Kurztrip mit Hund: Erpeler Ley

Diesen Kurztrip haben wir bereits 2019 unternommen und diesen Text hatte ich bereits in einem meiner früheren Blogs veröffentlicht. Ich dachte mir aber, dass es doch ab und an mal ganz schön ist, sich daran zu erinnern, dass nicht alles grau, trist und eingeschränkt sein muss.


Warum muss man eigentlich immer so weit weg, um schöne Fleckchen Erde zu sehen, etwas Ruhe zu genießen und zu entspannen?

Muss man nicht! Reisen mit Hund kann auch schnell gehen und trotzdem schön sein. Hier im Westen gibt es so viele schöne Ecken, die auch noch nicht so sehr überlaufen sind, dass man gar nicht in die Ferne schweifen oder Urlaub nehmen muss. Ein Tagesausflug in der Region eben.

Und das sollte es diesmal auch für uns werden: Ruhe, ein schöner Ausblick und in unter einer Stunde zu erreichen. Ich habe mir einige Orte, die diesen Kriterien entsprechen herausgesucht und wir haben von dieser Liste nun die „Erpeler Ley“ abgehakt.

Ich war bis jetzt noch nie dort, habe mich also komplett überraschen lassen. Die Fahrt von Köln aus war schnell erledigt. Ab in Richtung Königswinter, dann auf die B42 und Richtung Erpel. Ab da ist „Erpeler Ley“ ausgeschildert. Es geht eine zeitlang bergauf – auf relativ schmalen Straßen, wo man mit größeren Autos schonmal rangieren muss. Gerade Radfahrer übersieht man bei den Haarnadelkurven schnell, also aufgepasst.

Oben angekommen findet man ausreichend Parkplätze, einen kleinen Rundweg mit wunderbarem Blick über den Rhein samt zahlreicher Sitzmöglichkeiten. Auch ein Cafè lädt zum Verweilen ein (Gaststätte Bergesruh), ebenso wie ein gut markierter Wanderweg, der in den angrenzenden Wald führt. Wer mag, kann auch Liebesschlösser am Geländer anbringen 🙂

Hier kommen oft Leute her, die eher die Ruhe suchen und die Aussicht genießen wollen. Hunde sind hier ebenfalls willkommen, sollten aber gerade im Wald an der Leine gehalten werden. Früher gab es einen Spielplatz, von dem nur noch ein Sandkasten übrig ist. Schade für Kinder, aber der Ruhe zuträglich. Es lassen sich auch Festivitäten abhalten, was in der Kulisse sicherlich doppelt Spaß macht.

Gerade die geschwungenen, fast schon ergonomisch geformten Liegebänke (für zwei) laden dazu ein, sich hinzulegen und die Ruhe zu genießen. Ich wollte gar nicht mehr aufstehen, allerdings war meine Frau der Meinung, dass wir doch auch wandern wollten. Nunja…

Lange Rede, kurzer Sinn: Schika hat der Kurztrip gefallen, Herrchen und Frauchen auch. Ein entspannter Tag am Rhein mit der geliebten Fellnase ohne jeglichen Stress in unmittelbarer Nähe zu unserem Zuhause – was will man mehr? Eine wunderbare Einstimmung auf den anstehenden Urlaub, über den ich selbstverständlich ebenfalls berichten werde.

Hier noch die Anschrift, wenn ihr Lust bekommen habt:

Erpeler Ley – Erpeler Ley Plateau – 53579 Erpel

Urlaubsverhalten

Fahrt ihr auch gerne weg? Mal raus aus dem Alltagstrott? Weg aus dem Bekannten, hin ins Neue, Fremde, Aufregende? Oder geht’s eher in die Bettenburgen, zu den großen Anlagen oder in Ferienparks, wo man schön unter sich bleibt und das schöne Wetter genießt?

Urlaub in dem Sinne kannte ich bis vor ein paar Jahren gar nicht. Wofür auch? Um in irgendeinem Land am Pool oder Strand rumzuliegen, bis der Tag der Abreise kommt oder jeden Abend im Restaurant zu essen und ansonsten eine Woche mit teuren Ausflügen oder im Hotelzimmer zu warten, bis man wieder nach Hause kann? Nee. Das alles kann ich auch haben, ohne erst wegfahren oder -fliegen zu müssen. Zum Schlafen und Nichtstun muss ich kein Geld ausgeben.

Das änderte sich erst, als ich etwas älter wurde. Ich bin immer noch kein Freund von „2 Wochen All-inclusive in Side für 159€!!!!“ oder „Unvergessliche Kreuzfahrt im westlichen Mittelmeer für nur 1299€ in der Innenkabine!!!!“. Ich mag sowas einfach nicht. Wie ich immer sage: Wenn für etwas Werbung gemacht wird, ist es unsinnig. Und mein Urlaub soll nicht unsinnig sein.

