TRIGGERWARNUNG Kindesmissbrauch „Zartes Fleisch“ Kapitel 6: Timo

Der Beitrag darf gerne geteilt werden, allerdings nur mit entsprechender Warnung und unter Nennung der Quelle (mein Blog und/oder meine Person).

Anlaufstellen für Betroffene von sexuellem Missbrauch sind zum Beispiel N.I.N.A e.V. oder auch die Nummer gegen Kummer (inklusive Chatfunktion).


Die Schule ist ganz in Ordnung. Im Kindergarten hatte ich kaum Freunde und war immer alleine, aber jetzt geht das besser. Wenn ich in der Schule bin, habe ich Spaß mit meinen Kameraden, wenn ich nach Hause komme, spiele ich mit Mama.

Papa ist kaum da, aber er muss so oft weg sein, damit wir ein schönes Zuhause haben. Das hat Mama mir erklärt.

Meine Freunde aus der Schule kommen nicht mit zu mir nach Hause, aber das ist in Ordnung. Ich bin gerne alleine und auch bei Mama und Sabrina. Da muss ich nichts machen, damit sie mich mögen. In der Schule helfe ich meinen Freunden immer bei den Hausaufgaben. Das mache ich auch gerne, weil sie so nett zu mir sind. Meistens jedenfalls. Blöd wird das nur, wenn ich keine Zeit oder Lust dazu habe. Dann schauen sie immer so komisch und tuscheln bis ich ihnen doch helfe oder die Hausaufgaben mit nach Hause nehme, damit ich sie in Ruhe machen kann.

So ist wohl das Leben.

In den Ferien bin ich glücklich. Da muss ich niemandem helfen und kann den ganzen Tag zuhause spielen. Mein Kinderzimmer ist direkt neben Mamas und Papas Schlafzimmer. Manchmal näht Mama hier auch Kleider, aber das stört mich nicht. Ich gehe dann ins Wohnzimmer und lege mich auf den flauschigen Teppich, wo ich dann in Ruhe meine Hörspiele hören kann. Ich finde das toll.

Wenn Papa nicht da ist, gehe ich auch manchmal nach oben in sein Arbeitszimmer. Da geht sonst kaum jemand rein, aber ich finde es super spannend da. Da sind so tolle schräge Wände mit Schränken davor, hinter denen man sich wunderbar verstecken kann! Hier findet mich niemand, wenn ich nicht will.

Wie Robin Hood im Wald.

Das blöde an den Ferien ist nur, wenn Papa morgens zu mir ins Zimmer kommt. Er spricht mich dann immer an und ich werde wach, oft schon ganz früh, noch vor Sonnenaufgang. Dann will er, dass ich mit ihm mitkomme.

Er ist oft unterwegs und fährt Sachen durch ganz Deutschland und noch weiter. Ich will aber nicht mitfahren. Das ist langweilig. Den ganzen Tag im LKW sitzen und Radio hören. Ich möchte das nicht. Ich kann nicht laufen, ich kann mich nicht verstecken, ich kann keine Hörspiele hören. Ich muss dann sitzen und ab und an gehen wir auf einer Raststätte eine Currywurst essen. Wir schlafen im Auto, wenn die Fahrt zu lange ist und sind dann am nächsten Tag wieder zuhause.

Ich habe dann nichts gemacht, außer mich gelangweilt und herumgesessen. Papa und ich reden auch nicht miteinander. Worüber auch? Er ist ja nie da und kennt mich kaum. Manchmal fragt er, wie es in der Schule läuft und wie es Sabrina oder Mama geht, aber das wars dann auch schon.

Immer nur rumsitzen. Ich will das nicht.

Manchmal wickle ich mich so fest in meine Decke ein und halte mich am Bett fest, dass er es nicht schafft, mich zum mitkommen zu zwingen. Er wird dann immer kurz laut, aber er muss ja auch los und geht dann, lässt mich in Ruhe. Ich warte dann ganz still unter er Decke, bis ich höre, wie der LKW wegfährt. Erst dann decke ich mich wieder richtig zu und schlafe etwas weiter.

Warum will er nie, dass Sabrina mitkommt? Oder Mama? Warum immer ich? Ich will hierbleiben. Bei Mama. Papa ist so oft weg, warum soll ich denn dann auch noch weg sein? Mama und Sabrina brauchen mich doch. Ich bin doch der Mann im Haus.

Manchmal bringt Papa mir was mit, wenn er irgendwo ganz weit weg war. Irgendwelche Münzen oder Geldscheine. Die sehen hübsch aus, aber im Laden will die niemand haben. Ich bin gerne Zuhause und finde es auch schön, wenn Papa bei uns ist. Aber wenn ich ehrlich bin, brauchen wir ihn gar nicht hier. Wir brauchen das Geld, aber wir brauchen keinen Papa, der nie da ist.

Außer sonntags. Da gehen wir immer ins Schwimmbad. Ich sitze dann bei Mama an der Theke und warte, dass Papa und Sabrina mit Schwimmen fertig sind.

Nächstes Jahr gehen wir mit der Schule schwimmen. Da lernen wir, wie wir ganz tief tauchen können und auch schnelles Schwimmen. So auf der Seite mit den Armen wie ein Bagger. Das wird toll. Dann kann ich auch mit Papa und Sabrina zusammen schwimmen. Mama schaut uns dann zu und trinkt ihren Wein. Das wird toll.

Papa hat mir auch versucht das Schwimmen beizubringen, als ich noch im Kindergarten war.

Wir waren in dem Schwimmbad, in das wir jetzt auch immer gehen. Da gab es mehrere Becken. Wenn man nicht schwimmen kann, geht man in das Planschbecken, aber Papa meinte, dass ich dort nicht schwimmen lernen kann, da das Wasser nicht tief genug ist.

Er nahm mich an die Hand und ging mit mir rüber zum Anfängerbecken. Das mit dem warmen Wasser, nicht das, wo Papa und Sabrina immer schwimmen. Mama hat auf Sabrina aufgepasst. Die war ja noch klein.

An dem Anfängerbecken gab es Stufen ins Wasser, aber keine Sprungblöcke. Die sind nur an dem großen Becken mit den Leuten, die schon alles können. Hier ist das Wasser warm und am Rand sind lauter alte Männer und Frauen, die die Augen zu haben. Das warme Wasser ist ja auch schön.

Papa ging dann mit mir die Stufen ins Becken runter, bis ich bis zur Brust im Wasser war. Das waren nur zwei oder drei Stufen, aber es war genug. Das Wasser fühlte sich gut an, aber als ich dann weitergehen sollte, war da nichts mehr unter meinen Füßen – und ich ging unter.

