Urlaubsverhalten

Fahrt ihr auch gerne weg? Mal raus aus dem Alltagstrott? Weg aus dem Bekannten, hin ins Neue, Fremde, Aufregende? Oder geht’s eher in die Bettenburgen, zu den großen Anlagen oder in Ferienparks, wo man schön unter sich bleibt und das schöne Wetter genießt?

Urlaub in dem Sinne kannte ich bis vor ein paar Jahren gar nicht. Wofür auch? Um in irgendeinem Land am Pool oder Strand rumzuliegen, bis der Tag der Abreise kommt oder jeden Abend im Restaurant zu essen und ansonsten eine Woche mit teuren Ausflügen oder im Hotelzimmer zu warten, bis man wieder nach Hause kann? Nee. Das alles kann ich auch haben, ohne erst wegfahren oder -fliegen zu müssen. Zum Schlafen und Nichtstun muss ich kein Geld ausgeben.

Das änderte sich erst, als ich etwas älter wurde. Ich bin immer noch kein Freund von „2 Wochen All-inclusive in Side für 159€!!!!“ oder „Unvergessliche Kreuzfahrt im westlichen Mittelmeer für nur 1299€ in der Innenkabine!!!!“. Ich mag sowas einfach nicht. Wie ich immer sage: Wenn für etwas Werbung gemacht wird, ist es unsinnig. Und mein Urlaub soll nicht unsinnig sein.

Ich möchte nicht abgefertigt werden, durchgeschoben in endlosen Schlangen, vorgekarrt mit Bussen durch irgendwelche Ruinen, die man gefälligst in 20 Minuten allumfassend erkunden muss. Mit Bändchen am Arm zur Bar schlurfen und billigen Alkohol in sich hinein schüttend auf das Ende des Tages warten, um sich dann früh genug eine Liege zu reservieren und der Erste am Büffet zu sein, damit man noch was vom wässrigen Rührei abbekommt.

Horror!

Ich bin gerne Tourist, ja. Aber ich wehre mich dagegen, ein typischer Tourist zu sein!

Pauschalurlaube fallen also flach. Mit Hund ist das alles sowieso nochmal was anderes. Wie zuletzt „mal eben“ in den Flieger hüpfen und Schweden mit dem Mietwagen erkunden – das geht nicht mehr so leicht. Ich hab’s hier noch nicht erzählt, aber dieser Urlaub war – neben Island – einer der schönsten Trips, die ich erleben durfte. 6 Wochen später trat allerdings Schika in unser Leben. Und dann noch Corona… naja. Urlaub im Sinne von „wegfahren“ ist somit eh erstmal gegessen.

Aber schon vor Schika habe ich – haben wir – lieber individuell gebucht. Klar ist das mehr Aufwand, aber wir sind auch flexibel. Wir können genau das buchen, was wir brauchen und wollen, sind an keinen Anbieter gebunden, müssen nicht Teil einer Herde sein, die dem Mann oder der Frau mit dem Fähnchen durch historische Stätten folgt, müssen nicht an Tag X zu Uhrzeit Y an Ort Z sein, um den Bus zu erwischen. Wir können alles in unserem Tempo erkunden – und genau darum geht es uns.

Wir sind Touristen, die wissen wollen, wie das jeweilige Land, die Leute, das dortige Umfeld „tickt“. Wir wollen die anderen Kulturen und Lebensweisen entdecken, mitmachen, erleben und nicht eine Fassade vorgesetzt bekommen, die doch nur darauf abzielt, einem noch mehr Kohle aus der Tasche zu ziehen. Potemkinsche Dörfer, die beim kleinsten Blick abseits der Vorgabe umfallen, keiner Frage standhalten. Künstlich aufgehübschten Orten, die nur toll aussehen sollen – oder eben so, wie der Tourist es erwartet.

Deswegen fahren wir mit dem Auto, auch wenn’s mal ein paar Stunden dauert. Ob in die Alpen (oh, das muss ich auch noch schreiben, da waren wir mit Schika) oder an unser Lieblingsziel Zeeland. Ob nach Prag, Südfrankreich oder einfach nur mal in die Eifel. Hauptsache NICHT in ein typisches Touristenziel und wenn doch, dann nicht in der Hauptsaison und auf keinen Fall in ein Hotel oder ähnliches. Nach Möglichkeit suchen wir uns private Unterkünfte, schon alleine wegen Schika. Wir versorgen uns selbst, gehen im örtlichen Supermarkt einkaufen, reden (entgegen meiner sonstigen Prämisse des Schweigens) mit den Einheimischen und genießen „das Andere“.

