Jahresrückblick 2020

Ich kann mich dem Jahresrückblick von Dieter Nuhr nur anschließen und selbigen (fast) uneingeschränkt empfehlen.

Einige Punkte, über die sich Dieter Nuhr auslässt, sehe ich persönlich etwas anders, aber die Richtung passt. Auf angenehme und souveräne Art und Weise zeigt er auf, was uns dieses Jahr beschäftigt hat und hält dem ganzen Spökes rund um Genederidiot*inn:en, Trumpinatoren, Covidioten, Nazis, Linke, Islamisten und Umweltaktivisten den Spiegel vor.

Die dieses Jahr schon extrem grassierende „Ich will aber“-Haltung – alternativ auch die „Ihr müsst gefälligst“- oder „Ich will nicht“-Mentalität – zieht sich durch alle Monate und man bekam den Eindruck, dass jede kleine verzogene Göre nur laut genug plärren musste, damit sie ihren Willen bekam.

Es wird für Freiheit, Umwelt und Menschenrechte gekämpft wie niemals zuvor – nur leider bei uns und nicht dort, wo wirklich Frauen unterdrückt, Schwule und Lesben ermordet, die Umwelt unwiederbringlich zerstört oder Andersdenkende in Lager gesteckt werden. Ist ja auch verständlich. Hier hockt man sich ins Baumhaus oder empört sich auf Twitter; in den Problemländern wird man für sowas direkt erschossen. Da will man nicht „Aktivist“ sein, man ist ja schließlich nicht dumm.

Nuhr zeigt auch schön auf, wo wir bei Corona versagt haben und welche Denkfehler manch Querdenker aufweist. Dabei lässt er keine „Seite“ als „richtig“ dastehen sondern sorgt stets dafür, dass man sich als Mensch mit einem IQ jenseits der 100 verstanden fühlt, sofern man noch etwas gesunden Menschenverstand besitzt und nicht vom infantilen „Ich will aber“-Virus kontrolliert wird.

2020 hat sehr gut aufgezeigt, woran es in unserer Gesellschaft krankt: am Verständnis füreinander. Paradox, denn nie zuvor wurde mehr Verständnis gefordert. Leider fehlt es an lösungsorientiertem Denken und Handeln – es ist eben einfacher nur zu fordern und die anderen machen zu lassen. Man selbst muss nichts tun. Wenn man nur laut und lange genug schreit, bekommt man was man will. So hat man das von Mama und Papa gelernt 🤷🏼‍♂️

Probleme gibts da allerdings nur, wenn man diesen Gestörten nachgibt… was leider oft geschieht. Dann ist für den Moment Ruhe, bis den Nimmersatten der nächste Pups querhängt. Kleiner Finger, ganze Hand und so.

Keine Toleranz für Intolerante jeglicher Couleur. Ganz einfach eigentlich.

Der Jahresrückblick von Dieter Nuhr ist kein Comedyprogramm, wie manch „Journalist“ in irgendwelchen Käseblättern verlauten lässt. Er ist Kabarett und ich bin fast der Meinung, an manchen Stellen den großartigen Volker Pispers herauszuhören. Mich hat er positiv gestimmt zurückgelassen. Ich konnte an vielen Stellen zustimmen und der Zuschauer bekommt hier eine relativierende Sicht auf Probleme, die zwar groß, aber eben nicht unlösbar sind, geboten.

Ich wünsche Dieter Nuhr alles Gute für das kommende Jahr und hoffe, dass er uns noch lange erhalten bleibt, damit jeder von uns ab und an mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird.

2020 ist fast vorbei. 2021 kann eigentlich nur besser werden – wenn wir endlich aufhören, kleine Grüppchen zu bilden, die ihr eigenes Süppchen kochen und nur auf ihrem Standpunkt verharren wollen. Wer was ändern will, muss anpacken – da wo wirkliche Probleme vorhanden sind und nicht da, wo man alle Annehmlichkeiten einer westlichen Industrienation genießt. Aluhüte, Genderkasper, Religionsspinner, Nazis, Antifanten, Baumhauspunks – niemand von denen löst Probleme, aber jeder einzelne schafft welche und fordert, dass sich alle nach den eigenen Forderungen richten.

