Die Festspiele der Reality Stars – Wer ist die hellste Kerze? (SAT1)

Die letzte „Staffel“ hatte ich abgebrochen und verdrängt. So gut, dass ich mir diesen Müll, den ProSiebenSat1 da verbricht, erneut angetan habe. Letzte Woche.

Eigentlich hätte sich mein Hirn schon bei der nervig penetranten Stimme der Urtunte „Olivia Jones“ melden und mich vorm Weiterschauen warnen müssen. Hat es nicht getan. Wie auch? Die Selbstschutzfunktion besteht bei mir darin, Gesehenes zu vergessen. Das hat Vorteile, aber eben auch Nachteile, weil ich mir manches mehrmals antue, einfach weil ich nicht mehr weiß, wie grottenschlecht es war.

Ich wollte auch gar nicht drüber schreiben. ProSiebenSat1 ist sowieso kein Favorit meinerseits mehr, seitdem diese Anstalt dazu übergegangen ist, sich entweder über Konkurrenten erheben oder die Bevölkerung mit ihrem stupiden Gendergeschwurbel und Ideologiepropagandamist erziehen zu wollen.

Als ich gerade via Zappen nachgeschaut habe, was so im TV läuft (normalerweise schauen wir nur noch Streaming und „90 Tage“ auf TLC, sonst nix), blieb ich kurz bei der heutigen Ausgabe dieser „Show“ hängen.

Ich mag Trash TV. Aber – abgesehen von Olivia Jones, der/die/das in Hamburg doch wesentlich besser aufgehoben ist als im TV – wenn ich dann Lisha und Lou als „Kandidaten“ sehe, die bei ProSiebenSat1 eine neue Heimat gefunden zu haben scheinen, wird mir schlecht.

Das ist kein Trash TV, das ist eine Beleidigung und ein hofieren von Tätern. Ganz schwache Leistung, gerade von dem Sender, der sich so stark moralisch über alle erheben möchte.

Dieses asoziale Mobberpack aus der Gosse hat einfach keine Plattform mehr verdient! Aber Sat1 scheint ein Herz für Täterinnen zu haben, sonst würden sie diese Personen ja nicht beschäftigen. Wer also Asozialität, Hass und Mobbing unterstützen möchte, kann sich „Die Festspiele der Reality Stars – Wer ist die hellste Kerze?“ auf Sat1 bedenkenlos anschauen.

🤮

Claudias House of Love (Joyn)

Wenn man denkt, man hat jeden Mist gesehen und es geht nicht mehr weiter runter mit dem Niveau, kommt ProSiebenSat1 um die Ecke und beweist einem das Gegenteil.

Es mutet fast wie ein Wettkampf zwischen RTL und ProSiebenSat1 an: Wer kann den primitivsten Mist produzieren?

Lieferten sich letztes Jahr Promis unter Palmen, Sommerhaus der Stars und Kampf der Realitystars ein Kopf-an-Kopf-Rennen, legt der Haussender der Weltverbesserer Joko und Klaas auf seinem Streaming-Dienst „Joyn“ mit „Claudias House of Love“ kräftig vor.

Eine Horde halbintelligenter Steinzeitmänner buhlt um die Gunst einer hedonistischen Seniorin. Das Ziel ist klar und sämtliche Kerle tragen in ihren Einspielern unmissverständlich vor, was sie erwarten: Ficken, Sex und Schwanzvergleich. Das macht aber nix, denn Claudia Obert will das so und erwartet dasselbe.

Und so stehen am Ende der ersten Folge die begattungswilligen „Männer“ im Kreis um die greise Samenbank (laut Einblendung 59, sie sagte selbst was von 61…) herum und balzen um die Wette als gäbe es kein Morgen. Eklig, aber dank der Kommentare aus dem Off erträglich. Vielleicht hilft auch Alkohol und Geschrei? Zumindest den Kandidaten scheint es so zu gehen, denn das erste fließt in Strömen, was dann unmittelbar zu zweitem führt.

Ich mag TrashTV, aber Claudias House of Love… naja. Es wird eben viel mit billigen Ausdrücken gearbeitet, die man sonst zu fortgeschrittener Stunde im Karneval hört. Aber der fällt ja dieses Jahr wohl aus, somit füllt der/die/das Sender:_*innen ProSiebenSat1 auf Joyn schon eine Lücke im Prollsegment.

Mal schauen, wie die RTL-Group kontert. Bis dahin beschreibt das Zitat des Off-Sprechers meinen Eindruck ganz gut, auch wenn ich es aus dem Kontext reißen musste:

„Geh‘ mir nicht auf den Sack mit deinem Pimmelgeschenk!“

Hochzeit auf den ersten Blick

Das Finale. Endlich. Diese Staffel war für mich kaum zu ertragen. Ein einziges Paar hat sich erwachsen verhalten. Eine recht schlechte Bilanz für die „Experten“ des Matching-Teams.

