Yakuza 0 (Xbox Series X)

Wie ich in der Monatsübersicht Januar 2021 geschrieben habe, ist Yakuza 0, zusammen mit den (Remaster) Teilen 1-5 via Game Pass nun auch auf der Xbox erhältlich. Vor zig Jahren hatte ich Yakuza mal auf der PS3 gespielt, aber recht schnell das Handtuch geworfen. Prügelspiele waren noch nie meins und damals hatte ich noch einen anderen Fokus.

Jetzt habe ich mich wieder drauf eingelassen, gerade weil ich das Spiel nicht kaufen musste. Was also gabs zu verlieren?

Um die Geschichte von Yakuza im Idealfall – sollte mir das Spiel gefallen – komplett erleben zu können, habe ich also mit Yakuza 0 angefangen. Ich muss sagen: ich habe es nicht bereut! Im Gegenteil. Das Spiel macht mir persönlich mehr Spaß als GTA 4 oder 5.

Es gibt so unglaublich viel zu entdecken, es existiert keine (heute immer mehr übliche) Political Correctness, es gibt viel zu lachen, etliche WTF-Momente, jede Menge abgedrehten Kram und schön erzählte Substories (Nebenaufgaben), die teils sogar fesselnder sind als die eigentliche Hauptstory.

Kein Bezahlkram (das kommt erst mit den späteren Teilen), kein nerviger Multiplayer, der das Einzelspielererlebnis zum Beiwerk macht und vor allem: es wird nichts geschönt.

In Yakuza 0 erlebt man die Vorgeschichte von Kiryu Kazuma und Majima Goro. Alle 2 Kapitel wechselt man den Protagonisten und die Handlungsstränge laufen im letzten Drittel zusammen. Die eigentliche Story mutet simpel an, wie ich im Januar-Summary geschrieben hatte, doch nach und nach entfaltet sich die Tiefe der Geschichte rund um Ehre (scheinbare und echte), Verrat, Macht, Geld, Freundschaft und Gewalt.

Man wehrt sich gegen Ungerechtigkeiten, verprügelt Punks, Biker und andere Verbrecher – obwohl man eigentlich selbst ein Krimineller ist. Oder doch nicht? Schwarzweißdenken gibts hier nicht. Gutes und Böses ist nicht immer klar definiert und genau das macht auch den Reiz aus oder zumindest einen großen Teil davon.

Yakuza 0 spielt mit Vorurteilen, behält dabei aber dennoch stets die moralische Oberhand. Wer Prügel kassiert, hat’s meistens auch verdient, zumindest in dem Moment. Ob korrupter Cop oder Nachtklubbesitzer, Immobilienhai oder Yakuza-Boss – niemand ist so, wie es auf den ersten Blick scheint, doch alle unterwerfen sich dem Dogma des Spiels: verhalte dich asozial und du bezahlst dafür.

Ich finds großartig! Es macht Spaß, Idioten, Diebe, Mobber, Schläger und Großmäuler zu verdreschen. Die Actioneinlagen spielen sich auch für mich angenehm und wenn der Baseballschläger die Hackfresse eines Obdachlosen-Verprüglers zerschmettert oder man dem Typ, der irgendwelche Lügen verbreitet, die Nase an der nächsten Hauswand ins Gesicht drückt, kommt wirklich Freude auf. Nichtmal wegen der Gewalt an sich, sondern weil mal das Gefühl hat, das Richtige zu tun.

Es gibt auch etliche traurige Momente, etwa wenn die angelehnte Bewerberin für einen Bürojob ihren Frust an einem streunenden Hund auslässt und dann die Schuld auf den Spieler schiebt, weil man sie abgelehnt hat. Oder beim Vater, der seine Tochter sucht, die er seit 15 Jahren nicht mehr gesehen hat.

Das „volle Programm“, die gesamte Tiefe von Yakuza 0, erlebt man allerdings nur, wenn man auch und gerade die Substories spielt und sich nicht nur auf die Hauptstory beschränkt. Einen Großteil meiner Spielzeit habe ich damit verbracht, ein Nachtklubimperium aufzubauen. Und ein Immobiliengeschäft ebenfalls.

Trotz der immer ernsthafter werdenden, wendungsreichen Geschichte rund um ein Grundstück, das irgendwie jeder haben möchte (und noch etwas mehr, aber ich werde ich nicht Spoilern), nimmt sich Yakuza 0 nie richtig ernst. Übertriebene Darstellungen bei den Schlägereien, abgedrehte Waffen (schonmal jemanden mit einem Nunchako aus gefrorenen Sardinen verdroschen? Oder mit nem Motorrad? Laserschwert? Visitenkarten?) und liebenswerte Charaktere aller Couleur – irre, stur, lieb, ekelhaft, asozial, verschlagen, ehrenhaft, verräterisch, …

Mein Highlight war und ist Majima Goro (übrigens ist Majima der Nachname, vorangestellt wie im Japanischen üblich). Ich mag den „Mad Dog of Shimano“, auch wenn er zu Anfang noch nicht „mad“ ist, eher das Gegenteil.