Dass wir das erkennen konnten, war etwas Gutes dieses Jahr. Eine Chance, es nun besser zu machen. Der Mensch ist lernfähig, manchmal dauert es eben ein wenig.

Ich wünsche euch allen einen – trotz Beschränkungen und eventuell wirtschaftlicher und sozialer Not – schönen Jahreswechsel und ein gesundes neues Jahr. Nutzt die letzten Tage von 2020 und besinnt euch auf das was wirklich zählt. Schaltet Social Media einfach mal ab, macht’s euch gemütlich und schaut Ted Lasso. Geht mit dem Hund raus in den Wald, spielt Monopoly mit den Kindern, kuschelt mit dem Partner, ruft die Großeltern an und lasst euch die Laune nicht verderben!

Apple TV+ und Ted Lasso

Ich war skeptisch – wie immer. Auch weil ich Apple TV+ nie als Streamingdienst in Erwägung gezogen habe. Es gab kaum was, was mich dort interessiert hat und mit Disney+, Amazon, TV Now und Netflix waren wir mit allem versorgt, was man so (nicht) braucht.

Nun ist es aber so, dass Apple TV+ für ein Jahr kostenlos angeboten wird, wenn man sich ein neues Apple-Gerät zulegt. Das war auch schon zu iPhone 11-Zeiten der Fall, doch erst kürzlich haben wir dieses Angebot wahrgenommen, nachdem wir Netflix gekündigt hatten.

Für mich gibts auf Apple TV+ nur 2 Serien, die sich lohnen. Das ist zum einen die Neuauflage von Amazing Stories und zum anderen eben Ted Lasso, wobei man sagen muss, dass alle Eigenproduktionen von Apple sehr hochwertig gemacht sind – nur treffen sie eben nicht meinen Geschmack.

Meine Frau mag noch The Morning Show, was mit wiederum nicht so zusagt, das aber nur am Rande.

Mythic Quest: Raven‘s Banquet habe ich mir für 5 Folgen angetan in der Hoffnung, dass es irgendwann bessernder wenigstens lustig wird. Aber es blieb langweilig, stereotyp und naja… eben nicht gut.

See mit Jason Momoa fand ich vom Setting her interessant, aber der Funke wollte nicht überspringen. Auch weil nicht klar ist, worum genau es im weiteren Verlauf der Serie gehen soll. Mir war recht schnell egal, wie es weitergeht, also gab es keinen Grund, die Serie weiter zu schauen.

(c) www.apple.com

Bei Ted Lasso allerdings waren meine Frau und ich uns schnell einig: das wollen wir sehen! Eine Comedy-Serie über einen amerikanischen Football-Coach, der eine Premiere-League-Fußballmannschaft in Großbritannien trainieren soll. Obwohl Fußball für mich so ziemlich das Langweiligste ist, das man sich anschauen kann und mich das Thema so gar nicht interessiert, finde ich die Serie super.

Ich muss aber auch eine Warnung aussprechen: Ted Lasso versorgt den Zuschauer mit positiver Energie und guter Laune. Ungefragt – und in Massen! Es ist fast schon schmerzhaft. Der Kerl ist das Ideal eines Optimisten und im Laufe der Serie steckt er jeden Menschen in seinem Umfeld damit an. Dabei wird er nie kitschig oder albern. Ganz ehrlich: die Welt braucht mehr Serien dieser Art. Dass die Serie schon Tage nach dem Start der ersten Staffel verlängert und mittlerweile eine dritte Staffel bestellt wurde, freut mich sehr.

Dafür hat sich das kostenlose Jahr Apple TV+ auf jeden Fall gelohnt. Wer also noch die Möglichkeit hat, dieses Angebot wahrzunehmen und mal was Lustiges und Positives zu sehen, ohne dauernd der Moralkeule ausweichen zu müssen, macht nichts falsch mit Ted Lasso. Schade ist nur die geringe Anzahl an Episoden pro Staffel, doch das ist ja eine Unsitte, die mit den Eigenproduktionen von Netflix und Amazon Einzug in die Serienwelt gehalten hat. Heute muss man froh sein, wenn man pro Staffel mehr als 8 Folgen zu sehen bekommt… aber das ist ein anderes Thema.