Als ich das erste Mal vor über 15 Jahren in Schweden war, habe ich das auch so gemacht. Es war mein erster „echter“ Urlaub. 3 Tage. Aber ich war eben noch nie da oben und Ryanair bot billig Flüge an. Warum also nicht? Im Supermarkt in Nyköping traf ich am Kühlregal eine deutsche Auswanderin, die dort seit 12 Jahren als Deutschlehrerin arbeitete. Ich kam mit ihr ins Gespräch und beschloss spontan, ihr Angebot anzunehmen, mich durch das Städtchen zu führen. Sie erzählte mir viel über die Geschichte der Stadt, über Schweden, die Beziehungen zu Dänemark und Norwegen. Es war interessant und informativer, als jede Tour, die man für teures Geld buchen kann.

Was ich gar nicht leiden kann sind Leute, die sich im Urlaub wie die Axt im Walde, fast schon wie Tiere verhalten in meinen Augen. Ganz ehrlich: auch wenn ich für Unterkunft, Verpflegung, Urlaub zahle, bin ich dadurch nicht Gott, nichts besseres als die Gastgeber. Wenn ich Gast bin, verhalte ich mich auch wie ein Gast und nicht wie jemand, dem alles gefälligst zusteht und wo der Gastgeber zu kuschen hat, wenn er schon so doof ist und uns einlädt. Der Gastgeber kann ja nix außer mich zu bespaßen, sonst würde er das nicht machen. Also soll er gefälligst für meine Unterhaltung sorgen! TANZ, SKLAVE!

Widerlich.

Wie damals in Irland, County Kerry, Killarney – ebenfalls vor Schika, noch vor dem ersten eigenen Hund sogar. Ein nettes Guesthouse am Stadtrand bei einer sehr netten irischen Familie, die sehr um das Wohl der Gäste bemüht waren. Großzügige Zimmer, liebevoll eingerichtet, nette Menschen, hilfsbereit und kein bisschen aufdringlich. Dort war noch eine andere Familie untergebracht, die ich umgehend als Deutsche identifiziert habe. Es war kaum zu übersehen. Nein, das ist falsch. Es war nicht zu überhören. Als Tourist fällt man optisch immer irgendwie auf, aber die Sprache verrät uns dann endgültig und unmissverständlich.

Beim Frühstück wurde gemäkelt (mache ich auch, wenn’s wirklich schlecht ist, aber ich sage das den Gastgebern direkt und ruhig), man machte sich über die „komische Sprache“ (irisch) lustig und über das „Gehopse“ in einer der Riverdance-Shows, die dort an allen Ecken gezeigt werden. Natürlich war es eine Frechheit, dass man „keinen anständigen Kaffee“ bekam! 5 Tage Gemecker dergestalt, dass die Iren zu blöd zu allem sind und wie geil man doch selbst ist.

Ich habe mir ab da so viel Mühe gegeben, dass ich möglichst niemals als deutscher Tourist im Ausland enttarnt werde. Ich möchte nicht mit solchen Leuten in einen Topf geworfen werden!

Auch im Disneyland Paris habe ich deutsche Touristen 10 Meilen gegen den Wind „gerochen“ und das meiner Frau auch gesagt. Möglichst Abstand halten, bloß nichts ins Gespräch kommen mit denen. Aber „die“ waren sowieso damit beschäftigt, sich mit dem Kinderwagen überall vorzudrängeln und konsequent Anweisungen auf Deutsch zu plärren. Mitten in Frankreich. Aber als Tourist ist das scheinbar ok. Nur in Deutschland soll man gefälligst Deutsch reden, ne?

In den Niederlanden, wo wir sehr gerne Urlaub machen, abseits von Ferienparks oder Hotelanlagen und außerhalb von Saison und Partyzeit, geht’s etwas besser. Doch auch dort trifft man immer wieder Leute, die es als selbstverständlich ansehen, dass die Menschen, die dort leben, sie beherbergen und verpflegen und auf das deutsche Geld „angewiesen“ sind, auch ja alles zu deren Zufriedenheit zu erledigen haben. Natürlich wird erwartet – noch nichtmal verlangt, sondern erwartet! – dass alle Niederländer deutsch sprechen. Gefälligst! Eine Frechheit ist das, wenn das mal nicht so ist!

