Hilfe als Elendskatalysator

Achtung: Hier stelle ich eine provokante These auf. Wer nicht willens oder in der Lage ist, Gedankenexperimente durchzuführen oder genau weiß, was jeder Mensch braucht, will, soll und darf, der sollte nicht weiterlesen.

Wir sind fortschrittlich, zivilisiert und hoch entwickelt. Wir lassen Maschinen arbeiten, schützen alles und jeden und sorgen uns um die Welt.

Aber sind wir nicht auch arrogant? Wir sorgen uns nicht nur, wir sind auch der Ansicht, dass wir genau wissen, was jeder einzelne Mensch in jedem Land, jeder Kultur und jeder Gesellschaft braucht und will – zu wollen hat.

Erzwingen wir nicht etwas, was eigentlich von selbst kommen sollte, indem wir unsere Werte und Normen, unsere Art zu Leben allen anderen überstülpen?

Wir sehen irgendwelche Zustände in anderen Ländern, auf anderen Kontinenten in uns völlig fremden Kulturen, sagen „das ist schlecht“ oder „das darf nicht sein“ und benutzen dann unsere Macht, unser Geld und unseren Einfluss, um diese Zustände zu ändern. Und zwar so, dass sie unseren Vorstellungen entsprechen.

Wir transformieren fremde Kulturen, Menschen, Völker, Lebensweisen so, dass sie uns passen. Ist das richtig? Ist das fair?

Wer sind wir denn, dass wir entscheiden dürfen, wie andere zu leben haben? Wer oder was gibt uns das Recht dazu?

Wir sehen Stammeskulturen in afrikanischen Ländern, die über Jahrhunderte hinweg gewachsene Strukturen aufweisen. Wir sehen, wie die Menschen dort leben und es gefällt uns nicht. Wir möchten nicht so leben, könnten es nicht. Somit gilt das auch für diese Menschen. Denn wir wissen, was gut, richtig, fair ist. Die nicht. Wir müssen also helfen, Einfluss nehmen.

Wie so oft gilt: Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht.

Wir pumpen Geld in diese Länder, leisten „Entwicklungshilfe“ nach unseren ethischen, moralischen und wirtschaftlichen Vorstellungen … und es ändert sich nichts. Das Geld landet bei den Mächtigen, nicht beim „armen Volk“. Die Leistungen werden gerne in Anspruch genommen und die Freigiebigkeit ausgenutzt von denen, die schon alles haben.

Denn egal wie viel Geld und Hilfe wir schicken, die Kultur bleibt, die Gesellschaft bleibt, die Strukturen bleiben. Der Stammesführer – ob man nun Häuptling oder Präsident sagt – hat die Macht und bekommt das Geld. Ob und was bzw. wie viel er an sein Volk weitergibt, liegt nicht bei uns. Und es ist nunmal so, dass sich absolute Herrscher oftmals selbst bereichern. Warum auch nicht? Das war bei uns auch nicht anders bis vor wenigen Jahrhunderten.

Das wird sich so bleiben, solange sich die Kultur nicht ändert, sich die Gesellschaft dort nicht wandelt. Ob man im Stammesverbund mit 100 Leuten lebt oder mit 1.000.000 Menschen ein Volk bildet, das genauso aufgebaut ist und genauso funktioniert, ist egal. Das Geld, die Hilfe kommt kaum beim einfachen Mitglied, beim normalen Bürger an, denn der Boss entscheidet, profitiert, bestimmt.

Aber kann man eine Gesellschaft zwingen, sich zu „verbessern“? Wer entscheidet denn, was „besser“ ist? Sorgt die geleistete Hilfe und Unterstützung nicht eher dafür, diese Strukturen zu festigen, die für uns unhaltbaren Zustände zu verstärken? Schaffen wir mit unserer „Hilfe“ nicht erst das Leid, das wir so dringend zu lindern versuchen? Sind wir also nicht maßgeblich dafür verantwortlich, weil wir uralte Machtstrukturen fördern?


Darf man sowas heute überhaupt noch denken? Philosophie ist frei, aber ob das heute noch uneingeschränkt gilt…?


Klar, manche Länder nennen sich nun „demokratische Republik“, doch hinter diesem Begriff läuft es weiter wie bisher. Weil es nicht von „innen“ kommt. Weil kein Lernprozess erfolgt ist, weil das Volk sich nicht bewusst ist, welche Macht es eigentlich hat. Man kennt es so, dass da einer das Sagen hat und basta. Wie man den nun anspricht ist irrelevant.

Da wir stets von uns und unserer Denkweise ausgehen, verstehen wir auch nicht, warum sich nichts ändert. Da haben „die“ schon eine Demokratie und trotzdem gibts Krieg, Hunger, Armut. Aber anstatt endlich aufzuhören uns einzumischen, verschlimmern wir alles nur immer weiter.

Wir pumpen Geld in Machtstrukturen und wundern uns, warum die immer noch existieren. Die einzigen, die das erkannt haben sind die, die allgemein kritisiert werden: global agierende Konzerne. Die haben begriffen, wie diese Länder, diese Herrscher arbeiten. Deswegen können sie dort das Volk (mit) ausbeuten. Da werden Fabriken gebaut, Schmiergelder gezahlt, manche bauen ganze Autobahnen und bekommen dafür Baurechte und Land übereignet. Beim Volk kommt nichts oder nur wenig an – so ist das im Stamm, Clan, der Familie eben.