Ich hatte meine Schwimmflügel nicht an. Die stören nur beim Schwimmen, hat Papa immer gesagt. Ich hab gestrampelt und Wasser geschluckt und wollte wieder ans Ufer, zu den Stufen. Ich wollte nicht untergehen.

Papa hat mir den Arm hingehalten und mich so aus dem Wasser gefischt. Ich hab‘ glaub‘ ich geweint und Papa hat mich ganz böse angeschaut. Warum ich nicht mit den Armen gerudert hätte und ob das so schwer sei? Schwimmen können sogar Hunde, hat er gesagt.

Ich hab mich entschuldigt. Papa war enttäuscht von mir. Das fand ich ganz schlimm. Ich habe mich dann zusammengerissen und gesagt, dass er mir dann zeigen soll, wie ich es schaffen kann so toll zu schwimmen wie alle anderen.

Da nahm er mich wieder an die Hand und ging mit mir zur Rückseite des Anfängerbeckens. Das Becken wird dahin immer tiefer. Vorne bei den Stufen kann man als Erwachsener noch bequem stehen, hinten muss man strampeln, damit man nicht untergeht. Oder sich am Rand festhalten. Wie die alten Menschen da.

Als wir da angekommen waren, sah ich Mama und Sabrina, wie sie am Rand vom großen Becken saßen, die Füße im Wasser und den Rücken zu uns. Jetzt würde Mama gar nicht sehen, wie ich schwimme. Und Sabrina auch nicht.

Papa drehte mich zu sich und hob mich dann hoch. Er lächelte mich an und ich wollte fragen, wie ich denn jetzt schwimmen lernen soll. Da hob er mich noch ein bisschen höher und warf mich ins Wasser.

Ich wusste erst gar nicht, was mit mir passiert, aber es war auch spannend. Papa würde nichts tun, was mir weht tut. Aber das Wasser tat weh. Ich wedelte mit den Armen in der Luft und klatschte mit dem Bauch auf dem Wasser auf. Ich wusste gar nicht, dass Wasser so weh tun kann. Das war eben nicht so und beim Baden auch nicht. Ich ruderte weiter mit den Armen und Beinen und streckte meinen Kopf aus dem Wasser, so gut ich konnte.

Ich weiß nicht, was Papa in dem Moment gemacht hat oder ob Mama oder Sabrina gesehen haben, wie ich schwimme. Ich weiß nur, dass ich geschwommen bin. Alleine. Ans Ufer zu den Treppen.

Mein ganzer Bauch war rot und hat gebrannt, aber das war mir egal. Ich konnte schwimmen. Ich würde nicht untergehen, wenn ich ins Wasser gehe und keine Schwimmflügel dabeihabe. War Papa stolz auf mich? Ich hoffe es.

Ich kletterte aus dem Wasser und lief dann so schnell ich konnte auf dem nassen Boden zu Mama und Sabrina. Die beiden schauten mich mit großen Augen an, besonders Mama, die wissen wollte, was passiert war.

Ich hab ihr dann erzählt, dass Papa mir das Schwimmen beigebracht hatte. Es war ganz einfach. Nur hochheben, ins Wasser werfen und strampeln. Ich strahlte übers ganze Gesicht, ich war so stolz darauf, etwas gelernt zu haben. Und so schnell.

Aber Sabrina fing an zu weinen und Mama ging zu Papa und schimpfte mit ihm. Warum genau weiß ich nicht.

Danach hat Mama mir verboten, alleine ins Wasser zu gehen. Ich durfte zwar mit ins Schwimmbad, aber ich musste bei Mama bleiben. Meist hieß das, an der Theke sitzen und warten, bis Papa und Sabrina fertig waren. Aber das ist in Ordnung. Wir haben ja bald Schwimmen in der Schule und da lerne ich mehr. Und dann darf ich bestimmt wieder ins Wasser.

In den Ferien bin ich froh, wenn Papa nicht da ist. Wenn er endlich weggefahren ist und mich in Ruhe lässt. Warum zwingt er mich, mitzufahren? Es sieht doch überall gleich aus und wir steigen nie aus und schauen uns was an. Wir fahren nur, sitzen, essen und hören Radio. Zuhause kann ich machen was ich will und da mich auch niemand besucht, muss ich auch nicht aufpassen, was ich mache.

Nur auf Mama muss ich aufpassen. Und auf Sabrina. Ich will nicht, dass den beiden was passiert oder dass sie unglücklich sind. Sabrina ist in den Ferien oft mit dem Fahrrad unterwegs oder macht etwas mit der Kirche. Mama ist aber immer zuhause. Ich lerne sogar, wie man Knöpfe annäht! Das ist schön. Ich bin gerne hier. Und einer muss sich ja um alles kümmern!

“Kinder“ spielen Fußball mit Welpen

Link zum Bericht auf BILD (Video).

Da fehlen mir die (guten) Worte. Ganz ehrlich. Auch wenn es heutzutage „in“ und „hip“ ist, selbst die widerlichsten Taten zu relativieren und in allem irgendwas Positives oder Entschuldigendes zu sehen, weigere ich mich, dies ebenfalls zu tun.

Es gibt Taten, die sind nicht entschuldbar. Egal was jemand erlebt hat oder welches „Trauma“ oder sonstige Ausreden er oder sie aufführt. Klar ist es doof, wenn da auf einmal jemand fordert, dass man Verantwortung für sein Handeln übernimmt und sich nicht von irgendwelchen Geschichten einlullen lässt.

Ich hab auch viel Scheiße hinter mir. Mehr als sehr viele andere. Und ich trete keine Leute zusammen, steche niemanden ab, klaue nicht, gehe nicht zu Anti-Polizei-Demos, besetze keine Häuser, jage keine Christen und auch keine Moslems oder Migranten, vergewaltige nicht, grapsche auch nicht wild um mich und ich trete und schlage keine wehrlosen Lebewesen!!

Deswegen lasse ich „schwere Kindheit“, „zu jung“ oder „soziale Probleme“ nicht als Erklärung oder Entschuldigung für Fehlverhalten, Vergehen oder Verbrechen gelten. Jeder (!) ist für sein Leben selbst verantwortlich. Das muss endlich wieder in die Köpfe der verweichlichten „aber wegen XYZ konnte ich nicht anders“- und „die Anderen sind Schuld an meinem Unglück“-Idioten rein. Wenn die Eltern nicht in der Lage sind, ihre Brut ordentlich zu erziehen, muss eben ein harter Cut her. Irgendwann ist auch Schluss mit Verständnis- und Toleranzwahn!