Ich möchte nicht abgefertigt werden, durchgeschoben in endlosen Schlangen, vorgekarrt mit Bussen durch irgendwelche Ruinen, die man gefälligst in 20 Minuten allumfassend erkunden muss. Mit Bändchen am Arm zur Bar schlurfen und billigen Alkohol in sich hinein schüttend auf das Ende des Tages warten, um sich dann früh genug eine Liege zu reservieren und der Erste am Büffet zu sein, damit man noch was vom wässrigen Rührei abbekommt.

Horror!

Ich bin gerne Tourist, ja. Aber ich wehre mich dagegen, ein typischer Tourist zu sein!

Pauschalurlaube fallen also flach. Mit Hund ist das alles sowieso nochmal was anderes. Wie zuletzt „mal eben“ in den Flieger hüpfen und Schweden mit dem Mietwagen erkunden – das geht nicht mehr so leicht. Ich hab’s hier noch nicht erzählt, aber dieser Urlaub war – neben Island – einer der schönsten Trips, die ich erleben durfte. 6 Wochen später trat allerdings Schika in unser Leben. Und dann noch Corona… naja. Urlaub im Sinne von „wegfahren“ ist somit eh erstmal gegessen.

Aber schon vor Schika habe ich – haben wir – lieber individuell gebucht. Klar ist das mehr Aufwand, aber wir sind auch flexibel. Wir können genau das buchen, was wir brauchen und wollen, sind an keinen Anbieter gebunden, müssen nicht Teil einer Herde sein, die dem Mann oder der Frau mit dem Fähnchen durch historische Stätten folgt, müssen nicht an Tag X zu Uhrzeit Y an Ort Z sein, um den Bus zu erwischen. Wir können alles in unserem Tempo erkunden – und genau darum geht es uns.

Wir sind Touristen, die wissen wollen, wie das jeweilige Land, die Leute, das dortige Umfeld „tickt“. Wir wollen die anderen Kulturen und Lebensweisen entdecken, mitmachen, erleben und nicht eine Fassade vorgesetzt bekommen, die doch nur darauf abzielt, einem noch mehr Kohle aus der Tasche zu ziehen. Potemkinsche Dörfer, die beim kleinsten Blick abseits der Vorgabe umfallen, keiner Frage standhalten. Künstlich aufgehübschten Orten, die nur toll aussehen sollen – oder eben so, wie der Tourist es erwartet.

Deswegen fahren wir mit dem Auto, auch wenn’s mal ein paar Stunden dauert. Ob in die Alpen (oh, das muss ich auch noch schreiben, da waren wir mit Schika) oder an unser Lieblingsziel Zeeland. Ob nach Prag, Südfrankreich oder einfach nur mal in die Eifel. Hauptsache NICHT in ein typisches Touristenziel und wenn doch, dann nicht in der Hauptsaison und auf keinen Fall in ein Hotel oder ähnliches. Nach Möglichkeit suchen wir uns private Unterkünfte, schon alleine wegen Schika. Wir versorgen uns selbst, gehen im örtlichen Supermarkt einkaufen, reden (entgegen meiner sonstigen Prämisse des Schweigens) mit den Einheimischen und genießen „das Andere“.

Als ich das erste Mal vor über 15 Jahren in Schweden war, habe ich das auch so gemacht. Es war mein erster „echter“ Urlaub. 3 Tage. Aber ich war eben noch nie da oben und Ryanair bot billig Flüge an. Warum also nicht? Im Supermarkt in Nyköping traf ich am Kühlregal eine deutsche Auswanderin, die dort seit 12 Jahren als Deutschlehrerin arbeitete. Ich kam mit ihr ins Gespräch und beschloss spontan, ihr Angebot anzunehmen, mich durch das Städtchen zu führen. Sie erzählte mir viel über die Geschichte der Stadt, über Schweden, die Beziehungen zu Dänemark und Norwegen. Es war interessant und informativer, als jede Tour, die man für teures Geld buchen kann.

Was ich gar nicht leiden kann sind Leute, die sich im Urlaub wie die Axt im Walde, fast schon wie Tiere verhalten in meinen Augen. Ganz ehrlich: auch wenn ich für Unterkunft, Verpflegung, Urlaub zahle, bin ich dadurch nicht Gott, nichts besseres als die Gastgeber. Wenn ich Gast bin, verhalte ich mich auch wie ein Gast und nicht wie jemand, dem alles gefälligst zusteht und wo der Gastgeber zu kuschen hat, wenn er schon so doof ist und uns einlädt. Der Gastgeber kann ja nix außer mich zu bespaßen, sonst würde er das nicht machen. Also soll er gefälligst für meine Unterhaltung sorgen! TANZ, SKLAVE!

Widerlich.

Wie damals in Irland, County Kerry, Killarney – ebenfalls vor Schika, noch vor dem ersten eigenen Hund sogar. Ein nettes Guesthouse am Stadtrand bei einer sehr netten irischen Familie, die sehr um das Wohl der Gäste bemüht waren. Großzügige Zimmer, liebevoll eingerichtet, nette Menschen, hilfsbereit und kein bisschen aufdringlich. Dort war noch eine andere Familie untergebracht, die ich umgehend als Deutsche identifiziert habe. Es war kaum zu übersehen. Nein, das ist falsch. Es war nicht zu überhören. Als Tourist fällt man optisch immer irgendwie auf, aber die Sprache verrät uns dann endgültig und unmissverständlich.