Auch etliche Nebencharaktere bleiben mir in Erinnerung. Sei es dir Transe, die sich das Vergnügungsviertel unter den Nagel reißen will und einem ständig damit droht, einen zu küssen oder den nur in einer Unterhose rumrennenden „Mr Libido“, der stets auf der Suche nach neuen Masturbationsvorlagen ist. Natürlich darf auch der Kerl nicht fehlen, der ganz stolz auf sein Mobiltelefon ist. Oder der Radiomoderator, der die erlebten und erledigten Substories im Radio vorliest.

Yakuza 0 spielt übrigens in den späten 1980ern und es geizt nicht mit Anspielungen auf diese Zeit. Miracle Johnson, der Michael Jackson nachempfunden wurde, ist da nur ein Beispiel.

Dazu kommen noch jede Menge Kleinigkeiten zum Zeitvertreib, die zum stimmigen Gesamtbild beitragen. Man kann sich in Bars betrinken, Dart und Billard spielen, Bowlen gehen, mit Pocket Cars auf Carrera-Bahnen Rennen fahren, in der Spielhalle alte Sega-Spiele spielen (ich wusste, ich würde die Outrun-Skills vom Amiga nochmal brauchen!), Greifer-Automaten ausnehmen, Karaoke singen, in der Disco tanzen, im Telefonklub Mädels daten oder einfach im Restaurant was essen und danach zum Catfight zu gehen.

Nicht selten ergeben sich daraus neue Geschichten, ebenso wie Achievements und Vorteile im Spiel selbst. Gerade die Nachtklub- und Immobilien-Stories bringen jede Menge Geld ein, das man nicht nur braucht, wenn man irgendwelche Agenten in die entlegensten Winkel der Welt schickt, um neue Ausrüstung zu finden, sondern welches auch dazu dient, die eigenen Fähigkeiten auszubauen. Geld ist Macht und gleichzeitig XP. Und wenn mans auf die Straße wirft, hält es einem die Deppen vom Hals.

Außerdem gibt es erstaunlich wenig Frustmomente. Ok, Karaoke und Disco kann nervig sein, aber selbst an den Stellen, an denen man das spielen „muss“, ist ein Verlieren nicht tragisch. Bosskämpfe kann man im Fall einer Niederlage umgehend wieder versuchen und bekommt sogar Tips, wie man gewinnen kann. Allerdings empfand ich keinen Boss als wirklich schwierig. Außer der erste, aber da war auch alles komplett neu für mich. Tip: man kann auch mitten im Kampf aufs Inventar zugreifen. Hätte ich gerne früher gewusst. Egal.

Ich hoffe ernsthaft, dass Yakuza Kiwami (das Remake des ersten Teils), welches ich nach Yakuza 0 spielen werde, ähnlich gut ist.

Die Sprachausgabe ist auf Japanisch beschränkt, Untertitel gibts in Englisch (allerdings recht grausig, aber verständlich). Grafisch ist’s kein Highlight, aber es muss sich auch nicht verstecken. Gerade in den Nacht-Kapiteln kommt der Auto-HDR-Effekt der Xbox Series X sehr gut zur Geltung. Quick Resume funktioniert ebenfalls tadellos, so dass man auch mal mitten in einer langen Zwischensequenz (und davon gibts einige!) die Konsole ausschalten und später weiterspielen kann, ohne abzuwarten und dann ein Telefon (zählen als Speicherpunkte) suchen zu müssen.

Wer mit Spielen wie GTA was anfangen kann und wen das Thema Yakuza und Japan interessiert, kann meiner Meinung nach bedenkenlos zugreifen, auch wenn man mit Spielen wie Tekken nicht warm wird. Mehr davon bitte!

Hier noch ein paar Eindrücke vom Spiel:

Dragon Quest XI S: Echoes of an Elusive Age – Definitive Edition (Xbox Series X)

Auf dieses Spiel habe ich seit der Ankündigung gewartet. DQ11 ist nicht neu, aber neu auf der Xbox (One und Series) und zudem im Game Pass enthalten. Allerdings ist es auch den Preis wert, wenn man es separat kauft.

Vorweg: Ich bin noch nicht komplett durch mit dem Spiel. Derzeit liegt der Ingame-Spielzeittimer bei knapp über 70 Stunden und ich denke, er wird dreistellig sein, wenn ich das Ende erreiche. Ob ich alle Achievements freischalten will, weiß ich noch nicht. Mal sehen.

DQ11 ist ein sehr gut inszeniertes JRPG im Stil von Final Fantasy oder Tales of Vesperia. Wenn man sich anschaut, welchen Weg Final Fantasy mit Teil XV eingeschlagen hat, ist DQ11 sogar eher Final Fantasy als FF XV.

