Claudias House of Love (Joyn)

Wenn man denkt, man hat jeden Mist gesehen und es geht nicht mehr weiter runter mit dem Niveau, kommt ProSiebenSat1 um die Ecke und beweist einem das Gegenteil.

Es mutet fast wie ein Wettkampf zwischen RTL und ProSiebenSat1 an: Wer kann den primitivsten Mist produzieren?

Lieferten sich letztes Jahr Promis unter Palmen, Sommerhaus der Stars und Kampf der Realitystars ein Kopf-an-Kopf-Rennen, legt der Haussender der Weltverbesserer Joko und Klaas auf seinem Streaming-Dienst „Joyn“ mit „Claudias House of Love“ kräftig vor.

Eine Horde halbintelligenter Steinzeitmänner buhlt um die Gunst einer hedonistischen Seniorin. Das Ziel ist klar und sämtliche Kerle tragen in ihren Einspielern unmissverständlich vor, was sie erwarten: Ficken, Sex und Schwanzvergleich. Das macht aber nix, denn Claudia Obert will das so und erwartet dasselbe.

Und so stehen am Ende der ersten Folge die begattungswilligen „Männer“ im Kreis um die greise Samenbank (laut Einblendung 59, sie sagte selbst was von 61…) herum und balzen um die Wette als gäbe es kein Morgen. Eklig, aber dank der Kommentare aus dem Off erträglich. Vielleicht hilft auch Alkohol und Geschrei? Zumindest den Kandidaten scheint es so zu gehen, denn das erste fließt in Strömen, was dann unmittelbar zu zweitem führt.

Ich mag TrashTV, aber Claudias House of Love… naja. Es wird eben viel mit billigen Ausdrücken gearbeitet, die man sonst zu fortgeschrittener Stunde im Karneval hört. Aber der fällt ja dieses Jahr wohl aus, somit füllt der/die/das Sender:_*innen ProSiebenSat1 auf Joyn schon eine Lücke im Prollsegment.

Mal schauen, wie die RTL-Group kontert. Bis dahin beschreibt das Zitat des Off-Sprechers meinen Eindruck ganz gut, auch wenn ich es aus dem Kontext reißen musste:

„Geh‘ mir nicht auf den Sack mit deinem Pimmelgeschenk!“

Wer stiehlt mir die Show?

Ich kann es nicht. Ich hab’s versucht, es geht nicht. Ich mag TrashTV – da stehe ich zu. Aber das hier? Sorry, primitiver gehts kaum in meinen Augen.

Eine Show, in der man die Show gewinnen kann, damit dann beim nächsten Mal ein anderer die Show gewinnen kann. Toll. Spannend. Nicht.

Aber gut, Joko Winterscheidt steht ja nun nicht gerade für qualitativ hochwertige Unterhaltung. Braucht er auch nicht (mehr) bei geschätzten 12 Millionen Euro Vermögen. Abgesehen davon müssen ja auch Sendeplätze gefüllt werden und außer Joko & Klaas hat Pro7Sat1 ja auch nicht viel anzubieten.

Mit jeder Show dieser Art wünsche ich mir Stefan Raab ein Stückchen mehr zurück. Seine Shows liefen noch am Wochenende und man hat gerne zugesehen. Heute gibts langweiliges und zähes a la „Schlag den Star“ – und eben „Wer stiehlt mir die Show?“.

Ich hab mir diesen billigen Murks bis zur ersten Werbung angetan – meiner Frau zuliebe. Immerhin schaut sie mit mir auch TrashTV wie „90 Tage“ oder „Sommerhaus der Stars“. Verglichen mit dem neuesten Erguss von Joko W. sind das jedoch Sternstunden der Unterhaltung. Langweilige Fragen, die jeder Grundschüler beantworten können sollte („Welchen Ozean überquert man, wenn man auf direktem(1) Weg von Hamburg nach New York fliegt?“), und seichte Partyspielchen bilden die Basis für über 2 Stunden … was? Spaß? Spannung? Unterhaltung?

Wenn dann Joko bei der Erklärung der Regeln von „Kandidat:*innen“ (inkl. Schluckproblempause) gendert und dem Zitat aus einem Xavier Naidoo-Song vorausschickt „Jetzt muss ich leider einen stadtbekannten Vollidioten zitieren“, weiß man, was man auch in Zukunft von Multimilionär Winterscheidt zu erwarten hat. Schade, denn die Nicht-Team-Editionen von Duell um die Welt habe ich gerne geschaut. Ich möchte mich aber nicht – auch nicht durch die Blume – erziehen lassen. Wer gendert, wird ignoriert. Wer beleidigt (nicht mit Satire verwechseln, auch wenn das heute gerne gemacht wird), wird ignoriert. Ich brauche solche Menschen nicht in meinem Leben oder in den Sendungen, die ich schaue. Dafür gibts ja Gottseidank den Umschaltknopf 😁

Schade finde ich aber, dass sich der/die/das Kandidat/en:*innen Thomas Gottschalk und Elyas M’Barek auf dieses Niveau begeben haben. Da wäre Promis unter Palmen oder das Dachungelcamp besser gewesen.