Beim Frühstück wurde gemäkelt (mache ich auch, wenn’s wirklich schlecht ist, aber ich sage das den Gastgebern direkt und ruhig), man machte sich über die „komische Sprache“ (irisch) lustig und über das „Gehopse“ in einer der Riverdance-Shows, die dort an allen Ecken gezeigt werden. Natürlich war es eine Frechheit, dass man „keinen anständigen Kaffee“ bekam! 5 Tage Gemecker dergestalt, dass die Iren zu blöd zu allem sind und wie geil man doch selbst ist.

Ich habe mir ab da so viel Mühe gegeben, dass ich möglichst niemals als deutscher Tourist im Ausland enttarnt werde. Ich möchte nicht mit solchen Leuten in einen Topf geworfen werden!

Auch im Disneyland Paris habe ich deutsche Touristen 10 Meilen gegen den Wind „gerochen“ und das meiner Frau auch gesagt. Möglichst Abstand halten, bloß nichts ins Gespräch kommen mit denen. Aber „die“ waren sowieso damit beschäftigt, sich mit dem Kinderwagen überall vorzudrängeln und konsequent Anweisungen auf Deutsch zu plärren. Mitten in Frankreich. Aber als Tourist ist das scheinbar ok. Nur in Deutschland soll man gefälligst Deutsch reden, ne?

In den Niederlanden, wo wir sehr gerne Urlaub machen, abseits von Ferienparks oder Hotelanlagen und außerhalb von Saison und Partyzeit, geht’s etwas besser. Doch auch dort trifft man immer wieder Leute, die es als selbstverständlich ansehen, dass die Menschen, die dort leben, sie beherbergen und verpflegen und auf das deutsche Geld „angewiesen“ sind, auch ja alles zu deren Zufriedenheit zu erledigen haben. Natürlich wird erwartet – noch nichtmal verlangt, sondern erwartet! – dass alle Niederländer deutsch sprechen. Gefälligst! Eine Frechheit ist das, wenn das mal nicht so ist!

Da wird auf Deutsch bestellt, geschimpft, gefragt und der arme Einheimische versucht zu erklären, dass er nichts versteht. Egal, der lebt von mir, der hat dann eben zu lernen. Immerhin bin ich Gast und als Gast muss ich GAR NICHTS! Nur die anderen müssen! Jetzt! Sofort! SEI MIR ZU DIENSTEN, UNTERMENSCH!

Man kann doch wenigstens versuchen, Englisch zu lernen. Nicht viel, aber doch ein bisschen. Es ist nicht schwer, es kostet nichts. Es hilft aber ungemein. Es hilft dabei, sich verständlich zu machen und nicht als arroganter Ausländer aufzutreten. Man kann sich mal in die Gastgeber hineinversetzen, nett sein, Rücksicht nehmen – auch und gerade als Gast! Man kann nicht nur verlangen und erwarten, sondern auch mal was dafür tun, dass der Aufenthalt angenehm wird. Wald, Echo und so.

Ich versuche vor jedem Auslandsaufenthalt (dazu zähle ich übrigens auch Bayern ;-D) zumindest die Grundlagen der jeweiligen Sprache zu lernen, damit ich verstehe, was auf den Schildern oder auf Speisekarten oder im Supermarkt so steht, wie man etwas ausspricht, wenn ich ansonsten auf Englisch kommuniziere. Ich gehe niemals (!) davon aus, dass mein Gegenüber automatisch Deutsch spricht. Warum auch? Kann ein Japaner, Schwede, Franzose, Spanier, Russe erwarten, dass Deutsche in Touristengebieten die jeweilige Sprache sprechen? Warum sollte das umgekehrt so sein?

Ich sehe es als Zeichen von Respekt, wenn man zumindest „Hallo“, „Tschüss“, „Ja“, „Nein“, „Bitte“ und „Danke“ in der jeweiligen Landessprache beherrscht. Das ist doch nicht viel, was man da machen muss. 6 Worte sollte sich jeder merken können und sie können einen sehr großen Unterschied machen. Ich möchte das jeweilige Zielland erleben – und ich möchte, dass mich die Gastgeber als Gast in Erinnerung behalten und nicht als „den Deutschen Touri“, der stur sein Ding durchzieht und sich durch sein Auftreten und Verhalten über alle anderen erhebt.

6 Worte und etwas Englisch, ein Lächeln und das Bewusstsein, dass man für den Urlaub bezahlt, aber nicht die Menschen käuflich erwirbt, sind nicht zu viel verlangt.

Mal schauen, wann wir das nächste Mal unbesorgt wegfahren können. Ans Meer, gerne auch im Winter, wenn kein Tourist außer uns dort sein Unwesen treibt…