Da wird auf Deutsch bestellt, geschimpft, gefragt und der arme Einheimische versucht zu erklären, dass er nichts versteht. Egal, der lebt von mir, der hat dann eben zu lernen. Immerhin bin ich Gast und als Gast muss ich GAR NICHTS! Nur die anderen müssen! Jetzt! Sofort! SEI MIR ZU DIENSTEN, UNTERMENSCH!

Man kann doch wenigstens versuchen, Englisch zu lernen. Nicht viel, aber doch ein bisschen. Es ist nicht schwer, es kostet nichts. Es hilft aber ungemein. Es hilft dabei, sich verständlich zu machen und nicht als arroganter Ausländer aufzutreten. Man kann sich mal in die Gastgeber hineinversetzen, nett sein, Rücksicht nehmen – auch und gerade als Gast! Man kann nicht nur verlangen und erwarten, sondern auch mal was dafür tun, dass der Aufenthalt angenehm wird. Wald, Echo und so.

Ich versuche vor jedem Auslandsaufenthalt (dazu zähle ich übrigens auch Bayern ;-D) zumindest die Grundlagen der jeweiligen Sprache zu lernen, damit ich verstehe, was auf den Schildern oder auf Speisekarten oder im Supermarkt so steht, wie man etwas ausspricht, wenn ich ansonsten auf Englisch kommuniziere. Ich gehe niemals (!) davon aus, dass mein Gegenüber automatisch Deutsch spricht. Warum auch? Kann ein Japaner, Schwede, Franzose, Spanier, Russe erwarten, dass Deutsche in Touristengebieten die jeweilige Sprache sprechen? Warum sollte das umgekehrt so sein?

Ich sehe es als Zeichen von Respekt, wenn man zumindest „Hallo“, „Tschüss“, „Ja“, „Nein“, „Bitte“ und „Danke“ in der jeweiligen Landessprache beherrscht. Das ist doch nicht viel, was man da machen muss. 6 Worte sollte sich jeder merken können und sie können einen sehr großen Unterschied machen. Ich möchte das jeweilige Zielland erleben – und ich möchte, dass mich die Gastgeber als Gast in Erinnerung behalten und nicht als „den Deutschen Touri“, der stur sein Ding durchzieht und sich durch sein Auftreten und Verhalten über alle anderen erhebt.

6 Worte und etwas Englisch, ein Lächeln und das Bewusstsein, dass man für den Urlaub bezahlt, aber nicht die Menschen käuflich erwirbt, sind nicht zu viel verlangt.

Mal schauen, wann wir das nächste Mal unbesorgt wegfahren können. Ans Meer, gerne auch im Winter, wenn kein Tourist außer uns dort sein Unwesen treibt…

Dragon Quest XI S: Echoes of an Elusive Age – Definitive Edition (Xbox Series X)

Auf dieses Spiel habe ich seit der Ankündigung gewartet. DQ11 ist nicht neu, aber neu auf der Xbox (One und Series) und zudem im Game Pass enthalten. Allerdings ist es auch den Preis wert, wenn man es separat kauft.

Vorweg: Ich bin noch nicht komplett durch mit dem Spiel. Derzeit liegt der Ingame-Spielzeittimer bei knapp über 70 Stunden und ich denke, er wird dreistellig sein, wenn ich das Ende erreiche. Ob ich alle Achievements freischalten will, weiß ich noch nicht. Mal sehen.

DQ11 ist ein sehr gut inszeniertes JRPG im Stil von Final Fantasy oder Tales of Vesperia. Wenn man sich anschaut, welchen Weg Final Fantasy mit Teil XV eingeschlagen hat, ist DQ11 sogar eher Final Fantasy als FF XV.

DQ11 spielt in einer offenen Fantasy-Welt, die man mit fortschreitender Story immer weitläufiger erkunden kann. Es gibt etliche Sidequests, genug Sammelkram aber vor allem eine genial inszenierte Story. Man kann mehr als ausreichend an Speicherpunkten Halt machen, die Gegner leveln nicht mit – wie bei JRPGs üblich – was allerdings gegen Ende etwas Arbeit bedeutet. Kämpfe laufen rundenbasiert ab, eine Besonderheit in der heutigen Zeit, die krampfhaft auf Action gemünzt ist, warum auch immer… Es lassen sich jederzeit an Speicherpunkten die Skillpunkte neu anordnen, somit ist man nicht an einmal eingeschlagene Wege bei der Charakterentwicklung gebunden.

