Paketboten im Netflixzeitalter

Ist das bei euch auch so?

Also dass Paketboten extrem nervig geworden sind..?

Klar, der Job ist nichts, was ich gerne machen würde. Gerade Sub-sub-subunternehmer verdienen auch kaum was, haben extremen Zeitdruck und lange Tage. Allerdings werden sie auch nicht gezwungen, diese Arbeit zu machen. Solange es Leute gibt, die für einen Hungerlohn arbeiten, solange wird es Hungerlöhne geben. Eigenverantwortung und so…

Deswegen habe ich auch kein Mitleid und bestehe darauf, dass die Leute ihre Arbeit machen – oder sich was anderes suchen, wenn sie das nicht wollen.

Die DPD-Aktion letztens war nur eine unter vielen. In der supertollen und extrem effektiven Lockdownzeit – also seit über einem Jahr – boomt der Onlinehandel und in der Konsequenz auch die Lieferdienste.

Mehr Arbeit, mehr Druck, mehr Stress und weniger Zeit. Ach Gott.

Was mit aber aufgefallen ist: die Leute nerven mittlerweile. Früherklingelte der Paketmensch, man hörte das, stand auf, ging zur Tür, öffnete selbige – ggf. mit Türöffner – und nahm das Paket entgegen.

Heute klingelt die Pakettante, man hört das, es klingelt erneut, man steht auf und noch bevor man die Tür (oder den Öffner) erreicht, klingelts nochmal. Mit Glück jedenfalls. Oft hört man nur noch den Briefkastendeckel und sieht den Paketfutzi davonhecheln.

Klar. Durch Netflix & Co. haben wir ja gelernt, dass jeder Mensch direkt neben der Haustür schläft, isst, wartet. Somit kann man natürlich innerhalb von 4 Sekunden die Tür öffnen. Tut man dies nicht, ist man nicht da. Zeit ist Geld, Serien sind Realität.

Ich persönlich sitze im Wohnzimmer. Wenn’s klingelt, gehe ich umgehend zur Tür. Das dauert keine 20 Sekunden (inkl. Hund wegschicken) und dürfte recht schnell sein. Doch für die Paketinatoren ist das wohl zu lang…

Man kann’s aber auch wie der o.a. DPD-Typ machen und einfach behaupten, man hätte geklingelt oder geliefert. Da spart man noch mehr Zeit. Gut, man ist auch seinen Job los, aber der ist ja eh zu schlecht bezahlt – weils genug Dödel gibt, die das unterstützen, indem sie da arbeiten.

Sucht euch doch einen richtigen Job. Einen, der euch mehr liegt und wo ihr nicht anderen Menschen auf die Nerven gehen könnt.

Entweder richtig oder gar nicht!

Und bitte: Netflix ist nicht die Realität. Nur weil da innerhalb von 4 Sekunden die Haustür geöffnet wird, ist das nicht realistisch. In den Filmen und Serien geht auch nie jemand kacken…

Meine Fresse…!

KBV – Keine besonderen Vorkommnisse (TVNow)

Kennt noch jemand den Film „Der Eisbär“ mit Til Schweiger aus 1998?

Ich mochte den. Der Humor war klasse, man konnte die (meisten) Schauspieler verstehen. Vollgepackt mit Sarkasmus und nicht so gezwungen lustig oder krampfhaft korrekt. Ok, als deutsche Produktion musste natürlich irgendwas Trauriges oder vermeintlich Tiefgründiges dabei sein. Einfach nur Action oder Comedy können wir wohl nicht.

Aber wie dem auch sei: KBV erinnert mich sehr an „Der Eisbär“, was die Atmosphäre und den Humor betrifft. Da es aktuell ja sowieso kaum lustige Serien im TV oder im Streaming gibt, „musste“ ich das ausprobieren.

Also tat ich es… und wurde bisher nicht enttäuscht! Ich habe lange nicht mehr so gelacht bei einer Serie. Bei einer deutschen schon gar nicht. 2 Polizisten observieren in Hamburg. Das war eigentlich schon das Wichtigste.

Bevor ich lange Reden schwinge (oder ist’s dafür schon zu spät?), hier mal der Trailer. Man bekommt genau das, was er verspricht.

Die Miniserie besteht aus 6 Folgen. Ich kann nur hoffen, dass sie fortgesetzt wird 😁

Star Trek: Lower Decks (Amazon Prime)

Ich war ja etwas skeptisch muss ich zugeben. Nach dem grottigen Woke-Murks „Discovery“ hatte ich echt Bedenken, was eine neue Star Trek-Serie betrifft. „Picard“ lasse ich mal außen vor, da ich diese Serie eher als Hommage ansehe, auch wenn sie der Figur Picard nicht gerecht wird.

Aber ST:LD ist gar nicht schlecht. Im Grunde halte ich die Serie für eine Mischung aus „The Orville“ und „Rick & Morty“. Es gibt herrlich viel Zynismus und Sarkasmus, das Tempo ist relativ hoch, so dass keine Längen entstehen. Die Geschichten sind zu Angfang noch recht oberflächlich, aber gut. Wirklich tiefgründig war Star Trek zum Start einer Serie noch nie.