Das fördert das Elend einerseits und den Wohlstand der Altherrscher andererseits. Und die „bösen Konzerne“ wissen das genau. Sie wissen die Hebel anzusetzen und die Kulturen zu lesen. Deswegen sind sie so erfolgreich und deswegen verschwinden diese Strukturen auch nicht.

Jedoch sind es ja nicht nur die Konzerne, die dafür verantwortlich sind. Jeder Euro, jeder Dollar, der in Länder mit diesen Strukturen fließt, sorgt für genau dasselbe. Wir verteufeln Konzerne, machen aber im Grunde nichts anderes, wenn wir spenden. Es heißt nur anders. Es fühlt sich anders an.

Wir sind so verbohrt, stur, verblendet und arrogant, dass wir das nicht sehen, nicht sehen wollen. Wir tun doch „Gutes“. Aber genau das ist das Problem, oder? Denn das „Gute“ wird ausgenutzt, weil die Strukturen gleich bleiben.

Die Wandlung muss von innen kommen. Wie beim einzelnen Menschen auch, muss es „Klick“ machen. Wir haben das gelernt und sind immer noch dabei. Wir haben Jahrhunderte von Krieg, Not und Elend erlebt, unsägliche Massaker und Leid, das niemals wieder irgendwem geschehen soll. Wir wissen, wohin totalitäre Strukturen führen. Wir wissen um die Probleme der Monarchie, des Feudalismus. Da gab es Revolutionen, Aufklärung, Befreiungskriege, Umstürze. Herrscher wurden geköpft, Andersdenkende verfolgt, ganze Landstriche assimiliert und kulturell annektiert. Wir wissen, wie gefährlich Religion sein kann, wenn sie missbraucht wird. Wir wissen, wie fatal es sein kann, wenn religiöse Führer Kriege anzetteln und Leute mit Angst und falschen Dogmen einschüchtern und beherrschen.

WIR wissen das. Also müssen alle anderen das doch auch wissen! Gefälligst! Doch wir begreifen nicht, dass es einen Unterschied gibt zwischen „wissen“ und „bewusst sein“. Raucher „wissen“, dass Rauchen schädlich ist. Aber es ist den wenigsten „bewusst“, sonst würden sie aufhören. Der berühmte „Klick“ eben.

Und der kann eben nicht von außen kommen. Man kann niemanden zur Einsicht zwingen. Oder nur sehr schwer. Genauso gibt es einen Unterschied zwischen „überreden“ und „überzeugen“. Bei letzterem erfolgt eine Einsicht, ein „Klick“. Das erfordert Zeit, Geduld, Einfühlungsvermögen. Man muss sich in das Gegenüber hineinversetzen. Das kann helfen, eine Entwicklung anzustoßen.

Nur mit Geld oder kostenloser Hilfe funktioniert das nicht. Das einzige was dann passiert ist, dass alles weiter geht wie bisher – nur eben mit mehr Geld und extremer.

Wie ein Raucher, der sich aus Kostengründen aufhören möchte, aber immer wieder genug Geld zugesteckt bekommt. Oder jemand mit Mangelernährung, der ja Pillen schlucken kann um das auszugleichen. Oder Kinder, die trotz mieser Leistungen versetzt werden. Oder Straftäter, die nicht oder milde bestraft werden.

Warum sollten die ihr Verhalten ändern? Sie kennen es nicht anders und es funktioniert doch auch so. Warum sollte man sich aufraffen um etwas zu ändern, wenn man doch klarkommt? Der Mensch entwickelt sich nicht wenn er zufrieden ist. Zufriedenheit führt zu Dekadenz, zu Stillstand. Das wussten schon die Römer. Man darf als absoluter Herrscher das Elend nicht zu groß werden lassen und muss entsprechend auftreten, dann kann man machen was man will und kann sich bereichern an den „Hilfen“, die eigentlich dafür gedacht sind, diese Herrschaftsstruktur aufzubrechen.

Menschen ändern sich (oder etwas) erst, wenn es nicht anders geht, wenn es nicht mehr geht. Durch unsere grenzenlose Arroganz, unserem Drang, anderen unsere Art zu leben aufnötigen zu wollen, weil wir alles besser wissen, schaffen wir nur noch mehr Leid – und geben nicht mehr Geld. Wir heizen den Kessel an und wundern uns, warum der Druck steigt, warum immer wieder Kriege geführt werden, warum es nicht vorwärts geht, warum irgendwelche Irren irgendwelche Gottesstaaten ausrufen oder warum sich ein demokratisch gewählter Präsident nicht so verhält wie wir es erwarten.

Wir sind arrogant bis zum Anschlag. Aber wir haben ja Sündenböcke: die Konzerne … die lediglich das machen, was wir auch tun – nur eben bewusst und nicht blind vor „Hilfe“.