Man kann – und sollte – sich seine eigene Ausrüstung schmieden, kann sein Team frei zusammenstellen, auch innerhalb eines Kampfes, und ich hatte nie das Gefühl, irgendwas wäre unfair oder gezielt dazu da, um die Spielzeit künstlich in die Länge zu ziehen.

Das Grinden hält sich in Grenzen und findet im Grunde erst im letzten Viertel des Spiels statt. Ich bin bis dahin mit relativ wenigen Kämpfen ausgekommen und vielen sogar bewusst aus dem Weg gegangen – was dank sichtbarer Gegner kein großes Problem darstellt. Probleme mit Bossen hatte ich keine, nur einmal wäre ich fast gestorben – aber durch eigene Dummheit (und Hand).

Man kann alle Gruppenmitglieder selbst im Kampf steuern oder auch jeden bzw. nur bestimmte Charaktere automatisch agieren lassen. Auch das funktioniert ganz gut und am Anfang auch bei Bossgegnern. Wer will, kann DQ11 auch in 2D spielen. Es existiert sogar eine Storyline, die ausschließlich in 2D gespielt wird. Das muss man sich heute auch erstmal trauen.

Das Spiel an sich bietet also von den Mechaniken her kaum bis kein Frustpotenzial. Selbst Neulinge des Genres finden sich schnell ein und kommen in den Genuss der wahren Stärke von Dragon Quest XI: der Story!

Wie gesagt: ich bin noch nicht ganz durch. Ich werde hier nicht spoilern, aber das erste Ende ist nicht das Ende. Das zweite auch nicht. Oder doch? Ein bisschen? Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist klassisch: das Böse will alles Leben vernichten. Aber DQ11 schafft es, dieses simple Setting wunderbar aufzupeppen. Man freundet sich mit den Gruppenmitgliedern geradezu an, erfährt jede Menge Hintergrundinfos über sie und die gesamte Spielwelt und stellt seine Entscheidungen bzw. die des „Helden“ infrage. Man lacht und leidet mit, etwas, das Final Fantasy nach Teil X nicht mehr wirklich geschafft hat.

Von dieser Art Rollenspiel hätte ich gerne mehr. Kein banales Action-Gekloppe um des Kloppens willen und um über die dürftige Handlung hinwegzutäuschen, sondern eine genial erzählte Story ohne künstliche Längen mit einem angenehm entschleunigten Kampfsystem, das über erlern- und freischaltbare Zauber und Fähigkeiten genug Tiefgang bietet, ohne dabei zu kompliziert zu werden.

Was mir nicht so gefallen hat, war der Grafikstil. Der ist einfach nicht meins, aber ich hab mich dran gewöhnt. Der zweite negative Aspekt ist die deutsche Übersetzung. Das Spiel ist mit deutschen Texten und englischer Sprachausgabe spielbar, was das Spiel verständlicher macht (manche Stimmen haben schon einen sehr deutlichen Akzent), aber auch für einige Fragezeichen sorgt. Die Übersetzung ist eigentlich gut, aber warum kamen die Leute auf die Idee, Eigennamen umzuschreiben? Warum macht man aus einem Ort namens „Hotto“ (heiße Quellen, Vulkanland) das Dorf „Onzen“? Warum heißt „Gemma“ im Deutschen „Sandra“? Warum wurde aus „Jasper“ ein „Euklas“ oder aus „Temple of Dawn“ der „Tempel der Sonne“?

Abgesehen davon habe ich bisher wenig zu meckern. Das Inventorymanagement könnte etwas komfortabler sein und ich finde es schade, dass nur bestimmte Ausrüstungsgegenstände das Aussehen der Gruppenmitglieder ändern, aber das alles ist unwichtig und tut dem Spielspaß keinen Abbruch.

Auf der Xbox Series X|S kommt man zudem noch dank AutoHDR in den Genuss von HDR-Effekten, was den ohnehin schon wunderschönen Bildern in dieser Welt noch zusätzliche Brillanz verleiht. Quick Resume sorgt dann noch dafür, dass man auch mitten im Kampf oder in einem Dungeon die Konsole ausschalten und dann am nächsten Tag an derselben Stelle weitermachen kann, ohne erst wieder zu einem Speicherpunkt zurücklaufen zu müssen.

Ich hoffe sehr, dass demnächst noch mehr Spiele dieser Art erscheinen. Spiele sollen Spaß machen und einen unterhalten. Story ist – zumindest für mich – mit der wichtigste Aspekt bei einem Rollenspiel oder Adventure und DQ11 macht hier so ziemlich alles richtig. Danke, SquareEnix!