Negativ aufgefallen ist mir zum einen die doch recht billige stereotypie, was aber heutzutage wohl „hip“ ist. So ziemlich jeder Mann in ST:LD ist entweder grenzdebil, asozial, gewalttätig oder ein nervliches Wrack. Die weiblichen Charaktere dagegen sind stets vernünftig, witzig, intelligent und selbstverständlich scharf auf geil aussehende Begattungsopfer. Sexismus halt. Aber die „gute“ Sorte… 🤦🏼‍♂️🤷🏼‍♂️🤮

Die zweite Sache, die ich einfach mal auf miese Sprachkenntnisse der Übersetzer schiebe, ist die… naja… Übersetzung eben. Die Synchronisation ist handwerklich recht gut, aber wer „actual“ mit „aktuell“ übersetzt und den Unterschied zwischen „der Schild“ und „das Schild“ nicht kennt, sollte sich einen anderen Job suchen. Ich reagiere allergisch auf solch grobe Fehler. Im professionellen Bereich darf sowas einfach nicht vorkommen.

Lässt man das außen vor bzw. sieht darüber hinweg, wird man gut unterhalten. Mit Star Trek an sich hat die Serie aber nicht viel zu tun! Ich freue mich dennoch auf die nächsten Staffeln – sofern die Macher die Kurve kriegen.

Ergänzung 7 Stunden später: Mit der Meinung stehe ich wohl nicht alleine da, wenn ich mir diverse Rezensionen ansehe. Find ich gut. Das ewige Männerbashing und Gehetze irgendwelcher Woke-Kasper*:/_innen nervt – abgesehen von Twitter natürlich – immer mehr normale Menschen. Insofern: Danke, Amazon 😁👍🏻

Apple TV+ und Ted Lasso

Ich war skeptisch – wie immer. Auch weil ich Apple TV+ nie als Streamingdienst in Erwägung gezogen habe. Es gab kaum was, was mich dort interessiert hat und mit Disney+, Amazon, TV Now und Netflix waren wir mit allem versorgt, was man so (nicht) braucht.

Nun ist es aber so, dass Apple TV+ für ein Jahr kostenlos angeboten wird, wenn man sich ein neues Apple-Gerät zulegt. Das war auch schon zu iPhone 11-Zeiten der Fall, doch erst kürzlich haben wir dieses Angebot wahrgenommen, nachdem wir Netflix gekündigt hatten.

Für mich gibts auf Apple TV+ nur 2 Serien, die sich lohnen. Das ist zum einen die Neuauflage von Amazing Stories und zum anderen eben Ted Lasso, wobei man sagen muss, dass alle Eigenproduktionen von Apple sehr hochwertig gemacht sind – nur treffen sie eben nicht meinen Geschmack.

Meine Frau mag noch The Morning Show, was mit wiederum nicht so zusagt, das aber nur am Rande.

Mythic Quest: Raven‘s Banquet habe ich mir für 5 Folgen angetan in der Hoffnung, dass es irgendwann bessernder wenigstens lustig wird. Aber es blieb langweilig, stereotyp und naja… eben nicht gut.

See mit Jason Momoa fand ich vom Setting her interessant, aber der Funke wollte nicht überspringen. Auch weil nicht klar ist, worum genau es im weiteren Verlauf der Serie gehen soll. Mir war recht schnell egal, wie es weitergeht, also gab es keinen Grund, die Serie weiter zu schauen.

(c) www.apple.com

Bei Ted Lasso allerdings waren meine Frau und ich uns schnell einig: das wollen wir sehen! Eine Comedy-Serie über einen amerikanischen Football-Coach, der eine Premiere-League-Fußballmannschaft in Großbritannien trainieren soll. Obwohl Fußball für mich so ziemlich das Langweiligste ist, das man sich anschauen kann und mich das Thema so gar nicht interessiert, finde ich die Serie super.

Ich muss aber auch eine Warnung aussprechen: Ted Lasso versorgt den Zuschauer mit positiver Energie und guter Laune. Ungefragt – und in Massen! Es ist fast schon schmerzhaft. Der Kerl ist das Ideal eines Optimisten und im Laufe der Serie steckt er jeden Menschen in seinem Umfeld damit an. Dabei wird er nie kitschig oder albern. Ganz ehrlich: die Welt braucht mehr Serien dieser Art. Dass die Serie schon Tage nach dem Start der ersten Staffel verlängert und mittlerweile eine dritte Staffel bestellt wurde, freut mich sehr.

Dafür hat sich das kostenlose Jahr Apple TV+ auf jeden Fall gelohnt. Wer also noch die Möglichkeit hat, dieses Angebot wahrzunehmen und mal was Lustiges und Positives zu sehen, ohne dauernd der Moralkeule ausweichen zu müssen, macht nichts falsch mit Ted Lasso. Schade ist nur die geringe Anzahl an Episoden pro Staffel, doch das ist ja eine Unsitte, die mit den Eigenproduktionen von Netflix und Amazon Einzug in die Serienwelt gehalten hat. Heute muss man froh sein, wenn man pro Staffel mehr als 8 Folgen zu sehen bekommt… aber das ist ein anderes Thema.