Woran lag es nun, dass nur ein einziges Paar wirklich glücklich wurde nach all den Monaten? Wer die Staffel verfolgt hat, weiß wieso. Auch Twitter, Instagram und Facebook sind sich da ausnahmsweise mal einig: bei allen Paaren haben die Frauen verkackt.

Aber: bei dem einzig „funktionierenden“ Paar hat ebenso die Frau dafür gesorgt, dass es klappt und ihrem Mann Sicherheit gegeben, so dass er sich ändern konnte. Und auch sie selbst hat sich angepasst. Beide haben geredet und gearbeitet – zusammen, miteinander, füreinander.

Dagegen lief es bei Daniela, Lisa, „Emma“ oder Wiebke richtiggehend kindisch ab. Der jeweilige Kerl war zu kalt, zu emotional, zu lieb, zu nett, zu nah, zu wenig Kerl, zu ängstlich, zu langweilig, zu tätowiert, zu unsexy im Schlafanzug oder zu sonstwas. In jeder Folge wurde über den jeweiligen Ehemann hergezogen und sich beschwert, dass ER sich gefälligst ändern müsste, dass ER nicht genug auf SIE eingeht, dass ER zu sehr auf SIE eingeht, dass ER Höhenangst hat, dass ER zu verliebt ist, dass ER zu emotional ist und dass ER zu rational ist. Alles gleichzeitig natürlich. Hat der Ehemann dann versucht, an sich zu arbeiten, war er ein Weichei, hat ER vorsichtig (!) angemerkt, dass SIE auch etwas tun könnte, war er ein Machoschwein 🤷🏼‍♂️

Alles, was diese „Damen“ dort gefordert haben, dürfen sie gerne verlangen. Nur müssen sie dann damit leben, dass kein lebender Mensch diese Anforderungen (auf Dauer) erfüllen kann. Was aber auch nicht schlimm ist, denn dann hat der Mann Schuld, schließlich muss ER ja auf SIE Rücksicht nehmen und Kompromisse eingehen. Selbst mal zurückstecken oder an sich arbeiten wurde nicht einmal in Erwägung gezogen, und somit war das Finale recht vorhersehbar. Lustig waren auch die „Gründe“, die angeführt wurden. Oberflächlich bis zum Anschlag. Arroganz deluxe. Wer etwas will sucht Wege, wer etwas nicht will sucht Gründe 🤷🏼‍♂️🤦🏼‍♂️

Wenn man in einer Partnerschaft ist und man vom anderen nur verlangt ohne selbst was zu geben, funktioniert es nunmal nicht. Es mag bequem erscheinen und so ganz ohne Verantwortung schläft sich‘s bestimmt auch entspannt, aber dann muss man auch damit klarkommen, dass man nie eine funktionierende Partnerschaft oder gar eine Ehe haben wird.

Es geht um ein stetes Geben und Nehmen. Allerdings haben Daniela, Lisa, Emma (Emily) und Wiebke das wohl etwas missverstanden. Wenn einer immer nur nimmt und der andere nur gibt, ist das pubertär, egoistisch und asozial. Forderungen stellen, Verantwortung ablehnen, Schuld nur bei anderen suchen – das machen 5jährige – oder eben die Damen (bis auf eine oder zwei Ausnahmen) der aktuellen Staffel von „Hochzeit auf den ersten Blick“.

Daniela hat dann, wie abzusehen war, den Vogel abgeschossen mit ihrem Dramaauftritt, als sie von allen – inklusive den „Experten“ – gesagt bekommen hat, was für ein oberflächliches Kind und schlichtweg noch gar nicht reif für eine Beziehung außerhalb des Sandkastens sie ist. In ihrer Welt war René der Schuldige. Punkt. Alle anderen Meinungen sind falsch – und da musste eben geheult werden. Wie das berühmte Kind an der Supermarktkasse

Emily hat selbstverständlich alles auf ihren Robert abgewälzt, während dieser stets mehr als deutlich signalisiert hat, dass er an der Beziehung arbeiten wollte. Dabei kann man ganz gut sehen, ab wann sie keinen Bock mehr hatte, nämlich als Robert während der Hochzeitsreise sagte, dass er unter Höhenangst leidet. Ab diesem Zeitpunkt war klar: das wird nix. Damit kann sie nicht umgehen. Sie hat Fehler, aber der Partner muss die eben akzeptieren, während sie bei allem Perfektion verlangt hat.