Was hier passiert ist, macht mich wütend. Ein zutraulicher Welpe wird als Fußball missbraucht. Von 10-12 „Kindern“. Er wird getreten und misshandelt. Als Folge davon hat er wohl bleibende Schäden erlitten, wie zum Beispiel Inkontinenz und Beckenschiefstand.

Sie traten das Tier, das laut winselte. Dann warfen sie es sich zu, schließlich flog der Welpe noch eine Treppe hinab.

Als die alarmierten Tierschützer schließlich eintrafen und die Besitzerin des Welpen in ihrer Wohnung konfrontierten, konnten sie noch sehen, wie der Kleine von der Nachkommenschaft an den Beinen durch die Wohnung geschleift wurde. Das muss man sich mal vorstellen… 😡

Was bitte geht in diesem asozialen Pack vor, dass sie sich an einem wehrlosen, wenige Wochen alten Welpen vergehen? Wie würden diese widerlichen Subjekte – das sind für mich keine Kinder! – reagieren, wenn man sie so behandeln würde? Was läuft da noch falsch? Was ist mit den Eltern, die ihren Teil zur charakterlichen „Entwicklung“ beigetragen haben?

Ich werde es nie verstehen, wie man andere und vor allem schwächere Lebewesen so be- und misshandeln kann. Egal ob Mensch oder Tier. Und manchmal wünscht man sich bei sowas eine Art Instant-Karma. Ich persönlich kann auf „Menschen“, die sich so primitiv und antisozial verhalten, sehr gut verzichten.

Ich tippe aber mal drauf, dass da trotz Strafanzeige nichts weiter passiert. Zu jung, „jugendlicher Leichtsinn“, „wir haben alle mal Dummheiten gemacht“ oder die übliche „schwierige Kindheit“ – irgendwas davon muss bestimmt wieder als Rechtfertigung herhalten für ekelhaftes Verhalten von Menschen, die anschließend genauso weitermachen werden. Es passiert solchen Subjekten ja nichts…

„Sweety“ – so heißt die kleine Fellnase aus Dortmund – wurde Gottseidank aus dieser Hölle befreit und kann nun ein Leben leben, das nicht aus Gewalt und Asozialität besteht.

Alles Gute, Sweety ❤️

TRIGGERWARNUNG Kindesmissbrauch „Zartes Fleisch“ Kapitel 5: Mutter

In diesem Kapitel geht es um die Mutter und um den Ansatz ihrer Hintergrundgeschichte, der ich in diesem Buch keinen Namen gegeben habe. Das Gleiche gilt übrigens auch für den „Vater“, dessen Sichtweise in anderen Kapiteln behandelt wird. Namen tragen nur die Betroffenen und das nähere Umfeld, natürlich sind diese fiktiv. Das nächste Kapitel gibt’s dann wieder in 2021.

Der Beitrag darf gerne geteilt werden, allerdings nur mit entsprechender Warnung und unter Nennung der Quelle (mein Blog und/oder meine Person).

Anlaufstellen für Betroffene von sexuellem Missbrauch sind zum Beispiel N.I.N.A e.V. oder auch die Nummer gegen Kummer (inklusive Chatfunktion).


Noch eine Woche, wie so viele in der letzten Zeit. Mein Mann ist oft unterwegs. Sicher, er muss Geld verdienen und es geht uns auch gut – finanziell gesehen. Aber ich vermisse ihn schon.

Am Anfang war alles noch ganz normal bei uns. Also, was man so „normal“ nennt. Er hat sich wirklich sehr um mich bemüht und gekümmert, hat sich gut mit meiner Familie verstanden und auch hier im Haus viel gemacht. Allein die Umbauten hätte ich nie bezahlen können. Auch nicht mit Hilfe meiner Familie.

Ich komme aus einfachen Verhältnissen. Mein Vater war der Dorfschmied und arbeitete sehr hart, um seine Familie zu ernähren. Trotzdem reichte es kaum für mehr als das Notwendige. Meine Mutter war immer zuhause und hat sich um meine Schwester und mich gekümmert. Ich musste schon als Kind mit anpacken, meist im Haushalt oder auf dem kleinen Feld, das wir besaßen und dazu nutzten, uns selbst zu versorgen. So war das eben damals auf dem Dorf.

Eine wirkliche Kindheit, wie sie mittlerweile üblich ist, habe ich nie gehabt. Manchmal wollte ich schon lieber spielen, statt auf dem Feld Erde zu harken, aber ich kannte es auch nicht anders. Die Volksschule habe ich jeden Tag besucht und auch einige Freundschaften geschlossen. Hier waren wir – sind wir noch – eine eigene Gemeinschaft mit geteilten Erfahrungen. Jedes Kind musste zuhause mithelfen, arbeiten. Die Schule war wichtig, aber für die Eltern und besonders die Großeltern war es wichtiger, dass man mit anpackt.

Wahrscheinlich hat jede Generation so ihre Probleme mit den Vorhergehenden. Die Älteren halten sich an das, was sie kennen und gehen davon aus, dass alles so bleibt, wie sie es gewohnt sind.

Die Jüngeren hinterfragen viele Dinge und sehen oft nicht ein, warum es denn immer so weitergehen soll, wie in den letzten 30, 50, 80 Jahren. Dann rebellieren einige und andere fügen sich, verschieben im besten Fall die Rebellion auf später, wenn sie nicht mehr abhängig von ihren Familien sind oder eigene Familien gründen.

Auf dem Dorf ist das aber die Ausnahme. Hier herrscht ein extremer Gruppenzwang. Wer nicht mitmacht, wer nicht auf die Älteren hört oder sogar öffentlich Widerworte gibt, wird ausgestoßen.

Und das nicht nur von der eigenen Familie, sondern von allen im Dorf.

Meine Schwester hat schon früh unser Elternhaus verlassen und eine eigene Familie gegründet. Ihr Mann arbeitete in der Stadt, obwohl auch er „vom Dorf“ kam. Das führte zu einer seltsamen Mischung, mit der die Dorfgemeinschaft zwiespältig umging. Einerseits waren sie eine Familie mit Haus, dem Mann als Versorger und meiner Schwester als Hausfrau. Andererseits brachte sich ihr Mann nicht so stark ins Dorfleben ein, wie es sich gehörte. Er arbeitete in „der Stadt“, was hier als etwas Besonderes galt, aber er hat auf diese Weise eben „das Dorf“ im Stich gelassen, was nicht in Ordnung war.