Ausdrücklich

Einzigste – realisieren – ich erinnere das – Expresso – Mitgliederinnen – Eiron Män – Stehgreif – Gesetzte – zumindestens

Stellen sich euch bei diesen Sprachverbrechen auch die Nackenhaare auf? Mir jedenfalls schon. Diese Begriffe tauchen immer öfter auf, gerade weil das geschriebene Wort durch Twitter, WhatsApp, Facebook und allgemein durch die immense schriftliche Kommunikation von vielen Menschen genutzt wird. Wo gehobelt wird, da fallen Späne.

Ich möchte nicht so weit gehen und sagen, dass das Intelligenz- und Bildungsniveau großflächig sinkt. Einige Studien deuten zwar darauf hin, doch fehlen langfristige Daten für eine stichhaltige Prognose. Meiner Meinung nach interessiert es die Leute nur nicht, was sie da von sich geben bzw. muss der Empfänger eben dafür sorgen, dass er diese Wortunfälle richtig interpretiert.

Ein Merkmal unserer Zeit: Die Anderen tragen die Verantwortung, die eigenen Fehler geradezubiegen. Eigenes Fehlverhalten ist höchstens ein Grund, Rücksicht und Toleranz zu fordern. Für die Korrektur sind „Die Anderen“ zuständig. Das gilt in so ziemlich allen Bereichen und sorgt für ein bequemes Leben, denn man kann machen was man will – „Die Anderen“ haben das zu akzeptieren. Tun sie dies nicht, wird geshitstormt was das Zeug hält 🤷🏼‍♂️

Als Aspi bin ich noch eine Stufe empfindlicher. Ich drücke mich nach Möglichkeit präzise aus, was oft in Erklärungen und zig Beispielen ausartet, die dafür sorgen sollen, dass ja keine Missverständnisse aufkommen. Ich mag auch Metaphern, weil man so komplexe Sachverhalte einfach vermitteln kann. Auch verringere ich dadurch die möglichen Interpretationen, die nicht immer im Sinne des Gesagten sind.

Wenn ich mich kurz fasse, gibts nichts zu interpretieren. Wenn ich Dinge ausführe, möchte ich zeigen, welche Gedankenarbeit dahintersteckt und wie meine Aussagen interpretiert werden können (oder eben nicht).

Eigentlich ganz einfach und praktisch. Wenn ein Aspi etwas sagt, kann man sich drauf verlassen, dass er genau das meint, was er von sich gibt. Keine Stolperfallen, keine Hintertürchen, kein „Damit meint er bestimmt XYZ“.

Mir kommt es manchmal so vor, als würde heute niemand mehr irgendwem trauen. An jeder Ecke lauert Verrat, also muss (!) hinter jeder Aussage eine tiefere – und stets negative – Bedeutung zu finden sein. Vielleicht ist das so, aber für mich kann ich sagen: Wenn ich einen farbigen Transmann aus Tunesien als „Vollidiot“ bezeichne, meine ich das so. Er ist für mich ein Vollidiot, weil er für mich ein Vollidiot ist und nicht, weil er Tunesier, Moslem, Trans oder farbig ist.

Für manche ist das schwer zu begreifen, möchte man doch die Welt möglichst kompliziert sehen (und machen), damit sie zum eigenen Chaos im Hirn passt. Dabei funktioniert die Welt samt Menschheit nach einfachsten Grundsätzen und das seit hunderttausenden von Jahren.

Die Welt ist nicht kompliziert, aber viele Menschen machen sie kompliziert. Und genau diese Menschen sind es, die sich nicht darum kümmern, wie sie sich selbst ausdrücken. Vielleicht ist das aber auch notwendig in einer Welt, die gefühlt immer egoistischer wird. Man schaue sich nur die überall wie Unkraut aus dem Boden schließenden Aktivisten für alles mögliche an.

Es gibt einfache Regeln, die die Kommunikation erleichtern. Rechtschreibung und Grammatik helfen enorm dabei, anderen mitzuteilen was man denkt, fühlt, möchte. Ich bin nicht perfekt, Deutsch war nie mein Lieblingsfach und auch in diesem Beitrag wird es einige Fehler geben. Jedoch freue ich mich, wenn mich jemand darauf hinweist. Ich korrigiere meine Fehler und versuche, aus ihnen zu lernen, statt von anderen zu verlangen, dass sie meine Unzulänglichkeiten gefälligst tolerieren müssen und die Klappe halten sollen.