Wiebke kämpfte mit ihrem Kreislauf… und hat ebenfalls für ihren Mann mitentschieden. Selten habe ich einen so kalten Auftritt gesehen und alles, was man am Anfang an Positivem im TV sehen konnte, hatte sie in der Finalsendung so gedreht, dass ER der Böse war. Da frage ich mich immer: die wissen doch, dass das gefilmt wird – warum versuchen die dann noch, etwas Gegenteiliges zu behaupten? Die Trennung von Norbert und Wiebke lief eher ab wie ein Kündigungsgespräch. ER zeigte Gefühle und wirkte erwachsen, emotional und realistisch; SIE führte nur an, was er angeblich alles falsch gemacht hat und warum sie gar nicht anders kann, als sich zu trennen. Wiebke war dann auch die zweite Ehefrau, die die Location nach der Entscheidung verließ. Feige und respektlos, egal welche Ausrede man vorbringt.

Bei Annika und Manuel dachte man zunächst nicht daran, dass das was werden könnte, doch die beiden haben – auf Drängen ohne dauerndes Zwängen von Annika – miteinander geredet, waren ehrlich und haben erkannt, dass sie aufeinander zugehen müssen, wenn das funktionieren soll. Man muss sich öffnen und Vertrauen schaffen. Die beiden haben miteinander geredet und nicht mit Vorwürfen gearbeitet. Es ginge besser, aber für diese Situation war das eine gute Leistung und beide scheinen ja glücklich zu sein.

Lisa und Michael bleiben Freunde. ER hat diesen Vorschlag gemacht, weil sie sich sichtlich unwohl gefühlt hat bei so ziemlich allem und ihn das hat spüren lassen. Allerdings wurde da auch nicht konstruktiv miteinander geredet, sondern unterschwellig gefordert und beschuldigt. Tödlich für eine Partnerschaft. Hier muss man aber sagen, dass die Entscheidung für eine Freundschaft die Spannung und den Druck rausgenommen hat. Vielleicht wird’s ja noch was, wenn beide irgendwann reif genug sind.

Ich finde das Ergebnis in der Summe traurig und kann nur hoffen, dass diese Staffel nicht repräsentativ für unsere derzeitige Gesellschaft ist. Verhaltensweisen wie wachsender Egoismus, Rechte fordern ohne Pflichten zu haben und dieses Denken, dass sich alle anderen ändern sollen, damit man selbst ein leichtes Leben hat, sind zwar „in“, aber letztendlich nicht zielführend. Stärke wird mit Sturheit verwechselt, Selbstkritik ist Schwäche und wer nachgibt hat schon verloren.

Als ginge es um Leben und Tod, als wären diese Frauen im Krieg und es ginge darum, den jeweiligen Ehemann zu „besiegen“.

Naja. Glücklicherweise kann man eine Ehe auch beenden. Vielleicht lernen (Lisa), Daniela, Wiebke und „Emmaly“ irgendwann noch, dass sich die Welt nicht nur um sie dreht und dass der Grund, warum sie immer noch und wieder Single sind, ihr Verhalten, ihre Denkweise, ihr Egoismus ist. Interessant war ja auch, dass die vier das Fehlverhalten bei den anderen Frauen durchaus gesehen und auch negativ kommentiert haben. Dass sie selbst genauso gehandelt hatten, haben sie allerdings nicht erkannt. Selbstreflexion kann eben nicht jeder…

Ich wünsche den Männern – die sich durchweg sehr (!) ins Zeug gelegt haben und sich sogar massiv ändern wollten (langfristig ein fataler Fehler) um es ihrer Ehefrau recht zu machen – alles Gute und auch, dass sie eine richtige – DIE richtige – Frau finden. Eine, die nicht nur verlangt oder will, sondern sie so nimmt, wie sie sind. Eine Frau, die weiß, was eine langfristige Partnerschaft ausmacht, nämlich gegenseitige Rücksichtnahme, Respekt, Vertrauen, ein Miteinander und ehrliche Kommunikation. Eine Partnerin auf Augenhöhe, die den Mann nicht nur als jemanden ansieht, der ihr zu Diensten zu sein hat und funktionieren muss ohne jegliche Ansprüche. Männer und Frauen sind keine Feinde, keine Gegner. Wer auch nur im Ansatz so denkt, sollte sich von ernsthaften Beziehungen fern halten – den potenziellen Partnerinnen und Partnern zuliebe.

Hochzeit auf den ersten Blick hat mir somit mehr als deutlich gezeigt, wie glücklich ich sein kann, dass meine Frau und ich uns gefunden haben ❤️