Das änderte sich zum Positiven, als eines der Kinder meiner Schwester mit einer körperlichen Behinderung auf die Welt kam. Geistig war der Junge nicht beeinträchtigt, sogar recht schlau, aber die verkrüppelten Beine sorgten für Aufsehen in unserem – damals – 2000-Seelen-Ort.

Die Nachbarn kümmerten sich vordergründig um meine Schwester und ihren behinderten Sohn. Mitleid hat also dafür gesorgt, dass die Ausgrenzung kaum noch eine Rolle spielte. Auch wenn gerade in der Dorfkirche manche Leute von einer „Strafe Gottes“ sprachen, muss man sagen, dass von da an das Leben für meine Schwester entspannter war.

Ich dagegen blieb zuhause. Auch und gerade nachdem mein Vater bei einer Explosion in der Schmiede um’s Leben gekommen war. Nach der Volksschule machte ich eine Ausbildung zur Schneiderin. Das Hantieren mit Stoffen und das Anfertigen von Kleidung und sonstigen Textilien hat mir schon immer Spaß gemacht und auf diese Weise konnte ich mein Hobby zum Beruf machen und die verbleibende Familie finanziell unterstützen.

Es gab ja nur noch mich, meine Mutter und meine Tante. Das Feld verkam zum Acker, verwilderte mit den Jahren und lag dann nur noch brach. Die Rente meiner Mutter und ihrer Schwester hielt uns zusammen mit meinem Lohn aus der örtlichen Schneiderei so eben über Wasser und ich häkelte, strickte und schneiderte in meiner Freizeit für das halbe Dorf, um noch etwas dazu zu verdienen. Wir kamen über die Runden, aber es reichte nicht, um das Haus instand zu halten.

Dann schließlich kam mein Mann ins Spiel. Er hat sich, wie er sagte, fast augenblicklich in mich verliebt, als er mich an einem Tanzabend in der Dorfdiskothek sah. Ich half dort manchmal an der Theke aus. So konnte ich in die Disko gehen, ohne dass es mich Geld kostete, das ich nicht hatte. Er war dort mit Freunden unterwegs, feierten, dass einer von ihnen eine Arbeit als Monteur im Ausland angeboten bekommen hatte.

Er sprach mich an und überhäufte mich mit Komplimenten. Sicher, er hatte an diesem Abend schon einiges getrunken, aber da er sich so sehr ins Zeug legte und auch nicht schlecht aussah, ließ ich mir das gerne gefallen.

Wir unterhielten uns und verabredeten uns für das nächste Wochenende. Er wollte mich besuchen kommen und mehr von mir erfahren. Von mir! Ein junger Mann aus der Stadt! Ich war hin und weg, schwebte auf Wolken und zählte die Tage, die Stunden bis zum Wochenende.

Schließlich war der Tag gekommen und ich wartete fast buchstäblich an der Haustür auf ihn. Gegen Mittag kam er dann. Nicht mit dem Auto oder Fahrrad, sondern zu Fuß.

Ich war verwundert, hatte ich doch gedacht, dass er ein Auto besaß, doch als ich ihn darauf ansprach meinte er nur, dass er sich das im Moment noch nicht leisten könne, aber er sei ja nicht bettlägerig und könne „das bisschen“ auch laufen.

„Das bisschen“ waren knapp 10 Kilometer. Bergauf. Ich war perplex. Warum tat dieser Mann das? Tat er es für mich? Was wollte er? War das eine Masche, um mich ins Bett zu kriegen?

Diese und ähnliche Fragen schwirrten mir im Kopf herum, doch mein damals zukünftiger Mann lächelte die Zweifel einfach weg. Nachdem er einige Male bei mir war, erzählte ich meinen Kolleginnen in der Schneiderei von ihm. Sie waren reservierter, als ich gedacht hatte, denn obwohl sie sich für mich freuten, wie sie beteuerten, hörte ich doch Verwunderung und auch etwas Abneigung heraus. Oder war es Neid? Ich unscheinbare Frau aus einem Haus ohne Mann, Vater, Opa soll einen „Städter“ so beeindruckt haben, dass er sich täglich zu Fuß auf den Weg macht, nur um ein paar Stunden Zeit mit mir zu verbringen?

Da kann doch was nicht stimmen! Aber seine Hartnäckigkeit zahlte sich nach einigen Wochen aus und die Zweifel bei meinen Kolleginnen verschwanden. Es half sicherlich auch, dass er schon früh damit anfing, notwendige Arbeiten am Haus zu verrichten. Meine Mutter und meine Tante waren beeindruckt und natürlich sprach sich das schnell im Dorf herum.

Einzig meine Schwester blieb skeptisch und ihm gegenüber auf Distanz. Aber das kümmerte mich nicht. So sehr hatte mich dieser Mann verzaubert. Ich war glücklich, wenn er bei mir war und mein eintöniges Leben, das nur die Aussicht darauf bot, dass ich denselben Weg wie meine Vorfahren gehen musste, erschien mir etwas heller, zuversichtlicher. Ich hatte durch die Beziehung mit ihm eine Chance, es einmal besser zu haben.

Das Haus brachte er schnell auf Vordermann und als er dann einen neu abgeteilten Raum mir gegenüber als Kinderzimmer vorstellte, war ich die glücklichste Frau auf der Welt. Ich liebte diesen Mann – und ich tue es noch.

Meine erste Schwangerschaft endete leider mit einem toten Baby. Dies war noch vor meinem jetzigen Ehemann und ist etwas, was außer meinem Mann und meiner Familie – und natürlich meinem damaligen Freund – niemand weiß und wissen darf. Unverheiratet schwanger zu werden kam einer Todsünde gleich.

Als ich dann aber von meinem jetzigen Ehemann schwanger wurde und Sabrina schließlich ehelich auf die Welt kam, war unser Glück perfekt. Timo rundete das Bild der idyllischen Familie als Stammhalter weiter ab. Mein Mann platzte fast vor Stolz.

Sicher, der Sex wurde weniger und ich veränderte mich auch körperlich in dieser Zeit, aber ich hatte meine kleine heile Welt. Vater, Mutter, Kinder, so wie man es immer spielt. Ein Traum wurde wahr und als mein Mann, der mittlerweile sehr gut verdiente, mir schließlich eröffnete, dass er sich selbstständig machen möchte, dachte ich mir nichts dabei. Uns allen ging es blendend.

Meine Mutter starb, bevor Timo geboren wurde und meine Tante hatte einen Narren an meinem Mann gefressen, wie man so schön sagt. Warum auch nicht? Er hatte das Haus, das nun ihr gehörte, im Wert vervielfacht und ihr eine eigene Wohnung eingerichtet, wo sie für sich sein konnte, aber dennoch nicht alleine war.

