zwar schon alle da, aber drinnen im Gebäude und nicht draußen auf dem Schulhof. Hier drin tut mir niemand was an. Ich versuche, so oft wie möglich drinnen zu bleiben. Leider muss man in der ersten großen Pause rausgehen. Das wollen die Lehrer so. Meist warte ich dann an den Eingangstüren. Ich glaube, das bringt mir auch Sicherheit.

Meine Lehrerin kommt kurz nach mir an und schließt die Klassenzimmertür auf. Ich sitze ganz hinten an einem Ecktisch. Die Schultische sind aus Holz, genau wie die Stühle, und alles ist in einem großen U angeordnet. An der offenen Seite steht das Lehrerpult und dahinter die große, dunkelgrüne Tafel. Mein Ecktisch steht so, dass ich mit dem Rücken zu den Fenstern sitze. Links neben mir ist etwas Platz zum nächsten Schüler und rechts neben mir sitzt niemand. Erst ein Platz weiter sitzen die Mädchen. Aber keine davon redet mit mir. Das ist in Ordnung. Wenn sie nicht mit mir reden, können sie mir auch nicht weh tun.

Die Stunde fängt an.

„Guten Morgen, liebe Schüler“, sagt die Klassenlehrerin wie jeden Tag.

„Guten Morgen, Frau Delling!“, rufen alle als Antwort.

Die ersten beiden Stunden haben wir Mathe und Deutsch bei Frau Delling. Sie ist nett, aber auch streng. Immerhin sollen wir etwas lernen, meint sie immer, wenn sich jemand beschwert. Ich kann schon lesen und rechnen, deswegen male ich in meine Hefte, statt aufzupassen. Frau Delling kommt dann immer zu mir und schimpft mit mir.

Das bekommen natürlich alle anderen mit. Ich hab auch schon deswegen geweint. Dafür schäme ich mich und ich glaube, deswegen kann mich niemand hier leiden. Die Jungs in der Klasse lachen immer und machen so komische Andeutungen, wenn sie denken, ich kriege das nicht mit. Aber ich kriege das mit. Sie nennen mich „Muttersöhnchen“ und „Freak“, aber warum weiß ich nicht.

Ich liebe meine Mama. Das tut doch jeder, oder nicht? Aber wenn das die anderen Kinder sagen, hört sich das an wie eine Beleidigung. Was „Freak“ bedeutet, weiß ich nicht. Ich kenne ja niemanden, der mir sowas erklären kann. Vielleicht frage ich Sabrina mal danach. Die lernt sowas bestimmt auf dem Gymnasium.

Dann kommt die erste große Pause. Alle müssen raus auf den Schulhof und spielen. Ich will aber nicht spielen. Ich will hier drinbleiben, in Sicherheit. Aber ich muss raus, so wie alle anderen auch. Die Lehrer machen auch Pause, aber in ihrem Lehrerzimmer. Es gibt nur einen Viertklässler, der auf die anderen Schüler aufpasst. Das ist die schlimmste Zeit an jedem Schultag, denn ich kann mich nicht verstecken und habe immer Angst, dass mir was passiert. Niemand ist da, um mich zu beschützen. Mama ist so weit weg.

In meinem Kopf schwirren alle möglichen Gedanken umher und ich merke, wie ich mich anstrengen muss, um nicht loszuheulen. Leise zähle ich die Sekunden, bis die Pause vorbei ist, aber kaum habe ich damit angefangen, packt mich eine Hand an der Schulter. Es ist Lukas. Natürlich.

Ich atme schneller, durch die Nase und schaue ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Ich merke, wie mir das Blut in den Kopf steigt und ich dadurch rot werde. Ich drücke mich so fest ich kann an die Wand neben der Eingangstür. Wie lange noch, bis die Tür wieder aufgeht? 10 Minuten? 600 Sekunden. Nur bis 600 zählen, dann ist es vorbei.

Aber Lukas hat andere Pläne. Er packt mich jetzt am Arm und zieht mich in die gegenüberliegende Ecke. Hier ist der Eingang zum Spielzeugraum. Da steht der Spielzeugwagen drin, mit Seilen, Bällen und so weiter, der zu Anfang der Pause immer rausgefahren und am Ende wieder reingebracht wird. Dafür ist die Pausenaufsicht verantwortlich. Und das ist immer ein Viertklässler – Lukas.

Der Raum ist leer und Lukas schubst mich hinein, so dass ich fast hinfalle. Ich merke, wie mir die Tränen übers Gesicht laufen, aber Lukas interessiert das nicht.

Lukas ist groß, größer als ich und wohnt nicht weit von der Schule weg. Er ist auch in der Feuerwehr, aber nicht in der Gruppe, in der ich war. Sein Bruder ist auch hier auf der Schule und zwar in meiner Klasse. Und jetzt gerade zusammen mit Lukas und mir in diesem kleinen Raum am Rand vom Schulhof.