Selbstkritisches Verhalten ist uncool. Es ist ein Zeichen von Schwäche, so scheint es. Das mag in einer Hackordnung, in der „Die Anderen“ grundsätzlich Feinde sind, stimmen, doch diese Denkweise ist Gift für jede Form des Zusammenlebens.

Die oben genannten Beispiele sind nur Fragmente, die jeder irgendwo schon gesehen haben dürfte. Für mich hat das korrekte Ausdrücken bzw. allein der Versuch viel mit Respekt zu tun. Ich werfen meinem Gegenüber nicht einfach meine unverdauten Worte vor die Füße und verlange dann, dass er sie gefälligst korrekt interpretiert. Schafft er das nicht, ist er natürlich selbst Schuld. Und selbstverständlich muss dann noch Rücksicht und Toleranz gefordert werden. Wer sich an die Regeln hält, ist schwach und muss dominiert werden. Wie im Tierreich 🤷🏼‍♂️

Es heißt „EINZIGE“. Davon gibt es keine Steigerung. Oder kennt jemand ein „BESTESTES“?

„REALISIEREN“ bedeutet „VERWIRKLICHEN“. Man kann Worte nicht immer 1:1 aus anderen Sprachen übernehmen. Wahrscheinlich bestellen die „Realisierer“ auch mit „I‘d like to become a steak“ im USA-Urlaub.

„ICH ERINNERE DAS“ … hier frage ich mich, wer das verbrochen hat. Übernommen aus dem Englischen „I remember this“, fällt diese Verunstaltung in die gleiche Kategorie wie das Steak. „ICH ERINNERE MICH AN DAS“ ist ja auch viel zu lang.

Ist ein „EXPRESSO“ ein sehr schnell durchgelaufener „ESPRESSO“, erfunden weil man immer weniger Zeit hat? 🤔

„MITGLIEDERINNEN“ wurde wahrscheinlich deswegen von Anne Will gegendert, weil „MITGLIED“ eindeutig männlich ist. Der Artikel „Das“ interessiert nicht, es ist ja ein „Glied“ enthalten und der Plural lautet „MITGLIEDER“, wo das „er“ am Ende ebenfalls eindeutig männlich ist. Von diesem Gendergeschwurbel findet man aktuell viele abenteurliche Konstruktionen – eine bescheuerter als die andere.

„IRON MAN“ wird so gut wie immer falsch ausgesprochen. Also das „IRON“ jedenfalls. Wahrscheinlich sprechen die Leute „FIRE“ auch „Feire“ statt korrekt „Feier“ aus. Und wer kennt nicht das Lied „EIRON LIKE A LIRON IN ZION“? 🤦🏼‍♂️

Was bitte ist ein „STEHGREIF“? Ist das ein nicht sitzender Greif? Oder wird es nicht doch klarer, wenn man richtigerweise vom Steg-Reif spricht? Phonetik ist nicht immer ein Freund. Ab und an kann man sogar Google benutzen, wenn man sich nicht sicher ist. Hab ich gehört.

Unsere „GESETZTE“ sind viel zu lasch! Also.. müsste das nicht „Unsere Gesetzten sind…“ heißen? Und wer sind diese Gesetzten? Ist die Autokorrektur der Übeltäter? Kann man einmal eingefügte Wörter nicht mehr korrigieren? Ich bin der Ansicht, dass man dagegen einige „GESETZE“ erlassen sollte. Faulheit ist ja noch nicht strafbar.

„ZUMINDESTENS“. Entweder „MINDESTENS“ oder „ZUMINDEST“. Wortroulette spielen führt nur dazu, dass man von vielen Leuten nicht ernst genommen wird.

Ich persönlich würde niemanden auch nur zu einem Vorstellungsgespräch einladen, der solche oder ähnliche Sprachverbrechen begeht. Vielleicht ändert sich das aber auch irgendwann, wenn die einzigsten Mitgliederinnen, die zumindestens etwas aus dem Stehgreif entscheiden können, Personalverantwortung tragen und Leute einstellen dürfen. Ich bezweifle allerdings, dass diese Personen in solche Positionen vordringen können, egal was sie erinnern oder wie viele Expressis sie trinken. Vielleicht realisieren sie dann zumindestens, dass das Problem nicht bei denen liegt, die auf Fehler hinweisen…