Aus Dankbarkeit hatte sie schließlich mir und meinem Mann mein früheres Elternhaus vermacht; mit der Auflage, dass sie lebenslang dort wohnen bleiben durfte.

Das wiederum trieb einen weiteren Keil zwischen meine Schwester und mich bzw. meinen Ehemann. „Erbschleicher“ nannte sie ihn und redete fortan kein einziges Wort mehr mit ihm, außer wenn es zu einem Streit kam, was im Grunde immer der Fall war, wenn die beiden sich irgendwo trafen. Dass es mein Mann war, der dafür gesorgt hatte, dass überhaupt etwas zum Erben vorhanden war, war ihr egal.

Dennoch, es war eine gute Zeit. Eine unterm Strich ruhige und friedliche Zeit voller Möglichkeiten. Wir mussten uns keine Sorgen mehr um Geld oder größere Anschaffungen machen. Durch das Geld, was mein Mann nach Hause brachte, lebten wir quasi im Luxus. Das Haus hatte uns nichts gekostet, außer eine Hypothek, um meine Schwester nach der Schenkung oder Erbvorwegnahme auszuzahlen. Wir hatten als erste im Ort einen großen Farbfernseher von Grundig, eine riesige Polstergarnitur, Mahagonischränke im Wohnzimmer, einen wuchtigen Mahagonischreibtisch, wie man ihn von Anwaltsbüros her kennt und einen schicken Audi in der Garage stehen, mit dem wir auch in den Urlaub fuhren.

Ich war am Ziel und konnte mir kaum eine Steigerung meines Lebensstandards vorstellen. Doch die Schattenseite war, dass mein Mann kaum noch zuhause war. Er war meist 4, 5 oder auch 6 Tage in der Woche unterwegs. Meist kam er nur zum Schlafen nach Hause und das tat er dann oft genug noch auf der Couch, wenn er völlig erschöpft beim Fernsehen einschlief.

Aber er kümmerte sich rührend um unsere Tochter Sabrina. Wann immer er konnte, verbrachte er Zeit mit ihr und wenn er früh genug nach Hause kam, ließ er es sich nicht nehmen, ihr persönlich eine gute Nacht zu wünschen oder sie ins Bett zu bringen. Die beiden wurden mit der Zeit unzertrennlich und das machte mich wiederum glücklich.

Mit Timo kam er allerdings nicht so gut aus. Ich weiß bis heute nicht, warum das so war. Dafür war Timo ein echtes Mamakind. Stets suchte er meine Nähe und verbrachte gerne und viel Zeit mit mir. Ich hatte ja aufgehört, in der Schneiderei zu arbeiten und kümmerte mich voll und ganz um den Haushalt und die Kinder. Sabrina kapselte sich schnell von mir ab, schon im Kindergartenalter. Aber Timo blieb bei mir. Mein kleiner Sonnenschein.

Als Timo schließlich in die örtliche Grundschule kam, hatte ich die Hoffnung und auch die Angst, dass er nun Freunde finden würde, die ihn mir wegnehmen würden. Bis dahin war Timo eher ein Einzelgänger, der zwar bei mir aufblühte und fröhlich war, doch mit anderen Kindern nicht umgehen konnte oder wollte. Wir hatten es auch aufgegeben, andere Kinder zu uns einzuladen, da sowieso niemand kam und die Enttäuschung somit groß war.

Doch meine Befürchtungen waren unbegründet. Zwar freundete Timo sich mit einigen Mitschülern an, aber diese Freundschaften beschränkten sich auf die Zeit in der Schule. Zuhause hatte ich ihn wieder ganz für mich allein und wir beide genossen diese Zeit.

Timo war nun in der Grundschule und Sabrina ging aufs Gymnasium in der Stadt. Das war meinem Mann wichtig. Es gab zwar auch im Nachbardorf eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe, doch er hielt nichts von dieser „Baumschule“, wie er diese bezeichnete, und überzeugte mich und auch die Lehrer schließlich davon, dass Sabrina in der Stadt zur Schule gehen sollte.

So wurde aus meiner Tochter ein Stadtkind. Sie hat den ersten Schritt aus dem Dorf heraus gemacht. Ich war meinem Mann so dankbar und so stolz auf meine Tochter! Ob es mit Timo auch so laufen würde? Auf den Kopf gefallen war er jedenfalls nicht, nur eben sehr anhänglich. Aber das gefiel mir. Es gefällt mir noch immer.

Ich will, dass es meinem Sohn gut geht. Schließlich ist er der Mann im Haus, wenn mein Ehemann wieder unterwegs ist. Ist das zuviel verlangt? Bürde ich ihm damit eine Verantwortung auf, die er gar nicht tragen kann?

Ich denke nicht. Auf dem Dorf hält man zusammen. Gerade als Familie ist es wichtig, dass man sich unterstützt. So wie meine Schwester und ich – und alle anderen Kinder – von klein auf zuhause mitarbeiten, mit aufs Feld oder in den Wald mussten, so muss Timo jetzt dafür sorgen, dass die Rolle des Mannes nicht frei bleibt, wenn der Ernährer unterwegs ist. Der Platz muss ausgefüllt werden. Und Timo macht das sehr gut mittlerweile.

Ein bisschen Bildungsnotstand

Unsere Schüler werden immer schlechter. Seit Jahren befinden wir uns im verbrieften Abwärtstrend und schauen zu, wie das Land der Dichter und Denker immer weiter in den Vergleichslisten abrutscht. Selbst die Muttersprache ist an manchen Schulen schon ein Problemfall, ebenso wie die Grundrechenarten.


Externe Artikel zum Thema:

Die Welt schrieb bereits 2002 über das Problem, das Deutschland im Bereich Bildung hat. Daran hat sich nicht geändert, wie eine neue Studie abseits von PISA zeigt, in Kurzform nachzulesen bei BILD und Junge Freiheit. Mehr als kurze Meldungen findet man allerdings nicht, es gibt ja Wichtigeres. Wer weitere Eindrücke möchte, findet sie zusammengefasst zum Beispiel bei Tichy.


Es krankt an allen Ecken und Enden. Schulgebäude verfallen, weil kein Geld für die Instandhaltung da ist oder die Beantragung der Gelder so umständlich gehalten wird, dass es teilweise Jahre dauert, bis etwas bewilligt wird. Es fehlen qualifizierte Lehrkräfte, die auch Lebenserfahrung mitbringen und wissen, wie man mit der Schülerschaft umgehen muss. Dazu kommen noch zig Steine, die Lehrern in den Weg gelegt werden, wenn es um ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag geht.