Ich weiß nicht, was die beiden von mir wollen, will sie fragen, weglaufen, weinen, schreien – aber nichts davon kann ich tun, denn Lukas ist schneller. Mit einem Satz ist er neben, dann hinter mir. Er zieht mich zu Boden und hält mich von hinten umklammert. Dafür braucht er nur einen Arm. Mit der anderen Hand hält er mir den Mund zu. Sein kleiner Bruder baut sich vor mir auf und ich kann nichts tun außer zu weinen. Vielleicht spülen die Tränen alles weg? Meine Angst, Lukas, seinen Bruder, die Schule – einfach alles? Ich zähle immer noch die Sekunden, aber ich weiß nicht mehr, wo ich war. Ich zähle einfach irgendwelche Zahlen in meinem Kopf. Irgendwas muss ich machen, um mich abzulenken.

„Du kleiner Freak. Warum bist du hier in der Schule? Schweine wie du gehören in den Stall. So wie deine ganze dreckige Scheissfamilie.“, sagt Lukas laut und deutlich in mein Ohr. Ich zähle tapfer weiter. Wann kommt der Gong? Wann ist es vorbei?

„Na? Glaubst du echt, wir wissen nicht, was mit dir los ist? Mit euch? Ihr seid alle krank. Wir wollen sowas nicht hier im Dorf. Ich hoffe du wirst irgendwann überfahren. Vielleicht von deinem Vater, der sich ja für was Besseres hält.“, sagt er weiter. Ich höre seine Worte, aber ich verstehe sie nicht. Ich will sie nicht verstehen. Ich will gar nichts; nur, dass es aufhört.

„Du bist hässlich und dumm. Niemand kann dich leiden. Und wenn du nicht weggehst, machen wir das hier jeden Tag mit dir, du Freak.“, höre ich Lukas kleinen Bruder sagen, der immer noch vor mir steht mit seiner Latzhose und den Händen, die er in die Hüften gestemmt hat.

Lukas lobt ihn für seinen Einsatz und ich bin froh, dass es jetzt vorbei ist. In dem Augenblick, als Lukas mich loslässt, tritt mir sein kleiner Bruder in den Bauch. Lukas steht auf und ich falle nach hinten um. Es tut weh. Richtig weh. Und ich glaube ich muss brechen. Ich weine immer noch, aber ohne Tränen. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich kann nichts machen. Und mir wird auch niemand glauben, dass der tolle Lukas sowas macht.

Und selbst wenn: die beiden wissen wo ich wohne. Und alle anderen auch. Also bleibe ich liegen, schluchzend und zitternd. Ich halte mir den Bauch und huste mir die Seele aus dem Leib.

Lukas lacht: „Schau mal, wie sich das Stück Dreck anstellt. Dabei war das noch gar nix!“

„Die ganze Drecksfamilie ist doch so. Das sind nur Asoziale.“, pflichtet ihm sein kleiner Bruder bei.

„Komm, lass uns ihn mal wieder rausbringen. Die Pause ist gleich vorbei und der hat erstmal genug. Ich muss auch noch den Wagen für das Spielzeug holen.“, ordnet Lukas schließlich an.

Es ist vorbei. Endlich. Lukas zieht mich auf die Beine, dreht mich zu sich und kommt mir ganz nahe. Nur ein paar Zentimeter ist sein Gesicht von meinem entfernt als er mir zuflüstert: „Du hältst die Schnauze, ist das klar? Und du machst, was wir dir sagen. Du gehörst jetzt uns und wenn wir Lust haben, schlagen wir dich. Wenn wir was von dir haben wollen, gibst du es uns. Und wenn du dich wehrst, wird’s nur noch schlimmer für dich. Niemand kann dich leiden. Niemand kann deine abartige Familie leiden. Wenn wir wollen, stirbst du. Hast du das kapiert?“

Ich schaue ihn tapfer an, ich blinzle nicht mal. Ich will ihm weh tun, ihn auch treten, ihn anspucken. Aber ich traue mich nicht. Stattdessen nicke ich nur.

„Gut. Dann hau ab und wasch dich. Du stinkst.“, sagt er noch zu mir und ich laufe zurück zum Eingang. Sein kleiner Bruder folgt mir und passt auf, dass ich nichts mache, was die beiden mir nicht erlaubt haben. Als der Pausengong ertönt und unser Erdkundelehrer Herr Freital die Tür aufschließt, laufe ich an ihm vorbei zur Toilette, wo ich mich erstmal übergeben muss.

Ich zähle die Sekunden. Bald ist es vorbei. Bald komme ich auf eine andere Schule. Nur noch ein paar Jahre durchhalten.