Wir pumpen Geld in für uns veraltete Strukturen und versuchen dabei zu helfen, essenzielle Entwicklungsschritte einfach zu überspringen. Dann fallen wir aus allen Wolken, wenn das nicht funktioniert. Man muss doch anderen nur sagen, dass sie falsch leben und sie auf uns hören sollen.

Wie jemand, der die richtigen Lösungen für einen Test kauft. Klar besteht man den, aber see Lerneffekt ist nicht vorhanden, das Wissen nicht gefestigt. Die „Belohnung“ kommt vor der (oder ohne die) Arbeit, die dazu gehört. Also macht man weiter wie bisher, nur eben mit mehr Geld.

Gilt übrigens auch im Kleinen. Warum sich oder sein Verhalten ändern, wenn man doch auch so „sein“ Geld, seine Wohnung und alles andere bekommt? Warum die Strategie ändern, wenn man immer wieder gewählt wird? Das ist nur menschlich. Könnte man wissen, wenn man nicht gedanklich im Märchenland verweilen würde, wo alle nur das Beste für andere wollen und nur darauf warten, dass jemand einem sagt, wie man leben muss.

Und so wird sich nichts ändern. Warum auch nicht – es funktioniert doch. Ob man jetzt „Warlord“ oder „Präsident“, „Häuptling“ „Vorsitzende“ oder „Königin“ genannt wird, ist auch nur für den Diplomatenpass wichtig. Alles dank unserer grenzenlosen Arroganz… und Unmengen an Kohle, die wir bereitwillig nutzen, damit alles so bleibt wie es ist.

Kritisch wird’s besonders, wenn ein solches „Entwicklungsland“ groß genug und volkswirtschaftlich so stark ist, dass es keine externe Hilfe (mehr) braucht. China zum Beispiel. Die leben wie gewohnt und es kommt unglaublich viel Geld rein. Trotz (oder wegen?) In unseren Augen veralteter Strukturen. Und trotzdem erdreisten wir uns, ihnen das Leben vorschreiben zu wollen. Blöd, wenn die dann nicht hören. Dann sind’s auf einmal „die Bösen“… weil sie nicht nach UNSEREN Regeln spielen.


Fazit: ich befürworte diese Tatsachen nicht und will auch nicht, dass wir aufhören zu spenden und zu helfen. Nur eben bitte „richtig“. Ich möchte ein Bewusstsein dafür schaffen, dass „gut gemeint“ nicht unbedingt „gut gemacht“ bedeutet und vermeintlich „Gute“ und „Böse“ nicht immer „gut“ und „böse“ sind. Ich möchte, dass wir uns Gedanken machen, wie man wirksam helfen kann, ohne Strukturen zu festigen, die die zivilisatorische Entwicklung behindern. Und ich möchte, dass wir aufhören, anderen unsere Denkweise aufzwingen zu wollen. Man stelle sich vor, jemand würde uns „helfen“, sagen dass das was wir tun „falsch“ ist und wir die „Hilfe“ nutzen sollen, um uns selbst den Ast abzusägen, auf dem wir sitzen. Doch uns braucht ja niemand zu helfen. Wir sind ganz oben und wissen, wie die Welt funktioniert, nicht wahr?

Wer mal einen Bericht aus erster Hand lesen möchte, bezogen auf das Leben in Gambia, dortige Frauen und wie wir (falsch) helfen, klickt hier.

Eigenverantwortung

Keine Sorge, heute wirds nicht politisch, auch wenn das Thema durchaus passen könnte.

Heute stelle ich eine These auf, die mir bei meinen Erfahrungseskapaden aufgefallen ist und die mich nicht mehr loslässt, denn sie entspricht so gar nicht dem klassischen Gesellschafts- und Lebensbild, das einem stets suggeriert wird und mittlerweile fast schon groteske Auswüchse angenommen hat: Eigenverantwortung.

Eigenverantwortung bedeutet für mich seit etlichen Jahren genau das: ich bin für mich und mein Leben, mein Erlebtes und meine Zukunft selbst verantwortlich.

Allein diese Aussage dürfte bei vielen Menschen schon heftigen Widerstand auslösen, denn sie impliziert, dass man an allem Schuld ist, was einem so passiert.

Das ist NICHT der Fall! Hier muss man ganz klar differenzieren, sonst versteht man die Zusammenhänge nicht oder sogar falsch, was fatale Folgen haben kann – gerade für Menschen, die Opfer von Gewalt und/oder Missbrauch waren oder sind.

Diese Form der Verantwortung hat also nichts mit „Schuld“ zu tun. Sie sagt nicht aus, dass man etwas getan hat oder etwas verdient hat, weil man bestimmte Dinge getan oder unterlassen hat. Es ist keine Strafe.

Dazu müsste ich etwas weiter ausholen, aber ich fasse mich ausnahmsweise kurz, versprochen!