Allen voran klagewütige Eltern, die sich um ihr Herzchen sorgen und dann auch mal vor Gericht gehen, wenn sie der Meinung sind, dass der Lehrer unfair gehandelt hat. Immerhin ist das eigene Kind ja stets hochbegabt und ohne Fehl und Tadel. An vielen Schulen wird fast mehr Zeit damit verbracht, sich gegen klagende Eltern zu wehren, als den Unterricht vor- oder nachzubereiten, von respektlosen Schülerinnen und Schülern ganz zu schweigen. Es gibt sogar Anwaltskanzleien, die sich in Googleanzeigen mit „30 Jahre Erfahrung bei Klagen gegen Schulen und Lehrer“ präsentieren. Schule ist doof, der Lehrer der Feind und Bildung … naja … was eigentlich? Notwendiges Übel? Zwang? Erpressung? Jedenfalls scheinbar nichts Positives.

Unsere Gesellschaft hat sich gewandelt. Wir leben in einer Welt, in der die meisten Menschen ausschließlich an sich denken. Solange es einem selbst gut geht, ist alles andere egal. Man selbst hat Recht und Rechte, die anderen liegen falsch und haben Pflichten. Dieses verquere Denken ist Teil des Problems, denn auf der Strecke bleiben die, die eigentlich unsere Zukunft bilden sollen: die Kinder.

Kinder sind heute Mittel zum Zweck, Werkzeuge, die man einsetzen kann, wie es einem beliebt um eigene Ansichten durchzudrücken. Natürlich wird der kleine Schatz auch stets in dem Glauben bestärkt, dass er im Recht ist und alle anderen nicht. Der Gegenpol, den die Lehrer bei dieser einseitigen und egozentrischen Art der Erziehung bilden sollten, ist quasi nicht mehr existent. Unsere Lehrer wurden eingeschüchtert und entmachtet, die neue Generation von Lehrern besteht entweder aus Quereinsteigern ohne relevante Kenntnisse in Sozialpädagogik oder aus ehemals verhätschelten und somit welt- und realitätsfremden Kindern, die ihre „Erfahrungen“ entsprechend weitergeben und so eine weitere Generation von egozentrischen, linear denkenden und mitlaufenden Menschen heranbilden. Sie kennen es nicht anders.

Das Tüpfelchen auf dem „i“ ist zu guter Letzt die Rücksichtspolitik, die in den letzten 20 Jahren extrem zugenommen hat. Sicherlich müssen wir dafür sorgen, dass Kinder mit Lernproblemen ebenfalls die Chance auf Bildung haben. Wie wir schon vor vielen, vielen Jahren erkannt haben, ist es essenziell wichtig, dass möglichst viele Menschen einen möglichst hohen Bildungsgrad aufweisen, denn Wissen und Bildung – übrigens nicht zu verwechseln mit Intelligenz!–sind die besten Schilde gegen Manipulation und Extremismus.

Nur wurde der Gedanke, dass man auf die Schwächsten Rücksicht nehmen muss, geradezu pervertiert. In der Praxis geht es nicht mehr darum, dass man versucht, die „Schwachen“ auf das Niveau der „Starken“ zu heben, sondern die „Starken“ werden gebremst, um den „Schwachen“ nicht davonzuziehen. Eine fatale Rücksicht, die dazu führt, dass das Bildungsniveau sinkt.

Es werden Programme und Projekte ins Leben gerufen, die es möglichst einfach machen sollen, erfolgreich am Schulunterricht teilzunehmen – allerdings verbindlich für alle. Dies führt dann dazu, dass das Niveau stetig abnimmt, denn man orientiert sich nach unten, nicht nach oben. Wie soll es da Wachstum geben? Wie soll man da die Neugier behalten?

Wie soll man da etwas lernen, wenn zwanzig Schüler auf zwei schwächere Rücksicht nehmen müssen?

Wenn man die Hürden immer wieder senkt, bekommt zwar jeder irgendwann einen Abschluss, aber was ist dieser dann wert? Im Endeffekt steigen die Einstellungsvoraussetzungen oder die Anforderungen für die Immatrikulation. Das Problem wird nach hinten verlagert. Auf diese Weise fühlen sich die Schülerinnen und Schüler während der Schulzeit ganz toll, bekommen danach aber keine Ausbildungsstelle oder einen Studienplatz, weil selbst einfachste Tests nicht bestanden werden (können).

Wäre es nicht sinnvoller, die oben genannten zwei Schüler so zu fördern, dass sie mit den 20 anderen mithalten können? Das kann und sollte auch abseits der Schule geschehen – gerade auch privat und im Elternhaus -, doch hier in Deutschland legen wir den guten Schülern Ketten an und zwingen sie, ebenfalls schwach zu werden oder zumindest zu erscheinen, damit sich die zwei Schwachen nicht ausgeschlossen oder diskriminiert fühlen.

Wir leben eine pervertierte Form der Toleranz und Rücksicht und zerstören damit unsere Zukunft. Wir haben uns daran gewöhnt, dass Leute ohne Ausbildung unsere Kinder unterrichten, nur damit nicht noch mehr Stunden ausfallen. Wir sind so sehr damit beschäftigt, niemandem aufs Füßchen zu treten, dass wir kaum noch Forderungen stellen. Und wenn es doch jemand macht, wird geklagt bis zum Exzess.

Wir achten wenn dann nur darauf, wie gut es unserem eigenen Kind geht und machen damit den wenigen guten Lehrern, die aus Überzeugung einen wahnsinnig harten Job gut erledigen wollen, das Leben noch schwerer. Wir loben unsere Kinder bis zum Gehtnichtmehr – und diese fallen dann aus allen Wolken, wenn sie im Arbeitsleben auf die harte Tour lernen müssen, dass sie eben nicht die Besten sind, sondern maximal Mittelmaß.

Unser desolates Schulsystem gleicht einem Flickenteppich aus Versuchen und Ansätzen, aus Ideologiewahn und Egozentrik. Wer kann, bringt seine Kinder überall unter, nur nicht in einer staatlichen Schule (auch wenn es durchaus Ausnahmen gibt). Warum schafft man nicht endlich bundesweit geltende, einheitliche Vorschriften? Warum gibt es keine bundesweit einheitlichen Lehrpläne, Prüfungen, Vorgaben? Föderalismus hat seine Vorteile, aber bei der Bildung ist dieser tödlich. Wir haben eine allgemeine Schulpflicht, doch sie ist ein Schatten dessen, was sie eigentlich sein sollte.