DQ11 spielt in einer offenen Fantasy-Welt, die man mit fortschreitender Story immer weitläufiger erkunden kann. Es gibt etliche Sidequests, genug Sammelkram aber vor allem eine genial inszenierte Story. Man kann mehr als ausreichend an Speicherpunkten Halt machen, die Gegner leveln nicht mit – wie bei JRPGs üblich – was allerdings gegen Ende etwas Arbeit bedeutet. Kämpfe laufen rundenbasiert ab, eine Besonderheit in der heutigen Zeit, die krampfhaft auf Action gemünzt ist, warum auch immer… Es lassen sich jederzeit an Speicherpunkten die Skillpunkte neu anordnen, somit ist man nicht an einmal eingeschlagene Wege bei der Charakterentwicklung gebunden.

Man kann – und sollte – sich seine eigene Ausrüstung schmieden, kann sein Team frei zusammenstellen, auch innerhalb eines Kampfes, und ich hatte nie das Gefühl, irgendwas wäre unfair oder gezielt dazu da, um die Spielzeit künstlich in die Länge zu ziehen.

Das Grinden hält sich in Grenzen und findet im Grunde erst im letzten Viertel des Spiels statt. Ich bin bis dahin mit relativ wenigen Kämpfen ausgekommen und vielen sogar bewusst aus dem Weg gegangen – was dank sichtbarer Gegner kein großes Problem darstellt. Probleme mit Bossen hatte ich keine, nur einmal wäre ich fast gestorben – aber durch eigene Dummheit (und Hand).

Man kann alle Gruppenmitglieder selbst im Kampf steuern oder auch jeden bzw. nur bestimmte Charaktere automatisch agieren lassen. Auch das funktioniert ganz gut und am Anfang auch bei Bossgegnern. Wer will, kann DQ11 auch in 2D spielen. Es existiert sogar eine Storyline, die ausschließlich in 2D gespielt wird. Das muss man sich heute auch erstmal trauen.

Das Spiel an sich bietet also von den Mechaniken her kaum bis kein Frustpotenzial. Selbst Neulinge des Genres finden sich schnell ein und kommen in den Genuss der wahren Stärke von Dragon Quest XI: der Story!

Wie gesagt: ich bin noch nicht ganz durch. Ich werde hier nicht spoilern, aber das erste Ende ist nicht das Ende. Das zweite auch nicht. Oder doch? Ein bisschen? Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist klassisch: das Böse will alles Leben vernichten. Aber DQ11 schafft es, dieses simple Setting wunderbar aufzupeppen. Man freundet sich mit den Gruppenmitgliedern geradezu an, erfährt jede Menge Hintergrundinfos über sie und die gesamte Spielwelt und stellt seine Entscheidungen bzw. die des „Helden“ infrage. Man lacht und leidet mit, etwas, das Final Fantasy nach Teil X nicht mehr wirklich geschafft hat.

Von dieser Art Rollenspiel hätte ich gerne mehr. Kein banales Action-Gekloppe um des Kloppens willen und um über die dürftige Handlung hinwegzutäuschen, sondern eine genial erzählte Story ohne künstliche Längen mit einem angenehm entschleunigten Kampfsystem, das über erlern- und freischaltbare Zauber und Fähigkeiten genug Tiefgang bietet, ohne dabei zu kompliziert zu werden.

Was mir nicht so gefallen hat, war der Grafikstil. Der ist einfach nicht meins, aber ich hab mich dran gewöhnt. Der zweite negative Aspekt ist die deutsche Übersetzung. Das Spiel ist mit deutschen Texten und englischer Sprachausgabe spielbar, was das Spiel verständlicher macht (manche Stimmen haben schon einen sehr deutlichen Akzent), aber auch für einige Fragezeichen sorgt. Die Übersetzung ist eigentlich gut, aber warum kamen die Leute auf die Idee, Eigennamen umzuschreiben? Warum macht man aus einem Ort namens „Hotto“ (heiße Quellen, Vulkanland) das Dorf „Onzen“? Warum heißt „Gemma“ im Deutschen „Sandra“? Warum wurde aus „Jasper“ ein „Euklas“ oder aus „Temple of Dawn“ der „Tempel der Sonne“?

Abgesehen davon habe ich bisher wenig zu meckern. Das Inventorymanagement könnte etwas komfortabler sein und ich finde es schade, dass nur bestimmte Ausrüstungsgegenstände das Aussehen der Gruppenmitglieder ändern, aber das alles ist unwichtig und tut dem Spielspaß keinen Abbruch.

Auf der Xbox Series X|S kommt man zudem noch dank AutoHDR in den Genuss von HDR-Effekten, was den ohnehin schon wunderschönen Bildern in dieser Welt noch zusätzliche Brillanz verleiht. Quick Resume sorgt dann noch dafür, dass man auch mitten im Kampf oder in einem Dungeon die Konsole ausschalten und dann am nächsten Tag an derselben Stelle weitermachen kann, ohne erst wieder zu einem Speicherpunkt zurücklaufen zu müssen.

Ich hoffe sehr, dass demnächst noch mehr Spiele dieser Art erscheinen. Spiele sollen Spaß machen und einen unterhalten. Story ist – zumindest für mich – mit der wichtigste Aspekt bei einem Rollenspiel oder Adventure und DQ11 macht hier so ziemlich alles richtig. Danke, SquareEnix!