Wenn man über C. G. Jung hinausgeht, weil dessen Erklärungen und Interpretationen einem zwar zusagen, jedoch nicht alle Fragen, die man so hat, beantworten, sucht man nach „mehr“. Das habe ich getan, wie ich kurz in meiner Serie „Leben, Sterben, Tod und Jenseits“ ausgeführt habe. Gelandet bin ich schließlich bei den Michael-Teachings, die seit den 1970ern eher ein Nischendasein führen. Man kann eben nur schwer Geld mit etwas verdienen und es somit vermarkten, das keine tollen Belohnungen (2349674298393 Jungfrauen im Jenseits) oder extreme Strafen (ewige Schmerzen im Höllenfeuer) verspricht. Aber gerade das macht die „Teachings“ so interessant – eben weil sie nicht mit Schuld oder Belohnung arbeiten, mit „gut“ oder „böse“ und auch nicht mit der Moralkeule oder kulturspezifischen Essens- oder Bekleidungsregeln wedeln. Sie „sind“ einfach.

Was wäre denn der Fall, wenn jeder eine Aufgabe im Leben hat? Wäre das nicht super? Sucht nicht jeder irgendwo, irgendwie nach einem „Sinn“ im Leben? Nach etwas, das er oder sie bewirken kann? Nach etwas Bedeutungsvollem?

Aber kann denn jeder „groß“ werden? Etwas wahrhaft „wichtiges“ erreichen? Hier beginnt schon die Crux, der Denkfehler, den wir alle machen oder gemacht haben. Wir gehen davon aus, dass unsere Aufgabe etwas ist, das weitreichende Konsequenzen für die Menschheit hat, dass wir berühmt werden, reich, erfolgreich, dass man uns kennt und bewundert. Das sind jedoch weltliche Werte. Werte, die oberflächlich erstrebenswert und auch nicht schlecht sind. Klar kann man diesen auch nachjagen – warum auch nicht? Aber sie sind nicht unbedingt das, was man unter „Aufgabe“ oder „Sinn“ verstehen sollte. Zumal auch hier der Lotto-Grundsatz gilt: Es kann jeder Millionär werden – aber nicht alle…


Unsere Gesellschaft schreit nach Führung. Sie kommt nicht klar mit Anarchie. Es braucht immer jemanden, der sagt, wo es langgeht, worauf man sich fokussieren soll, was wichtig ist und was nicht. Das zieht sich durch alle Bereiche, wir sind nunmal Hierarchie-Fetischisten und kommen nicht klar, wenn es niemanden gibt, der führt, der die Richtung vorgibt. Ob das immer richtig ist, ist eine komplett andere Sache. Aber selbst ein mieser Anführer ist uns lieber als gar keiner. Kleiner Seitenblick auf unsere Bildungslandschaft: Was passiert denn wohl, wenn jeder lernt oder studiert, um später führen zu können. Wen will man denn dann führen, wenn jeder Häuptling ist und niemand mehr Indianer sein möchte? Aber selbst da kristallisieren sich dann hierarchische Strukturen heraus, etablieren sich von selbst. Dann gehts eben um den Notenschnitt oder das Auftreten oder die Sympathie. Irgendwer wird immer „oben“ sein, auch unter vermeintlich Gleichen. Wir sind nunmal nicht gleich – und das ist auch gut so.

Somit wäre es doch ziemlich unsinnig, wenn unsere jeweilige Lebensaufgabe gleichbedeutend wäre mit „Erfolg“, „Reichtum“ und dem ganzen Kram, oder? Denn dann könnten ja nur wenige überhaupt ihre Aufgabe erfüllen. Der Rest lebte in einer Illusion und würde letztendlich vergeblich gelebt haben. Eine traurige Vorstellung und eine gewaltige Verschwendung von Energie, Zeit und Kraft.

Religionen bieten hier einen gewissen Halt, bieten einen Sinn innerhalb ihrer Dogmen. Manche finden dort ihre Erfüllung und das ist in Ordnung. Doch kann auch dies nicht allgemeingültig sein, denn nicht jede Religion ist überall präsent, die Regeln sind oft nicht klar definiert und eher Auslegungssache (man schaue sich die Schiiten und die Sunniten an, um nur die größeren Islam-Strömungen zu nennen. Alternativ gibts auch nicht nur einen biblischen Kanon und die Interpretationen schwanken gehörig zwischen den einzelnen Sekten, Orthodoxen, Katholiken, Protestanten. Selbst im Judentum ist nicht alles einheitlich definiert).

Als kleiner Pimpf fragte ich mal meine Erzieherin im Kindergarten – und später auch meine „Mutter“ sowie unseren Pfarrer: „Wenn Gott alle Menschen liebt, warum müssen dann manche in die Hölle? Und was ist mit den Menschen, die gar nichts von Gott wissen?“ Es gab keine befriedigende Antwort darauf. Religion ist nichts für mich. Wobei man Religion und Glaube nicht verwechseln darf. Der Glaube ist etwas Persönliches, Religion ist von Menschen gemacht. Das aber nur nebenbei.


Unsere Aufgabe suchen wir uns selbst aus. Wir entscheiden, was wir in diesem Leben lernen, erfahren, erleben wollen. WIR und niemand anders! Wir als Mensch, bestehend aus Seele und Ich, leben dieses Leben unter Parametern, die wir uns selbst ausgesucht, die wir definiert haben. Wir als Seele haben entschieden, was uns noch an Erfahrungen fehlt, welche und wie wir sie machen möchten. Wir haben uns ausgesucht, wer uns begleitet auf unserem Weg und haben die Grundlagen zementiert, auf deren Basis wir unser Leben leben. Alles was wir erleben, was uns widerfährt, was wir durchmachen – egal ob für das Ich positiv oder negativ – hilft uns dabei, unsere selbst gestellte Aufgabe zu erfüllen.