Wir sorgen dafür, dass Schüler das Minimum lernen und spalten die Gesellschaft somit immer weiter. Am Ende erhalten wir Schulabgänger und Studenten, die nur politisch korrektes Wissen vermittelt bekommen haben und gar nicht mehr in der Lage sind, eigenständig zu denken oder über den Tellerrand zu schauen. Statt Vielfalt und Wachstum gibt es dann nur noch ideologischen Einheitsbrei und die Forderung nach noch mehr Rücksicht und Toleranz, damit sich niemand ausgegrenzt fühlt.

Die Starken sollen die Schwachen tragen. Das gilt bei Steuern genauso wie bei der Bildung und ist ein Eckpfeiler einer funktionierenden Gesellschaft. Nur wer trägt die Schwachen, wenn es keine Starken mehr gibt? Was passiert, wenn die Starken nicht mehr können – oder wollen?

Ich finde, es muss wieder mehr gefordert werden. Wer Probleme hat, soll Hilfe erhalten – jedoch nicht auf Kosten aller anderen. Wenn Zuhause kein Wert auf Bildung gelegt wird, muss die Quittung kommen und nicht mit noch mehr Rücksicht gekontert werden. Unter einem Abi, das unterhalb von 1,9 nichts mehr wert ist, leiden dann nicht nur die, die nicht lernen können oder wollen, sondern alle – und das darf nicht passieren.

Schulen brauchen mehr finanzielle Mittel. Niemand kann oder sollte in Bruchbuden lernen müssen. Wir brauchen einheitliche Lehrpläne und Lehrer, die nicht als Quereinsteiger für ein paar Monate ein paar Euro „verdienen“. Corona hat wunderbar gezeigt, wie rückständig unser Schulsystem und dass Internet und Co. nach über 20 Jahren immer noch „Neuland“ ist. Man hat sich über Jahrzehnte darauf versteift, es denen Recht zu machen, die am lautesten geschrien haben. Rechtschreibreformen, Inklusionsklassen, Schreiben nach Gehör und ähnlicher Murks, der verhindern sollte, dass die armen Kids überfordert werden.

Mit jedem Jahrgang erhalten wir die Quittung dafür, was übertriebene Rücksichtnahme auf Wenige bewirkt.

Gottseidank kann man heute sein Geld ja auch als YouTuber, Twitch-Streamer, Influencer oder Rapper verdienen.

Diese Aussagen gibt es in jeder Generation über die jeweils „junge Generation“, das ist mir bewusst. Doch die Intensität und das Tempo, mit dem sich diese Niveausenkung entwickelt, ist dank des von der Eltern- und Politikergeneration verschlafenen und belächelten „Neulands“ extrem. Wo früher solche Schwächen noch kompensiert werden konnten – einfach weil genug Zeit blieb um gegenzusteuern – kommen heute im Jahrestakt Menschen aus der Schule, die auf sich allein gestellt sind und erst dann wirklich anfangen zu lernen.

Es gibt immer weniger „Starke“, die sie auffangen könnten. Aber wenigstens haben sie sich nicht diskriminiert gefühlt 🤷🏼‍♂️😢

TRIGGERWARNUNG Kindesmissbrauch „Zartes Fleisch“ Kapitel 4: Timo

Wer Betroffener von Kindesmissbrauch ist oder bei diesem Thema sensibel reagiert, liest besser nur vorsichtig weiter. Obwohl ich hier nur die „harmloseren“ Kapitel veröffentliche, können die Schilderungen dennoch triggern! Fragen und Änhliches können selbstverständlich jederzeit an mich gerichtet werden, ich gebe gerne Auskunft. Für Betroffene Männer empfehle ich zudem die Seite von Markus Diegmann (https://tour41.net), der sich als Betroffener seit Jahren gegen den Widerstand von Politikerinnen und Politikern für das Thema einsetzt. Ich bin weder Mitglied in diesem Verein, noch sonstige begünstigt. Der Beitrag darf gerne geteilt werden, allerdings nur mit entsprechender Warnung und unter Nennung der Quelle (mein Blog und/oder meine Person).

Anlaufstellen für Betroffene von sexuellem Missbrauch sind zum Beispiel N.I.N.A e.V. oder auch die Nummer gegen Kummer (inklusive Chatfunktion).


Schwimmbadtag! Es ist Schwimmbadtag! Mama, Papa, Sabrina und ich gehen fast jeden Sonntag zusammen ins Schwimmbad. Mir gefällt das. Ich kann zwar nicht so toll schwimmen wie Papa oder Sabrina, aber ich bin gerne bei Mama und schaue den beiden zu, wie sie Spaß haben. Wenn ich groß bin komme ich mit und schwimme mit Sabrina um die Wette. Darauf freue ich mich sehr. Aber hier am Rand ist es auch schön. Ich sitze immer vor Mamas Hocker unter der Theke und schaue von da aus zu, wie die anderen im Wasser Spaß haben.

Zuhause haben wir sowas nicht. Ich komme auch nicht so oft weg und bin meistens alleine im Zimmer. Ich kann noch nicht lesen, aber manchmal darf ich „Nils Holgersson“ oder „Die Schneekönigin“ auf Papas Plattenspieler hören, wenn ich lieb bin. Das geht aber nur, wenn Papa nicht da ist.

Ich spiele auch gerne „Höhle“. Dabei klettere ich hinter die Couch im Wohnzimmer und tue so, als ob ich ganz woanders wäre. Am Anfang war Mama noch sehr aufgeregt, wenn sie mich gesucht hat, aber mittlerweile tut sie nur noch so. Ich kann mich gut alleine beschäftigen, niemand muss sich Sorgen um mich machen.

Mama trinkt sehr viel Wein. Das macht sie schon ganz lange. Papa sagt, dass das nicht gut ist, aber Mama ist dann immer so fröhlich. Ich mag es, wenn Mama Wein trinkt. Auch jetzt im Schwimmbad. Sie geht nie ins Wasser. Ich habs auf jeden Fall noch nicht gesehen. Wir waren ein Mal im Planschbecken, aber das ist schon ganz lange her.

Schwimmbadtag heißt, dass Papa und Sabrina im Wasser spielen und ich bei Mama sitze, während sie Wein trinkt. Dann gehen wir wieder nach Hause.

Ich gehe nicht ins Wasser, aber ich muss mich vorher trotzdem duschen und die Füße einsprühen. Wie seltsam. Und eklig! Das Fußmittel stinkt ganz doll und die Bademütze zwickt mich. Aber ich habe mich dran gewöhnt. Von hier aus kann ich alles sehen und in meinem Kopf male ich mir aus, was die anderen Leute wohl gerade denken.

Das ist besser als Hörspiele! Und allemal besser als immer nur zuhause zu sitzen. Ich kenne ja kaum jemanden in meinem Alter. Die anderen Kinder im Kindergarten sind so komisch zu mir. Niemand kommt zu mir nach Hause. Auch nicht zu meinem Geburtstag. Aber das ist in Ordnung. Ich hab‘ ja Mama und Sabrina. Und Papa auch, aber der ist ja kaum da.

Ob es nachher wieder ein Eis gibt? Wenn ich lieb bin, bestimmt! Da freue ich mich auch drauf. Hier gibt es ganz leckeres Eis. Von einem echten Eismann. Ich mag Vanille. Mama mag das mit den Rosinen, Papa auch. Sabrina will immer nur Erdbeer. Wie langweilig!

Oh, das ging aber schnell heute. Papa und Sabrina wollen schon gehen. Mama will noch austrinken.

Das ist oft so. Aber so bleibt Mama länger lustig. Dann wird der Nachmittag auch nicht so langweilig. Und morgen ist ja auch wieder Kindergarten. Ich kann da schon ganz alleine hinlaufen! Ich muss dann am Feuerwehrhaus vorbei und am Geschäft, wo wir immer einkaufen gehen. Da gibt es Zigaretten für Kinder. Die kann man nicht anzünden, aber die schmecken gut nach Schokolade. Manchmal gehe ich nach dem Kindergarten da vorbei und kauf‘ mir was. Die Frau da im Laden ist ganz nett und lächelt immer so freundlich, wenn sie mich sieht.

Mama ist fertig. Sie gibt dem Mann an der Bar Geld und nimmt mich an die Hand.

„So, kleiner Hosenmatz. Auf geht’s!“, sagt sie gut gelaunt zu mir. Wie schön es ist, wenn sie lächelt. Ich mag es, wenn sie glücklich ist.

Wir gehen zurück zu den Umkleidekabinen. Aber vorher müssen wir nochmal an den Stinkefußduschen vorbei. Bäh! Mama holt unsere Sachen aus dem Schrank und macht die Tür von der großen Umkleidekabine auf. Warum sind die Türen hier so orange? Das gefällt mir nicht, aber wir sind ja auch nicht lange hier. Ich mag das Blau im Schwimmbad. Da sieht das Wasser aus wie das Meer.

Endlich weg mit der kratzigen Mütze. Mein Kopf juckt schon. Wir haben nicht noch einmal geduscht, wir waren ja auch nicht im Wasser. Aber Mama muss mir noch die Füße abtrocknen.

Mama zieht mir die Badehose aus. Es gehört sich nicht, die Badehose unter der Hose zu tragen. Da muss man eine Unterhose anziehen!

„Ist alles in Ordnung mein kleiner Schatz?“, fragt Mama.

Das macht sie jedes Mal. Sie will, dass es mir gut geht.

Mama stellt sich hinter mich und streichelt mir über den Kopf. Sie mag meine blonden Haare. Das sagt sie mir auch oft. Es ist schön, wenn ich Mama gefalle. Das macht mich froh.

Jetzt holt sie etwas Creme, damit meine Haut so schön weich bleibt, wie sie sagt. Die Creme riecht gut. So schön nach Badewanne. Mama cremt meine Schultern ein und meinen Rücken. Dann dreht sie mich um und cremt auch meine Brust und meinen Bauch ein. Das ist wichtig!

Dann sind meine Arme dran und dann meine Beine.

Ganz wichtig ist auch der Po und mein Pipimann. Die Creme macht, dass ich nicht wund werde.

Mama cremt meinen Po ganz gründlich ein, überall. Und dann muss sie aufpassen, denn mein Pipimann ist ganz doll empfindlich. Wenn sie da ranfasst und zu lange reibt, wird der groß. Aber Mama weiß das. Sie passt auf und tut mir nicht weh. Ich vertraue meiner Mama. Sie weiß, was gut für mich ist.

Sie cremt alles ein und setzt sich dann nackt auf die Bank in der Kabine. Da guckt sie mich an und beobachtet mich. Ich muss stehen bleiben, bis die Creme eingezogen ist. Wenn ich sofort angezogen werde, hilft die Creme nicht.

Mama sitzt auf der Bank und lächelt mich an. Ich mag es, wenn sie Wein getrunken hat. Dann ist sie immer so glücklich und lieb zu mir.

Gleich gehen wir zu Papa und Sabrina und dann gibt es Eis.

Kindesmissbrauch – Die Quasi-Biografie „Zartes Fleisch“

Ich habe ja bereits geschrieben, dass ich ein Manuskript fertiggestellt habe, das sich an meiner Vergangenheit und der meiner Familie orientiert. Leider findet sich kein Verlag und vor einer Veröffentlichung im Selbstverlag scheue ich mich (noch) bei diesem Thema.

Was man überhaupt wie schreiben darf, da scheiden sich die Geister und naja… dann sehe ich es lieber als Therapie. Ich möchte mit diesem Thema auch kein Geld verdienen oder mich profilieren. Ich musste einfach darüber schreiben und es hat wirklich geholfen!

Trotzdem finde ich es schade, dass diese Geschichte wohl stets im kleinen Kreis bleiben wird. Ich habe auch überlegt, ob ich die einzelnen Kapitel hier im Blog veröffentlichen soll. Es gibt viele Opfer bzw. Überlebende von Missbrauch, die oft genug stumm bleiben – gerade wenn die Mutter die Täterin ist. Es ist eben immer noch ein Tabu, dass Frauen Verbrechen begehen, erst recht solche widerwärtigen. Wobei Missbrauch auch erst seit kurzem und nach langem Kampf als Verbrechen gewertet wird und nicht als Vergehen 🤮

Das ganze Manuskript kann ich hier nicht veröffentlichen. Dazu sind die Schilderungen zu explizit. Aber was soll man dabei auch beschönigen? Missbrauch ist Mord auf Raten und ich für meinen Teil bin noch glimpflich davongekommen, im Gegensatz zu meinem Bruder. Ich werde also unregelmäßig einige „harmlosere“ Passagen hier einstellen. In der Überschrift vermerke ich „TRIGGERWARNUNG“, so dass Betroffene wissen, was dort auf sie zukommt.

Wenn jemand betroffen ist und Redebedarf hat, kann er oder sie mich gerne kontaktieren. Es ersetzt keine Therapie und macht auch nichts ungeschehen, aber es kann helfen, die Gedanken zu sortieren.

Normalerweise würde ich „Viel Spaß“ wünschen, aber das wäre unangebracht. Die erste Passage – es handelt sich dabei um Kapitel 4 – stelle ich am Sonntag online.