Ja, das ist schwer zu verstehen und passt so gar nicht zu unserer derzeitigen Gesellschaft, die sämtliche Verantwortung auf „die anderen“ abwälzt. Niemand sucht sich doch Leid und Schmerz, Hunger, Armut, Gewalt, Hass, Unglück aus. Da ist immer irgendwer anders dran Schuld – meist die, denen es unverschämterweise besser geht. Aktuell ist man als alter weißer Mann mit geregeltem Einkommen verantwortlich für Klimakatasrophen, Hungersnöte, Kriege und den Untergang des Universums. Das ist bequem, das ist einfach. So muss man sich nicht mit sich selbst und dem eigenen Leben beschäftigen, muss nicht an sich arbeiten, denn die anderen sind ja in der Pflicht. Man selbst kann weitermachen wie bisher, auf „die anderen“ schimpfen und sich in Aufmerksamkeit und Zuspruch suhlen wie die Säue im Schlamm.

Nur ändert sich dadurch nichts. Man bleibt stehen, man lernt nicht, man entwickelt sich nicht weiter. Im Gegenteil: man bremst andere aus. Doch hier muss man ebenfalls genauer hinschauen. Denn jedes Hindernis ist auch etwas, das man überwinden kann, an dem man wachsen kann und vielleicht auch soll. Jeder Stein, der im Weg liegt, jeder Knüppel, der einem zwischen die Beine geworfen wird, bietet Möglichkeiten, es später besser zu machen. Oder auch nicht. Was man schlussendlich macht, wie man reagiert, liegt bei uns. Wir haben es in der Hand, denn WIR sind WIR. Wir können entscheiden, ob wir den einfachen oder den schweren Weg nehmen.

Es gibt keine Strafen oder Punktabzüge. Wir lernen dann gegebenenfalls nicht so schnell so viel, aber wir lernen. Und das ist das was zählt! Leben heißt lernen. Aus allem, durch alles, von allen. Auch die, die ihre Verantwortung für das eigene Leben, das eigene Schicksal abstreiten, lernen etwas. Dagegen kann man sich nicht wehren. Vielleicht lebt man dann später ein anderes Leben, um die nicht gemachten Erfahrungen nachzuholen, aber auch das ist nichts schlechtes.

Wenn man sich dies vor Augen führt und nicht völlig stur oder abgeneigt ist, Verantwortung zu übernehmen, wird einem schnell sehr vieles klar. Es gibt kein Objektives „gut“ oder „böse“. Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“. Diese Kategorien sind stets subjektiv und abhängig von vielen Faktoren, die kulturell, religiös oder ideologisch geprägt sind. In Mitteleuropa ist es „schlecht“, wenn man Ansprüche auf etwas oder jemanden mit Gewalt geltend macht. In anderen Kulturen ist das üblich und ein Zeichen von Stärke. Wieder andere Gruppen geißeln sich selbst, wenn sie aus Versehen eine Ameise zertreten. Manche glauben, dass die Welt aus einem Spermatropfen entstanden ist und alle Ungläubigen getötet werden müssen und einige sind der Ansicht, dass Homosexualität eine Krankheit ist.

In ihren jeweiligen Gruppen sind diese Haltungen richtig, die entsprechenden Handlungen „gut“ oder „schlecht“.

Doch im Grunde „sind“ sie nur. Es sind Gegebenheiten, gewachsen aus Erfahrung, Umständen, Tradition und manche auch aus Drogenkonsum oder Ideologie.

Was „für alle“ zu gelten hat, entscheidet sich immer wieder neu. Die Zeit vergeht und die Welt wandelt sich. Und stets weiß man „jetzt“ erst alles besser, weiß, wie es „richtig“ ist. Das ist das Leben. Das Leben ist Wandlung, es bietet einmalige Chancen zu lernen, Erfahrungen zu sammeln. Wäre alles eindeutig, wäre es statisch und somit könnten keine neuen Erfahrungen gemacht werden, man könnte nichts lernen, es gäbe keine Entwicklung.

Wir selbst erstellen unseren Lebensplan. Wir selbst suchen uns aus, wer uns dabei unterstützt. Wir selbst tragen die Verantwortung für unser Leben und jedes Leben ist wertvoll, hat einen Sinn, eine Aufgabe. Die muss nicht mit den Werten unserer Welt übereinstimmen, was sie uns leicht übersehen lässt. Dabei geht es im Grunde nur ums Lernen, um neue Erfahrungen um das ErLEBEN an sich.

Ich empfinde das nicht als Last oder Schuld. Für mich ist das eine unglaubliche Erleichterung, denn ich bin nicht Spielball von anderen oder von irgendwelchen Umständen. Ich habe mir etwas dabei gedacht und ich werde nicht daran zugrunde gehen. Ich werde lernen, Erfahrungen sammeln und ICH sein. Es ist mein Leben, ich habe es mir ausgesucht – und das ist wunderbar – nicht das Leid, das ich ertragen habe, sondern das Leben an sich!

Leben, Sterben, Tod und Jenseits – Teil 4

Der Schlüsselmoment bei mir war der, dass ich Details über meine Vergangenheit erfahren habe, die ich erfolgreich verdrängt hatte. Diese Details ließen mein komplettes Leben in einem anderen Licht erscheinen.

Entscheidungen, die ich getroffen hatte, hinterfragte ich nun auf Basis dieses neu gewonnenen Wissens und ich analysierte über Monate hinweg jede Station meines Lebens.

Habe ich mein Leben so gelebt, weil ich es so wollte oder war alles nur eine unausweichliche Konsequenz aus Gegebenheiten, die sich meiner Macht entzogen?

Worin lag der Sinn im Missbrauch durch meine Mutter?
Warum hat mein Vater nichts getan?
Oder hat er es versucht?
Warum war ich so ein Arsch als Jugendlicher?
Oder war es nur der Versuch auszubrechen aus dieser Hölle?
War ich mein Leben lang auf der Flucht?
Und warum überhaupt?!

Mein selbst gesammeltes Wissen half mir einerseits, viele verschiedene Aspekte diverser Fragen zu beleuchten, sorgte andererseits allerdings auch dafür, dass ich mich nicht einfach in eins dieser Teilgebiete flüchten konnte.

Ich kannte die Zusammenhänge und Alternativen, somit waren mir die Wege versperrt, die allesamt darauf bauten, alles andere zu ignorieren.

So fiel ich in ein Loch, aus dem ich fast nicht wieder herausgekommen wäre. Ich sah keinen Sinn mehr, kein Ziel, keinen Grund oder auch nur eine angedeutete Basis, auf der ich aufbauen könnte.

Und jetzt kommt der Aha-Effekt: Ich habe mich erneut auf die Suche begeben nach den Antworten hinter allem – und fand sie – für mich! – in etwas, was für die einen eine Religion darstellt, für andere esoterischer Quark ist und wieder andere sehen es als Philosophie an.

Ich bin kein Philosoph, kein religiöser Mensch und gegen Esoterik habe ich eine Abneigung entwickelt. Das sollte klar erkennbar sein, wenn man alle Teile dieser Serie gelesen hat.

Ich habe für mich die Michael Teachings entdeckt.

Witzigerweise gibt es auch deutsche Ableger davon, die aber primär darauf ausgelegt sind, dass Leute viel Geld für irgendwelche Channelings ausgeben.

Ich bin hier schon früher drauf gestoßen, konnte damit aber nichts anfangen, da ich allergisch auf eine „bezahl mich, dann gibt’s Erleuchtung“-Masche reagiere. Ich mag mich nicht gerne erpressen lassen. Punkt.

Nachdem ich mich auf einigen Websites (englischsprachig) in diese „Lehren“ eingelesen hatte, habe ich für mich erkannt, dass diese durchweg Sinn ergeben – mehr als das, womit ich mich bisher beschäftigt hatte.

Hier gab (und gibt) es keinen Zwang, irgendwelche Regeln zu befolgen. Es gibt kein „gut“ oder „schlecht“. Im Grunde gibt es nur Erfahrungen, die man macht und durch die man lernt und wächst.

Nahtoderfahrungen ergeben – z.B. in Verbindung mit dem ersten Lucy-Buch von Markolf Niemz – einen Sinn, ebenso wie die Frage „Warum passiert soviel Schlimmes auf der Welt?“ beantwortet wird. Reinkarnationen sind keine Hirngespinste, das Jenseits existiert und außerirdisches Leben ist real, wenn auch nicht so wie es uns Hollywood glauben macht.

Zwei Nachteile hat diese Denkweise jedoch, aber mit diesen kann ich gut leben.

Nachteil 1: auch die Michael-Teachings beantworten nicht ALLES, aber einen sehr großen Teil

Nachteil 2: Man kann die Verantwortung nicht mehr auf andere schieben sondern muss erkennen, dass man selbst Herr seines Schicksals ist, war und sein wird

Die positiven Aspekte jedoch überwiegen für mich und seit einer Hypnosesitzung habe ich auch keine Angst mehr vor dem Tod oder auch nur dem Prozess des Sterbens. Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt (Vorhersagen dieser Art erachte ich als Scharlatanerei) und ob ich doch noch im Lotto gewinne (Zeits wird’s jedenfalls).

Die Aussage innerhalb der Michael Teachings, die mich überzeugt hat, dem Ganzen Glauben zu schenken, war: „Du musst das nicht glauben. Es ist so. Dir passiert weder etwas besonders Gutes, wenn du das hier glaubst, noch wirst du bestraft, wenn du es nicht tust. Du gehst deinen Weg, den du dir selbst ausgesucht hast und du kannst nichts falsch machen, weil alles Erfahrungen sind, die gemacht werden sollen und müssen, weil du es so wolltest. Du lernst aus und von allem.“

Ich will mein Leben leben und alles lernen, was es zu lernen gibt. Ich folge nun mir und meinen Wünschen, meinem Herzen und besinne mich seitdem darauf, was wirklich wichtig ist im Leben.

Das ist nicht immer leicht, wo man doch sein ganzes Leben lang darauf getrimmt wird, gesellschaftskonform zu denken und zu handeln und sich nur allzu gern in sein „Schicksal“ ergibt, sich selbst als Spielball sieht und nicht als Akteur.

Auch hier wird es Leute geben, die mich belächeln oder meine Ansichten anfeinden oder ins Lächerliche ziehen wollen. Aber das gehört dazu.

Ich werde mich weiter über Idioten aufregen und meine Ansichten haben. Ich bin kein anderer Mensch geworden, aber ich habe Antworten gefunden, die mir dabei helfen, den Sinn hinter allem zu verstehen.

Auch wenn’s mir nicht immer passt 😉

Davon wird die Welt nicht besser, aber erträglicher – und es hat sich in mir eine innere Ruhe eingestellt, von der ich gar nicht wusste, dass ich sie vermisst habe. Ich kann mein Gedankenchaos jetzt für mich sinnvoll fokussieren und Erlebnisse einordnen in ein Bild, das ohne Angst gemalt wurde, in eine Zukunft, die ohne Zwang und Unausweichlichkeit auskommt.

Die Entscheidung, Bücher zu schreiben und ein Blog zu erstellen, ist ein Teil davon. Ich habe jahrelang in einem Korsett gesteckt, in dem ich nicht glücklich werden konnte. Nun folge ich dem, was ich schon immer machen wollte und es fühlt sich gut an. Dank meiner Frau bin ich auch dazu in der Lage, ohne auf der Straße zu sitzen und wer weiß, vielleicht inspiriere ich auch den ein oder anderen durch diese Zeilen, meine Bücher oder Diskussionen, die hoffentlich aufkommen, sein Leben zu hinterfragen und einen Weg einzuschlagen, der dem eigenen Selbst gerecht wird…

Es ist nicht leicht, aber es lohnt sich, etwas zu tun statt nur zu warten, dass etwas passiert.

Leben, Sterben, Tod und Jenseits – Teil 3

Religionen sind interessant, Philosophie an sich auch. Aber für mich bot das alles zu wenig „Handfestes“.

Die eigentliche Frage „Woher kommen wir und was soll das alles?“ rückte in einen anderen Fokus. Es ging mir mittlerweile nicht mehr darum, eine allgemeingültige Antwort zu finden, sondern überhaupt erstmal irgendeine, die nicht auf einfachste Weise umgangen werden konnte.

Das klassische Problem, wenn man sich selbst auf die Suche begibt, die schon unzählige Menschen vor einem durchgeführt hatten. Wirkliches Neuland kann man fast gar nicht mehr betreten. Ich wollte auch immer mal Philosophie studieren, doch wozu? Damit ich irgendwann so denke, wie es andere vor mir schon getan haben? Wer nachdenken kann und neugierig ist, der sollte sich unbedingt eigene Gedanken machen und muss keiner „Schule“ irgendeines Philosophen angehören.

Durch meine intensive Beschäftigung mit dem klassischen Allheilmittel „Glaube“, bot sich dieser Ausweg allerdings nicht an und eine nihilistische Denkweise erschien mir ebenfalls als zu einfach – und zu sinnlos im Ergebnis. Alles doof, Zeit absitzen, ist halt so. Nein, danke.

Was liegt da näher, als Religion, Glaube und Wissenschaft zu vereinen?

Die Parawissenschaften versprachen hier Abhilfe und Antworten auf Fragen, die ich mir noch gar nicht gestellt hatte.

Ich habe zig Bücher zu verschiedenen Themen gelesen und bin bei der Prä-Astronautik hängengeblieben. Ein wie ich finde sehr faszinierendes Gebiet im Bereich der Parawissenschaften und auch wenn hier viel Mutmaßung und Fantasie Teil der Basis ist, erklärt und entmystifiziert sie viele Bereiche fast aller Religionen.

Allerdings gibt es auch hier keine Erklärung bezüglich des „Warum“ und „Wohin“. Wenigstens konnte ich ab diesem Zeitpunkt das Thema „Religion“ für mich vollends ad acta legen. Wie gesagt: wenn man anfängt, alles in Betracht zu ziehen, wird entweder alles zum chaotischen Wahnsinn oder eben zum Teil des Puzzles, das somit wächst. Geht es anfangs noch darum, welche Religion „die richtige“ ist, fragt man sich später, ob überhaupt jemand „Recht“ hat, was dahinter steckt und was das alles überhaupt soll.

Für manche mag Religion Antworten beinhalten und Erlösung bieten, aber für mich ist es mehr eine Art Beschäftigungstherapie für Leute, die aufgegeben haben, selbst zu denken – oder es gar nicht erst möchten.

„Opium fürs Volk“, anyone?

Der Schritt hin zur Esoterik war ab hier nicht mehr weit, also tat ich ihn. Warum auch nicht? Etwas auszuschließen ohne es zu prüfen ist ignorant. Man kastriert sich selbst, mauert Türen zu, die man noch gar nicht geöffnet hat, nur weil etwas „nicht sein kann“. Esoterik ist allerdings ein sehr weit gefasster Begriff und ein sehr großes Feld.

Meine Güte, was es hier für Spinner gibt!

Ich war zunächst abgeschreckt, ja fast abgestoßen von den selbsternannten Erleuchteten, den Medien, Geistheilern, Gurus und Sektenfreaks, Barcodedurchstreichern, Lichtessern und Bewusstseinserweiterungsjunkies, die man unweigerlich zuerst trifft, wenn man in das Thema einsteigt.

Schlimm, was sich da alles so getummelt hat – aber sie haben Zulauf ohne Ende. Es scheint also Bedarf zu geben an Antworten, die nirgendwo sonst zu finden sind, egal wie abstrus manche Theorien und Axiome sind.

Nur war hier die Beweisführung noch schwieriger als bei den klassischen Religionen – und meist noch dazu mit sehr hohen Kosten verbunden für Seminare, Beschwörungen, Utensilien und Leitfäden. Warum muss man eigentlich bezahlen, wenn es doch um Liebe, Hilfe und „das größere Ganze“ geht?

Sehr schnell wird einem klar, dass es hier – noch mehr als bei Kirche & Co. – einfach nur um’s Geld geht. Und ein Hinterfragen ist nicht erwünscht. Man wird hier sehr schnell angefeindet und mundtot gemacht und zwar in einer Weise, die die katholische Kirche geradezu ketzerisch weltoffen dastehen lässt. Da fühlte ich mich manchmal direkt in meine Kindheit im „Bible Belt“ zurückversetzt. Fragen? Besser nicht…

Religion – Sackgasse
Philosophie – Sackgasse
Parawissenschaften – Sackgasse
Esoterik – Sackgasse

Ich wollte schon aufgeben, da wagte ich nach einigen Zufällen und Wendungen in meinem Leben ein Experiment…

(Fortsetzung folgt)

Leben, Sterben, Tod und Jenseits – Teil 2

Ja, die Philosophie schien mir der sinnvollere Weg zu sein, Antworten auf meine Fragen zu finden.

Ich befasste mich mit meinen Lieblingen Nietzsche und Schopenhauer und Kant, blieb dann jedoch in der Antike bei Plato und Sokrates hängen.

Normalerweise arbeitet man sich ja in die andere Richtung vor, aber mir ging es um die Ursprünge – und das tut es noch.

Schlussendlich kam ich zu dem Ergebnis, dass auch die Philosophie keine Antworten für mich hat. Sicher gibt es interessante Ansätze für das tägliche Leben und auch „das große Ganze“ wird oft beleuchtet – aber nie erklärte es jemand allgemeingültig. Nicht für mich jedenfalls. Aber das ist ja auch das Grundprinzip der Philosophie: Fragen stellen. Beantwortet werden sie nur selten.

Somit war auch hier dasselbe Problem vorhanden wie bei den diversen Religionen: jeder hatte irgendwie irgendwo ein bisschen Recht, aber keiner konnte oder wollte einem sagen, wie das Bild aussieht, wenn man die Puzzleteile zusammensetzt.

Für einen neugierigen Menschen wie mich ist das SEHR frustrierend.

Ich mag Schopenhauer, ich bin Fan des Höhlengleichnisses und ich mag die Idee des Solipsismus. Machiavelli mag ich (in Teilen) und C.G. Jung hat interessante Ansätze und viele Ideen für Nächte voller interessanter Diskussionen rund um’s Menschsein. Mit Freud bin ich nie warm geworden. Wahrscheinlich geht das auch nicht, wenn man sich zuerst mit Jung befasst hat.

Aber meine Fragen werden immer noch nicht beantwortet. Doch als jemand, der sich für Philosophie interessiert, wird man weitaus eher akzeptiert als jemand, der nach dem Sinn, Ursprung oder Hintergrund von Religionen fragt. Ich habe in dieser Zeit einige sehr interessante Menschen kennengelernt und auch viele neue Verknüpfungen auf gedanklicher Ebene erstellt. Je mehr man forscht, je mehr man weiß, desto eher kann man das eigene Leben, das eigene Sein einordnen, sortieren, erkennen.

Ich kann jedem nur empfehlen, sich über den eigenen Tellerrand hinaus umzusehen und Dinge, die vermeintlich gegeben sind, zu hinterfragen. Gerade wenn man gesagt bekommt oder denkt „das gehört sich nicht“ ist man meist auf dem richtigen Weg.

Mit philosophischem Hintergrund ergeben Religionen einen komplett anderen Sinn – man sieht klarer. Und umgekehrt gilt das ebenfalls. Ein Philosoph, der Religion ignoriert, beschneidet sich selbst – genau wie ein Religionsführer es tut, der kritische Fragen ablehnt. Dann noch etwas Geschichte dazu und schon kann man anfangen, zu versuchen, sich durch den Dschungel zu arbeiten.

Puzzleteile hatte ich also jetzt noch mehr als vorher, aber immer noch keine Antworten.

Somit wandte ich mich den Parawissenschaften zu…

(Fortsetzung folgt)